Kronstädter Persönlichkeiten

Bedeutende Vertreter der Siebenbürger Sachsen, die in Kronstadt und Umgebung gelebt und gewirkt haben oder hier ihre Wurzeln haben

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Übersicht der Persönlichkeiten

Adler, Leopold

Foto: Fotogeschichtliches Archiv Konrad Klein

Fotograf, * Nusle bei Prag 12.7.1848, † Kronstadt 8.5.1924. Nach Kronstadt Anfang der siebziger Jahre zugewanderter Sohn eines jüdischen Fabrikanten. 1873 als Gehilfe im Atelier von Carl Bömches bezeugt. Eigenes Atelier von 1875 bis 1900. 1900 übernehmen seine Mitarbeiter Josef Schuller sen. und jun. das Atelier, das sich ab Ende 1909 wieder unter Leitung von A. befindet. 1911 geht das Geschäft an A.s Bruder Alfred Adler sen. (geb. um 1855 in Prag) über. A. beherrschte souverän die damals gängigen Genres: Porträt und gründerzeitliches Atelier-Arrangement, Landschaft, Architektur, Trachten- und Volkstypenstudien (bis hin zu Aufnahmen in authentischen Zigeunerlagern), Ereignisfotografie. Einer der führenden sb. Atelierfotografen für Kronstadt, insb. wegen seiner meisterhaften Ansichten der Stadt und vieler Burzenländer Gemeinden. Bedeutende Bestände mit seinen Fotos befinden sich im Kupferstichkabinett der Akademiebibliothek in Bukarest, im Kronstädter Staatsarchiv und im Geschichtsmuseum Hermannstadt. Außer Alfred waren noch zwei Brüder A.s  - Moritz und Aladár - in Sb. als Lichtbildner tätig. (LSS-KK)
Bildveröffentlichungen (Auswahl): Kronstadt-Panorama vom Schlossberg (mit Originalfotos, 7-teilig), Krst um 1882; E. Jekelius: Das Burzenland, insb. Bd. III/1 und IV/1, Krst. 1928 f.; H. Zillich: Kronstadt, Innsbruck 1982 (Reprintausgabe mit 26 – nichtsignierten – Blättern nach Adler-Fotos).
Literatur. K. Klein: Foto-Ethnologen. Theodor Glatz und die frühe ethnografische Fotografie in Sb., in: Fotogeschichte, Heft 103/2007; K. Hochstuhl: Die Kronstädter Meisterfotografen L.A. und Oskar Netoliczka. Fotografischer Nachlass zu Kronstadt und Siebenbürgen im Staatsarchiv Freiburg, in: NKZ, 28..3.2013; E. Bădescu: L.A., fotograful existenţei româneşti din Ardeal, in: Astra, Heft 1-4/2014.


Albrich, Johannes

Arzt und Historiker, * Kronstadt 1.9.1687, † ebd. 23.12.1749. Gymn. in Kronstadt, Medizinstudium ab September 1706 in Halle und Leiden, Promotion zum Dr. med. am 23.12.1709 mit der Dissertation „de Haemorrhagia in genere“ in Utrecht, Rückkehr nach Kronstadt 1711, Ernennung zum Stadtphysikus 1715. Im Dez. 1717 brach die Pest in Kronstadt aus. Da die meisten Magistratsbeamten auf das Land flüchteten, wurde ein Direktorium unter dem Vorsitz des Senators Michael Fronius (1675-1728) ernannt, dem A. als Mitglied angehörte. Es war die schwerste Pestepidemie, die Kronstadt und das Burzenland jemals heimgesucht hat. Von 1717 bis 1719 starben in der Inneren Stadt 4094 Personen, in den Vorstädten 2784, in Kronstadt und dem Burzenland zusammen 18.088 Personen. A. wurde 1729 zum Senator ernannt. Am 25.6.1740 wurde er unter dem Beinamen Chrysippus III. Mitglied der Dt. Akademie der Naturforscher Leopoldina. Er verfasste Observationes de peste Barcensi in Transylvania annorum 1718 et 1719, praesertim Coronae saeviter grassatae. Er sammelte und ordnete die Privilegien seiner Vaterstadt in einem 338 Seiten starken Manuskript unter dem Titel Palladium Coronense, das sich gegenwärtig im Kronstädter Staatsarchiv befindet. (LSS-AH)

Antoni, Erhard

Erhard Antoni (Foto: Ortwin Weiß)

Volkskundler und Kunsthistoriker, * Broos 26.6.1898, † Großschenk 11.10.1985. Von 1929 bis 1933 am Burzenländer sächsischen Museum in Kronstadt, dessen volkskundliche Abteilung er gründete und einrichtete. Sein Hauptinteresse galt der Großschenker Kirche, den Baudenkmälern der umliegenden Dörfer, der Deutung verschiedener Altäre und der Zisterzienserbauhütte. A. war zeit seines Lebens nicht nur theoretischer Wissenschaftler, sondern stets auch Weitergeber, Wiederbeleber und Anreger von Volkskunst. (LSS-RA)
Werke (Auswahl): Die Großschenker Kirchenburg. Kunstgeschichtliche Darstellung ihrer Architektur, Plastik und Malerei, Buk. 1982; Der Johanniskronenbrauch, in: FzVL, Bd. 12, Nr. 2, Buk. 1969, S. 82-91.
Literatur. K. Bertalan: Dr. E.A. zum Gedenken, in: ZfSL, 10. (81.) Jg., Heft 1, Köln/Wien 1987, S. 116-118; R. Sutter: E.A. 80 Jahre, in: SOV, 27. Jg., Folge 2, München 1978, S.136-138; D. Drotleff: Öffentliche Ehrung blieb bisher noch aus. Vor 25 Jahren starb der Volkskundler und Kunsthistoriker Dr. E.A., in: KR, 14.10.2010; L. Pelger: „Der kaiserliche Reuter von der Bildhauerprofession ist … desertieret“. Wie der Großschenker Altar samt Madonna vor fast 300 Jahren eingeweiht wurde [über die historische Novelle „Das Thomasbild“ von E.A.], in: SbZ, 15.9.2014.

Bakfark, Valentin

siehe Greff Bakfark

 

 

Bergel, Erich

Heinrich Schunn: Erich Bergel (Kohle, 1958)

Dirigent und Musikwissenschaftler, * Rosenau (b. Kronstadt) 1.6.1930, † 3.5.1998 Ruhpolding (Deutschland), studierte 1950 bis 1955 Dirigieren (bei A. Ciolan), Orgel (bei K. Mild) und Komposition an der Staatlichen Hochschule für Musik Klausenburg. Seine erfolgreiche Dirigentenlaufbahn begann er als Chefdirigent der Staatlichen Philharmonien in Großwardein und Klausenburg und führte sie in Gastdirigaten in Bukarest und als Generalmusikdirektor in Herford weiter. Sie erreichte 1971 einen Höhepunkt in den von H. v. Karajan initiierten Konzerten mit den Berliner Philharmonikern unter B.s Stabführung. In der Folge dirigierte B. mit wachsendem internationalen Prestige alle Eliteorchester in Europa, Nord- und Südamerika, Israel, Japan und Südafrika, wobei das Hauptgewicht seiner Tätigkeit in Wien, Frankreich, England und den USA lag. Eine längere Zusammenarbeit verband ihn als ständigen Gastdirigenten mit den Symphonieorchestern in Houston, Brüssel und Straßburg sowie als Chefdirigent mit dem BBC Wales Symphony Orchestra. 1974 bis 1980 leitete er den Orchesterkurs und das Symphonieorchester beim Internationalen Jugend-Festspieltreffen in Bayreuth. Ab 1979 war er o. Prof. für Orchesterleitung und –erziehung an der Hochschule der Künste in Berlin, daneben seit 1989 Chefdirigent auf Lebenszeit der Budapester Philharmoniker. B. beherrschte ein umfassendes und vielseitiges Repertoire, dessen Angelpunkte die symphonische Musik von Beethoven, Brahms  und Bruckner sowie die Oratorien und Messen von Bach, Händel und Mozart waren. In den letzten Jahren seines Lebens trat er als Bach-Forscher hervor: Er schrieb zwei Bücher über die „Kunst der Fuge“ von J.S. Bach, in denen er zum ersten Mal die These von der thematischen Bipolarität als der geistigen Grundlage dieses Werkes aufstellte und dessen zyklisches, organisch-einheitliches Gesamtkonzept und seine Ordnungsprinzipien zwingend begründete. In seiner Ergänzung der unvollendet überlieferten Schlussfuge erbrachte B. den Beweis, dass eine Fertigstellung durch Nachvollzug der von Bach selbst in den vorangehenden Teilen vorgegebenen Form-, Struktur- und Harmoniegesetze ohne eigenes Hinzukomponieren möglich ist. (LSS-KT, DFDKK)
Schriften: Johann Sebastian Bach. Die Kunst der Fuge, Bonn 1980; Bachs letzte Fuge, die „ Kunst der Fuge“ - ein zyklisches Werk, Bonn 1985.

Bergel, Hans

Hans Bergel (Foto: Konrad, Klein, 1999)

Bruder von Erich B., Schriftsteller und Journalist, * Rosenau (b. Kronstadt) 26.7.1925, lebt in Gröbenzell (b. München). Studium der Kunstgeschichte und Philosophie in Bukarest und Klausenburg, das er aus polit. Gründen nicht abschließen konnte; dreimal verurteilt, 1947, 1954 und 1959, im „Deutschen Schriftstellerprozess“ zu 15 Jahren Haft, 1964 entlassen; 1968 Aussiedlung in die BRD, von 1970 bis 1989 Redakteur der Siebenbürgischen Zeitung; seit 1989 freischaffender Schriftsteller und Publizist, Mitherausgeber der Südostdeutschen Vierteljahresblätter, Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks.
Bereits Ende der fünfziger Jahre lenkte B. in Rum. sowohl durch seine literarische Begabung als auch durch die polit. Unbotmäßigkeit seiner ersten Bücher die Aufmerksamkeit auf seine Person. Die durch das hist. Gewand verdeckte polit. Absicht der Novelle Fürst und Lautenschläger („Ich bin keine Hure und meine Kunst erst recht nicht“) trug dem Autor langjährige Haft ein. Die nach der Übersiedlung verfassten literarischen Werke B.s gestalten sb. und weltweit angesiedelte Stoffe (…und Weihnacht ist überall). Eine vorwiegend an Kleist, aber auch an anderen bedeutenden Epikern des 19. und 20. Jh.s geschulte Prosa kennzeichnet B.s Gestaltungsweise, die vor allem durch kraftvolle Sprachgebung, suggestive Landschaftsvisionen und die Darstellung von Menschenschicksalen in Grenzsituationen beeindruckt. Der Roman Tanz in Ketten, schildert die Praktiken totalitären kommunistischen Terrors und berichtet anschaulich und packend über die extrem harten, an die Grenzen des Ertragbaren reichenden, das normale Verständnisvermögen übersteigenden Haftbedingungen. In seinen kunst- und politikverbundenen Essays wirbt B. für die „kontrapunktische Komplexität Europas“, als kämpferisch-kritischer Journalist und Redner sieht er im Motiv der Freiheit die Grundlage menschlicher Würde. B. setzte sich nachdrücklich für die Belange seiner Landsleute ein (Redakteur der Sb. Zeitung, die er zum Instrument des polit. Kampfes machte) und äußerte sich in der Öffentlichkeit engagiert und furchtlos gegen Verletzungen der Menschenrechte im kommunistischen Rum. Für seine literarische und polit. Tätigkeit erhielt B. mehrere Auszeichnungen (u.a. Dehio-Preis 1972; Bundesverdienstkreuz 1987; Kulturpreis der Sb.S. 1988; Medien-Preis 1982, 1989; Gryphius-Preis 1990; Ehrenbürger von Kronstadt 1996; Dr. h.c. der Universität Bukarest 2000; Kultureller Verdienstorden Rumäniens im Offiziersrang 2009; Ehrenbürger von Rosenau 2012). (LSS-StS, DFDKK)
Werke (Auswahl): Fürst und Lautenschläger, Buk. 1956; Die Straße der Verwegenen. Erzählungen. Buk. 1957; Die Abenteuer des Japps, Buk. 1958; Die Rennfüchse, Roman, München 1969; Im Feuerkreis, Erzählungen, Innsbruck 1972; Würfelspiele des Lebens. Vier Porträts bedeutender Siebenbürger, München 1972; Der Tanz in Ketten, Roman, Innsbruck 1977; Siebenbürgen, Bilder einer europ. Landschaft, Innsbruck 1980 (engl. 1982); Gestalten und Gewalten. Südöstl. Bilder und Begegnungen. Essays, Aufsätze, Vorträge, Innsbruck 1982; Der Tod des Hirten, Innsbruck 1985; Das Venusherz, München 1987; …und Weihnacht ist überall, München 1988; Das Motiv der Freiheit, München 1988; Zuwendung und Beunruhigung. Anmerkungen eines Unbequemen. 32 Essays und ein Gespräch. Thaur b. Innsbruck 1994; Erkundungen und Erkennungen. Notizen eines Neugierigen. Fünfundzwanzig Essays, München 1995; Wenn die Adler kommen, Roman, München 1996; Im Spiegellicht des Horizonts. Gedichte und Nachdichtungen. München 1996; Gesichter einer Landschaft. Südosteuropäische Porträts aus Literatur, Kunst, Politik und Sport, München 1999; Die Wiederkehr der Wölfe, Roman, München 2006; Erich Bergel. Ein Musikerleben. Persönliche Notizen zur Biographie. Kludenbach 2006; Wegkreuzungen. Dreizehn Lebensbilder, Bamberg 2009; Die Wildgans. Geschichten aus Siebenbürgen. München 2011; Am Vorabend des Taifuns. Geschichten aus einem abenteuerlichen Leben, Berlin 2011; Wir setzen das Gespräch fort… Briefwechsel eines Juden aus der Bukowina [M. Winkler] mit einem Deutschen aus Siebenbürgen, Berlin 2012; Der schwarze Tänzer. Ausgewählte Gedichte, Berlin 2012; Verlorener Horizont. Fünfzig Gedichte aus dem Rumänischen. Übersetzt und herausgegeben von H.B., Berlin 2012; Das Spiel und das Chaos. Essays und Vorträge. Berlin 2013; Von Palmen, Wüsten und Basaren. Reisenotizen aus Israel. Berlin 2013.
Literatur. E. Martschini: H.B. - Minderheitendasein, Schriftstellerexistenz und politische Systeme. Eine Untersuchung zu Leben und Werk. Buk. 2005; G. Guţu (Hg.): „… dass ich in der Welt zu Hause bin“. H.B.s Werk in sekundärliterarischem Querschnitt. Buk. 2009; R. Rădulescu: Europäertum eines Inseldaseins. Identitäts- und Alteritätsbewusstsein im Werk H.B.s. Buk. 2009; R. Windisch-Middendorf: Der Mann ohne Vaterland. H.B. - Leben und Werk. Berlin 2010; [o.N.]: Was einer schreibt, das ist er. Wie das eine das andere intensiviert, wird im Gespräch mit dem Schriftsteller H.B. Ereignis (Interview), in: KK, 1288, 20.2.2010; E.Sch.: Dr. h.c. H.B. wurde 85. Neueste Monografien würdigen sein Leben und Werk, in: Spiegelungen, Heft 3/2010; D. Roth: Einem Freund. H.B. zum Fünfundachtzigsten, in: NKZ, 8.10.2010; A. Blandiana: Omagiu lui H.B., in: Astra, Heft 3-4/2011; R.C.: Râșnoveanul H.B. a fost declarat cetățean de onoare al Râșnovului, in: Transilvania Expres, 15.10.2012.

Berger, Wilhelm Georg

Komponist und Musikschriftsteller, * Reps 4.12.1929, † Bukarest 8.3.1993. Parallel zum Studium in den Fächern Violine, Viola, Komposition und Musikwissenschaft an der Musikhochschule Bukarest (1948-1952) wirkte B. zugleich als Violinist in der Bukarester Staatlichen Philharmonie (bis 1958) und 1953 bis 1958 in dem von ihm gegründeten Streichquartett des rum. Komponistenverbandes, dessen Sekretär er 1968 wurde. Mehrere internationale Kompositionspreise. Obwohl B. an keiner Institution lehrte, gingen doch durch sein schöpferisches Werk, durch seinen organisatorischen Einsatz und persönlichen Kontakt starke Impulse von ihm auf die junge Komponistengeneration und das Musikleben Rum.s aus. Ausgehend von der Ästhetik Hindemiths und Hartmanns, die klassischen Formelemente bewahrend, schuf B. unter Einbeziehung neuer Techniken, durch „Erneuerung der Tradition“ und aus der rein musikal. Substanz heraus, ein auf Synthese beruhendes eigenständiges Kompositionssystem, das ihm die Möglichkeit gab, sein vorwiegend abstrakt-episch-kontemplatives Musikdenken aussagekräftig zu vermitteln. (LSS-KT)
Kompositionen (Auswahl): 21 Sinfonien (darunter: Nr.10, für Orgel und Orchester ; Nr.11 „Sarmisegetusa“, mit Vokalquartett und gemischtem Chor; Nr. 14 „B.A.C.H.“); Symphonische Variationen; Concerto für Streichorchester; „Meditationen“ für Kammerorchester; „ Ballade“ für Kammerorchester. - Konzerte (mit Orchester) für: Violine (2 Konzerte); Viola (2 Konzerte); Cello, 2 Violinen; Violine und Cello; Violine und Viola; Violine, Cello und Klavier; Flöte; Klarinette. - Oratorium „Stefan Furtuna“ (Text: G. Dan); Symphonisches Drama „Faust“ (nach Goethe 2. Teil) für gemischten Chor, Sprecher, Streicher und Orgel; Kantaten; Chöre. - „Die Jagd“, ein Liederzyklus für Bariton und Klavier (Text: G. Topirceanu); „Sonette von Petrarca“, ein Gesangzyklus für Bariton, Flöte, Horn, Viola, Cello und Klavier. - Kammermusik: 18 Streichquartette; Streichquintett; Klavierquintett; Sonaten für Violine und Klavier; Viola und Klavier; Cello und Klavier; Violine und Viola; Viola und Cello; Flöte, Viola und Cello; Violine solo; Cello solo; Viola solo. -Klavier und Orgelwerke: Sonate (1979), Parabola (1988), Fantasia modalis (1988), Partita (1989), Magnificat (1991). - Weihnachtsmesse und Ostermesse für Sopran, Streichquartett und Orgel; Missa solemnis für gem. Chor, Orchester und Orgel; Sb. s. Requiem für Soli, gem. Chor, gr. Orchester und Orgel (1991). - Veröffentlicht im rum. Musikverlag Bukarest.
Schriften (alle in rum. Sprache, veröffentlicht durch Ed. muz. Buc.): Konzertführer, 6 Bde. (1967-1977); Das Streichquartett von Haydn bis Debussy, 1970; Das Streichquartett von Reger bis Enescu, 1979; Modale Dimensionen, 1979; Die Ästhetik der klassischen Sonate, 1981; Die Ästhetik der romantischen Sonate, 1983; Die Ästhetik der modernen Sonate, 1984; Die Ästhetik der zeitgenössischen Sonate, 1985; Die Ästhetik der Barocksonate, 1985; Die allg. Theorie der Sonate, 1987; Mozart, Kultur und Stil, 1991; Allg. Theorie der klassischen Komposition, Manuskript 1992.

Bickerich, Victor

Chordirigent, Organist, Musikpädagoge, * Lissa (Provinz Posen, heute Leszno/Polen) 23.2.1895, † Kronstadt 18.5.1964. Er studierte ab 1918 an der Akademie für Kirchen- und Schulmusik sowie Orgel bei F. Heitmann in Berlin. 1921 wurde er vom Kronstädter Presbyterium als Nachfolger R. Lassels in das Amt des Organisten, Musikdirektors und Gymnasialmusiklehrers der Evang. Stadtpfarrgemeinde in Kronstadt gewählt. B. baute den seit dem Tode Lassels verwaisten Knabenchor (Schülerkirchenchor, Honterus-Chor) neu auf, unternahm mit ihm auch Auslandstourneen und veranstaltete ab 1923 in der Schwarzen Kirche regelmäßige „Motetten“, seit 1924 Abendmusiken in den Sommermonaten, die in den Nachkriegsjahren durch die sommerlichen Fünfuhrkonzerte ausschließlich mit Orgelmusik ersetzt wurden. Bereits 1924 dirigierte B. in Kronstadt als südosteurop. Erstaufführung die Matthäuspassion von J.S. Bach, ebenso 1931 die Johannespassion. Als Verehrer Bachs gründete er 1933 den Bach-Chor der Schwarzen Kirche, mit dem er die großen Vokalwerke aufführen konnte und 1935 die denkwürdige Bukarester Erstaufführung von Bachs Matthäuspassion und das erste sb. Bach-Fest veranstaltete (1936 Bukarester Erstaufführung der Johannespassion), im Rundfunk auftrat und 1937 auf eine große Dtl.-Tournee ging (Requiem von Mozart). Als Nachfolger von P. Richter übernahm B. 1935 auch die Leitung des Kronstädter Philharmonischen Orchesters. Zugleich unterrichtete er (ab 1928) am Konservatorium ASTRA. 1962 zog er sich aus dem Konzertleben zurück.
B. wurde neben und nach P. Richter zur musikal. Autorität Kronstadts. Universelle humanistische Bildung und seine auf das Geistige konzentrierte Grundhaltung machten ihn zugleich zu einer starken Erzieherpersönlichkeit. Er förderte und prägte - mit Ausstrahlungen in das rum. Altreich – entscheidend das Musikleben seiner Wahlheimat. Die kirchenmusikal. Praxis in Kronstadt erreichte durch ihn ein bis heute nicht übertroffenes künstlerisches Niveau. Als tatkräftiger Förderer der von Stadtpfarrer K. Möckel vertretenen Liturgiegestaltungen im Sinne der Berneuchener Bewegung trat B. für eine musikal. Neuordnung des Gottesdienstes ein. (LSS-KT)

Bömches, Friedrich von

Friedrich von Bömches: Selbstbildnis (Öl/Lw., 1974)

Maler und Zeichner, * Kronstadt 27.12.1916, Ausbildung bei Hans Eder, Fritz Kimm und Hans Mattis-Teutsch. 1938 bis 1945 Militärdienst und „Russlandfeldzug“, 1945 Verschleppung nach Russland, dort Zwangsaufenthalt bis 1950. In den Jahren 1950 bis 1978 entstehen in Kronstadt über 20.000 Bilder und Skizzenblätter, die B. bei seiner Umsiedlung nach Dtl. (1978) dort zurücklässt. In Rum. ist B. in allen größeren Museen vertreten; Werke von ihm befinden sich im Suermondt-Museum Aachen, im Schlossmuseum von Homburg, dem Sb. Museum auf Schloss Horneck/Gundelsheim, im Cantonal Museum von Ohio (USA), in anderen öffentlichen und in zahlreichen Privatsammlungen. – In der Bundesrep. Dtl. erhielt B. zahlreiche Porträtaufträge von Persönlichkeiten der Wissenschaft (H. Oberth, M. Heidegger), des kulturellen Lebens (P. Ludwig), der Industrie (A. Krupp von Bohlen und Halbach, B. Beitz) und der Politik (Ph. Jenninger, H.-D. Genscher. H. Waffenschmidt). In Rum. erhielt B. nach anderen Auszeichnungen den Kulturorden Merit Cultural, die Sb.S. in Dtl. verliehen im 1989 den Sb.-S. Kulturpreis.
Walter Biemel unterscheidet in B.s Schaffen zwei Phasen: eine extravertierte, die von einer visionären –„wir haben nicht mehr die Richtung von außen nach innen, sondern von innen nach außen“ - abgelöst wird. Ein „lyrischer und explosiver Expressionismus“ kennzeichnet beide Phasen. (LSS-WM)
Veröffentlichungen: Zeichnungen, Wiehl 1998.
Literatur. E. Axmann: Von der Skizze zum Bildwerk. Atelierbesuch bei F.B., in: NW, 24.1.1964; H. Anger: Keine stille Augenweide. F.B. stellt im Kronstädter „Arta“-Saal aus, in: KR 14/9.4.1971; H. Bielz: Vibrierende Farben und Linien. Neues aus dem Atelier F.B.‘, in: KR 30/27.7.1973; Dies.: Distanz zwischen Wissen und Können. Besuch in der Werkstatt von F.B. (Interview), in: KR 6/6.2.1974; W. Gottschick: Rastlose Bilderflut. Zur F.-B.-Retrospektive im Victoria-Saal von Braşov, in: NW, 9.3.1974; R. Şorban: F.B., Buk. 1975; H. Bielz: Provoziert den Nachvollzug. F.B. stellte in der BRD erfolgreich aus, in: KR 30/23.7.1976; R. Wittstock: Gehaltvoll und formvollendet. Zur F.-B.-Retrospektive in Braşov, in: NW, 2.4.1977; R. Wittstock-Reich: Einer unserer bedeutendsten Künstler. B.-Retrospektive fand in Bukarest großen Anklang, in: NW, 16.7.1977; H. Lauer: B. im Dalles-Saal. Überraschendes Wiedersehen mit einem Bekanntgeglaubten, in: KR 29/22.7.1977; W. Biemel: Einführung zum Skizzenbuch von F.v.B., 1979; H. Bergel: Laudatio zur Verleihung des Sb.-S. Kulturpreises an F.v.B., Dinkelsbühl 1989 (Manuskript); W. Myss: Kunst in Sb., Thaur bei Innsbruck 1991; G. Schwarz: Gereiftes Alterswerk. Bibliophiler Band mit Zeichnungen von F.v.B. erschienen, in: SbZ, 20.2.1999; E. Axmann: „Hommage à F.v.B.“. Zum 85. Geburtstag des Künstlers: Ausstellung in Wiehl, der drei weitere im Umkreis folgen werden, in: SbZ, 15.1.2002; G. Aescht: In der Unruhe liegt die Kraft. Jubiläumsausstellungen für den siebenbürgischen Maler F.v.B. im Oberbergischen Land, in: SbZ, 30.4.2002 (Übernahme aus KK, auch in: KR 22/1.6.2002); Kunstmuseum Kronstadt: Ausstellungskatalog F.v.B., Krst. 2006.

Coulin, Arthur

Arthur Coulin
Arthur Coulin: Selbstbildnis (1910)

Maler,* Hermannstadt 20.9.1869, † Heidelberg 9.11.1912. „Unbändiger Zeichentrieb“ (C. Dörschlag) in der Jugend führte C. nach dem Abitur zunächst nach Graz und dann für zwei Jahre an die Kunstakademie nach München. Vorbilder: Leibl und Feuerbach; Freundschaft mit Friedrich  Mieß, Fritz Schullerus, Octavian Smigelschi und Robert Wellmann. Ab 1892 in Budapest, dort 1897 Heirat mit der Geigerin Olga, geb. Fogarascher, die Leben und Kunst von C. entscheidend beeinflusst. 1898 Stipendium für die Künstlerkolonie Nagybanya (Neustadt/Baia Mare). 1900 erster Aufenthalt in Rom, enge Verbindung mit Robert Wellmann in den Sabiner Bergen; dann bis 1907 in Kronstadt und Hermannstadt entschiedenes Wirken für heimische Kunstpflege, Mitbegründer des Sebastian-Hann-Vereins und Adolf Meschendörfers Zeitschrift Die Karpathen; im Kronstädter Atelier von Friedrich Mieß Treffpunkt der jüngeren Malergeneration. Mitarbeit an der Ausmalung der orth. Kathedrale in Hermannstadt. Ab Sept. 1908 aufgrund eines Italienpreises des Bischofs Fraknoy endgültige Übersiedlung nach Rom und hier Entfaltung zu künstlerischer Reife, der Krankheit und früher Tod ein Ende setzen. Sie haben „seinem Werk ein letztes Ausreifen … versagt, lassen uns aber sein Schaffen mehr als das seiner Generationsgenossen als gültigen, in sich abgeschlossenen Ausdruck jener ersten, grundlegenden Entwicklungsstufe der neuen sächs. Malerei empfinden“ (H. Krasser). (LSS-AC)
Werke (Auswahl): Die Braut des Malers (1896); Vor dem Samowar (1898); Kinderkopf (1900); Aus Italien, Das Mädchen mit dem Schmetterling (1911, Ung. Nationalgalerie Budapest); Burzenländer Bäuerinnen (1903, Brukenthalgalerie, Hst.); Bildnis Pucheria Smigelschi (1904); Rum. Bäuerin (1905); Die Geigerin Olga Coulin (1908); Selbstbildnis (1910); Beim Herd, ital. Bäuerin (1911, Brukenthalgalerie); Abendmahl, evang. Kirche Henndorf (1911); Im Olivenhain (1911, Brukenthalgalerie).

Croner, Daniel

Daniel Croners Notenschrift (neue deutsche Orgeltabulatur)

 Pfarrer und Dekan des Burzenlandes * Kronstadt 22.3.1656, † Heldsdorf 23.4.1740. Zuerst Gymnasiast in Kronstadt, dann Schüler am “Magdalaneum” (einem berühmten Gymnasium) in Breslau. Danach studierte er von 1681 bis 1683 Theol. in Wittenberg, dort zugleich auch Musik bei dem Stadtkantor und Organisten J. Ulich. Nach einer Erkrankung kehrte er schon 1683 nach Kronstadt zurück, wo er 1691 Prediger an der Kronstädter Johanniskirche und 1693 an der Schwarzen Kirche wurde. Über seinen nächsten Lebensabschnitt als Pfarrer in Heldsdorf (ab 1701) und als Dekan (ab 1735) des Burzenländer Kapitels liegen nur spärliche Angaben vor, die sich auf sein familiäres Schicksal beziehen.

In Croners Handschrift sind zwei Tabulaturbücher (in der sog. neuen dt. Orgeltabulatur) überliefert: eine Sammlung von fremden Werken für Orgel und Cembalo unter dem Titel Tabulatura Fugarum, Praeludiorum, Canzonarum, Tocatarum et Phantasiarum (Breslau 1681, Wittenberg 1682, Kronstadt 1684) und Tabulatura Fugarum et Praeludiorum. Diese zweite Sammlung enthält Stücke, die von Croner verfasst sind und die ersten sb. Dokumente auf dem Gebiet der Orgelmusik darstellen. (LSS-KT, DFDKK)

Ausgaben: D.C., Altsb. Orgelmusik, 3 Hefte, hg. von A. Porfetye (Wiesbaden 1971/72); D.C., Tabulaturae, hg. A. Pernye, Budapest 1987; The Brasov Tablature – hg. von H. Baron, Madison 1984; D.C., Tabulatura Fugarum et Praeludiorum, hg. von St. Schlandt, Timișoara 2007.

Literatur. A. Pernye: Begleittext zu der Schallplatte D.C., Tabulatura, Hungaroton SLPX 11820-21, Budapest 1978; ders.: D.C., Tabulaturae, Budapest 1987; D. Plajer: D.C., in: Karpatenrundschau 44/30.10.1981; A. Niedermaier: D.C. – Der Kronstädter Organist und Komponist, in: Beiträge zur Musikgeschichte der Siebenbürger Sachsen II = Musikgeschichtliche Studien 4b, hg. von K. Teutsch, Kludenbach 1999, S. 30-45; St. Schlandt: D.C. – Preot si compozitor brașovean al sec. al XVII-lea, in: Țara Bârsei, VI. (XVII.) Jg., Krst. 2007.

Csaki-Copony, Grete

Malerin und Zeichnerin, * Zernescht/Zărneşti bei Kronstadt 12.10.1893, † 4.12.1990. Stationen ihrer Studienzeit sind Dresden, Berlin, München (wo sie auch bei Walther Teutsch lernt) und die Budapester Hochschule, die C.-C. wegen ihrer Heirat mit Richard Csaki, dem späteren Direktor des Auslandsinstituts in Stuttgart, nach wenigen Monaten verlässt. Entscheidenden Einfluss auf ihre Entwicklung hatte vor allem die weltoffene Atmosphäre Berlins; seit 1911 hielt sie sich hier regelmäßig einige Wochen oder Monate im Jahr auf und lernte in den Jahren 1927 bis 1932 bei Artur Segal. - 1918 erste Einzelausstellung im Brukenthalmuseum (Hermannstadt). Die allg. Rezeption ist negativ; ihre Bilder, mit denen die klassische Moderne Mitteleuropas in Sb. Einzug hält, werden als „unnatürlich“, „verwirrt“ und „fremdartig“ bezeichnet. Auch auf gesamtdt. Ebene erfährt die Künstlerin eine ihre weitere künstlerische Entfaltung hemmende Abwertung: Ihre Bilder, die sie mit großem Erfolg 1935 in der Galerie Nierendorf in Berlin ausstellt, werden von den Nationalsozialisten als „entartet“ und „bolschewistisch“ abgestempelt. So kommt eine 1936 geplante große Ausstellung in Stuttgart nicht zustande, da die Künstlerin alle Exponate zurückzieht. Ab 1954 verbrachte C.-C. alljährlich einige Monate in ihrem Atelierhaus auf der Insel Ägina. 1962 wurde Berlin ihr ständiger Wohnsitz, wo die Künstlerin bis in die späten achtziger Jahre hinaus in erstaunlicher Frische ihr Alterswerk schuf. 1974 verlieh ihr die Landsmannschaft der Siebenbüger Sachsen in Deutschland den Kulturpreis.

Grete Csaki-Copony: Selbstbildnis als Malerin (1928)

C.-C.s Malkunst hat etwas „Holzschnitthaftes“ an sich. „Sie schnitzt in die Köpfe gleichsam mit dem Pinsel… Eine große Härte der Form bleibt… ist das siebenbürgisch?“ (Günther Ott). Die bis in die zweite Hälfte unseres Jh.s hinein entstandenen Bilder C.-C.s lassen sich dem mitteleuropäischen Expressionismus zuordnen. Doch verraten sie immer auch eine enge Beziehung zur neuen französ. Malerei. Nach 1954, in den Jahren intensiven Schaffens auf der Insel Ägina, treten dann - bes. in den Zeichnungen C.-C.s - mehr und mehr mittelmeerisch-archaische Inspirationsquellen in den Vordergrund. Die Künstlerin hat sie in ähnlicher Weise rezipiert, wie das Jahrzehnte früher schon Picasso tat, doch handelt es sich hier eher um Spontanparallelen, um eine genuine Erneuerung archaischen Formguts, die nicht erst „gebrochen durch das Temperament“ Picassos zustande kam. (LSS-WM)
G. Ott: Kleine Impressionen um eine große Malerin, G.C.-C. zum 70. Geburtstag, in: SZ, 15.11.1963; A.M. Coulin: Laudatio zur Verleihung des Sb.-S. Kulturpreises an G.C.-C., Dinkelsbühl 1974 (unveröffentlicht); K. Mönch: G.C.-C., Ernestine Konnerth-Kroner, Trude Schullerus, Gemäldeausstellung zur 25-Jahr-Feier des AKSL, Heidelberg 1986; W. Myss: Kunst in Sb., Thaur bei Innsbruck 1991; Ingrid von der Dollen: G.C.-C., 1893-1990. Zwischen Siebenbürgen und weltstädt. Kultur. Hermannstadt 2008.

 

 

 

Depner, Margarete

Bildhauerin, Malerin und Zeichnerin, * Kronstadt 22.3.1885, † 2.9.1970. Einzelunterricht bei Ernst Kühlbrandt, der neben Carl Dörschlag, Ludwig Friedrich Schuller und Heinrich Schunn der Reihe herausragender Anreger der neuen sb.-dt. Malerei angehört. In Kronstadt lernt D. bei Friedrich Mieß, Arthur Coulin und Fritz Kimm. Schon in diesen Jahren wendet sie sich der Bildhauerei zu, die mehr und mehr in den Mittelpunkt ihres bis ins hohe Alter hinauf von schöpferischer Arbeit erfüllten Lebens rückt. Studium in Berlin (mehrere Wochen arbeitet D. im Atelier von Joseph Thorak) und in Paris (Atelier Gimond). - Die sb. Kunst verdankt D. die Neubelebung der Plastik, die hier nach der Renaissance und dem Barock bloß noch Werke auf gediegenem regionalem Niveau hervorgebracht hatte. D. schließt an klassisch-konservative (z.T. an klassizistische) Vorbilder an. Ihr sensibles Formgefühl bewährte sich vor allem in Kinderporträts, in Mädchen- und in Frauengestalten (Flötenspielendes Mädchen, „Lotte“, Sich Abwendende, Aufwärtsblickendes Mädchen, Die Trauernde, Die Kauernde, Die Sinkende). Vor der Gigantomanie des Lehrers Thorak bewahrte D. ihr sicherer Spürsinn für klassische Ausgeglichenheit, für Gelöstheit und mädchenhafte Grazie. (LSS-WM)

 

 

Depner, Wilhelm

Depner Wilhelm

Chirurg, * Heldsdorf 24.10.1873, † 30.12.1950. Honterusgymn. Kronstadt, Medizinstudium 1892 bis 1898 in Innsbruck und Wien, Promotion zum Dr. med. in Wien im Februar 1899, darauf zwei Jahre Sekundararzt im Komitatsspital Schäßburg bei Dr. Julius Oberth. Studienurlaube in Berlin zur Vervollkommnung seiner chirurgischen, orthopädischen und urologischen Kenntnisse. 1901 sechs Monate Tätigkeit bei Prof. Anton v. Eiselsberg in Königsberg. Niederlassung in Kronstadt im Juli 1902 als praktischer Arzt; konnte aber seine Fälle auch weiterhin im Schäßburger Spital operieren. Mehrere Studienreisen an die Chirurgische und Frauenklinik von Wien und Berlin. 1912 Eröffnung seines Sanatoriums, einer Privatklinik für Chirurgie, Orthopädie und Gynäkologie. Ab Ende August 1914 Bataillons-Chefarzt des 24. ung. Landsturmregiments an der Front von Galizien. Seit Dez. 1914 Abteilungs-Chefarzt für Chirurgie im k.u.k. Reservespital in Kronstadt. In seinem Sanatorium war vom 12.12.1914 bis 1.3.1919 ein Rot-Kreuz-Spital mit 40 Betten untergebracht. Hier operierte D. vormittags, nachmittags im Militärspital am Burghals. 1927 wurden für die Behandlung der Krebskranken 61 mg Radium angeschafft. 1926 organisierte D. in Kronstadt Hochschulkurse, zu denen Professoren der Kieler Univ. eingeladen wurden, 1929 einen Kurs mit Vertretern der Wiener Med. Fakultät. Obmann des Burzenländer Sächs. Kreisausschusses von Juli 1919 bis Juni 1935. Neuerliche Wahl zum Obmann im Okt. 1936, Abdankung am 15.3.1939. (LSS-AH)

 

Deubel, Friedrich

 Entomologe, * Kronstadt 13.1.1845, † ebd. 9.1.1933. D. erlernte das Fleischerhandwerk und trat 1868 eine eineinhalbjährige Wanderschaft durch ganz Deutschland. an. Zum Selchermeister ausgebildet, gründete er später in Kronstadt eine eigene Salamifabrik. Schon als Schüler von seinem Lehrer Josef Traugott Meschendörfer (1832-1919) zum Sammeln angeregt, führte er aus Gesundheitsgründen viele Exkursionen durch und begann, vom Käferforscher M. V. Hopfgarten/Wien eingeführt, leidenschaftlich Insekten (vor allem Käfer) zu sammeln. Beim Bestimmen halfen ihm vor allem Wiener Fachleute. Durch den Austausch von siebenbürgischen Insekten mit ausländischen Entomologen wurde D. bald in der ganzen Fachwelt bekannt. Mit K. Holthaus in Wien veröffentlichte D. nach 30-jähriger Sammeltätigkeit 1910 die Untersuchungen über die Zoogeographie der Karpathen... D. hat mehrere große Insektensammlungen angelegt und gehört zu den fünf gründenden Mitgliedern des Burzenländer Sächsischen Museums in Kronstadt. Zur Gründung schenkte er diesem Museum 1908 einen Teil seiner Exponate, 1924 auch seine einzigartige Käfer- und Schmetterlingssammlung. Sammelobjekte von D. besitzen auch Museen in Budapest, Wien, Frankfurt/M., Hermannstadt u.a. Er war Mitglied, korrespondierendes Mitglied und Ehrenmitglied mehrerer wissenschaftlicher Vereine und Gesellschaften. Besondere Verdienste hat sich D. um die Erschließung der Burzenländer Gebirge erworben. 41 Gattungen und Arten, davon 31 Käfer, wurden nach ihm benannt. Seine wertvollen Sammlungen aus dem Burzenländer Sächs. Museum (etwa 60 Schaukästen) werden heute im Museum der Kronstädter Forstfakultät aufbewahrt. (LSS-HH)
Werke (Auswahl): K. Holthaus und F. Deubel: Untersuchungen über die Zoogeogr. der Karpathen unter besonderer Berücksichtigung der Coleopteren, in: Abhandlungen der k.k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien, VI, 1910, 1, 126-200; Die Entwicklung des Drilus concolor, in: Verhandl. u. Mitt., Hst., 63, 1913, 1/2, 58 und 64, 1914, 101; Ein neuer Fundort der Saga serrata, Rovartani Lapok, Budapest, 25, 1918); Ergänzungen und Berichtigungen zu Dr. K. Petri Sb.s Käferfauna, in: Jahrb. des Burzenländer Sächs. Museums, Krst., 1, 1925, 67.

Drotleff, Dieter-Walter

Dieter Drotleff

Journalist, Minderheitenpolitiker * Zernest/Zărneşti 21.10.1941. Besuch der rumänischen Grundschule in Zernest und des Honteruslyzeums Krst., der Technischen Eisenbahnschule in Krst., Studium der Geschichte in Buk. (Fernkurs), postuniversitäres Journalistikstudium in Buk. (Fernkurs). D. arbeitete zunächst als Techniker bei der Kronstädter Eisenbahnregionale, wechselte dann ins Pressewesen, ab 1977 hauptamtlich bei der „Karpatenrundschau“, zuständig für das Ressort Heimatkunde, 1989-2007 deren Chefredakteur; als Rentner auf Vertragsbasis weiterhin Mitarbeiter der ADZ/KR. Zahlreiche Veröffentlichungen in deutschen und rumänischen Printmedien im In- und Ausland, regelmäßige Mitarbeit für deutsche Hörfunk-Sendungen (Neumarkt/Tg. Mureş, Bukarest).
Beachtung verdient D.s minderheitenpolitisches und kulturpolitisches Engagement, z.B. als Leiter der deutschen Vortragsreihe der Kronstädter Volkshochschule (1985-1997), als Vorsitzender des Kreisrates Kronstadt der Werktätigen deutscher Nationalität (1985-1989), als erster Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Kreis Kronstadt - DFDKK (1990-1994), als stellvertretender Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen, als Mitglied im Vorstand des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, als stellvertretender Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Kronstadt (2007-2013) usw. In den Jahren 2004-2012 hatte D., im Auftrag des DFDKK, den Status eines ständigen Gastes (ohne Stimmrecht) im Kronstädter Kreisrat, seit 2012 ist er vollwertiges, auf der Liste des Deutschen Forums gewähltes Kreisratsmitglied. (DFDKK)
Buchveröffentlichungen: Taten und Gestalten. Bilder aus der Vergangenheit der Rumäniendeutschen (Hg.). I. Bd., Klbg. 1983. II. Bd., Hst. 2002; Zeugnisse der Geschichte. Mit Historikern im Gespräch. Klbg. 1988.

Dürr, Damasus

Schriftsteller und Theologe, * Brenndorf um 1535, † Kleinpold 1585. Besuchte das Gymn. in Kronstadt und hörte ab 1559 Vorlesungen an der Wittenberger Univ.; nach seiner Rückkehr - vermutlich schon 1560 – war er als Prediger in Hermannstadt tätig. 1568 oder 1569 übersiedelte er nach Kleinpold, wo er bis zu seinem Tode als Geistlicher wirkte. Sein umfangreiches Predigtmanuskript, das erst 1939 teilweise gedruckt wurde, ist die bedeutendste Prosaleistung der Siebenbürger Sachsen in dt. Sprache im Zeitalter des Humanismus und der Reformation. Jenseits ihrer theol. Bedeutung erweisen sich die Predigten D.s als ein sprachkünstlerisches, wirklichkeitserfassendes und -spiegelndes Dokument des 16. Jh.s. Das Bemühen des evang. Geistlichen ging dahin, durch den unmittelbaren Bezug auf die Belange der Gemeinde und den Alltag die Wirkungskraft der christlichen Botschaft zu erhöhen. Um die Allgegenwart des Göttlichen in der Welt unter Beweis zu stellen, werden möglichst viele „ Exempla“ aus dem Alltag und der Geschichte angeführt, sodass aus dem über tausendseitigen Manuskript ein vielschichtiges Bild der damaligen siebenbürgischen Welt entsteht. (LSS-StS)
Hauptwerk: Predigten 1554-1578, hg. vom Unterwälder Kapitel, Mühlbach 1939 ff.

Eder, Hans

Hans Eder: Selbstbildnis mit 70 Jahren (1953)

 Maler und Zeichner, * Kronstadt 19.4.1883. † ebd. 5.11.1955. E. verdankte seinem wohlhabenden Vater langwährende Lernjahre. Stationen seines Studiums und seiner Weiterbildung vor dem Ersten Weltkrieg waren München, Paris, Brügge und Konstantinopel. Nach dem Krieg (1920) blieb der Versuch, mit Frau und Kind zuerst in Salzburg und dann in Berlin eine dauernde Bleibe zu finden, eine Episode – er „wich der Laufbahn in Berlin aus“ (Heinrich Zillich). E. kehrte nach Kronstadt zurück, um dort – nach dem Zweiten Weltkrieg ein Vereinsamter in der einst blühenden dt. „Stadt im Osten“ – bis zu seinem Tode zu bleiben.
Schon E.s frühe Bilder, die er 1910/11 in Brügge malte, geben Auskunft über seinen Werdegang. Impressionistischer und nachimpressionistischer Einfluss sind hier noch deutlich spürbar, die Segelrichtung aber, der E. bis in sein Alter hinauf folgen wird, heißt schon jetzt Expressionismus. Doch ist mit diesen Stilbegriffen nur das Vehikel bestimmt, nicht die Fracht, die es trug. Ergreifende Zeugnisse furchtbarer Erfahrung im Ersten Weltkrieg sind E.s „Kolomea-Bilder“ (Ruinen einer Fabrik, Zerstörte Maschinen, Szene einer Erhängung in Turka), vor allem Zeugnisse auch eines Metanoeite sein Christusbild und ein Abendmahlsgemälde. Hier ist innerliche, im besten Sinne des Wortes monumentale rel. Kunst geschaffen worden; die sb.-s. Kunst der Neuzeit besitzt nichts Gleichartiges. - Auch als Bildnismaler schuf E. Außergewöhnliches. Öfters hervorgehoben wurden die sprechenden, Symbolwert verkörpernden Hände der Porträtierten. Wahlverwandtes Kunstwollen verband E. mit den großen Vorbildern Kokoschka, van Gogh und Cezanne. An letzteren erinnern einige seiner Landschaftsbilder.
Die Stillleben E.s aus seinen letzten Jahren – mit dem „Blick durchs Fenster“- sind erschütternde Bilder eines Entwurzelten in der zum Gefängnis gewordenen Heimat. Fremdes Geschehen drängt sich zwischen das Auge des Künstlers und die baulichen Zeugen der Vergangenheit; das Band, das sie verband, ist zerrissen. – Bilder E.s befinden sich im Brukenthalmuseum von Hermannstadt (z.B. das Bildnis von Fritz Kimm), im Kronstädter Kunstmuseum (z.B. Fischmarkt in Brügge und Brücke in Brügge), im Klausenburger Kunstmuseum und im Privatbesitz. Unveröffentlichte Essays über E. schrieb Oscar Walter Cisek. (LSS-WM)
M. Nadin: Hans Eder, Bukarest 1973 (rum., dt.); H. Zillich: Wirklichkeit und Widerklang, Erinnerungen an den sb. Maler H.E., in: Kulturkorrespondenz, Bonn, 5. April 1983, KK 507/17; R. Wittstock-Reich: Zeugnisse einer starken Künstlerpersönlichkeit, in: Sie prägten unsere Kunst, Cluj-Napoca 1985, S. 208 ff.; H. Schuller: Zum Aufbauen verpflichtet, Eder-Ausstellung im Kunstmuseum, ebd., S. 211 ff.; W. Myss: Kunst in Sb., Thaur bei Innsbruck 1991.


Eichhorn, Albert

Apotheker, Kunsthistoriker, Kunstsammler, Restaurator, * Kronstadt 5.2.1906, † Bukarest, 11.9.1969 (Unfall). Sohn eines Apothekers, studierte nach Besuch des Honterusgymnasiums Pharmazie in Klausenburg (Staatsexamen 1931). Anschließend einjährige Studienreise nach Deutschland, Frankreich, Belgien und Italien. Ab 1932 und bis zu seinem Lebensende als Apotheker in Kronstadt tätig, zunächst in der väterlichen Apotheke in der Brunnengasse (bis zu deren Verstaatlichung 1949 durch die kommunistischen Machthaber).
E.s geistige Interessen galten vordringlich dem siebenbürgisch-sächsischen Gewerbe und Kunstgewerbe wie auch der Geschichte des Kronstädter Apothekerwesens, die er in Vorträgen in der medizingeschichtlichen Abteilung der Kronstädter Medizinischen Gesellschaft beleuchtete. Im Burzenländer sächsischen Museum (1908-1945) war er als ehrenamtlicher Pfleger tätig. E. arbeitete an einer Bestandsaufnahme aller sb.-s. Keramiken und erwarb sich bleibende Verdienste um die Erhaltung der anatolischen Teppiche des 16.-17. Jahrhunderts in der Schwarzen Kirche in Kronstadt und in anderen Kirchen Sb.s. Sein chemisches Wissen verhalf ihm dazu, beschädigte Teppiche fachgerecht zu restaurieren. (DFDKK)
Werke (Auswahl): Von deutschen Zünften in Kronstadt: Die Tuchscherer, in: Mitteilungen des Burzenländer sächs. Museums, 2. Jg. (1937); Von deutschen Zünften in Kronstadt: Die Zinngießer, in: Mitteilungen des Burzenländer sächs. Museums, 3. Jg. (1938), Heft 1-2; Von deutschen Zünften in Kronstadt: Die Fleischer, in: Mitteilungen des Burzenländer sächs. Museums, 3. Jg. (1938), Heft 3-4; Von deutschen Zünften in Kronstadt: Die Töpfer, in: Mitteilungen des Burzenländer sächs. Museums, 4. Jg. (1940); Die Burzenländer Ware, in: FzVL, 1967, Bd. 10/1; Kronstadt und der orientalische Teppich, in: FzVL, 1968, Bd. 11/1; Siebenbürgische Zunftsiegel, in: FzVL, 1969, Bd. 12/2; Ceramica populară săsească, in: Țara Bârsei, hg. von N. Dunăre, Bd. II, Bukarest 1974, S. 223-232.
Literatur. G. Gündisch: Kenner des sb. Kunstgewerbes. A.E. zum Gedächtnis, in: NW, 10.10.1969; A. Prox: A.E., in: SVJB, Heft 1/1972; G. Fabritius: Verdienstvolle deutsche Apotheker aus Siebenbürgen, Drabenderhöhe 1989, S. 253-261.

Fabini, Hermann

Architekt, Denkmalpfleger, Verleger * Kronstadt 8.10.1938, arbeitete nach Abschluss der Architekturhochschule Bukarest als Architekt und Stadtarchitekt in Mediasch, trat dann, als Leiter der Bauabteilung des Landeskonsistoriums, in den Dienst der Evang. Kirche in Rumänien, war zeitweilig Projektleiter bei der Direktion für Denkmalpflege Bukarest; seit 1990 Leiter des Architekturbüros Fabini (Hermannstadt), dem der Monumenta Verlag angeschlossen ist. F. wirkt seit 1968 vornehmlich an der Erhaltung der sb.-s. Kirchenburgen und Stadtpfarrkirchen mit. Von 1971 bis 1988 leitete er die Restaurierung des Alten Rathauses in Hermannstadt. 1991 Europa Nostra Diplom für die Restaurierung der Kirchenburg Birthälm, 1996 Europapreis für Denkmalpflege der Alfred Toepfer Stiftung FSV Hamburg, 2000 Ordinul Naţional pentru Merit în grad de cavaler, 2004 Preis des Kulturministeriums Bukarest für die Restaurierung des Schaser-Luxemburg-Hauses in Hermannstadt. 2000-2004 Mitglied des Senats im Parlament Rumäniens seitens der Nationalliberalen Partei.
Werke: Gotik in Hermannstadt, Dissertation, rum. Fassung (Sibiul gotic), Buk. 1982, dt. Fassung, Köln/Wien 1989; Baugeschichtliche Entwicklung von Alt-Hermannstadt im Spiegel hist. Stadtbilder, Hst. 1983; Kirchenburgen in Sb. (zusammen mit Alida Fabini), Leipzig 1985, Lizenzausgabe Wien/Köln/Graz 1986; Atlas der siebenbürgisch-sächsischen Kirchenburgen und Dorfkirchen, Band 1, Hst./Heidelberg 1998, Band 2, Hst./Heidelberg 1999; Hermannstadt – Porträt einer Stadt in Siebenbürgen (zusammen mit Alida Fabini), Hst./Heidelberg 2000; Das alte Hermannstadt. Veduten und Stadtpläne aus vier Jahrhunderten (zusammen mit Otto Czekelius), Hst. 2007. (LSS, DFDKK)

Fakler, Fred

Hans Eder: Fred Fakler (Ölbild, veröffentlicht in "Die Karpathen", 7. Jg., 19. Heft, 1914)

 Schriftsteller, * Kronstadt 15.12.1877, † ebd. 19.9.1943. Besuchte die Unterrealschule in seiner Geburtsstadt und eine Kadettenschule in Hermannstadt. Wandte sich nach kurzer militärischer Laufbahn zunehmend der Lit. zu. Unterhielt in Wien u.a. Beziehungen zum Kreis um Peter Altenberg. Nachdem er aus der Armee entlassen worden war, hielt er sich in Wien, Berlin, München und Kronstadt auf, wo er mit verschiedenen Gelegenheitsarbeiten seinen Lebensunterhalt bestritt. Teilnahme am Ersten Weltkrieg. Danach Aufenthalt in Bukarest. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er, vergessen und vereinsamt, in Kronstadt. F. gehört zu den bedeutendsten Vertretern der sb.-s. modernen Lit. Sein 1905 in Wien und Leipzig erschienener Roman Das Gespenst, dem er diese Einschätzung verdankt, hätte, wäre er in Sb. rezipiert worden, eine Tradition stiften können, die sich von der gemäßigten Richtung der sächs. Moderne, wie sie hauptsächlich von A. Meschendörfer und seinem Kreis verfochten wurde, unterschieden hätte. Die ausgebliebene Wirkung ließ jedoch den Roman zu einem Einzel-und Sonderfall in der sb.-dt. Lit. dieses Jh.s und seinen Autor zum Außenseiter werden. Der Roman Das Gespenst, der von der Liebe eines kranken  Künstlers zu einer Schauspielerin handelt und dessen Handlung sich in Rodaun bei Wien und in Sb. zuträgt, ist auf weiten Strecken „ein kühnes sprachliches Kunstwerk, in dem Décadence-Motive, frühexpressionistische Stilmittel und Trivialmuster von einem außergewöhnlichen artistischen Vermögen zu einem berauschenden Neuen vereinigt werden“ (D. Kessler). F.s Erzählungen und Fragmente erreichen das künstlerische Niveau des Romans bei weitem nicht. (LSS-St.S.)
Werke (Auswahl): Das Gespenst, Wien und Leipzig 1905.
G. Scherg: F.F., in: C. Göllner/J. Wittstock (Hg.), Die Lit. d. Sb. Sachsen in den Jahren 1849 bis 1918, Buk. 1979, S. 299-308; D. Kessler: F.F. und der Beginn der „modernen“ sächs. Lit., in: Forschungen, Bd. 31/2, Buk. 1988, S. 46-55.

Fiala, Anton

Anton Fiala: Die Schlacht bei Marienburg (Öl/Lw., Kunstmuseum Kronstadt)

Maler und Fotograf, * Nimburg (Böhmen) 2.1.1812, † 1863 (?) an unbekanntem Ort. Der 1847 nach Siebenbürgen zugewanderte „akademische Porträt- und Historienmaler“ (Selbstbezeichnung von 1853) ist 1849 als Zeichenlehrer am evang. Gymn. von Krst. bezeugt, scheint sich aber kurz darauf für den Beruf eines (Wander-)Fotografen und Bildnismalers entschieden zu haben. Ende 1852/Anfang 1853 ist er in Hst. nachweisbar, 1853 bis 1861 wieder in Krst. F.s handwerklich solider Porträtmalerei sind einige Ölbilder bekannter Persönlichkeiten zu verdanken, z.B. J. Gött (um 1847/1848), C.J. Maager (1848), L.M. Moltke (1849), J. Drotleff sen. (1852), St.L. Roth (1852) und F.J Trausch (1852, auch als Lithographie). F., der sich auch als Lithograph und Miniaturist betätigte, stellt möglicherweise den ersten Atelierfotografen Kronstadts (noch vor S. Herter?) dar. (LSS-KK)
Werkverzeichnis (unvollst.) in: J. Bielz: Porträtkatalog der Sb. S., Hst. 1936.
Literatur. K. Klein: A.F., ein böhmischer Maler und Fotograf um 1850 in Sb., in: ZfSL, 28. (99.) Jg. (2005), Heft 1, S. 22-39.

Fronius, Markus

Pfarrer, Dechant und Theologe, * Neustadt bei Kronstadt 1659, † Kronstadt 14.4.1713. In Kronstadt und Hermannstadt vorgebildet, bezog F. 1680 die Univ. Wittenberg. Nach seiner Rückkehr wurde er 1686 Lektor am Kronstädter Gymn., 1696 Prediger in Kronstadt, 1696 Pfarrer in Heldsdorf, 1701 Pfarrer in Rosenau. Am 22. Nov. 1703 wurde er zum Stadtpfarrer von Kronstadt gewählt. Die Wahl zum Birthälmer Pfarrer und damit zum Superintendenten lehnte er 1710 ab. Als Dechant des Burzenländer Kapitels vollzog er Ordinationen und vertrat das Kapitel auf den Synoden.
F. war der bedeutendste und einflussreichste Theologe der sb.-s. Kirche zur Wende vom 17. zum 18. Jh. Er hält an der luth. Dogmatik fest, übt aber Kritik an ihrer Disputationssucht und ist ein Anhänger der Reformorthodoxie. Die Lehre, der Glaube und die Schrift müssen ins Leben umgesetzt werden. Obwohl F. vor der Verbreitung des Pietismus warnte, hat er doch dessen Reformvorschläge, vor allem im Anschluss an Ph.J. Spener aufgenommen. Bedeutend sind die Arbeiten von F. auf dem Gebiet der Erziehung. In seiner Schrift De studiorum impedimentis in Transsilvania (Von den Lasten des Studiums in Sb., 1690) übt er Kritik an den Zuständen seiner Zeit. Sein „Schulplan“ (Consilium de schola, 1704/05) bezeichnet Frömmigkeit (pietas), Bildung (eruditio) und Lebenspraxis als Ziel der Erziehung. Die Tusculanae Heltesdenses (im Anschluss an Ciceros Landsitz bei Tusculum so benannt) sind Gespräche über die wichtigsten Artikel der reformatorischen Glaubenslehre. 1709 gab F. Luthers Kleinen Katechismus mit ergänzenden Erklärungen heraus. In seinem Visitationsbüchlein (1708) befürwortet er die Katechisation, den Krankenbesuch und die Herstellung der Kirchendisziplin, zu der „liebreiches Herz, große Geduld und heiliger reiner Eifer gehören“. (LSS-LB)
Trausch SL I, S. 349-357; M.F.s Visitationsbüchlein, Ein Beitrag zur Kirchen- und Sittengeschichte des Burzenlandes, hg. von E. v. Trauschenfels, Krst. 1868; J. Gross: M.F.s Leben und Schriften, Krst. 1925; D. Zikeli: „Ach schläfst du Siebenbürgen noch?“, Der sb.-s. Pfarrer M.F. (1659-1713), Studien zu Leben und Werk, Buk. 2007.

Gärtner, Adolf Hartmut

Chordirigent, Schulmusikpädagoge, * Kronstadt 3.6.1916. Seine berufliche Laufbahn begann G. 1939 als Chormeister des Kronstädter Männergesangvereins. 1941 bis 1944 lehrte er am evang. Landeskirchenseminar in Hermannstadt und war Chormeister und später Musikdirektor des Musikvereins „Hermania“. 1945 wurde er Organist (bis 1951), Kantor und Leiter des von ihm gegründeten Paul-Gerhardt-Chores (bis 1986) an der evang. Paul-Gerhardt-Kirche in München-Laim (1980 Ernennung zum Kirchenmusikdirektor); hauptamtlich wirkte er als Studiendirektor und Seminarleiter für Musik am Münchener Theresiengymn. sowie als Musikreferent am Staatsinstitut für Schulpädagogik. 1946 bis 1969 führte er im Auftrag des Internationalen Arbeitskreises für Musik Sing-, Chor- und Instrumentalwochen durch und leitete den Jugendchor Junge Chorgemeinschaft. G. wurde vor allem bekannt durch die Aufführungen der großen oratorischen Werke von Schütz bis Strawinsky mit dem P.-Gerhardt-Chor und dem ebenfalls von ihm gegründeten Münchener Oratorienorchester, wobei er einige Erstaufführungen für München vorstellte. G. setzte sich durch Aufführungen und Tonaufnahmen für das Werk des Kronstädter Komponisten Paul Richter ein. Er schrieb das Buch „Victor Bickerich (1895-1964). Kirchenmusiker und Musikpädagoge in Siebenbürgen“ (München 1997). (LSS-KT, DFDKK)

 

 

Gmeiner, Ella

Grete Netoliczka-Hiemesch: Ella Gmeiner (Gemälde, 1931)

Opern- und Konzertsängerin, Gesangpädagogin, * Kronstadt 12.11.1874, † Stuttgart 21.12.1954. Erste Ausbildung bei R. Lassel. Studium in Leipzig. Nach erfolgreichem öffentlichem Auftreten bereits gegen Ende ihres Studiums konzertierte sie zusammen mit ihrer Schwester Lula, enthusiastisch gefeiert, in den Städten Sb.s. Sie erhielt 22-jährig ein Engagement am fürstlichen Hoftheater in Sondershausen, setzte ihre Studien in Berlin, dann in Bologna fort und hatte Erfolge in Bologna und Mailand. 1905 bis 1908 war sie erste Altistin am Hoftheater in Weimar. Gastspiele führten sie in viele dt. Städte und mehrere europ. Länder. Ab 1906 nahm sie sich auch des Lied- und Oratoriengesangs an; als erste Frau sang sie (ab 1913) die großen Balladen der Gesangliteratur. 1908 bis 1912 wirkte sie an der Hofoper in München; einem Ruf F. Weingartners an die Wiener Hofoper folgte sie nicht. 1909 erhielt sie den Titel einer Königlich-Bayerischen Hofopernsängerin und 1911 den einer Königlich-Rum. Kammersängerin. Sie wirkte bei den Wagner-Festspielen im Prinzregenten-Theater in München mit und gehörte (als Klytämnestra) zum Ensemble der Uraufführung von Strauß‘ Elektra unter Leitung des Komponisten. Ab 1912 lebte G. als freischaffende Konzertsängerin und Gesanglehrerin in Berlin. Besondere Beachtung fanden in dieser Zeit ihre Lieder- und Balladenabende. 1923 folgte sie in dritter Ehe dem Maler Hans Weise nach Zürich. Zuletzt lebte sie als Gesangpädagogin in Stuttgart. (LSS-KT)

 

 

Gmeiner, Luise

Schwester von Ella G., Pianistin und Klavierpädagogin, * Kronstadt 13.2.1885, † Berlin 11.3.1951. Sie lernte bei R. Lassel bis zur Hochschulreife und begann 1903 das Klavierstudium bei E. v. Dohnanyi und M. Krause an der Musikhochschule in Berlin. Ergänzend nahm sie Unterricht bei I. Philipp in Paris. Sie konzertierte in vielen europ. Städten, öfter auch in Sb. Durch eine technisch wie geistig herausragende Interpretation der großen Klavierwerke von Beethoven, Schumann, Brahms, Chopin, Liszt und Rachmaninow erwarb sie bedeutendes Ansehen. Ihr Repertoire umfasste die Konzerte für Klavier von rund 20 Komponisten. Mit einigen großen Musikern ihrer Zeit, wie E. Fischer, stand sie in freundschaftlicher Verbindung. Zuletzt wirkte sie als Klavierlehrerin in Berlin. (LSS-KT)

 

 

 

Gorgias, Johann

Romanschriftsteller, Gelegenheitsdichter, Gymnasiallehrer, * Kronstadt 1640, † ebd. 1684, besuchte ab 1656 das Gymn. seiner Vaterstadt, studierte in Wittenberg, um 1676 kehrte er nach Kronstadt zurück und war ab 1679 am Gymn. tätig, dem er auch als Rektor vorstand. Bereits als Student trat G. mit eigenen dichterischen Arbeiten an die Öffentlichkeit. Auch war er Mitglied mehrerer literarischer Gesellschaften und kaiserlich gekrönter Dichter. Erste Zeugnisse der dichterischen Tätigkeit G.s sind die Widmungsgedichte auf herausragende Persönlichkeiten des Elbschwanenordens, dessen Mitglied G. war. Eine große, für einen sb. Dichter geradezu ungewöhnliche Wirkung war seinen Romanen beschieden. In den Jahren 1665 bis 1675 sind nacheinander und in gleich mehreren Auflagen unter den Decknamen Veriphantor, Floridan und Poliandini alle seine epischen Schriften erschienen. Sie übten auf Leser, Verleger und Buchhändler eine große Anziehungskraft aus, sodass auch Bücher anderer Verfasser unter G.s Pseudonymen herausgegeben wurden. In allen Romanen von G. lässt sich das erzieherische Anliegen des Autors nachweisen. Gorgias fühlt sich dazu aufgerufen, vor allem die Männerwelt über die Gefahren aufzuklären, die ein übertriebener Frauenkult, wie ihn das 17. Jh. kannte, nach sich ziehen kann. Indem er in seinen Romanen das Verhalten der Frauen aus den höher situierten Gesellschaftskreisen schildert, macht er den Leser auf ihre zweifelhafte Moral aufmerksam. (LSS-StS)

Werke (Auswahl): Veriphantors Buhlende Jungfer, 1665; Veriphantors Jungferlicher Zeitvertreiber, 1665; Poliandinis Gestürzter Ehrenpreiß des hochlöblichen Frauenzimmers, 1666; Veriphantors Betrogener Frontalbo, um 1670 (Neuauflage, Bonn 1985).

Literatur. E. Hajek: J.G., in: Euphorion, Bd. 26, 1925/1, S. 22-50; H. Bergel: Literaturgeschichte der Dt. in Sb., Innsbruck 1987, S. 43 ff.; St. Sienerth: Beiträge zur rumäniendt. Literaturgeschichte, Klbg. 1989, S. 116 ff.; derselbe: Ein ungewöhnlicher Barockautor. 350 Jahre seit der Geburt von J.G., in Neuer-Weg-Kalender 1990, S. 58 ff.

Gött, Johann

Anton Fiala: Johann Gött (Ölbild, um 1847/48, Privatbesitz München, Bildarchiv Konrad Klein)

* Wehrheim i. Taunus 10.12.1810, gest. Kronstadt 17.10.1888. Erlernte den Buchdruck in Frankfurt und ging 1830 auf ausgedehnte Wanderschaft, kam 1832 nach Kronstadt und fand in der im 16. Jh. von Joh. Honterus gegründeten und nun Franz von Schobeln gehörenden Druckerei, deren Leiter zwei Jahre vorher gestorben war, Arbeit. Schon Anfang 1834 konnte G. die Druckerei für 3333 Taler kaufen, 1835 erwarb er das Bürgerrecht. G. entwickelte eine ungemein rege Tätigkeit. 1837 gründete er das Siebenbürgische Wochenblatt, die zweite Zeitung Sb.s, aus der 1849 die Kronstädter Zeitung (bis 1944) hervorging. Sie hatte schon in den Anfangsjahren einen für damalige  Verhältnisse  unerhörten Erfolg mit (1842) 1000 Beziehern. 1838 folgte die Herausgabe der ersten Tageszeitung in rum. Sprache, der Gazeta Transilvaniei (bis 1884), dazu kam noch die ung. Zeitung Erdelyi Hirado. Alle drei Zeitungen hatten literarische Beilageblätter. G. war auch als Verleger bedeutender Werke der sb. Geschichte  und Literatur aktiv und ließ daneben rum. und ung. Bücher in seinem Verlag erscheinen, darunter auch Lehrbücher. Außerdem bekleidete G. mehrere Ehrenämter in Kirche und Stadtverwaltung; 1867 Ernennung zum Ritter des Franz-Josef-Ordens, 1876 wurde er Bürgermeister Kronstadts. 1879 trat G. in den Ruhestand, musste aber die Leitung der Firma nochmals übernehmen, als sein Sohn und Kompagnon frühzeitig starb. (LSS-HM)
Literatur. G. Nussbächer: Buchdrucker, Verleger und Bürgermeister. Zum 199. Geburtstag von J.G., in KR, 10.12.2009.

Greff, gen. Bakfark

Valentin Greff Bakfark auf dem Titelblatt der 1553 in Lyon gedruckten "Intabulatura" (Ausschnitt)

(ung. = Bockschwanz, Ziegenbock), auch Greff Bakfark (Bacfarc), Valentin, Lautenist und Komponist, * Kronstadt vermutlich 1527, † Padua 22.8.1576. Es gibt keinen sicheren Beleg über G.s Geburtsdatum. Die neuesten Quellenforschungen ergaben bloß den Anhaltspunkt, dass G. 1576 im Alter zwischen 40 und 45 Jahren stand. Jedoch die bisherige Ableitung des Geburtsjahres 1507 von der nun erwiesenermaßen falschen Angabe von G.s Alter (69) auf der Grabtafel in der San-Lorenzo-Kirche in Padua ist auf keinen Fall mehr haltbar. Zwei authentische Dokumente belegen seinen Herkunftsort: Eine eigenhändige Noteneintragung von 1552 ist mit „Valent. Bakfarkh. Sibenburg. auß der Statt Kron“ unterzeichnet, und in der von G. selbst vorgenommenen ersten Werkpublikation (1553) gibt er sich als Autor mit „Valentin Bacfarc Transilvani Coronensis“ an. Ein Thema widersprüchlicher Ansichten unter den Biographen ist die Frage, ob der Name Bakfark der Geburtsname oder ein später angenommener Künstler- oder Spitzname ist oder ob er zum Adelsprädikat gehört. Der Name Greff (Gräf, Greb) trat in Kronstadt sehr häufig auf. G. verwendete bis 1565 den Namen Bakfark (Bacfarc), danach zeichnete er mit dem Doppelnamen, mit Greff an erster Stelle. In amtlichen Urkunden ist „Valentinus Greph alias Bekwark“ (Krakau 1566) und „Valentinus Greff alias Bakfark“ (Weißenburg 1571) angegeben; auch die Namensinitialen in seinem Wappen lauten V.G.B.
G. wurde am Hofe des ung. Königs Johann Zápolya musikalisch ausgebildet und blieb nach dessen Tod (1540) im Dienste der Königinwitwe Isabella. 1549 wurde er Hoflautenist des poln. Königs Sigismund August II. in Krakau und Wilnius. Nach dem Tode der poln. Königin Barbara (1551) unternahm er zunächst kürzere Reisen, die ihn nach Königsberg (zu seinem Freund und Gönner Herzog Albrecht von Preußen), Danzig und Frankfurt a.d.O. führten, dann nach Wittenberg (wo er mit Ph. Melanchthon zusammentraf) und Augsburg. Er war vermutlich auf der Suche nach einem Verleger, den er aber erst während seiner 1552 begonnenen Reise nach Frankreich durch die Unterstützung des Grafen und Erzbischofs Tournon 1553 in Lyon fand, wo er ein Tabulaturbuch mit seinen Lautenkompositionen und Intavolierungen herausbrachte. In Paris trat er mit dem Königshof in Verbindung, wahrscheinlich reiste er auch nach Rom, wo er den Papst besucht haben soll; in beiden Fällen sollen ihm Dienstangebote gemacht worden sein. Über Venedig kehrte er 1554 nach Königsberg und schließlich an den poln. Hof zurück. G. gab im Okt. 1565 in Krakau sein zweites Lautenbuch heraus, danach ging er nicht mehr nach Wilnius zurück. Nach einem Aufenthalt in Posen und Breslau nahm er am 1.7.1566 die glänzend dotierte Stelle eines Hoflautenisten bei Kaiser Maximilian II. in Wien an. 1570 ging er nach Weißenburg an den Hof des sb. Fürsten Joh. Sigismund Zápolya, der ihm in Anerkennung seiner Verdienste und als Dank für seine Rückkehr nach Sb. ein ansehnliches Landgut schenkte. Doch schon nach einem Jahr starb Sigismund. Die Verhältnisse am Hofe seines Nachfolgers Stephan Bathory entsprachen offenbar nicht den Ansprüchen G.s. 1571 verließ er Weißenburg, um sich als freier Künstler in Padua niederzulassen. Mit seiner zweiten Frau und vier Kindern fiel er einer Pestepidemie zum Opfer.
G. wurde nicht nur als einer der größten Lautenvirtuosen seiner Zeit gefeiert, sondern wurde auch als Komponist sehr bekannt. Seine von ihm in zwei Lautenbüchern herausgegebenen Kompositionen verbreiteten sich schon zu seinen Lebzeiten, sie wurden nachgedruckt und fanden Eingang in Sammelpublikationen franz., holländischer, belgischer und dt. Verleger. G. schrieb, dem Brauch der Zeit entsprechend, Intavolierungen zeitgenössischer Vokalsätze und an vokalen Vorbildern orientierte Eigenkompositionen für sein Instrument, das in der weltlichen instrumentalen Kunstmusik führend war. In der Intavolierungstechnik geht er über seine unmittelbaren Vorgänger Fr. da Milano und A. de Rippe hinaus, indem er neue Elemente in Ornamentierung, Rhythmik, Harmonie und Notation einführt, der Bearbeitung größere Selbständigkeit verleiht, die polyphone Stimmführung der Vorlagen jedoch, bes. in den späteren Intavolierungen, konsequent beibehält. In seinen Originalkompositionen, den Ricercari oder Fantasien, übernimmt G. die instrumentale Motettenform seiner Vorgänger, baut sie aus und entwickelt sie weiter. Diese Stücke erscheinen in ihrer polyphonen Satzstruktur wie eine Vorausschau auf den instrumental- kontrapunktischen Geist einer späteren Zeit. - Die zwei von G. herausgegebenen Drucke markieren gleichzeitig zwei stilistisch voneinander zu trennende Schaffensperioden; eine dritte wäre noch anzuschließen, deren Ertrag wir jedoch nicht kennen, da G. seine letzten Kompositionen kurz vor seinem Tode verbrannt hat. - Seine Stellung in der Musikgeschichte als schöpferischer Künstler ist die eines ersten Instrumentalkomponisten, der einer Instrumentalform die volle Ausprägung verlieh und diese zur eigenständigen vollwertigen Werkgattung erhob. Ab dem 17. Jh. geriet G. in Vergessenheit. Erst Ende des 19. Jh.s wurde er wiederentdeckt. Es setzten rege Archivstudien ein, denen in Ungarn, Polen, Österr. und Sb. eine Anzahl biographischer und philologischer Publikationen folgte. Diese historiographische Aktivität um G. dauert bis zur Gegenwart an und ist bedauerlicherweise zum nicht geringen Teil vom Streit um die nationale Zugehörigkeit G.s und dem Bestreben, ihn ethnisch zu definieren, geprägt. Die Werke selbst werden in originaler Klangform auf der Renaissancelaute, nicht zuletzt wegen ihrer enormen spieltechnischen Schwierigkeiten, erst seit einigen Jahren zum Klingen gebracht. (LSS-KT)

Werke: „Intabulatura …“ (Tabulaturbuch), Lyon 1553: Vier vierstimmige Fantasien (Originaltitel: Recercate) und 16 Intavolierungen für Laute solo; „Harmoniarum Musicarum …“ (Tabulaturbuch), Krakau 1565: drei Fantasien (drei- bis vierstimmig) und neun Intavolierungen für Laute solo (ital. Lautentabulatur). In fremden Quellen: im sog. Berliner Manuskript um 1575, Biblioteka Jagiellonska Krakau (Sammlung eines anonymen Schreibers in dt. Lautentabulatur ): zwei Fantasien (vierstimmig) und fünf Intavolierungen; im „Lautenstammbuch“ des Grafen Dohna, 1550/52 (Stadtbibliothek Königsberg, seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen): Intav. „Je prens en gré“ nach Cl. von Papa (dt. Tabulatur); in: Matthäus Waissel: „Tabulatura“, Frankfurt/O. 1573; Intav. „Veni in hortum meum“, nach O. di Lasso (dt. Tabulatur); in einem Manuskript aus Krakau 1560/62, Universitätsbibliothek Lemberg/Lwow (Tabulatursammlung eines anonymen Schreibers): Tanzsatz „ Non dite mai“ (Gagliarda) nach einem ital. Tanzlied. - Passamezzo (verschollen).


Diskographie (Auswahl): B. - Lute music played by Dániel Benkö (SLPX 11549); B. 3 - Lute music played by Dániel Benkö (1978, SLPX 11893); 2 Fantasien, bearbeitet von O. Nemescu (Cantus serenus, 1979, ST-ECE 01602); Fantasia IV 4 Vocum Recercate, bearbeitet von H. Andreescu (Fünf Jahrhunderte deutscher Musik in Transsylvanien, „Virtuozii din Bucureşti“, Leitung: H. Andreescu, 1995, EDC 168).


Literatur. A. Koczirz: V.G.B., in: Österr. Lautenmusik im 16. Jh., Denkmäler der Tonkunst in Österr., Bd. 18/2, Wien 1911 (Biographie und Werkausgabe); E. Hajek: Neues über V.G.-B., in: KVfSL, 41. Jg., 1918; S. 36-38; Ders.: V.G.-B., in: Die Musik. Ihre Gestalter und Verkünder in Sb. einst und jetzt. Musikalische Lebensbilder, Krst. 1927; O. Gombosi: Der Lautenist V.B., Leben und Werke, Musicologia Hungarica Bd. II, Budapest 1935, neue Ausgabe Musicologia Hungarica neue Folge Bd. 1, hg. Z. Falvy, Kassel/Budapest 1967 (Biographie und kritische Werkausgabe); I. Homolya/D. Benkö: V.B. Opera omnia, 3 Bde., Budapest 1976/81 (Biogr. und krit. Gesamtausgabe der Werke); H.P. Türk: Ein Gipfelpunkt europäischer Musikpflege. Vierhundert Jahre seit dem Tode von V.G.-B., in: KR, 27.8.1976; G. Nussbächer: „Siebenburger auss der Statt Kron“. Neue Hypothese zur Biographie von V.G.-B., in: KR, 27.8.1976; Ders.: V.G. – wann wurde er geboren? Betrachtungen zur 400. Widerkehr des Todestages des großen siebenbürgischen Lautenisten, in: NW, 28.8.1976; Ders.: V.G.-B., in: Astra, Nr. 104, III/1976; R. Machold: V.G.-B. 20 Jahre jünger als bisher angenommen? Betrachtungen zum 400. Todestag des großen Lautenisten „auss der Statt Kron“, in: SVJB, Nr. 2/1977; I. Homolya: Wann ist Bakfark-Greff geboren?, in: SVJB, Nr. 3/1979; G. Nussbächer: Bekräftigung einer Hypothese. Eine noch immer ungeklärte Frage – das Geburtsjahr von V.G.-B., in: NW, 8.9.1979; Ders.: Zur Biographie von V.G.-B., in: FzVL, Bd. 25, Nr. 1-2/1982; I. Homolya: B., Budapest 1982, neue Ausgabe in dt. Übersetzung, Budapest 1985; K. Teutsch: Von Valentin Greff zu Bálint Bakfark, in: ZfSL, 10. Jg., 1988/1; P. Király: B., in: Muzsika, Budapest 5/1990; Ders.: V.B., in: Beiträge zur Musikgeschichte der Siebenbürger Sachsen, Bd. 1, Kludenbach 1999; K. Teutsch: „Er war deutscher Herkunft und hatte immer den Wunsch, als Deutscher zu gelten“. Vor 425 Jahren starb in Padua der Lautenist V.G.B./Neue Erkenntnisse und Hypothesen zum Lebensweg eines bedeutenden siebenbürgischen Musikers, in: SbZ, 15.8.2001; J. Brandsch: Wichtige Fragen ausgespart, in: SbZ, 15.9.2001.


Gusbeth, Eduard

Arzt, Medizinhistoriker und Heimatforscher, * Kronstadt 30.8.1839, † ebd. 12.4.1921. Honterusgymn. in Kronstadt, Medizinstudium in Wien, Promotion zum Dr.med. in Wien am 22.3.1864, Magister der Geburtshilfe am 2.6.1864, Dr. der Chirurgie am 2.8.1864. Sekundararzt in einem psychiatrischen Krankenhaus in Wien, Sept. 1864 bis Jan. 1865. Allgemeinpraktiker und Hausarzt in Kronstadt seit März 1865. Seit 1876 Arzt des evang. Altfrauenheims. Mehrere Jahre Präsident der Sanitätskommission der Stadt und des Komitats Kronstadt. Ernennung zum Ehren-Komitatsoberphysikus am 18.12.1902. Durch seine Werke ist G. als der führende Medizinhistoriker von Kronstadt und dem Burzenland anzusehen. (LSS-AH)

Werke (Auswahl): Zur Geschichte der Sanitätsverhältnisse in Kronstadt, 1884; Die Landärzte im Kronstädter Comitat, 1887; Das Sanitätspersonal in und aus dem Kronstädter Komitate in den Jahren 1901 bis 1910.

Gust, Heinrich

Fotograf, * Kronstadt 17.5.1887, † ebd. 9.7.1969. Um 1910 bis 1912 fotografische  Ausbildung in Wien. Anschließend Eröffnung eines Ateliers in Kronstadt (bis 1914 in Betrieb). G.s Namen verbindet sich vor allem mit seinen Aufnahmen von Kronstadt und den Burzenländer Gemeinden der Umgebung; weniger bekannt sind seine frühen Bilder fotojournalistischer Art. (LSS-KK)

Bildveröffentl. (Auswahl). E. Kühlbrandt: Die evang. Stadtpfarrkirche A.B. in Kronstadt (1927); E. Jekelius (Hg.): Das Burzenland (insb. Bd.III/1), Krst. 1928.

Güttler, Wolfgang

Kontrabassist und Musikpädagoge, * Kronstadt 10.1.1945. Studierte bei Joseph Prunner an der Bukarester Musikhochschule. Mitglied im Philharmonischen Orchester Klausenburg, dann im Rundfunksinfonieorchester Bukarest. 1973 war er Preisträger des Internationalen Musikwettbewerbs in Genf. In den Jahren 1975-1985 spielte G. im Berliner Philharmonischen Orchester. 1985-1991 o. Prof. an der Hochschule für Musik Köln, ab 1989 Solokontrabassist des SWR-Sinfonieorchesters Freiburg/Baden-Baden, ab 1991 Inhaber einer Professur an der Musikhochschule Karlsruhe. Solistische Tätigkeiten in Europa, Amerika, Asien und Japan. G. ist Gründungsmitglied des Ensembles Trio Basso, für das seit 1982 mehr als 200 Kompositionen geschrieben wurden. 1991 gründete er das Ensemble Geatles für 16 Kontrabässe. Außerdem spielte G. mehrere Jahre im Consortium classicum. G. ist Mitglied des Ensembles Villa Musica. 1992 begann seine Arbeit im Ensemble der Casals-Festspiele Prades, und seit 1997 gehört er zu der Gruppe that. Als Pädagoge war G. in Europa, den USA, Kanada und Südamerika tätig. Er gab u.a. Meisterkurse an der Juilliard School und der Manhattan School von New York, im kanadischen Banff, in Oberstdorf, beim Casals Festival sowie den Darmstädter Ferienkursen. Seine umfangreiche Diskographie wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet. (LSS-KT, DFDKK)

 

 

Hajek, Egon

 Schriftsteller, Literaturhistoriker und Musikwissenschaftler, * Kronstadt 6.11.1888, † Wien 18.5.1963. Sohn eines Militärkapellmeisters, besuchte das Gymn. seiner Geburtsstadt und studierte ab 1908 in Berlin und Budapest Germanistik, Latein, Theol. und Musik. Promovierte 1913 in Budapest mit einer Arbeit über den sb.-dt. Roman um die Mitte des 19 Jh.s; anschließend Deutsch- und Lateinlehrer am Honterusgymn., danach Stadtkantor und (ab 1925) Pfarrer in Kronstadt und (seit 1929) in Wien.
H. trat schon vor dem Ersten Weltkrieg, vor allem in den Karpathen, mit eigenen Versen hervor und gehörte während der Zwischenkriegszeit zu den führenden sb.-s. Intellektuellen. Ohne seine sb. Heimat als Stoffgebiet bes. ins Auge zu fassen, orientierte er sich in seinen Gedichten, die in dem Band Das Tor der Zukunft  (1920) Aufnahme fanden, hauptsächlich an der Schreibart der dt. Expressionisten. Mehr an konkreter Gegenständlichkeit vermochte H. in sein zweites Gedichtbuch Balladen und Lieder (1926) hereinzuholen, das er bewusst im sb. Umfeld verankerte. Schlichtheit und Anschaulichkeit der Sprache sowie intentionale Ausrichtung auf ein göttliches Gegenüber kennzeichnen die Gedichte des Bandes Leuchter von oben (1935). Von H.s Epik verdient vor allem sein erster Prosaband (Der tolle Bruß) erwähnt  zu werden. Warf man seiner Lyrik Gespreiztheit, Unverständlichkeit und Überladenheit vor, so lobte man an den Erzählungen die Einfachheit, Sachlichkeit und Anspruchslosigkeit. In seiner Wiener Zeit hat H. vorwiegend hist. Unterhaltungsromane, jedoch von bescheidenem ästhetischem Wert geschrieben. Für die sb.-dt. Lit. sind vor allem Meister Johannes und König Lautenschläger von Bedeutung, da sie heimische Stoffe behandeln. H. verfasste auch grundlegende literaturhist. (über J. Gorgias und Val. F. von Franckenstein) und musikgeschichtliche Studien sowie zahlreiche Essays, mit denen er sich am Gespräch über die Entwicklung der heimischen Kulturverhältnisse beteiligte. (LSS-StS)
Werke
(Auswahl): Das Tor der Zukunft, Krst. 1920; Der tolle Bruß und andere Erzählungen aus Sb., Würzburg 1923; Du sollst mein Zeuge sein, Graz und Leipzig 1938; König Lautenschläger, Stuttgart 1940; Wanderung unter Sternen, Stuttgart 1958.
Literatur. W. Myss: Fazit nach achthundert Jahren. München 1968; ders.: Drei sb.-s. Dichter, in: Sb.-s. Hauskalender, München 1967; R. Sutter: Sb. S. in Österr. Vergangenheit und Gegenwart, Innsbruck 1976; St. Sienerth: E.H., in: J. Wittstock/St. Sienerth (Hg.), Die rumäniendeutsche Lit. in den Jahren 1918-1944, Buk. 1992, S. 187-192.

Hauser, Arnold

Schriftsteller, * Kronstadt 31.3.1929, † Bukarest 1989. Erlernte in Ploiești und Mediasch das Schlosserhandwerk (1946-1949), das er bis 1951 ausübte. Während seiner Arbeit als Umbruchredakteur beim Neuen Weg (1951-1960) besuchte er das Gymn. im Abendkurs, das er 1960 absolvierte. Seit 1960 bis zu seinem Tod war H. Redakteur, ab 1985 Chefredakteur der Neuen Literatur. H. war Mitglied des Rum. Schriftstellerverbandes, zeitweilig auch in dessen Leitungsausschuss. Den Prosapreis des Verbandes erhielt er im Jahre 1974.
H.s schriftstellerisches Werk setzt sich aus Kurzgeschichten, die er in mehreren Bänden sammelte, und einem Roman zusammen. Als Episoden aus dem Alltag der Nachkriegszeit können H.s. meiste Erzählungen angesehen werden . H.s einziger Roman (Der fragwürdige Bericht Jakob Bühlmanns, auch in rum. und ung. Übersetzung) beleuchtet aus der Perspektive eines ehemaligen dt. Journalisten und eines rum. Schriftstellers das unheimliche Verschwinden eines jungen Rumäniendeutschen, dessen Schicksal in vielerlei Hinsicht symptomatisch für das Los der Dt. in Rum. nach dem Krieg war. (LSS-StS)
Werke (Auswahl): Leute, die ich kannte, Buk. 1965; Der fragwürdige Bericht Jakob Bühlmanns, Buk. 1968, auch Wien/München/Zürich 1972, Berlin 1974; Examen Alltag, Buk. 1974.

 

 

Hedwig, Johann

 Arzt und Botaniker, Begründer der modernen Mooskunde, * Kronstadt 8.12.1730, † Leipzig 18.2.1799. Nach Besuch des Gymn. in Kronstadt Studium in Wien, Preßburg und Zittau. 1751 Studium der Medizin in Leipzig, 1759 Promotion. Seit 1759 Arzt in Chemnitz, wo er intensive botanische Untersuchungen betrieb. 1774 Entdeckung der Fortpflanzungsorgane der Moose; 1778 erste diesbezügliche Mitteilung. 1781 Übersiedlung nach Leipzig. 1782/83 erschien sein grundlegendes Werk Fundamentum historiae... mit eigenen Abbildungen. 1783 gewann er ein Preisausschreiben der Akademie zu Petersburg; die Preisschrift Theoria generationis... erschien 1784 in Petersburg. Seine Anerkennung als Wissenschaftler war auch für seine berufliche Laufbahn ausschlaggebend. 1784 wurde er Arzt der Stadtkompanie, 1786 außerordentlicher Prof. der Med. Fakultät, 1789 ordentlicher Prof. der Botanik und Direktor des Botanischen Gartens in Leipzig. 1791 auch Arzt der Thomasschule. H. veröffentlichte Arbeiten zur Morphologie, Anatomie und Physiologie der Pflanzen. Als besondere Leistung kann die Entdeckung des Zentralspaltes der Spaltöffnungen und deren Funktion bezeichnet werden. Auch der Begriff Perigonium für Blütenhülle stammt von ihm. 1787 bis 1797 veröffentlichte H. in vier Bänden seine Mikroskopisch-analytische Beschreibung und Abbildung der Laubmoose... Unabgeschlossen blieb sein Hauptwerk Species muscorum frondosorum..., das aber sein Schüler F. Schwägrichen nach Vorlagen von H. abschloss und 1801 drucken ließ. 1811 bis 1830 fügte Schwägrichen weitere drei Bände hinzu. Dieses Werk ist die Grundlage der modernen Mooskunde bis heute geblieben, ein Neudruck aus 1960 bestätigt dies. H. hat 37 z.T. mehrbändige Arbeiten veröffentlicht. Außerdem erschienen von ihm auch Beiträge med. Inhalts. Unvollendet blieb auch seine Physiologie des Gewächsreiches. H. war mit Linné der bedeutendste Botaniker und der erfolgreichste Mikroskopiker seiner Zeit. Er war Mitglied mehrerer wissensch. Gesellschaften und Akademien. H. zu Ehren wurden Pflanzengattungen und eine Fam. der Laubmoose benannt. Als Hedwigia erschien ab 1852 ein Notizblatt für kryptogamische Studien, das als Nova Hedwigia, eine internationale Fachzeitschrift, auch heute noch erscheint. (LSS-HH)

Werke (Auswahl): Fundamentum historiae naturalis muscorum frondosorum..., Leipzig 1. T. 1782, 2. T. 1783; Theoria generationis et fructificationibus plantarum cryptogamicarum..., Petropolitana 1784, Neuaufl. Leipzig 1798; Sammlung seiner zerstreuten Abhandlungen über botanisch-ökonomische Gegenstände, 1. T. Leipzig 1793, 2. T. 1797; Species muscorum frondosorum..., Hg. F. Schwägrichen, Leipzig 1801.

Literatur. Kurze Lebensgeschichte… Neue Schriften der Gesellschaft naturforschender Freunde, 2. Bd., Berlin 1799; D. Hager: Sb. Quartalsschrift, Hst., 7, 1801, 218; Trausch SL II, 83; J. Römer: Die Karpathen, Krst., 1, 1908, 17, 522; H. Heltmann: in: Von Honterus zu Oberth, Buk. 1980, 66; H. Meschendörfer: SZ, München, 36. Jg., 4. F., 15.3.1986.

Hedwig, Johann Lukas

Komponist, Chordirigent, Musikpädagoge, * Heldsdorf 5.8.1802, † Kronstadt 8.1.1849. H. folgte 1840 einem Ruf als Stadtkantor, Musikdirektor und Gymnasialmusiklehrer nach Kronstadt. In diesen Funktionen beeinflusste er entscheidend das Musikleben Kronstadts und des Burzenlandes. Ein von ihm um 1845 gegründeter Musikverein hatte nur kurzen  Bestand. H. erlag plötzlich einem Nervenfieber. – Seine Kompositionen waren teilweise schon ab 1823 in Wien aufgeführt worden; auch in Sb. fanden sie Anklang und lebten in Kronstadt und den umliegenden Gemeinden weiter. Stilistisch lehnen sie sich an die Wiener Klassiker an. H. ist der Autor einiger volksläufiger Liedmelodien, darunter der unter der Bezeichnung Siebenbürgenlied bekannten Volkshymne der Sb. S. und des als Volkslied verbreiteten Bei Marienburg. (LSS-KT)

Kompositionen (Auswahl): „Der Allmacht Wunder“, Oratorium für Soli, Chor und Orchester (unvollendet, Aufnahme: Astra-Chor und Bach-Chor Krst., Leitung: H.E. Schlandt, 2002); Kantaten (darunter: „Kantate auf das Osterfest“, „Pfingst-Kantate“, „ Luther- Kantate“); Psalmvertonungen für Chor, Orchester und Orgel; „Sammlung christlicher Gesänge“ für Soli, Chor, zwei Violinen und Orgel (Dictum); „Festlied - Bürger Kronstadts, lasst uns singen“ für sechsstimmigen Chor und Orchester (1845), mit der Urform der Melodie des Siebenbürgenliedes. – Motetten a cappella und mit Instrumenten; verschiedene Chöre a cappella und mit Instrumenten (darunter die Urfassung des Siebenbürgenliedes für dreistimmigen Männerchor, 1846). - Lieder für Singstimme und Klavier; Duette für zwei Soprane und Generalbass. – Orchesterwerke (darunter: sechs Konzertouvertüren; „Marsch und Polonaise“, „Sechs neue Ecossaisen“). – Klavierstücke.

Schriften: Kronstädter theoretisch-praktische Gesanglehre, Krst. 1848;Tagebuch (Manuskript).

Literatur. E. Hajek: Die Musik. Ihre Gestalter und Verkünder in Sbg. einst und jetzt. Musikalische Lebensbilder, Krst. 1927; E.H. Müller: Die Musiksammlung der Bibliothek zu Kronstadt, Krst. 1930; Trausch/Schuller SL; K.-H. Brenndörfer: 200 Jahre seit der Geburt von J.L.H., in: Wir Heldsdörfer, Stuttgart 2002, Nr. 86, S. 8; H. Franz: Johann Lukas Hedwigs Siebenbürgenlied, in: Beiträge zur Musikgeschichte der Siebenbürger Sachsen = Musikgeschichtliche Studien 4b, hrsg. von Karl Teutsch, Kludenbach 1999, S. 62-69; F. Latzina: Der „siebenbürgische“ Haydn, in KR 31/3.08.2002, S. 3.

Henning (-Hermann), Thusnelda

Theodor Henning: Thusnelda Henning-Hermann (Gemälde, gemalt vom Sohn der Schriftstellerin)

 Schriftstellerin, * Kronstadt 31.5.1877, † Wien 31.10.1965, Schwester des Malers Hans Hermann. Nach der Heirat lebte sie, seit 1917 verwitwet, in Klosterneuburg bei Wien. Hielt sich des Öfteren in Sb. auf. Von ihrem schriftstellerischen Werk, das auch Erzählungen und Gedichte umfasst, kommt ihrem Roman Der hölzerne Pflug literarische und kulturhist. Bedeutung zu. Die Ereignisse der Revolution aus den Jahren 1848/49, wie sie sich in der Schäßburger Umgebung zutrugen, zum Anlass nehmend, zeichnet die Schriftstellerin ein anschauliches Bild des Volkslebens, der Bräuche und Sitten, aber auch des Existenzkampfes der Sb. S. in einer bewegten Zeit. (LSS-StS)

Werke (Auswahl): Der hölzerne Pflug, Berlin 1938, Buk. 1977; Der Hof, Buchgemeinschaft Heimatland (Bd. 29), 1962.

Literatur. R. Sutter: Sb. S. in Österr. Vergangenheit und Gegenwart, Innsbruck 1976, S. 69-71; A. Kartmann: Th. H.-H., in: J. Wittstock/St. Sienerth (Hg.), Die rumäniendeutsche Lit. in den Jahren 1918-1944, Buk. 1992, S. 272-277.

 

 

 

Herfurth, Franz Karl

Lehrer, Theologe, Schriftsteller, * Kronstadt 1.1.1853, † ebd. 26.3.1922. Nach dem Abitur (Honterusgymnasium) studierte er 1871-1875 in Berlin, Jena und Leipzig Theologie, Philosophie und Philologie. 1876 kam er an das Gymnasium nach Kronstadt, wo er zwölfeinhalb Jahre Religion, Deutsch, Latein, Griechisch, Psychologie und Logik unterrichtete. In dieser Zeit betätigte er sich als Korrespondent des „Siebenb.-Deutschen Tagesblattes“ und der „Kronstädter Zeitung“ und arbeitete an den „Quellen zur Geschichte der Stadt Kronstadt“ mit. 1889 folgte er der Berufung zum Pfarrer nach Neustadt (Burzenland). Von 1907 bis 1922 war er Stadtpfarrer von Kronstadt, 1894-1908 Dechant des Kronstädter evang. Kirchenbezirkes, 1907-1922 Bischofsvikar und ab 1895 als Vertreter der Stadt Kronstadt Mitglied der Sächsischen Nationsuniversität. Anlässlich der Honterusfeierlichkeiten 1898 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Königsberg verliehen. In seiner Amtszeit als Kronstädter Stadtpfarrer wurde das neue Gebäude des Honterusgymnasiums seiner Bestimmung übergeben (1913). 1916 blieb er beim Einmarsch rumänischer Militäreinheiten in Kronstadt, obwohl die Flucht angeordnet war. Vom 18. September bis zum 23. Dezember 1916 war er in Bukarest inhaftiert. Seine Frau begleitete ihn.
Beginnend mit dem Jahr 1886 gab H. das volksbildenden Zielen dienende Sonntagsblatt „Siebenbürgischer Volksfreund“ heraus, in dem der „mundartlichen Literatur eine Heimstätte geboten“ wurde (R. Hörler). Treue zu Glauben und Volkstum beherrschen seine schriftstellerischen Arbeiten. H. galt seinerzeit als „bedeutendster Vertreter“ der „anekdotisch-volkskundlichen Richtung“ der heimischen Dialektdichtung (R. Hörler, zitiert nach J. Wittstock). (H.-P. Schawaller, DFDKK)
Werke (Auswahl): Sächsisches Volksliederbuch, hg. von F.H. Hst. 1895, 2. Aufl. ebd. 1900; Aus Heimat und Ferne. Vier Vorträge, Wien 1898; Meren nd Hippeltscher vun Franz Herfurth, ous dem Nolaß erousgegiën vu senyem Sann Wilhelm Herfurth. Krunen 1930.
Literatur. J. Trausch - Fr. Schuller: Schriftsteller-Lexikon der Siebenbürger Deutschen, 4. Bd., Hst. 1902, S. 190-194; R. Hörler: F.H., in: Die mundartliche Kunstdichtung der Sb. S. Arch. Ver. Sb. Lkde 39 (1913/15), H. 3 (1915), S. 629-708 (F.H.: S. 672-673); J. Reichart: D. F.H., in: Kalender des Siebenbürger Volksfreundes, 1923, S. 61-63; A. Schuster: D. F.H., in: Neuer Volkskalender, 1923, S. 76-82; Cărturari brașoveni (Sec. XV-XX). Ghid biobibliografic. Brașov 1972, S. 105-106; J. Wittstock: F.H., in: Die Literatur der Sb. S. in den Jahren 1849-1918, hg. von C. Göllner u. J. Wittstock, Buk. 1979, S. 308-313; H.A. Hienz: Schriftsteller-Lexikon der Siebenbürger Deutschen, Band VII, H-J, Köln/Weimar/Wien 2000, S. 103-114.

 

 

Hesshaimer, Ludwig

Ludwig Hesshaimer: Selbstporträt (1914)

Graphiker und Maler, * Kronstadt 10.3.1872, † Rio de Janeiro (Brasilien) 10.1.1956. H. wuchs in Triest auf und schlug auf Wunsch seines Vaters die Offizierslaufbahn ein. In Sarajevo, wo er Erzherzog Ferdinand ein Album mit eigenen Zeichnungen überreichen sollte, wurde er Zeuge des Thronfolgermordes. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie ließ er sich , ins zivile Leben zurückgekehrt, in Wien nieder. Hier besuchte er die Kunstakademie. Seine letzte Heimstätte war Südamerika. Der Nachlass des Künstlers befindet sich in der Sb. Bibliothek auf Schloss Horneck in Gundelsheim. (LSS-WM)

Hauptwerk: Der Weltkrieg, ein Totentanz, 20 Blätter, Radierungen, jedes Blatt 39 x 60 cm, 1920.

Schriftliches: Miniaturen aus der Monarchie. Ein k.u.k. Offizier erzählt mit dem Zeichenstift. Hg. von O. Offerhaus, Wien 1992.

Literatur. M. Wittstock: Vom Kommissstiefel zur Graphik. L.H. zum 100. Geburtstag, „Neuer Weg“, 17.03.1972 (auch in: Sie prägten unsere Kunst, hg. von B. Stephani, Klausenburg 1985); W. Myss: Kunst in Sb., Thaur bei Innsbruck 1991.

 

 

Heyser, Christian

 Dichter, * Kronstadt 11.3.1776, gest. † Wien 26.6.1839. Besuchte das Gymn. in seiner Vaterstadt, 1796 bis 1798 Studium in Jena, 1798 bis 1811 Gymnasiallehrer in Kronstadt , danach Prediger und Pfarrer in Wolkendorf (1816) und seit 1821 in Marienburg. 1828 evang. Pfarrer in Wien. 1834 Superintendent der evang. Gem. Österr. H. ist der Verfasser von Gelegenheitsdichtungen und etlicher bislang nur zum Teil gedruckter Dramen. Seine Lyrik umfasst Oden und beschreibende Landschaftsdichtung (Panorama vom Burzenland), die Dramen behandeln vaterländische Stoffe (Die Kreuzritter im Burzenlande; Die Schlacht auf dem Brodfelde) in vor allem an die Schauerromantik erinnernder Manier (Hans Benkner oder Die lebendig Begrabene). (LSS-StS)

Hauptwerk: Vaterländische dramatische Schriften, Krst. 1842.

Literatur. Trausch SL II, S. 151-156; K.K. Klein: Literaturgeschichte des Deutschtums im Ausland, Leipzig 1939, S. 160; G. Nussbächer: Wenn der Zwingherr in Bacchanalien… Heimatgeschichtliche Poeme und Dramen. 200 Jahre seit der Geburt von Ch.H., in: Karpatenrundschau, 12.03.1976; U.P. Wagner: Ch.H.: Lyrische und dramatische Bilder, in: Die deutsche Literatur Siebenbürgens. Von den Anfängen bis 1848. II. Halbbd., hg. von J. Wittstock u. St. Sienerth, München 1999, S. 295-304.

 

Hirscher, Apollonia

Franz Neuhauser d.J.: Apollonia Hirscher (Lithographie, 1822, Kunstmuseum Kronstadt, früher Burzenländer Sächsisches Museum, Bildarchiv Konrad Klein)

 Kaufmannsfrau, Geburtsort und –datum unbekannt, † Kronstadt 1547; Ehefrau des Kronstädter Kaufmanns und langjährigen Stadtrichters und Kastellans von Törzburg Lucas Hirscher, der schließlich geadelt wurde. Nach dem Tode ihres Mannes, 1541, übernahm sie die Führung der weitreichenden Handelsgeschäfte bis nach Österr. und in die Türkei, die sie bis zu ihrem eigenen Tode mit Erfolg weiterführte, ungeachtet der Tatsache, dass Handel und Politik zu jener Zeit ausschließlich Männersache waren. Sie rief mehrere Stiftungen ins Leben und gab einen großen Teil ihres Vermögens zum Wohle ihrer Mitbürger aus. Unter anderem stiftete sie 1545 das große „Kaufhaus“ am Marktplatz/Ecke Hirschergasse. Darin befanden sich die Verkaufsstände der Handwerker und die Stadtwaage; im Kellergeschoß fand der Weinhandel statt. Das Kaufhaus ist auch heute noch als einziger Profanbau seiner Zeit erhalten und wurde 1960 in seiner urspr. Gestalt wiederhergestellt. (LSS-OS)

Literatur. E. Jekelius: Das Burzenland, Bd. III, Krst. 1928; M. Philippi: A.H., in: Taten und Gestalten, Klausenburg 1983.

 

 

 

 

 

 

 

Honigberger, Anselm

Sohn des Musikers Emil H., Oboist, Dirigent, Pianist, Musikpädagoge, * Kronstadt 4.5.1920, † Vorchdorf (b. Linz) 23.1.1976. Ab 1947 Solooboist im Kronstädter Philarmonischen Orchester; galt als bester Musiker seines Fachs in Rum. Gründete das Kronstädter Bläseroktett und Bläserquintett (1953/54). Dirigent, Klavierbegleiter, Lehrer am Kronstädter Musikgymn. Gastkonzerte im Ausland. (LSS-KT)

 

 

Honigberger, Emil

Chordirigent, Schulmusikpädagoge, Journalist, Komponist, * Kronstadt 16.3.1881, † ebd. 13.2.1953. Ab 1907 Chormeister des Kronstädter Männergesangvereins, ab 1910 zusätzlich Leiter des Kronstädter ung. Gesangvereins Dalárda. Musikdirektor, Kapellmeister und Organist in Mühlbach (1921), Organist und Gymnasialmusiklehrer in Mediasch (1925), Seminarlehrer in Hermannstadt (1930), Chorleiter, Organist und Gymnasialmusiklehrer in Kronstadt (1939). (LSS-KT)
Werke: Oper, Chöre, Lieder, Orchesterwerke, Kammermusik, Klavierstücke. Aquarelle.

 

 

Honigberger, Ernst

 Bruder von Emil H., Maler und Kunstpädagoge, * Kronstadt 8.10.1885, † Wehr/Baden 3.5.1974. Studien in Berlin und München. Der Erste Weltkrieg unterbricht H.s Ausbildung. Nach 1918 gründet er mit seinem Bruder Emil in Kronstadt die Zeitschriften Das Ziel und Das neue Ziel und tritt für einen Umsturz in der Kunst ein. Propagiert den Verkauf von Eycks „Mann mit der blauen Sendelbinde“ aus dem Brukenthalmuseum, um das Palais zu restaurieren und eine moderne sb. Kunstgalerie zu gründen. In der Zwischenkriegszeit Übersiedlung nach Berlin, Teilnahme an vielen Ausstellungen in Berlin und anderen dt. Städten, später in Moskau, Leningrad, Budapest und Bukarest. Malte Porträts und Stilleben, war vor allem aber geschätzt als Maler von Frauengruppen: Wäscherinnen, Schnitterinnen, Obstverkäuferinnen usw. Seine „Impressionen“ bleiben meist dem Diktat eines starken Pinselstrichs unterworfen, der an Nolde oder Gawell erinnert. (LSS-KT)
Literatur. B. Stephani: Wuchtig und monumental. Zum 95. Geburtstag E.H.s, in: Volk und Kultur, 32/10, 1980, S. 16-17 (auch in: Sie prägten unsere Kunst, hg. von B. Stephani, Klausenburg 1985, S. 233-237).

 

 

Honter(us), Johannes

Johannes Honterus (Holzschnitt, Mitte des 16. Jahrhun-derts, Archiv der Honterusgemeinde Kronstadt, zurzeit nicht auffindbar)

bedeutendster sb.-s. Humanist, Reformator der Sb. S., Schulmann, Verleger, * Kronstadt 1498, † ebd. 23.1.1549, 1520 Immatrikulation an der Wiener Univ. (Johannes Anschut), 1522 Baccalaureus (Johannes Holer), 1525 Magister artium (Johannes Holler Coronensis), 1529 Aufenthalt in Regensburg (Johannes Hynter-Hunterus), 1530 Aufenthalt in Krakau (Johannes Georgii de Corona, artium magister Viennensis). Lehrtätigkeit, Herausgabe einer lat. Grammatik sowie einer Weltbeschreibung. 1530 bis 1533 Aufenthalt in Basel als Verlagslektor und Holzschneider. 1532 Anfertigung einer Siebenbürgenkarte und von Sternkarten. 1533 Rückkehr über Kaschau und Großwardein nach Kronstadt. 1536 ist H. Ratsherr unter dem Stadtrichter Lukas Hirscher. Aus 1539 stammen erste erhaltene Drucke der von H. in Kronstadt errichteten Druckerei, darunter von H. selbst die grch. und die lat. Grammatik sowie die Vorreden zu den Auszügen und dem Ketzerkatalog von Augustinus, dann zu den Auszügen aus den Pandekten des bürgerlichen Rechts. 1540 Ausgabe der Mahnsprüche des Nilus nach einem Manuskript. 1541 erste Ausgabe der Weltbeschreibung in Versen, Umgestaltung der Stadtschule in ein humanistisches Gymn., das erste in Sb. 1542 endgültige Ausgabe der Weltbeschreibung in 1366 Versen mit Kartenanhang, dem ersten Atlas minor aus Sb. 1543 Reformationsbüchlein über die Durchführung der Reformation in Kronstadt und im Burzenland sowie Apologie derselben. Constitutio Scholae Coronensis, die erste sb.-s. Schulordnung. 1544 Herausgabe des Handbuchs des bürgerlichen Rechts, des ersten in Sb. entstandenen und gedruckten Rechtsbuches. 22. April 1544: H. wird zum evang. Stadtpfarrer von Kronstadt gewählt und eingesetzt. 1546 Gründung der Kronstädter Papiermühle, der ersten im Lande, auf Anregung von H. 1547 Ausarbeitung der Kirchenordnung aller Dt. in Sb. im Sinne von H. 1547 Errichtung des Bibliotheksgebäudes auf seine Anregung. 1547/48 H.s Ergänzungen zur Beschreibung Sb.s von Georg Reichestorffer für Sebastian Münster. (LSS-GN)
Werke: De grammatica libri duo, Krakau 1530 (nicht im Original erhalten), Neuauflagen in Krakau 1532, 1535, 1538 (von H. überarbeitet), 1539, 1541, 1543, 1548, 1549, 1551, 1554, 1556, 1558, 1559, 1562. – Rudimentorum Cosmographiae libri duo, Krakau 1530, Neuauflagen in Krakau 1534; Basel 1534, 1535, 1561, 1583, 1585; Venedig 1599 (ital. Übersetzung). – Chorographia Transylvaniae – Sybemburgen, Basel 1532 (Landkarte), Neudruck von Hans Meschendörfer, Krst. 1938 und München 1960. – Imagines Constellationum borealium et australium, Basel 1532 (Sternkarten), Faksimiledruck von Netoliczka 1930 und Hans Meschendörfer 1983. – Übersicht der (grch.) Grammatik in zwei Büchern, Krst. 1539. – Compendii grammatices libri duo, Krst. 1539, Neuauflagen Krst. 1548, 1555, 1567. – Geographia (mit Weltkarte und Sternkarte), Krst. 1540/41 (nicht erhalten). - Rudimenta Cosmographica cum vocabulis rerum, Krst. 1541, Neuauflage Breslau 1542. - Rudimenta Cosmographica, Krst. 1542 (Endfassung mit Kartenanhang), Neuauflagen Krst. 1548/49, 1577; Nachdrucke in Zürich 1546, 1548 (2 Aufl.), 1549, 1552, 1558, 1564, 1565, 1570, 1573, 1578, 1581, 1583, 1590, 1597, 1602; Antwerpen 1552, 1553, 1554, 1555, 1560; Basel 1561, 1585; Rostock 1572; Prag 1595; Köln 1600; Paris 1618 (nur zweites und drittes Buch). – Nachdrucke des vierten Buchs der Rudimenta  Cosmographica: Basilius Faber, Thesaurus eruditionis scholasticae, Wittenberg und Leipzig 1555, Leipzig 1572, 1587, nach 1587, 1593, 1599, 1686, 1692; Heidelberg 1601; Leipzig und Frankfurt 1664, 1672, 1680; Nathan Chytraeus, Nomenclator latino-saxonicus, Lemgo 1590; Abraham Saurius, Nomenclatura rerum, Frankfurt/Main 1592, 1608, 1615; Albert Molnar, Lexicon Latino-Graeco-Hungaricum, Hanau 1611, 1640; Neudruck mit rum. Übersetzung, Klbg. 1988. – Reformatio Ecclesiae Coronensis ac totius Barcensis Provinciae, Krst. 1543, Nachdruck Wittenberg 1543 (mit Vorwort von Philipp Melanchthon), Neudruck Dück, Krst. 1845; Wien 1865. – Apologia Reformationis a clarissimo viro domino M. Joanne Hontero Coronae Anno MDXLIII  conscripta, Krst. 1543, gedruckt zuerst von Trausch, Krst. 1865. – D.O.M.S. Constitutio Scholae Coronensis... Anno MDXLIII lata et promulgata, Original nicht erhalten, Neudruck 1657. – Compendium iuris civilis in usum civitatum ac sedium Saxonicarum in Transylvania collectum, Krst. 1544 (Vorrede von Valentin Wagner). –Tabulae Transsylvaniae et Moldaviae, Krst. 1547/48, erstmals gedruckt Teutsch, Korrespondenzblatt 1883.
Ausgaben der Honterusdruckerei. Auszüge aus der Dialektik und Rhetorik des Aristoteles (grch.), Krst. 1539. – Lucii Aennei Senecae De quatuor virtutibus liber unus. Eiusdem de moribus liber unus, Krst. 1539. – Rudimenta preaceptorum dialectices ex Aristotele et aliis collecta. Compendium Rhetorices ex Cicerone et Quintiliano, Krst. 1539. – Catonis Disticha Moralia. Sententiae septem sapientum ex Ausonio. Ex eodem Opusculum de Monosyllabis, Krst. 1539. – Nachdruck Klausenburg 1566, Krst. 1688 (Lat., Dt., Ung.), Krst. 1715 (Lat., Dt., Ung.). – Mimi Publiani. Enchiridion Xisti Pythagorici. Dicta Sapientum ex Graecis, Krst. 1539. – Hermogenes, Progymnasmata, Krst. 1539 (nicht erhalten). – Sententiae ex libris Pandectarum iuris civilis decerptae, Krst. 1539 (mit Vorrede von H.), Neuauflage Krst. 1544. – Sententiae ex omnibus operibus Divi Augustini decerptae, Krst. 1539 (mit Vorrede von H.). – Divi Aurelii Augustini Hipponensis Episcopi Haereseon Catalogus, Krst. 1539 (mit Vorrede von H.). – Mahnsprüche des Mönches Nilus, Spruchsammlung des Abtes Thalasius (grch.), Krst. 1540, Nachdruck mit lat. Übersetzung in Basel 1559 und Leipzig 1577. – Epitome Adagiorum Graecorum et latinorum iuxta seriem Alphabeti. Ex Chiliadibus Erasmi Roterodami, Krst. 1541 (Vorrede von Gaspar Pesthiensis, Nachwort von Valentin Wagner). – Platons Begriffsbestimmungen und Aristoteles‘ Werk über den Kosmos (grch.), Krst. 1541. – Disticha Novi Testamenti, materiam et ordinem capitulorum cuiusque libri per literas initiales indicantia, Krst. 1541 (Merkverse des Petrus von Rosenheim), Neuauflage Krst. 1545. – Cebes Pinax, Epiktet Enchiridion (grch.), Krst. 1542. – Hesiod, „Werke und Tage“ und „Theogonie“ (grch.), Krst. 1543. – Geistliche Lieder durch H. Andreas Moldner gemacht, Krst. 1543. – Reformatio Ecclesiarum Saxonicarum in Transylvania, Krst 1547, Neudruck Teutsch 1862. – Kirchenordnung aller Deutschen  in Sybembürgen, Krst. 1547, Neudruck Teutsch 1862. – Agenda für die Seelsorger und Kirchendiener in Sybembürgen, Krst. 1547. – Der kleine Catechismus. Für die Pfarrherr und Hausväter, Mart. Luther, Krst. 1548. – Odae cum harmoniis ex diversis poetis in usum ludi literarii Coronensis decerptae, Krst. 1548, Neuauflage ebd. 1562, Neudruck ebd. 1983.
Moderne Nachdrucke und Übersetzungen von Honters Werken. O. Netoliczka: J.H.' ausgewählte Schriften, Wien/Hermannstadt 1898. – Ders.: Briefe von H. an Andreas Melczer 1533, an Antonius Verantius 1542 und Martin Weyss 1547, Neudruck 1898. – J. Gross: Schriften des J.H., Valentin Wagner und Markus Fronius in dt. Übersetzung, Beiheft zum VIII. Bd. Der „Quellen zur Geschichte von Braşov-Kronstadt“, Braşov-Krst. 1927-1929. – H. Heltmann: H. und die Biologie (Viertes Buch der Weltbeschreibung im Urtext mit dt. Übersetzung), ZfSL 2/1979. – B. Capesius: Sie förderten den Lauf der Dinge, Dt. Humanisten auf dem Boden Sb.s, Buk. 1967. – Ders.: Dt. Humanisten in Sb., Buk. 1974. – Odae cum harmoniis 1548 (Honterus), Faksimile-Nachdruck. Übertragen, hg. und mit einer einführenden Studie versehen von G. Nussbächer und A. Philippi, Buk. 1983 (zweisprachige dt.-rum. Ausgabe). – J.H., Rudimenta Cosmographica. Elementele Cosmografiei, Braşov 1542. Textul original latin și traducerea în limba română de Valeria Căliman, cu o întroducere de Paul Binder și Gernot Nussbächer, Cluj-Napoca 1988; L. Binder: J.H. Schriften, Briefe, Zeugnisse. Durchgesehen und ergänzt von G. Nussbächer, Buk. 1996.
Auswahlbibliographie in chronologischer Reihenfolge. T. Wolf: J.H., der Apostel Ungarns, Krst. 1894; O. Netoliczka: Beiträge zur Geschichte des J.H. und seiner Schriften, Krst. 1930; K.K. Klein: Der Humanist und Reformator J.H., Hst./München 1935; O. Wittstock: J.H., der Sb. Humanist und Reformator, Göttingen 1970; G. Nussbächer: J.H. Sein Leben und Werk im Bild, 3. Aufl., Buk. 1978; ders. Beiträge zu einer Bibliographie der neueren Honterusforschungen , in: Forschungen 1/1980; ders.: J.H. (1498-1549), im Bande von H. Barth (Hg.): Von H. zu Oberth. Bedeutende sb.-dt. Naturwissenschaftler, Techniker und Mediziner, Buk. 1980; G. Engelmann: J.H. als Geograph, Köln/Wien 1982 (Studia Transylvanica, Bd. 7); H. Meschendörfer: Honters astronomische Karten nach dürerschen Vorbildern, in: C. Machat (Hg.), Beiträge zur sb. Kunstgeschichte und Denkmalpflege, München 1983; G. Nussbächer: J.H. 1498-1549, im Band von D. Drotleff (Hg.): Taten und Gestalten. Bilder aus der Vergangenheit der Rumäniendeutschen, I. Bd., Klbg. 1983; G. Nussbächer: Neue Erkenntnisse in der H.-Forschung, in: Revue roumaine d'histoire, Nr. 1-2/1990; Ders.: Beiträge zur Honterus-Forschung 1966-1989, Krst. 2003; Ders.: Beiträge zur Honterus-Forschung 1989-2004, Krst. 2005. (LSS-GN, DFDKK)

Jakobi, Richard

 Forstingenieur, Schriftsteller und Ornithologe; * Kronstadt 26.3.1901, † Hermannstadt 26.1.1972. Honterusgymn. in Kronstadt , Hochschule für Bodenkultur  in Wien (1921/22) und Forsthochschule Pharandt (1923-1925), Praktikum an der Vogelwarte Rossitten (1925), Forstdienst in der Hargitta (1940) und in Broșteni/Moldau (1942), Verschleppung in die Sowjetunion (1945–1947), Forstdienst im Lotru- und Zibinsgebirge (1949), danach freier Schriftsteller, Verfasser von rund  40 Jagderzählungen, zahlreichen Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln, Büchern mit Jagd- und Tierschilderungen, ornithologische Schriften. Die ornithologische Tätigkeit J.s bezieht sich auf Schaffung einer ersten Zentrale für Vogelberingung (1925–1928, am Burzenländer sächsischen Museum, Kronstadt), Vorbereitungen zur Einrichtung einer Vogelwarte im Donaudelta, Klärung ornithologischer Probleme (Flugtypen bei Vögeln, Bartgeiervorkommen, Altersbestimmung und Rassenprobleme, Greifvögel, Birkhuhn u.a.). (LSS-WK)
Werke (Auswahl): Gedanken zu einer rum. Vogelwarte, 1930; Das Mädchen und die Bärin, Buk. 1958; Karpatenzauber. Erzählungen aus Hackelbernds und Nöckelmanns Reich, Buk. 1961; Hexensabbat. Tier- und Jagdgeschichten, Buk. 1970; Sb. Schnurren und Anekdoten, 1971; Das Birkhuhn (Mitautor: H. Heltmann), 1979; Die Adler und Geier Sb.s (Mitautor: H. Heltmann), 1984.
Literatur. W. Klemm: R.J. als Ornithologe, in: Beiträge zur Vogelkunde, Leipzig 1978, 24 (5), S. 295-298; H. Salmen: Die Ornis Sb.s, Bd. II, S. 27 f., Bd. III, S. 426, Köln/Wien 1982 und 1988; L. Gebhardt: Die Ornithologen Mitteleuropas, Bd. II, Gießen 1970.


Jekelius, Erich

Geologe, Paläontologe, Genealoge; * Langendorf (b. Kronstadt) 2.8.1889, † Bissingen (b. Bietigheim) 27.11.1970. Studium der Geologie und Naturwissenschaften an den Univ. von Straßburg, Berlin, Leipzig, München und Budapest. Hier Promotion 1914. Ab 1919 bis 1944 am Geol. Institut in Bukarest, zuletzt als Chefgeologe. Seine geol. und paläontol. Untersuchungen und Publikationen (über 47) konzentrieren sich vor allem auf die Gebiete Schuler, Hohenstein, Butschetsch und Königstein, unter besonderer Berücksichtigung der mesozoischen und tertiären Fauna. 1950 bis 1961 Chefgeologe bei einem Großbauunternehmen. 1936 wurde J. ehrenamtlich Leiter des Burzenländer sächsischen Museums. Unter seiner Leitung Einrichtung einer genealogischen Abteilung, die die gesamte sächs. Bevölkerung Kronstadts erfassen sollte (bis 1944 ca. 100.000 Karteikarten). Seine diesbezüglichen Forschungen, nach 1944 fortgesetzt, umfassen 12 maschinengeschriebene Bände. Entfaltung einer regen publizistischen Tätigkeit. J. war maßgebend an einer großangelegten Burzenlandmonographie beteiligt, von der nur drei Bände erschienen sind. Eine Berufung an die Univ. Jassy nahm J. aus familiären Gründen nicht an. (LSS-HUK)
Werke (Auswahl): Die mesozoische Fauna der Berge von Kronstadt, I-VII, 1915–1916, in ung. Sprache; Führer durch die geol. Abteilung des Burzenländer sächs. Museums, Krst. 1920; Zăcămintele de lignit din bazinul pliocenic din valea superioară a Oltului, Buc. 1924; Geologia Pasului Bran, Buc. 1926; Harta geologică a României 1:1.500.000; Atlas Geologic Foaia 1 (mit L. Mrazec und I. Atanasiu), Buc. 1927; Bibliografia Geologică a României, Suplimentul 1, Institutul Geologic al României (1929, Hg.); Aperçu sur la structure du Bassin Néogène de Transylvanie et sur ses gisements de gaz, Guide des excursions, Buc. 1927; Die Molluskenfauna der dazischen Stufe des Beckens von Braşov/Kronstadt, Buc. 1932; Die Parallelisierung der pliozänen Ablagerungen SO–Europas, Buc. 1935; Der geol. Bau des Gebirges von Braşov/Kronstadt, Buc. 1938; Das Pliozän und die sarmatische Stufe im mittleren Donaubecken, Buc. 1943.
Literatur. A. Prox: E.J. 80 Jahre alt, in: SOV, 18. Jg., 1969, Folge 3, S. 141-144; A. Prox: E.J., in: Korrespondenzblatt, 1. Jg., 1971, Folge 3, S. 49-52.

Kimm, Fritz

Zeichner und Maler, * Kronstadt 12.1.1890, † Lechbruck/Allgäu 5.5.1979. K. studierte 4 Jahre an der Budapester Kunstakademie figürliches Zeichnen und Malen bei Prof. Balló, gewann 1914 den Nadány-Preis (bester Kunstschüler Ungarns), den Harkányi–Preis (bester Aussteller unter 40 Bewerbern) und sah mit einem Staatsstipendium und zahlreichen Porträt-Aufträgen einer hoffnungsvollen Zukunft entgegen, die dann der Erste Weltkrieg in Frage stellte: drei Jahre als Offizier in der österr.-ung. Armee, denen anderthalb Jahre Dienst im rum. Heer folgten.
Nach 1918 fasst K. auf dem Boden der Kunst wieder Fuß, Ausstellungen in seiner Vaterstadt, in Hermannstadt und in Bukarest machen ihn weithin bekannt. In Bukarest wird ihm der Orden „Pentru merite artistice“ (für künstlerische Verdienste) I. Klasse verliehen, ihm sollten später weitere Auszeichnungen, der Hermann-von-Salza-Preis (1934) und 1971 der Sb.-S. Kulturpreis folgen. In den Jahren der Wirtschaftskrise um 1930 wird K. Gutsverwalter und Gestütsleiter im Szeklerland, wo er seit 1936 einen Bauernhof bewohnt. Die anderthalb Jahrzehnte zwischen 1930 und 1944 sind die reichste Zeit seines Schaffens. Zahlreiche Buchillustrationen für sb. und namhafte dt. Verlage (Reclam, Langen-Müller u.a.).
Im Mittelpunkt von K.s Schaffen steht und bleibt bis in sein hohes Alter hinein die Zeichnung. In seinen Werken ist der Lebens- und Arbeitswelt des bäuerlichen, in die Karpatenlandschaft eingebundenen Menschen ein Vorzugsplatz eingeräumt. In dem Bildgeschehen fällt auch dem Tier eine dominierende Rolle zu. Keiner unter den sb.-s. Künstlern ist so sehr Meister des Zeichenstifts wie K. Worum sich die Besten seiner Zeit im malerischen Bereich bemühten, befreit von den Fesseln der Zentralperspektive auf dem Medium Bildfläche eine ihrer Zweidimensionalität entsprechende „reine Kunst“ zu entwickeln, das gelingt ihm mit dem Zeichenstift. In den Zeichnungen „Holzarbeiter“ und „Dorfstraße“ etwa ist die zentralperspektivische Illusion des Raums eliminiert, die Wahrheit naturalistischer Wirklichkeit dennoch aber in hohem Maß gegenwärtig.
1944 flüchtet K. mit seiner Fam. in einem kleinen Pferdewagen (wie er ihn oft gezeichnet hat) nach Österr. (Vöcklabruck) und findet schließlich 1955 einen endgültigen, seiner Heimat landschaftlichen verwandten Wohnsitz in Lechbruck. Ergreifend zu verfolgen, wie der alternde, seine Heimat entbehrende Künstler in den Zeichnungen dieser Jahre – die Malerei bildet zeit seines Lebens nur einen Seitenzweig von K.s Werk – immer sparsamer wird. In wenigen Strichen holt er aus den Gesichtern, den Gestalten der Menschen und Tiere und aus der Art und Weise, sich zu verhalten und sich zu bewegen, nur mehr das „eigentliche“ heraus. Er bedarf nicht mehr des Resonanzraumes der verlorenen Heimat. Es ist, als ob sich der Erinnerung Mensch und Tier allein unvergesslich einprägten, nicht mehr als Träger bewegter Handlung sind diese nun dargestellt, sondern in sich ruhend, als bedeutungsvolle Knotenpunkte des Seins, deren Ausstrahlungskraft so groß ist, dass sie der Umwelt gar nicht mehr bedürfen. Selten hat eine Kunst auf dem Wege in die Verinnerlichung der Formen alles Äußerliche so sehr abgestreift wie bei K. in seinen späten Zeichnungen. Er hat seinen Entwicklungsweg rückblickend selbst so beschrieben:
„Aber hinterher lassen sich vielleicht folgende Gesichtspunkte aus meinen Arbeiten herauskonstruieren: Betonung der zweidimensionalen Form, der Linienharmonie im Bildaufbau und – Vernachlässigung der rein malerischen Prinzipien.
Noch klarer lässt sich mein Glaubensbekenntnis durch die Namen derjenigen Maler festlegen, die immer wieder einen tiefen Eindruck auf mich gemacht haben; das sind: Dürer, Holbein, Michelangelo, Rethel, Hodler, Egon Schiele und die Japaner.“ (LSS-WM)
Schriftliches. F.K.: [Mein Werdegang], in: Aus Kronstädter Gärten. Kunstleben einer sächsischen Stadt im Jahre 1930, Festschrift für die Vereinstage in Kronstadt 1930, hg. von A. Meschendörfer, Krst. 1930, S. 194.
Literatur. H. Wühr: F.K., Südostdt. Kulturwerk, München 1964; H. Krasser: Raumschaffende Konturen. Zum 80. Geb. des Graphikers und Malers F.K., in: HZ, 9.1.1970 (auch in: Sie prägten unsere Kunst, hg. von B. Stephani, Klausenburg 1985); C. Stephani: Fern von Siebenbürgen. Zu F.K.s 90. Geburtstag, in NL 3/1980, S. 108 f.; K. Mönch: F.K., in: Sb. Museum Gundelsheim, Nachrichten des Freundeskreises, April 1985; R. Wittstock: Ein begnadeter Zeichner. 100 Jahre seit der Geburt des Künstlers F.K., in Neuer-Weg-Kalender 1990, S. 56 f.; W. Myss: Kunst in Sb., Thaur bei Innsbruck 1991; K. Klein: „Leb wohl und schreib bald“. Die gemalten Postkartengrüße des jungen F.K., in „Siebenbürgische Zeitung“, 48. Jg., F. 3/25.02.1998, S. 7.

Kühlbrandt, Ernst

Eduard Morres: Ernst Kühlbrandt (Bleistift u. Öl-Lasur, o.J.)

 Lyriker und Kunsthistoriker, * Kronstadt 10.5.1857, † ebd. 1933. Nach zweijähriger Praxis am Österr. Museum in Wien kehrte K. 1882 nach Kronstadt zurück, wo er bis 1927 an der städtischen Gewerbeschule lehrte. Obwohl er 20 Jahre älter als Meschendörfer war, hat er erst unter dem Einfluss der Zeitschrift Die Karpathen literarisch Wertvolles verfasst. Den Großteil seiner zuerst vorwiegend in den Karpathen veröffentlichten Epigramme, Fabeln und Parabeln hat K. in seinen Bänden Geständnisse und Erkenntnisse (1919) und Späte Ernte (1930) gesammelt. In kurzer, scharfsinniger und knapper sprachlicher Form, mit unerwarteten und affektgeladenen Schlussfolgerungen umkreisen K.s Sinngedichte vornehmlich allg. sittliche Grundgehalte. Seine Kurzschlüsse richten sich mit Vorliebe gegen kleinbürgerliches Philistertum, unbegründete Überheblichkeit, gegen Karrieremacher und jede Art von Unmenschlichkeit. – Als Schrittmacher der neueren Malerei in Sb., als Kunsthistoriker und als Kulturpionier (Mitbegründer der Gesellschaft für Kunstfreunde 1907, Mitbegründer und Mitarbeiter der Zeitschrift Die Karpathen, Mitarbeit an dem von Erich Jekelius hg. Sammelwerk Das Burzenland, zahlreiche Vorträge zur Kultur in Sb.) gehört K. zu den herausragenden Persönlichkeiten der Sb. S. im ausgehenden 19. und im ersten Drittel des 20. Jh.s. (LSS-StS)
Werke (Auswahl): Die ev. Stadtpfarrkirche A.B. in Kronstadt. 1. Heft Krst. 1898, 2. u. 3. Heft Krst. 1927; Geständnisse und Erkenntnisse, Leipzig 1919; Späte Ernte, Krst. 1930; Der Weisheitszahn, Sinngedichte, hg. von H. Stănescu , Buk. 1969.
Literatur. A. Kartmann: E.K., in: Die Literatur der Sb. S. in den Jahren 1849-1918, hg. von C. Göllner u. J. Wittstock, Buk. 1979, S. 212-217.

Lassel, Rudolf

Rudolf Lassel (Foto: Bildarchiv Konrad Klein)

Organist, Chordirigent, Komponist, * Kronstadt 15.3.1861, † ebd. 18.1.1918. Er studierte Theologie, Philosophie und Musik in Leipzig. Leiter des Leipziger akademischen  Musikvereins. 1887 vom Presbyterium in Kronstadt zum Organisten, später auch zum Kantor und in der Vereinigung der beiden Ämter zum Musikdirektor der evang. Stadtpfarrkirche (Schwarze Kirche) sowie zum Gymnasial- und Seminarlehrer gewählt, übernahm er ab 1889 auch die Chormeisterstelle des Kronstädter Männergesangvereins. Er gründete 1894 in Anlehnung an den Leipziger Thomanerchor einen neuen Schülerkirchenchor. 1902 für das Amt des Thomasorganisten in Leipzig vorgeschlagen, fiel die Wahl auf ihn und K. Straube, doch L. lehnte eine Bewerbung zugunsten seiner Kronstädter Ämter ab. Als überragender Organist leitete er in Kronstadt die Pflege der barocken und spätromanischen Orgelmusik ein und galt auch als Meister der selten gewordenen Improvisationskunst. Mit dem Chor des Gesangvereins und dem Knabenchor führte er die bedeutenden Vokalwerke der dt. Musikliteratur von Schütz bis Mendelssohn und Bruch auf, wobei er neue ästhetische und interpretatorische Maßstäbe für Kronstadt setzte. Begabte junge Kräfte, wie P. Richter, G. Jekelius oder die Geschwister Gmeiner erfuhren durch ihn eine entscheidende Förderung. Kaiser Wilhelm II. und Königin Elisabeth von Rum. verliehen ihm Orden. L. starb unerwartet an den Folgen einer Lungenentzündung. Am 12.2.1918 konstituierte sich in Kronstadt eine R.-L.-Stiftung, die den R.L.-Preis ins Leben rief. Außerdem wurde ein Kuratorium zur Herausgabe von L.s Werken gegründet.
L. schrieb hauptsächlich Vokalmusik für seine berufliche Praxis. Seine volkstümlichen Lieder auf Texte sb.-s. Autoren erlangten weite Verbreitung und trugen zur neuen Blüte des sb.-s. Mundartliedes bei. Aufführungen seiner Matthäus-Passion, der bekanntesten Komposition L.s neben seinen Chören und Liedern, gab es regelmäßig in Kronstadt und gelegentlich auch im Ausland. Stilistisch war L. der dt. Hochromantik verpflichtet; er hielt an tradierten Formen und Techniken fest. Seine Musik ist tiefempfunden, ehrlich, ansprechend. (LSS-KT)
Werke (Auswahl): Werke für Soli, Chor und Orchester/Orgel, darunter: „Die Leidensgeschichte unseres Herrn Jesu Christi“ (Matthäus-Passion), unvollendet (daraus als Einzelkantate erschienen: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser“); „Richte mich, Gott“ (geistliche Szene nach dem 43. Psalm); „Amor im Pensionat“ (Singspiel, Text: J. Römer). - Chorwerke a cappella: geistliche Gesänge, Motetten, 6 Lieder im Volkston in sb.-s. Mundart; einzelne gemischte Chöre; Männerchöre. - Lieder für Singstimme und Klavier (meist zusammengefasst in Zyklen von 2-5 Liedern); Duette für zwei Singstimmen und Klavier; Kinder- und Schullieder. - Orgelmusik: Fantasie und Fuge c-Moll; Fantasie über „Ein feste Burg“ F-Dur; Zwischenspiele zu 123 Chorälen des Choralbuches; Vorspiele zu sämtlichen Melodien des neuen Choralbuches. - Veröffentl. bei: Hug & Co., Leipzig; W. Siegel‘s Musikalienhandlung, Leipzig; W. Hiemesch, Krst.; Edit.: „Liederstrauß - Ein Liederbuch für Schule und Haus“ (5 Hefte), H. Zeidner, Krst. 1906, W. Hiemesch, Krst. 1909, 1917; „Quartett für 2 Violinen, Viola und Violoncello in B-Dur“, Gesamtpartitur und Einzelstimmen (Reihe „Musik aus Siebenbürgen, Nr. 3), Schiller Verlag, Bonn/Hst. 2012; „Geistliche und weltliche A-Cappella-Chöre“ (Reihe „Musik aus Siebenbürgen, Nr. 6), Schiller Verlag, Bonn/Hst. 2012.
Literatur. E. Hajek: R. Lassel als Tondichter, in: Ostland, Jg. II/15 1920; E.H. Müller: Die Musiksammlung der Bibliothek zu Kronstadt, Krst. 1930; Ch. Thal: Vielseitig: als Musikerzieher und Tonsetzer. Aus R.L.s Leben und Wirken (I), in: KR 12/22.3.1974; ders.: Wege zur Volkstümlichkeit. Aus R.L.s Leben und Wirken (II), in: KR/29.3.1974; R.E. Reichart: Erinnerungen an R. Lassel, in: SOV 1988/3; Ch. Chiriac: Ein vielfältiges Wirken in Kronstadt. Zum 150. Geburtstag R.L.s, in: KR 11/17.3.2011; K. Teutsch: Einer der bedeutendsten siebenbürgischen Musiker. Zum 150. Geburtstag von R.L., in: SbZ, 31.3.2011; St. Schlandt: R.L. (1861-1918) - 150 Jahre seit seiner Geburt. Weitere Informationen über einen äußerst begabten und beliebten Kirchenmusiker der Schwarzen Kirche, in: Lebensräume, Nr. 16/Ostern 2011.
Diskographie: Fantasie für Orgel über „Ein feste Burg“ (H.E. Schlandt, Orgellandschaft Siebenbürgen, MDG 319 0414-2); Präludium und Fuge c-Moll (U. Philippi, Orgellandschaft Siebenbürgen, MDG 319 0414-2); Eine siebenbürgische Passionsmusik. Teil I – Gründonnerstag (Bachchor Hermannstadt, 2004, VS 6284 CD).


Lehmann, Carl

Carl Lehmann (links) und der Naturschützer Hans Lutsch anlässlich einer Wanderung auf den Königstein im Jahr 1987 (Foto: Siebenbürgen-Institut Gundelsheim/Neckar)

 Fotograf, Kartograph, Bergführer, * Törzburg bei Kronstadt 17.3.1894, † Kronstadt 1.6.1990. Über sechs Jahrzehnte trat er bes. als Landschaftsfotograf der SO-Karpaten Sb.s hervor. Durch ihre Thematik und Qualität besitzen die fotografischen Aufnahmen von L. oft dokumentarischen Wert. Viele seiner Bilder wurden als Illustration für wissensch. und touristische Veröffentlichungen und als Ansichtskarten reproduziert. Mehrere Fotoausstellungen in Rum. und in der Bundesrep. Dtl. Im Bereich Tourismus war L. um die Zusammenarbeit der rum., ung. und sächs. Touristenverbände bemüht. Nach 1945 schuf er ein vorbildliches Wegmarkierungssystem in den SO–Karpaten. Ehrenmitglied der Sektion Karpaten des Deutschen Alpenvereins (1989) und des Clubul Alpin Român (1990). (LLS-GV, DFDKK)
Literatur. W. Zeidner: … den weit die Füße tragen. Mann mit Herz für seine Berge: K.L., in KR, 28.10.1977; A. Zweier: 400 Landschaften. Wir sprechen mit Bergfreund K.L. (Interview), in: NW, 12.5.1987; H. Bergel: Kronstadts Berglegende. C.L. gestorben, in: Sb. Zeitung, 15.7.1990; W. Gutt: Ein Leben für die Berge in den Bergen. Zum hundertsten Geburtstag von C.L., in KR, 17.3.1994; Ch. Albert: K.L., ein Leben in den Bergen, für die Berge, in: KR, 2.9.2000; P. Ţărnă: Tradiţie şi identitate. Cine a fost C.L., in: Gazeta de Transilvania, 31.1./1.2.2009.

 



Meschendörfer, Adolf

Ernst Honigberger: Adolf Meschendörfer (Gemälde, 1920)

Schriftsteller, * Kronstadt 8.5.1877, † ebd. 4.7.1963. Studium der Philologie, Theol. und Philosophie in Straßburg, Wien, Budapest, Heidelberg, Klausenburg und Berlin (1897–1901). Dissertation über Heinrich von Kleist als Prosaschriftsteller (1910). Danach widmete er sich in seiner Heimatstadt dem Lehrerberuf (1926 bis 1940 Rektor des Honterusgymn.), dem er zeitlebens treu blieb. 1940 trat er in den Ruhestand. 1932 wurde M. die silberne Medaille der Dt. Akademie, 1936 die Ehrendoktorwürde der Univ. Breslau und 1957 der Arbeitsorden I. Klasse der Rum. Volksrepublik verliehen. Er war Mitglied des Rum. Schriftstellerverbandes (seit 1954). In der von ihm redigierten Kulturzeitschrift Die Karpathen (1907-1914) wandte er sich gegen den Dilettantismus in der sb.-dt. Literatur, forderte die Beachtung strenger künstlerischer Maßstäbe und setzte sich für die kulturelle Zusammenarbeit aller sb. Völker und Völkerschaften ein. Sein 1908 zum ersten Mal in Fortsetzungen in den Karpathen erschienener Roman Leonore (1920 Buchausgabe, später wiederholt aufgelegt, auch in rum. Übersetzung) schildert aus der Sicht eines „nach Siebenbürgen Verschlagenen“ in einer bis dahin in der heimischen dt. Literatur nicht üblichen kritischen Weise Realitäten aus der sächs. Gemeinschaft um die Jahrhundertwende. Siebenbürgische Fragestellungen stehen auch im Mittelpunkt seiner anderen beiden Romane: Die Stadt im Osten (mehrere Auflagen, auch rum. und ung. Übersetzung) und Der Büffelbrunnen, die, mit z.T. veränderten Darstellungsmitteln, in episch breitangelegten Handlungsabläufen Geschehnisse aus dem Leben einer dt. Sprachinsel in der ersten Hälfte des 20. Jh.s festzuhalten versuchen. In den vierziger Jahren hat M. vorzugsweise Künstlernovellen und Humoresken (Siebenbürgische Geschichten) geschrieben, nach 1944 dichterisch Belangvolles kaum hervorgebracht. Seine Dramatik (Dramen: Abt von Kerz; Michael Weiß; Vogel Phönix) hatte weniger Erfolg, dgl. seine Lyrik (Gedichte, 1930 und 1967), mit Ausnahme seiner Siebenbürgischen Elegie (1927), die zu den bekanntesten Glanzleistungen südostdt. Dichtung gehört. M. veröffentlichte außerdem Vorträge über Kultur und Kunst (1906), literaturkritische und -hist. Aufsätze in in- und ausländischen Zeitschriften. Mit seinem Gesamtwerk hat er nachhaltig auf die sb.-dt. Literatur des 20. Jh.s gewirkt und deren Entwicklung entschieden gefördert und geprägt. (LSS-StS)
Werke (Auswahl): Vorträge über Kultur und Kunst, Krst. 1906; Heinrich von Kleist als Prosaschriftsteller, Krst 1910; Leonore, Roman eines nach Sb. Verschlagenen, Hst. 1920, Krst. 1933, Buk. 1967 u. 1975; Gedichte, München 1930, Buk. 1967; Dramen, Krst. 1931; Die Stadt im Osten, Hst. 1931, München 1933, Buk. 1982; Der Büffelbrunnen, München 1935; Sb., Land des Segens, Lebenserinnerungen, Prosa, Gedichte, Leipzig 1937; Sb. Geschichten, Krst. o.J. [1947]; Als man noch die Soldaten fing, Buk. 1966; Gedichte, Erzählungen, Drama, Aufsätze, hg. von B. Kolf, Buk. 1978.
Literatur. W. Myss: Fazit nach 800 Jahren, München 1968, S. 17-32; G. Scherg: A.M., in: Die Literatur der Sb. S. in den Jahren 1849-1918, hg. von C. Göllner u. J. Wittstock, Buk. 1979, S. 291-298; E. Konradt: Grenzen einer Insellit. Kunst und Heimat im Werk A.M., Frankfurt a.M., Bern/New York/Paris 1987; G. Scherg: A.M., in: Die rumäniendt. Lit. in den Jahren 1918-1944, hg. von J. Wittstock u. St. Sienerth, Buk. 1992, S. 161-177.

Meschendörfer, Harald

Harald Meschendörfer: Selbstbildnis mit 70 Jahren (Aquarell, 1979)

Graphiker und Maler, Sohn von Adolf M., * Kronstadt 14.6.1909, † ebd. 23.9.1984. Absolvent des Honterusgymn. (1927), Studium bis 1932 in München, Abschluss des Studiums in Paris. Von 1932 bis zu seinem Tode wirkte M. in seiner Vaterstadt, wo er 1953 bis 1969 an der Volkshochschule für Kunst lehrte. Auslandsreisen führten ihn nach Italien, Athen, Konstantinopel und vor allem in die Bundesrep. Dtl., wo er häufig ausstellte.
„Harald Meschendörfer ist seinen Weg gegangen - ohne Kompromisse“ (G. Ott). Sein Ausgangspunkt war die Gebrauchsgraphik. In geradezu prästabilierter Zwanglosigkeit gelangte M. vom „Hand-Werk“ zur bildenden Kunst, und ebenso ungezwungen - geradezu als „sanftes Gesetz“ - vollzieht sich in seinem Werk der Übergang von der gegenständlichen zur abstrakten Kunst. In den Aquarellen und Graphiken mit Motiven aus dem alten Kronstadt ist der gegenständlichen, in seinen freikünstlerischen Zyklen der abstrakten Kunst der Vorrang eingeräumt. In diesen weitgehend gegenstandslosen, in perfekter Collagetechnik und in Tusche und Tempera ausgeführten Serien – Türme aus Rumänien, Morphologische Improvisationen, Raumklaviaturen, Blätter aus dem Alphabet eines Schriftgraphikers - erreicht M.s Kunst hohe Vollendung. Gleichsam als naturalistischer Kontrapunkt stehen ihnen die mit „dürerscher Genauigkeit“ ausgeführten Pflanzeninterpretationen gegenüber, die M. über Jahrzehnte hinaus zur Lebensaufgabe wurden. (LSS-WM)
Literatur. J. Fabritius-Dancu: Die Schrift als künstlerisches Ausdrucksmittel. Zur Graphikausstellung H.M.s im Schiller-Haus, in: NW, 18.9.1977 (auch in: Sie prägten unsere Kunst, hg. von B. Stephani, Klausenburg 1985); J. Fabririus-Dancu: H.M., Buk. 1984; G. Ott: H.M., Graphiker und Maler aus Kronstadt, in: SOV, 33 Jg., München 1984, S. 267 ff.; H. Meschendörfer: Den Gedanken sichtbar machen, in Sb. Zeitung, 31.10.1984; W. Myss: Kunst in Sb., Thaur bei Innsbruck 1991; M. Wittstock: Ein Künstlerleben. Gedenken an den Grafiker H.M. zum 100. Geburtstag, in: Dt. Jahrbuch f. Rum. 2009, S. 113 ff.

Mieß, Friedrich (Fritz)

Friedrich Mieß (Foto: Joseph Fischer, 1934)

 Maler, * Kronstadt 21.8.1854, † ebd. 29.5.1935. 1883 bis 1885 Akademie der Bildenden Künste in Wien, 1885 bis 1889 Akademie der Bildenden Künste in München. Dem Studium folgen Lernjahre in Rom und in den Sabinerbergen in Künstlerkreisen um Robert Wellmann. Dann kehrte M. nach Kronstadt zurück, wo er bis ins hohe Alter hinauf, wie Antäus durch Berührung mit der Mutter Erde, aus der Bildhaftigkeit der heimatlichen Landschaft und ihrer Menschen Kraft für ein reiches Malerwerk schöpft, dessen Kern die Landschaftsmalerei und die Bildniskunst sind.
Eng verwandt fühlte sich M. dem malerischen Realisten Wilhelm Leibl. Wie bei diesem sind auch bei ihm Naturwahrheit und Realismus Maximen des Kunstwollens, wie Leibl nähert sich auch M. hie und da einem gemäßigten, die Körperlichkeit der Gestalten freilich nie auflösenden Impressionismus. V. Roth bezeichnete M. als den Klassiker der neuen sb. Malerei; unter ihren Vertretern ist er der erste, der es wagte, in der Heimat als „freier Künstler“ zu leben.
Werke von M. befinden sich u.a. im Nationalmuseum zu Budapest, im Nationalmuseum von Bukarest, dem Brukenthalmuseum und dem Kronstädter Kunstmuseum. (LSS-WM)
Schriftliches. F.M.: [Mein Werdegang], in: Aus Kronstädter Gärten. Kunstleben einer sächsischen Stadt im Jahre 1930, Festschrift für die Vereinstage in Kronstadt 1930, hg. von A. Meschendörfer, Krst. 1930, S. 194 f.
Literatur. U. Thieme, F. Becker: Allg. Lex. d. Bild. Künstler, Bd. 24, Leipzig 1930, S. 542; W. Myss: Kunst in Sb, Thaur bei Innsbruck 1991; I. Mesea: La 150 ani de la nașterea pictorului F.M., in: F.M. 1854-1935. Expoziție aniversară [Ausstellungskatalog], Krst. 2004; D. Udrescu: Remember F.M. (1854-1935), in: F.M. 1854-1935. Expoziție aniversară [Ausstellungskatalog], Krst. 2004.


Mildner-Müller, Renate

Graphikerin, Malerin, Kunstpädagogin, * Kronstadt 7.2.1940; 1955 bis 1957 Studium der Graphik und Schrift bei Harald Meschendörfer, 1960 bis 1966 Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Klausenburg, 1966 Diplom, Meisterschülerin der Klasse Graphik. 1966 bis 1977 Mitarbeit in Verlagen, Illustration von 14 Kinder- und Jugendbüchern. Das im Kriterion-Verlag (Bukarest) erschienene, von M.-M. illustrierte Jugendbuch Der tapfere Ritter Pfefferkorn erreicht 1987 eine Auflage von über 200.000 Exemplaren und damit die höchste in der gesamten dt. Verlagsproduktion Rum.s. - 1977 Übersiedlung in die Bundesrep. Dtl., nach Winnenden, hier als Kunstpädagogin in der Erwachsenenbildung tätig.
M.-M.s Handschrift lässt sich nicht in die Schablone „phantastischer Realismus“ pressen. „Poetischer Realismus“ oder „Lyrischer(Sur)Realismus“ träfen eher zu. Ihre Kreationen sind meistens Traum-, niemals Spottgeburten. Nicht um Demaskierung des Erscheinenden ist es der Künstlerin zu tun, sie liebt Masken, jene der Clowns, Gaukler, Musikanten, Magier, „blauen Vögel“ und „Vogelfrauen“, die unter ihren Händen zu Kündern der Freiheit, eines ersehnten Freiraums werden. Die besten Bilder M.-M.s sind selbsterdachte Märchen. In ihnen ist die „Kunst des Weglassens“ (Gesichter sind oft leere oder fast leere Flächen) und der Verfremdung (zauberhafte Musikanten werden zu puppenhaften Gestalten einer sinnlich-übersinnlichen Welt) meisterhaft beherrscht. (LSS-WM)
Literatur. Sb. Galerie im Wort und Welt Verlag, 1985/86, S. 26-29; G. Ott: R.M.M - von der angewandten Graphik zur freien Malerei, in: Kulturpolitische Korrespondenz, Bonn 15.11.1986/23; W. Myss: Kunst in Sb., Thaur bei Innsbruck 1991.

Morres, Eduard

Eduard Morres: Selbstbildnis (Öl, o.J.)

Maler, Zeichner und Kunstpfleger, * Kronstadt 15.6.1884, † Zeiden bei Kronstadt 7.2.1980. Zu seinen Lehrern in seiner Vaterstadt gehörten Ernst Kühlbrandt, Friedrich Mieß und Arthur Coulin. M. besuchte die Zeichenlehrerschule in Budapest, die Hochschule für Bildende Künste in München und hielt sich schließlich noch ein Jahr lang in Paris auf.
Mit seinem Vetter Hermann Morres verbindet ihn der konservative Wesenszug. Wie bei jenem hat auch bei E.M. ein handfester Realismus das Sagen, doch meldet sich in seinen Bildern immer wieder auch der französ. Impressionismus (vor allem jener Manets) zu Wort. Mit seinen rund 2000 Bildern hat M. eine grandiose Bilddokumentation, eine Erfassung des sb. Landes und seiner Bewohner in der ersten Hälfte des 20. Jh.s geschaffen. Sie ist das Werk eines Künstlers, der „handwerkliche Anständigkeit“ hochhielt und diese - noch als Fünfundneunzigjähriger vor der Staffelei stehend - zu seinem Lebensinhalt gemacht hat. - Daneben leistete M. als Kunstsachverständiger wertvolle Beiträge zur Kunsttopographie des sächs. Sb.s. In der mehrbändigen Burzenland-Monographie beschrieb er die dt. Kirchen Kronstadts und des Burzenlandes. Seinen Nachlass vermachte er als Stiftung der Gemeinde Zeiden, wo er seit 1942 lebte. Aus den hier der Nachwelt anvertrauten Bildern „spricht eine tiefe Freudigkeit und die Sicherheit des ruhig Gewachsenen“ (E. Axmann). (LSS-WM)
Schriftliches. E.M.: [Mein Werdegang], in: Aus Kronstädter Gärten. Kunstleben einer sächsischen Stadt im Jahre 1930, Festschrift für die Vereinstage in Kronstadt 1930, hg. von A. Meschendörfer, Krst. 1930, S. 195 f.
Literatur. R. Wittstock-Reich: Einen Platz in den Heimen seiner Landsleute gefunden. Sieben Jahrzehnte der Malerei gewidmet. Nach einem Besuch bei E.M. notiert, in: NW, 7.5.1977 (auch in: Sie prägten unsere Kunst, hg. von B. Stephani, Klausenburg 1985); C. Werner: Klares Fundament. Gedanken an E.M., in: NL 4/1980; H. Bergel: Zum hundertsten Geburtstag des Malers E.M., in: Sb. Zeitung 15.6.1984; W. Myss: Kunst in Sb., Thaur bei Innsbruck 1991; K. Klein: Zum 110. Geburtstag des Malers E.M. (1884-1980): „Ich lebe hier ziemlich isoliert…“ Ein Brief von E.M. an den Kunsthistoriker H. Wühr, in: Sb. Zeitung, 15.6.1994; M.J. Tataru: E.M. – der kompromisslose Traditionalist, in: Sb. Zeitung, 15.6.1994; B. Stephani: E.M. Ein siebenbürgischer Künstler, München und Heidelberg 2006; B. Stephani: E.M. – unterwegs in Europa. Zum 125. Geburtstag eines heimatverbundenen Künstlers, in: Sb. Zeitung, 20.5.2009.

Morres, Hermann

Maler und Zeichenlehrer, * Kronstadt 22.5.1885, † ebd. 30.3.1971. Er studierte 1904 bis 1908 in Budapest und war von 1908 bis zu seiner Pensionierung (1948) Zeichenlehrer an verschiedenen Schulen seiner Vaterstadt. Schon während seiner Studienzeit hatte er im Budapester Nemzeti Szalon (1906) ausgestellt; in Kronstadt bildeten seine Ausstellungen in der ersten Jahrhunderthälfte einen festen Bestandteil des weihnachtlichen Ausstellungs-Ordinariums. Daneben stellte M., der auch als Komponist tätig war, jedoch mit seinen Kompositionen nicht Fuß fassen konnte, seine Bilder auch in Bukarest, Ploieşti und im Ausland aus.
Mit dem Impressionismus, dem Expressionismus (Hodlers) und den späteren Stilrichtungen der neuen Malerei - die ihm H. Mattis-Teutsch nahezubringen versuchte - hatte M. nur flüchtige Berührung. Er pflegte - mit gelegentlichen Abstechern ins Impressionistische und ins Symbolistische (Die Vier Jahreszeiten) - bis ins hohe Alter hinauf eine konservativ-gegenständliche Malerei. Ihre Angelpunkte bildeten die heimatliche Landschaft und ihre Menschen, die in zahlreichen Bildern genrehaft zu einer Zwei-Einheit verwoben sind (Pfingstfest in Draas, Bockelung in Urwegen). Erschüttert erfährt der Betrachter, wie dieser Realismus im Spätwerk des fast blinden Malers als „sozialistischer Realismus“ eine geradezu tragische Dimension empfing: Kartoffelbrigaden, Gießereiarbeiter und Kollektivwirtschaften - unter diesen Titeln wurden seine Bilder nun gehandelt. (LSS-WM)
Schriftliches. H.M.: [Mein Werdegang], in: Aus Kronstädter Gärten. Kunstleben einer sächsischen Stadt im Jahre 1930, Festschrift für die Vereinstage in Kronstadt 1930, hg. von A. Meschendörfer, Krst. 1930, S. 196 f.
Literatur. H. Schuller: Begabung und Leistung in der Heimat. Zum 100. Geburtstag des Malers H.M., in: KR, 17.5.1985 (auch in: Sie prägten unsere Kunst, hg. von B. Stephani, Klausenburg 1985); W. Myss: Kunst in Sb., Thaur bei Innsbruck 1991.

Netoliczka, Oskar Gerhard

Oskar G. Netoliczka: Selbstbildnis (Plastik)

Fotograf, Bildhauer, Zeichner, * Kronstadt 4.7.1897, † Tutzing/Obb. 23.2.1970. Bruder der Volkskundlerin Luise Treiber- Netoliczka. Honterusgymn. in Kronstadt; 1915 bis 1918 Freiwilligenjahr und Kriegsdienst; studierte ab 1919 einige Semester Architektur an der Technischen Hochschule Dresden, wechselte dann an die Kunstakademie, um Maler zu werden. Seit 1922/23 an der Kunstakademie in Kassel, wo er 1924 das Diplom eines Zeichenlehrers erwirbt. 1924 bis 1926 Zeichenunterricht am Honterusgymn., anfangs zur Entlastung seines früheren Lehrers Ernst Kühlbrandt. Ende 1927 - die Zeichenlehrerstelle war an Heinrich Schunn vergeben worden - schwenkt N. auf die Lichtbildnerei um. 1941 bis 1945 ist er Bildberichterstatter an mehreren Fronten, nach Kriegsende wieder Berufsfotograf, zunächst in Penzberg, seit 1958 in Bernried/Obb. - „Eigentlich war er nirgendwo innerlich daheim…“, notierte H. Wühr im Hinblick auf N.s künstlerische Heimatlosigkeit. Das mag mit dazu beigetragen haben, dass auch H. Zillich (der wiederholt Zeichnungen und Plastiken N.s im Klingsor veröffentlichte) dessen Berufung zum bildenden Künstler verkannte. Auch für ihn war N. zuerst und vor allem der Lichtbildner. Dabei sind N.s Porträtplastiken in ihrer edlen Schlichtheit seinen Fotografien zumindest ebenbürtig. (LSS-KK)
Literatur. H. Wühr: Siebenbürgen, aufgenommen von O.N., Berlin 1942; H. Zillich (Hg.): O.G.N., München 1975; C. Stephani: Spät erkannt. Vor zehn Jahren starb O.N., in: NL 4/1980.

Nussbächer, Gernot

Historiker, Archivar und Bibliograph, * Kronstadt 22.8.1939, 1956-1961 Studium der Geschichte in Klausenburg, mit Abschluss als Diplom-Historiker. Archivar am Klausenburger Staatsarchiv 1961/62, dann am Kronstädter Staatsarchiv, seit 1967 Hauptarchivar, 1986-1989 Bibliograph an der Kronstädter Kreisbibliothek, 1989/90 Bezirksanwalt beim Kronstädter evang. Bezirkskonsistorium A.B., dann wieder Hauptarchivar und Archiv-Experte am Kronstädter Staatsarchiv. Nach Eintritt in den Ruhestand (1999) Archivar am Kronstädter Staatsarchiv (2000-2003), Museograph am Museum „Casa Mureşenilor“ (2004-2008), ab 2006 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Evang. Stadtpfarrgemeinde A.B. Krst. (Honterusgemeinde). Verfasser von Büchern, Studien und Aufsätzen zur sb. Heimatkunde, bes. für den Zeitraum des MA. Ehrungen: Georg-Dehio-Preis der Künstlergilde Esslingen 1998, Ehrendiplom des Kronstädter Kreisrates 2002, In honorem Gernot Nussbächer – Festschrift zum 65. Geburtstag 2004, Apollonia-Hirscher-Preis 2007, Honterusmedaille 2009, Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 2013. (LSS, DFDKK)
Werke (Auswahl): Johannes Honterus. Sein Leben und Werk im Bild, Buk. 1973 (mehrere überarbeitete Neuauflagen, auch rum.); Aus Urkunden und Chroniken. Beiträge zur sb. Heimatkunde, Band 1-3 Buk. 1981-1990, Band 4-12 Krst. 1994-2013; Odae cum harmoniis 1548 (Honterus) (zusammen mit A. Philippi), Buk. 1983; Johannes Benkner. Sein Leben und Wirken in Wort und Bild, Buk. 1988; Das Kronstädter Rathaus, Krst. 1996; Kleiner Führer durch die Schwarze Kirche in Krst., Krst. 1997 (auch rum. und ung.); Caietele Corona. Contribuții la istoria Brașovului, Heft 1-5, Krst. 2002-2006; Liceul teoretic – Theoretisches Lyzeum Johannes Honterus, Krst. 2002; Beiträge zur Honterus-Forschung 1966-1989, Krst. 2003; Führer durch die Schwarze Kirche in Krst., Krst. 2004 (Neuaufl. 2007, 2008, auch rum. und engl.); Beiträge zur Honterus-Forschung 1989-2004, Krst. 2005; Plastiken an der Schwarzen Kirche (zusammen mit Peter Simon), Krst. 2007; Bronzegegenstände in der Schwarzen Kirche in Krst. (zusammen mit Peter Simon), Krst. 2008 (auch rum.); Wer war Honterus? Cine a fost Honterus? (zweisprach. Ausgabe), Krst. 2009; Zehn Tugenden. Bilder aus der Schwarzen Kirche Kronstadt (zusammen mit Peter Simon), Krst. 2009; Beiträge zur Honterus-Forschung 1991-2010, Krst. 2010; Burzenland - 800 Jahre. 1211-2011. Krst. 2011 (auch rum.); Ghimbav - 670 ani. File de cronică şi imagini (zusammen mit Mihaela Lupu), Krst 2013.
Mitarbeit am/an/an den: Urkundenbuch zur Geschichte der Dt. in Sb., Band 6 und 7, Buk. 1981-1991; Quellen zur Geschichte der Stadt Krst., Band VIII/2 und IX, Krst. 1999-2002; Brașov, monografie comercială. Krst. 2004; Județul Sibiu. Istorie și imagini. Krst. 2007 (auch dt.); Hălchiu – Heldsdorf – Höltövény. O istorie în imagini. Krst. 2007.
Literatur. D. Drotleff: Laudatio anlässlich der Verleihung der Johannes-Honterus-Medaille an den Historiker G.N., in: KR, 3.9.2009; K. Gündisch: Ad fontes! – Zu den Quellen! G.N., dem herausragenden Archivar und Historiker, zum 70. Geburtstag, in: SbZ, 15.9.2009; Ch. Wollmann-Fiedler: Laudatio, in: KR, 31.10.2013.

Petri, Norbert Wilhelm

 Komponist und Dirigent, * Hermannstadt 24.2.1912, † Kronstadt 12.2.1978. Die Volksschule besuchte er in Karlsburg (1918-1922), das Untergymnasium in Schäßburg (1922-1926), das Lyzeum in Bukarest (1926-1929). P. studierte in Bukarest (1929/30) und Wien (1932-1935) neuere Philologie sowie wieder in Bukarest Musikpädagogik (1937-1939). Ab 1942 war er, von V. Bickerich berufen, zweiter Dirigent der Kronstädter Philharmonischen Gesellschaft und zweiter Organist der Schwarzen Kirche, 1943 Chormeister des Kronstädter dt. Liederkranzes. Im Januar 1945 wurde er wie viele seiner Landsleute für fünf Jahre in die Sowjetunion deportiert. Nach der Rückkehr wirkte P. zunächst an der Kronstädter Volks-Kunstschule (dem ehem. Astra-Konservatorium), u.a. als Akkordeon-Lehrer (Verfasser einer Akkordeon-Schule), als Dirigent eines Liebhaber-Operettenensembles, aus dem das Kronstädter Musiktheater hervorging, und als Leiter mehrerer Laienkunstgruppen. Ab 1954 und bis zur Pensionierung 1974 Dirigent am Musiktheater in Krst., ebenso Dirigent der „Stalinstädter deutschen Spielgruppe für Lieder und Tänze“ (1956-1959) und des 1969 gegründeten Paul-Richter-Chores (bis 1975), außerdem maßgeblich beteiligt an der Gründung des Kronstädter Kammermusikfestivals sowie an der Gestaltung vieler deutscher Kulturveranstaltungen (Paul-Richter-Feier 1975 u.a.); langjährig Sekretär der Kronstädter Filiale des rumänischen Komponistenverbandes; Mitglied der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft (Halle/Saale).
Die Schwerpunkte des kompositorischen Schaffens von P. sind die musikdramatischen Formen des Singspiels und Musicals, der Operette und Oper. In seiner Musik versucht er eine Synthese von musikalischer Tradition und zeitgenössischer Musiksprache. Ein wesentlicher Ausgangspunkt seines stilistischen Gestaltens ist die Volksmusik, mit der er sich auch als Sammler und Herausgeber auseinandersetzte. Seine inspirierte, vom Bedürfnis nach spontanem Ausdruck getragene und den Hörer unmittelbar ansprechende Musik ist weniger in den größeren Opern als vielmehr in den auf volkstümlichen Elementen aufbauenden kleineren Formen des Singspiels und der Operette zu suchen. P.s Nachlass wurde von den Erben der Kreisbibliothek in Krst. vermacht. (LSS-KT, DFDKK)
Werke (Auswahl): Opern („Die Rosen Doftanas“, U: 1961 Krst.; „Der gestürzte Abgott“, U: 1968 Krst.); Operetten („Rodica“, zusammen mit D. Stănescu, U: 1974 Krst.; “Bezaubernde Jugend“ = „Therese Krones“, U.: 1978 Temeswar); Ballettmusik („Der starke Hannes“, U: 1959 Krst.); Singspiele und musikalische Komödien (darunter „Ein Bauer muss es sein“, Text: H. Lienert, U: 1943 Krst.; „Lisa räumt auf“, Libretto: G. Schromm/A. Wagner); Musicals (darunter „Drei Musketiere“ nach A. Dumas, U: 1978 Krst.); szenische Kantate „Sb. Bauernhochzeit“ für Soli, Chor, Orchester und Ballett auf sb.-s. Volkslieder und Tänze (U: 1943 Krst.); Kantaten („Heimat-Kantate“, Text: F.J. Bulhardt, 1970); Bühnenmusik („Der gestiefelte Kater“ von N. Stoitschewa, U: 1961 Temeswar); Chöre; Lieder für Singstimme und Klavier (Chansons auf Gedichte von Anemone Latzina); Orchesterwerke („Festouvertüre“, U: 1975 Krst.; „Paukenserenade“); Kammermusik („Bläseroktett“); Klavierstücke.
Editionen: Lieder der Heimat. Sb.-s. Chorbuch für gemischte und gleiche Stimmen (zusammen mit V. Ardeleanu), Krst. o.J.; Alte sb.-s. Volkslieder (zusammen mit V. Ganea), Krst. 1967.
Schriftliches: „Bei uns war eine bewegte Zeit“. Briefe von N.P. an Hans Mokka, in: NL, Heft 10/1979.
Literatur. L. Hirth: Profile - N.P., in: NW, 5.1.1962; H. Schuller: Heldenmut und menschliche Größe. VZ-Gespräch mit dem Kronstädter Komponisten N.P. (Interview), in: VZ, 8.3.1963; W.G. Berger: Ghid pentru muz. instr. de cameră, Buk. 1965; C. Catrina: Ein liebes Geständnis, in KR 7/18.2.1972; F. Schuller: N.P.s 60 Jahre, in: KR 7/18.2.1972; W. Wittstock: Bald Premiere mit „Rodica“. Gespräch mit N.P. über seine neueste Operette (Interview), in: KR 6/8.2.1974; Ders.: Symbolischer Gehalt. Mit N.P. über seine „Festouvertüre“ (Interview), in KR 12/21.3.1975; Ders.: Für eine Entrümpelung der Operette. Nach einem Gespräch mit dem Komponisten und Dirigenten N.P., in: KR 8/25.2.1977; Ders.: Er lebte und wirkte für seine Mitmenschen. N.P. zum Gedenken, in: KR 7/17.2.1978; H. Bergel: In Kronstadt starb der Komponist und Dirigent N.P., in: SbZ, 31.3.1978; W. Wittstock: Könner und Kenner zugleich. Gestalter komplexer künstlerischer Formen. N.P. zum 75. Geburtstag, in: KR 8/20.2.1987; H. Mokka: Einmal lebten wir wie Götter… Tagebuchblätter zum Gedenken an N.P., in: KR 31/31.7.1987; W. Wittstock: Die Musikbühne war seine Domäne. Notizen zu Begegnungen und Gesprächen mit N.P. Zum 80. Geburtstag des siebenbürgischen Komponisten, in: NW, 21.2.1992; Ders.: Die Musikbühne war sein Lebenselement. Zum 80. Geburtstag des siebenbürgisch-deutschen Komponisten N.P. (1912-1978), in: Banatica, Heft 2/1992; C. Răsvan: N.P. - un melodist cu acut simţ dramatic, in: Gazeta de Transilvania, 14./15.2.1998; E. Schlandt: Ein vielseitiges Musikerleben. Zum 100. Geburtstag von N.P. (1912-1978), in: KR 8/23.2.2012.

Philippi, Kurt

Chorleiter, Cellist, Gambist * Kronstadt 27.4.1949. Musikstudium (Cello) in Klausenburg (1967-1972), dann Assistent an der Musiksektion der Kronstädter Universität und nach deren Auflösung Cellolehrer an der Kronstädter Musikschule. In Krst. Leiter des 1972 von ihm gegründeten Kleinen Chors des Honterus-Gymn., des Paul-Richter-Chores und des Kammerorchesters des städt. Kulturhauses sowie Mitgl. des Kammerensembles „Cantus serenus“. Ab 1979 wiederholt Gastdirigent des Hermannstädter Bach-Chores, ab 1985, nach erfolgter Übersiedlung nach Hermannstadt, dessen ständiger Dirigent sowie hauptberuflich Musikwart beim Landeskonsistorium der Evang. Kirche A.B. in Rumänien. (LSS-KT, DFDKK)
Diskographie (Auswahl). V. Greff-Bakfark/O. Nemescu, G. Frescobaldi, Th. Simpson, G.Ph. Telemann, J.Ph. Rameau (Cantus serenus, 1979, ST-ECE 01602); H.P. Türk: Siebenbürgisch-sächsische Volkslieder (Kleiner Chor der Honterus-Schule, 1982, ST. EXE-02059); Machet die Tore weit. Weihnachtsmusik in Siebenbürgen (Bachchor Hermannstadt, 1996, VS 6231 CD); Weise mir, Herr, deinen Weg. Psalmvertonungen aus Siebenbürgen (Bachchor Hermannstadt, 2001, VS 1923 CD); R. Lassel: Eine siebenbürgische Passionsmusik. Teil I – Gründonnerstag (Bachchor Hermannstadt, 2004, VS 6284 CD).
Literatur. W. Eberhard: Enthusiasmus steckt leicht an. K.Ph. – ein junger, vielseitig engagierter Musiker, in: KR 23/1976; W. Wittstock: „… neue Freunde, neue Brüder weisen“. Prosaisches Loblied auf die singenden Honterianer und ihren aktiven Dirigenten/Der Kleine Chor der Honterusschule feiert seinen 10. Geburtstag, in: KR 50/1982; W. Wittstock: Reiche musikalische Ernte. U. und K. Ph.: Erfolgreicher Einstieg an neuer Wirkungsstätte, in: KR 51/1986.

Philippi, Maja

Tochter des Arztes Wilhelm Depner und der bildenden Künstlerin Margarete Depner, Historikerin, * Kronstadt 12.2.1914, † Hermannstadt 10.3.1993; Studium der Geschichte, Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie an den Univ. Kiel, Freiburg, Göttingen und Hamburg, Promotion in Hamburg 1937. Die Dissertation „Das Fürstentum Sb. im Kampf gegen Habsburg. Untersuchungen über die Politik Sb.s während des Dreißigjährigen Krieges“ (Stuttgart 1938) gilt heute noch als beste Darstellung des Themas. 1940 bis 1974 Lehrerin für Geschichte an den dt. Schulen Kronstadts. Ab 1965 Untersuchungen zur sb. Geschichte, vor allem ihrer Vaterstadt Kronstadt. Hauptarbeitsgebiete: die Sozialstruktur des sb.-s. Bürgertums im MA. sowie die städtebauliche Umgestaltung der Inneren Stadt von Kronstadt im 19. Jh. - Für ihre erzieherische Tätigkeit wurde M.Ph. 1971 mit dem Titel „profesor emerit“, für ihre wissensch. Tätigkeit 1987 mit dem Goldenen Doktordiplom der Univ. Hamburg ausgezeichnet. (LSS-GN)
Werke (Auswahl): Kronstadt – Braşov. Das Bild einer sb. Stadt im 19. Jh., in: Probleme des Städtewesens im industriellen Zeitalter, hg. von H. Jäger, Köln/Wien 1972; Michael Weiss. Sein Leben und Wirken in Wort und Bild, Buk. 1982; Der Bürgeraufstand von Kronstadt 1688, in: Sb. Archiv, 3. Folge, Bd. 17, Köln/Wien 1984; Die Bürger von Kronstadt im 14. und 15. Jh. Untersuchungen zur Geschichte und Sozialstruktur einer sb. Stadt im MA, Buk. 1986; 200 Jahre Familie Scherg in Krst. Vom Wollenzieher Michael Schürge zur Tuchfabrik Wilhelm Scherg, in: Sb. Archiv, 3. Folge, Bd. 27 (Sb. Familien im sozialen Wandel), Köln/Weimar/Wien 1993; Kronstadt. Historische Betrachtungen über eine Stadt in Siebenbürgen. Aufsätze und Vorträge, Bukarest Heidelberg 1996 (2. Aufl. Krst. 2006).
Literatur. G. Nussbächer: Zum Tod von Dr. M.Ph., in: KR, 18.3.1993; G. Nussbächer: Den Toleranzgedanken ein Leben lang gelebt. Zum Tode der Kronstädter Historikerin Dr. M.Ph., in: SbZ, 31.3.1993.

Philippi, Paul

Prof. Dr. Paul Philippi (links) im Gespräch mit Martin Werner (Jg. 1910), viele Jahrzehnte Kurator in Meschendorf (Foto: Wolfgang Wittstock, 2008 in Deutsch-Weißkirch)

Evang. Theologe, Historiker, Politiker, * Kronstadt 21.11.1923, hier Schüler und Absolvent des Honterusgymn., nach Kriegsdienst und Gefangenschaft (1943-1947) Studium der Geschichte und der Theol. in Erlangen und Zürich, 1953 Pfarramtsprüfung für Sb., 1957 Promotion in systematischer Theol. in Erlangen, 1957 Habilitation für praktische Theol. in Heidelberg, hier ab 1954 Assistent beim Aufbau des Diakoniewissenschaftl. Instituts und ab 1971 Ordinarius und dessen Direktor. 1974 Ehrendoktor des Protest. Theol. Instituts Klausenburg/Hermannstadt. Ab 1979 Gastprof. für Kirchengeschichte und seit 1983 Prof. für praktische Theol. in Hermannstadt. Mitbegründer des Arbeitskreises junger Sb. S. (1952) und Herausgeber des Korrespondenzblattes, dann des Arbeitskreises für Sb. Landeskunde (1962), dessen Zielsetzung er mitbestimmte. Herausgeber des Siebenbürgischen  Archivs und der Studia Transylvanica, Begründer der Sb. Bücherei. Ab 1992 Vorsitzender des Demokratischen Forums der Dt. in Rum. (DFDR), seit 1998 dessen Ehrenvorsitzender. Träger mehrerer Auszeichnungen: Dr. h.c. des Vereinigten Protestantisch-Theol. Instituts Klausenburg – Herm. (1974); Verdienstkreuz am Bande der Bundesrep. Dtl. (2000); Dr. h.c. der Babeş-Bolyai-Universität Klausenburg (2001); Ordinul național „Serviciul Credincios” în grad de Cavaler (2003) u.a.
P.s Wirken gründet vornehmlich in der diakonischen Arbeit der Evang. Kirche Dtl.s (EKD) und ist ebenso um ihre wissensch. Erfassung bemüht. (LSS-WM, DFDKK)
Werke (Auswahl): Die Kirchengemeinde als Lebensform, München 1959; Abendmahlsfeier und Wirklichkeit der Gemeinde, Berlin 1960; Christozentrische Diakonie. Ein theol. Entwurf, Stuttgart 1963 (2. Aufl. 1975); Die Vorstufen des modernen Diakonissenamtes (1789-1848) als Elemente für dessen Verständnis und Kritik. Eine motivgeschichtliche Untersuchung zum Wesen der Mutterhausdiakonie (Habilitationsschrift), Neukirchen-Vluyn 1966; Als Lazarus leben. Zehn sb. Predigten und ein Kurzvortrag, Erlangen o.J. (1983); Diaconica. Über die soziale Dimension kirchlicher Verantwortung, Neukirchen-Vluyn 1984 (2. Aufl. 1989); Vorreformatorische Diakonie in Hamburg. Die Kirche in der hamburgischen Sozialgeschichte bis zum Ende des Reformationsjahrhunderts, Stuttgart 1984; Kirche und Politik. Sb. Anamnesen und Diagnosen aus fünf Jahrzehnten. 2 Bde, Hermannstadt 2006; Land des Segens? Fragen an die Geschichte Siebenbürgens und seiner Sachsen. Köln Weimar Wien 2008.
Literatur. T. Schober/H. Krimm/G. Möckel: Grenzüberschreitende Diakonie. P.Ph. zum 60. Geburtstag, Stuttgart 1984; Ein Grenzgänger, P.Ph. zum 65. Geburtstag, hg. vom Diakonischen Werk der EKD, Stuttgart 1988; H. Baier: Die Substanz des besonderen Herkommens. ADZ-Gespräch mit Prof. Dr. Dr. h.c. multipl. P.Ph. zu seinem 80. Geburtstag (Interview), in: ADZ, 20.11.2003.

Philippi, Ursula

 geb. Copony, Gattin von Kurt Philippi, Organistin, Orgellehrerin. * Kronstadt 14.8.1955. Studierte Orgel und Klavier zunächst privat bei Eckart Schlandt, dem Organisten der Schwarzen Kirche in Kronstadt, sodann an der Staatlichen Musikhochschule in Bukarest bei Lidia Sumnevici. In der Studienzeit war sie Finalistin beim Internationalen Orgelwettbewerb "Anton Bruckner" in Linz (1978) und doppelte Preisträgerin beim Internationalen Orgelwettbewerb „Prager Frühling“ (1979). Nach mehrjähriger Tätigkeit als Organistin ist sie seit 1985 Kantorin der evangelischen Stadtpfarrgemeinde Herm., wo sie an der größten Orgel Siebenbürgens, einem Werk mit 80 Registern von Wilhelm Sauer (1914), amtiert. Seit der politischen Wende in Rumänien (1990) betreut sie als Dozentin die wiedereingerichtete Orgelklasse an der staatlichen Musikhochschule "Gh. Dima" in Klausenburg, wo sie eine wachsende Anzahl von Orgelstudierenden aller in Siebenbürgen vertretenen Konfessionen unterrichtet. Seit 2007 ist sie Professorin. Sie unterrichtet künstlerisches Orgelspiel und hält einen Kurs über historische Aufführungspraxis für Master-Studierende. Konzertreisen führten sie unter anderem nach Japan, in den europäischen und in den asiatischen Teil der ehemaligen Sowjetunion, nach Frankreich, Italien, Österreich, Ungarn, Tschechien, in die Slowakei, nach Kroatien, Luxemburg, in die Schweiz sowie sehr oft nach Deutschland. Schwerpunkte ihres Repertoires sind Musik aus Siebenbürgen von der Renaissance bis zur Gegenwart sowie Werke der deutschen Orgelromantik. Das von ihr gegründete Ensemble "Cantate Domino" führt in zwangloser Folge Alte Musik verschiedener europäischer Regionen sowie in siebenbürgischen Archiven entdeckte geistliche Musik auf. Ihre Doppel-CD-Einspielung "Orgellandschaft Siebenbürgen" (erschienen bei Dabringhaus und Grimm, Detmold) erhielt 1993 den Preis der Deutschen Schallplattenkritik (Vierteljahresliste). Beim gleichen Label hat U.Ph. an der restaurierten Sauer-Orgel von Hermannstadt 1998 sämtliche Sonaten von August Gottfried Ritter eingespielt. Ihr Engagement gilt auch der Rettung und Restaurierung von Orgeln in Siebenbürgen, die in ihrem wertvollen Bestand akut gefährdet sind. In diesem Sinn gehört U.Ph. zu einem Fachausschuss bei der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, der versucht, die Instrumente vor dem Verfall zu bewahren. Im September 2005 war sie Mitglied der Jury beim Internationalen Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerb in Freiberg und Dresden und Gast des Internationalen Gottfried-Silbermann-Festivals. Im April 2008 war sie an der CD-Produktion der Siebenbürgischen Passionsmusik nach Matthäus von Hans Peter Türk beteiligt, die von der Meißner Kantorei unter Christfried Brödel in Burgstädt/Deutschland aufgenommen wurde und die im Februar 2009 bei Dabringhaus und Grimm erschienen ist. (http://ursula.philippi.ro)
Diskographie (Auswahl). G.F. Händel: Concertos for Organ and Orchestra op. 4, no. 2, 4; op. 7, no. 1 (Philharmonie Tg. Mureş, Dirigent: Szalman Lóránd, 1981, ST-ECE 02044); J.S. Bach: Sonatas for Viola da Gamba and Harpsichord (mit Ilse L. Herbert – Viola da Gamba, 1985, ST-ECE 02723); Orgellandschaft Siebenbürgen (1988, MDG 319 0414-2); A.G. Ritter: Complet Organ Sonatas (1999).
Schriftliches (Auswahl): Alte Musik – wozu? Nach der Internationalen Sommerakademie in Innsbruck notiert, in: NW, 21.9.1990.
Literatur (Auswahl). W. Wittstock: Reiche musikalische Ernte. U. und K. Ph.: Erfolgreicher Einstieg an neuer Wirkungsstätte, in: KR 51/1986; I. Wittstock: Siebenbürgische Orgellandschaft. CD mit Orgelmusik aus Siebenbürgen erschienen/Gespräch mit der Organistin U.Ph. (Interview), in: ADZ, 9.4.1993; F. Metz: Siebenbürgische Orgelklänge in München. Hermannstädter Organistin U.Ph. begeisterte, in: ADZ, 10.6.2005.

Puchianu, Carmen Elisabeth

Schriftstellerin und „Theatermacherin“ (Selbstbezeichnung), * Kronstadt 27.11.1956, absolvierte hier das Honteruslyzeum und studierte anschließend in Bukarest englische und deutsche Sprache und Literatur. Als Deutschlehrerin am Honteruslyzeum (1983-1995) widmete sie sich u.a. dem Schultheater und inszenierte eine Reihe von Schüler-Aufführungen. Ab 1995 wirkt P. als Hochschullehrkraft - zunächst als Lektorin, dann als Dozentin (conferenţiar) - an der Philologie-Fakultät der Kronstädter Transilvania-Universität, deren Fremdsprachen-Lehrstuhl sie in den Jahren 2000-2011 geleitet hat. Im Jahr 2004 verteidigte sie an der Universität Bukarest ihre Doktorarbeit „Der Splitter im Auge oder: Lebensform Schriftsteller. Überlegungen zur Interpretation einiger Erzählwerke von Thomas Mann“ (aufgelegt im Verlag Karl Stutz, Passau 2006). Seit 1998 organisiert P. jährlich die Internationale Tagung Kronstädter Germanistik, deren Resultate in den Tagungsbänden „Kronstädter Beiträge zur germanistischen Forschung“ festgehalten werden. Ab 2006 leitet sie die Studententheatergruppe „Die Gruppe“, und im Jahr 2009 gründete sie das Theaterensemble „Duo Bastet“. Beide Ensembles unternahmen mit unkonventionellen Inszenierungen, einer Kombination von Improvisations-, Tanz-, Körper- und Sprechtheater, Gastspielreisen im In- und Ausland.
P. veröffentlichte ihr erstes Gedicht 1973 auf der Lyzeumsseite „Debüt und Debatte“ der „Karpatenrundschau“. 1980 folgte das eigentliche Debüt mit einem Gedicht in der Zeitschrift „Neue Literatur“ (Bukarest). 1984 erhielt sie den Silberdistel-Literaturpreis der Wochenschrift „Karpatenrundschau“ (Sparte Nachwuchsautoren) für das Gedicht „English Teacher in the Countryside“. Ihr erster Gedichtband („Das Aufschieben der zwölften Stunde auf die dreizehnte“) wurde 1991 im Klausenburger Dacia Verlag veröffentlicht. „C.E.P. legt mit ihrer Lyrik den Finger in die Wunden unseres Alltags, auf dass wir uns daran machen, diesen nachzuspüren und Taten folgen zu lassen, in Siebenbürgen wie in Europa, heute geradeso wie in Zukunft“ (J. Meißner). P. veröffentlichte bisher auch mehrere Bände mit Erzählungen sowie den Roman „Patula lacht“. Ihre Prosa ist inspiriert aus Kronstädter Gegebenheiten und familiären Zusammenhängen; „so manches kommt in den Erzählungen vor, was einst, im Schutz von Moral und Scheinmoral, mit Verschwiegenheit rechnete“ (J. Wittstock).
Ihre zeichnerische Begabung konnte ebenfalls öffentlich zur Kenntnis genommen werden, etwa durch einen Kalender auf das Jahr 2010 mit Skizzenblättern von P., der vom Kronstädter aldus Verlag herausgegeben wurde. (DFDKK-ww).
Werke (Auswahl): Amsel - schwarzer Vogel. Erzählungen. München 1995; Das Schulspiel im Deutschunterricht und außerhalb desselben. Methodisch-didaktische Erwägungen. Ein Handbuch für Deutschlehrer. Kronstadt 1996; Der Ameisenhaufen und andere Geschichten. Kronstadt 1998; Ein Stückchen Hinterhof. Novellistische Familienchronik. Hermannstadt 2001;Unvermeidlich Schnee. Gedichte. Passau 2002; Der Begräbnisgänger. Geschichten. Passau 2007; Verortete Zeiten. Gedichte. Mit einem Vorwort von Josef Meißner. Liliput Ausgabe. Kronstadt 2008; Literatur im Streiflicht. Germanistische Aufsätze, Rezensionen, Würdigungen. Überarbeitete Textauswahl. Kronstadt 2009; Patula lacht. Roman. Passau 2012.
Literatur. H. Schuller: Ein Gruß für C.P., in: KR, 30.3.1984; J. Wittstock: Eine Autorin und ihr Umfeld. C.E.P. zwischen mütterlichem und väterlichem Erbe, in: ADZ, 1.12.2006; M.-V. Lăzărescu: „Schau, das Leben ist so bunt“. Selma Meerbaum-Eisinger, Karin Gündisch, C.E.P.: drei repräsentative deutsch schreibende Autorinnen aus Rumänien. Berlin 2009; R. Sudrigian: Eine Ironikerin mit sprunghaftem Arbeitsstil. Gespräch mit der Kronstädter Schriftstellerin C.E.P. (Interview), in: KR, 19.4.2012; A. Stefan: Homerisches Gelächter und der Tod. C.E.P.s erster Roman „Patula lacht“, in: SbZ, 10.7.2012; H. Liebhardt: Lacht Patula oder der Leser?, in: ADZ, 21.7.2012; Ch. Chiriac: „Ohne Literatur ist mein Leben unvorstellbar“. Ein Gespräch mit der Autorin und Dozentin Dr. C.E.P., in: SbZ, 31.7.2013; E. Wilk: „Es wäre ein wichtiger Schritt, eine Doktorenschule für Germanistik in Kronstadt anzubieten“. ADZ-Gespräch mit Dr. Doz. C.P., Leiterin des Germanistiklehrstuhls der Kronstädter Transilvania-Universität (Interview), in: ADZ, 10.6.2015; M. Fischer: Zehn Jahre Ensemble DIE GRUPPE. Premiere von P.s „Orpheus und Eurydike tanzen in der Unterwelt. Das Finale“, in: ADZ, 29.4.2016.

Richter, Otmar

Dr. Otmar Richter (Foto: Bela Klement, 1978)

 * Kronstadt 21.11.1908, † ebd. 17.7.1987. Prokurist, später Direktor der Tuchfabrik Wilhelm Scherg & Cie. A.G. in Krst., Mitglied des Aufsichtsrates der Hermannstädter und Kronstädter Allgemeinen Sparkasse. 1945 acht Monate Lagerhaft, anschließend wieder Direktor der Firma Scherg. Nach Enteignung des Unternehmens zunächst in der Textilfabrik Foith, die nun Textila hieß, später in der Verwaltung der Ferngasleitungen als Planer beschäftigt. - Neben seinem Beruf setzte sich R. für ehrenamtliche Aufgaben der Gemeinschaft der Sb.S. ein. Er war 1957 bis 1985 Kurator der Evang. Stadtpfarrgemeinde A.B. Kronstadt, 1971 bis 1979 Bezirkskirchenkurator und Mitglied des Konsistoriums der Evang. Kirche A.B. in Rum. Sein besonderes Interesse galt der Kunstgeschichte seiner Heimat. Durch Vorträge, Ausstellungen, Veröffentlichungen zur Kunst- und Kulturgeschichte und durch Gründung von Werkstätten zur Restauration von Altären (1971), von Teppichen und kirchlichen Textilien (1973) bemühte er sich zusammen mit seiner Frau Gisela R., selbst Kunsthistorikerin und gelernte Restauratorin, um lebendige Pflege und um Erhaltung des kulturellen Erbes der Sb.S. (LSS-FB)
Werke (Auswahl): Wirtschaft und dt. Minderheit in Sb., Dissertation, Köln 1935; Der Flügelaltar von Heldsdorf, in: Sb.-s. Hauskalender, Jahrbuch 1978; Die Kirchenväter-Tafeln des Birthälmer Altars, in: Sb.-s. Hauskalender, Jahrbuch 1980; Siebenbürgische Flügelaltäre (zusammen mit G. Richter), Thaur bei Innsbruck 1992.
Literatur. H. Bergel: Dr. O.R. 75, in: SbZ, 15.12.1983; ders.: O.R. †, in: SbZ, 31.8.1987.

Richter, Wilhelm Paul

Hans Eder: Paul Richter (Gemälde, 1935, Privatbesitz)

 Komponist, Dirigent, Pianist, * Kronstadt 28.8.1875, † Neustadt (Burzenland) 16.4.1950. 1896 ging R. an das Konservatorium in Leipzig, wo er Komposition, Dirigieren, Klavier und Orgel studierte. Noch während seines letzten Studienjahres übernahm er die Leitung des Weltlichen Oratorien-Vereins in Leipzig, musste jedoch nach einem knappen halben Jahr zum Militärdienst in die Heimat zurückkehren. Der Leipziger Chor rief ihn danach wieder, R. aber blieb in Krst. Hier wurde er erster Chormeister des Kronstädter Männergesangvereins, mit dem er bald große oratorische Werke und Opern aufführte, und städtischer Kapellmeister. Die rum. Königin Elisabeth zeichnete in 1909 mit der Medaille „Bene merenti“ I. Klasse aus. 1928 berief man ihn als Lehrer für Musiktheorie, Tonsatz und Komposition an das neugegründete Kronstädter Konservatorium ASTRA und ehrte ihn mit der Verleihung des Titels eines Generalmusikdirektors. Das Angebot des Pädagogiums der Tonkunst in Dresden, die Leitung der Meisterklassen für Komposition und Dirigieren zu übernehmen, lehnte er ab. Schöpferisch stand R. jetzt auf seinem Höhepunkt. R. Strauss schätzte ihn und setzte sich für sein Werk ein. In Sb. wurde R. der meistgespielte einheimische Komponist. 1935 ging er als musikal. Leiter des Musikvereins nach Hermannstadt, musste aber schon nach einem Jahr aus Gesundheitsgründen zurücktreten. 1939 zog er sich in das ländliche Neustadt zurück, das er nur noch zu Aufführungen seiner Werke verließ. Seine letzten Lebensjahre waren von mehrfacher schwerer Krankheit, materieller Not und familiären Sorgen überschattet.
In R.s Schaffen sind alle sinfonischen, konzertanten, vokalen und kammermusikalischen Gattungen vertreten; es fehlen die Oper und die kirchenmusikalischen Formen. Stilistisch lehnte er sich an Brahms, Reger, vor allem an R. Strauss an, und in Bruckners Musik fand er die beiden Elemente seiner frühen bestimmenden Formung vereint: den Orgelklang und den Geist der sinfonischen Instrumentalmusik. Er strebte eine Synthese verschiedener Richtungen der Romantik und Spätromantik an, wobei auch klassizistische Gestaltungsprinzipien und gelegentlich Elemente der Volksmusik eine Rolle spielten. Seine ureigensten Ausdrucksmittel lagen in der Sinfonik, bestimmt durch die ausschlaggebende Komponente der Harmonik und ein an der Programmmusik orientiertes Aussagebedürfnis. Das dominierende harmonische Empfinden R.s beherrscht seine Melodik, auch den oft polyphon gestalteten Satz und sogar wichtige Aspekte seines Formdenkens, dessen Stärke wiederum in der motivischen Verarbeitung und der Variationstechnik liegt. - R. gilt als der „siebenbürgischste“ Komponist, nicht nur weil er seine Schaffenskraft ganz in den Dienst der Heimat stellte und von dort aus Präsenz und Anerkennung im Musikleben des Auslandes erlangte, sondern weil in seinem künstlerischen und geistigen Habitus die sb. Wesens- und Empfindungsart in charakteristischer Weise zum Ausdruck kommt. (LSS-KT)
Kompositionen (Auswahl): Orchesterwerke (darunter sechs Sinfonien, zwei Serenaden, zwei Festouvertüren, „Karpatische Suite“, „Variationen über ein aphoristisches Thema“, drei Fantasien über sb.-s. Volkslieder); Konzerte mit Orchester: für Klavier h-Moll, für Violoncello a-Moll, für Orgel d-Moll, Sinfonische Variationen für Klavier und Orchester. - Kammermusik (darunter: Klaviertrio, Sonate für Violine und Klavier, „Meditationen“ für Violine und Klavier, drei Streichquartette, Klavierquartett, Quartett für Klavier, Flöte, Violine und Cello). - Orgel- und Klavierwerke. - Vokalwerke mit Orchester, darunter Trauerkantate für Soli (Sopran, Bariton), Chor und Orchester (Text: P. Richter, F. Dibelius); „Der 6. Nov. 1632“, Ballade für Soli (Tenor, Bariton), Männerchor und Orchester (Text: Th. Fontane); „Totenvogel“, Balladenkranz für eine Singstimme und großes Orchester (Text: H. Deppner nach Bürgers „Lenore“); sechs Lieder nach chinesischen Texten für eine Frauenstimme und Orchester; sechs Lieder nach chinesischen Texten für eine Männerstimme und Orchester. - Chöre a cappella (darunter: zwei Weihnachtslieder; „Die Brück am Tay“, Ballade nach Th. Fontane; “Der Rappe des Komturs“, Ballade nach C.F. Meyer); Männerchöre; Männerquartette. - Lieder für Singstimme und Klavier (zusammengefasst zu je drei, vier, fünf und zehn Liedern). - Veröffentl. bei Simrock, Berlin, W. Hiemesch, Krst., Muzica und Edit. Muzicala Buc. – Nachlass im Museum „Casa Mureşenilor“ in Krst. (LSS-KT)
Diskographie: Trauerkantate (Paul-Gerhardt-Chor München und Münchner Oratorienorchester, Dirigent: A.H. Gärtner, 1979); Karpatische Suite, F-Dur, op. 85, und Sinfonie Nr. 3, g-Moll, op. 62 (Sinfonieorchester der Kronstädter Philharmonie, Dirigent: I. Ionescu-Galaţi, ST-ECE 01346); Konzert für Klavier und Orchester, h-Moll, op. 58, und Sinfonische Variationen für Klavier und Orchester über eine (eigene) Legende, a-Moll, op. 121 (Sinfonieorchester der Moldova-Philharmonie Jassy/Iaşi, Dirigent: I. Ionescu-Galaţi, Solist: Adrian Stoica, 1989, ST-ECE 03788).
Schriften: Aus meinem Leben, in: Dt. Musik, Berlin 1933/11; Selbstbiographie (Manuskript); Tagebuch der Amerikareise, 1925 (Manuskript); Autobiographische Notizen, in: Aus Kronstädter Gärten, Krst. 1930.
Literatur (Auswahl). E. Hajek: Die Musik. Ihre Gestalter und Verkünder in Sb. einst und jetzt. Musikalische Lebensbilder, Krst. 1927; E.H. Müller v. Asow: P.R. zum 60. Geburtstag, in: Klingsor, 1935/10; V. Bickerich: P.R., in: Muzica, Buk. 1958/6 Supliment (dt. in: KR, 29.8.1975); H. Krasser: Höhepunkt sb. Musik. Zum zwanzigsten Todestag P.R.s, in: NW, 1.4.1970; H. Bergel: P.R., in: Würfelspiele des Lebens, München 1972; H.P. Türk: P.R., Buk. 1975; C. Pop: P.R., contemporanul lui Maurice Ravel şi Arnold Schönberg, in: Ţara Bârsei, Nr. 8 (2009), S. 277-281.

Römer, Julius Paul

Römer, Julius Paul, Mittelschullehrer, Botaniker, * Kronstadt 21.4.1848, † ebd. 24.10.1926. Nach Abschluss des Honterusgymn. Studium der Naturwissenschaften in Wien, Jena (Haeckel-Schüler) und Heidelberg. Prof. am Honterusgymn. und vor allem an der Kronstädter Mädchenbürgerschule. Verfechter der Darwinschen Entwicklungslehre, Verfasser einer Reihe von Lokalfloren des Burzenlandes und anderer Teile Sb.s. Als Pionier des Bergwanderns in Sb. war R. 1881 bis 1911 Vorstand der Sektion Kronstadt des SKV, 1883 bis 1922 Vorstandsstellvertreter. Unter seiner Leitung wurden erstmals eine Reihe von Schutzhütten in den Burzenländer Bergen erbaut, Wanderwege angelegt und markiert. - Viele Jahre war er Ausschuss– und korrespondierendes Mitglied des SVN. - 1910 trat er der Vereinigung Kronstädter Sammler als aktives Mitglied bei und entfaltete hier und im später gegründeten Burzenländer sächsischen Museum eine rege Tätigkeit. 1920 schenkte er diesem Museum sein wertvolles Herbarium (über 10.000 Spannbogen). Nach seinem Tode gelangten auch seine umfangreiche Sonderdrucksammlung (etwa 4500 Drucke) und Fachbücher in die Bibliothek dieses Museums. Als Pionier der Naturschutzbewegung in Sb. hat sich R. ab 1908 für den Schutz floristisch und landschaftlich wertvoller Gebiete des Burzenlandes und seltener Pflanzen (z.B. Königsblume, Daphne blagayana) mit Nachdruck eingesetzt. 1915 veröffentlichte er eine Liste diesbezüglicher Gebiete und Pflanzen. - 1904 gründete R. die Gesellschaft der Kronstädter Naturfreunde. Er war Mitglied des Presbyteriums der Honterusgem. sowie Ehrenvorstand und –mitglied mehrerer wissensch. Vereine. Er stand in engen Beziehungen zu namhaften in- und ausländischen Botanikern (F. Pax, Breslau; A. Engler, Berlin; E. Warming, Kopenhagen; G. Moesz, Budapest u.a.). R. veröffentlichte 86 wissensch. Arbeiten (Botanik, allg. Biologie, Geologie und Zoologie) in einheimischen und ausländischen Zeitschriften. 22 Exkursionsberichte erschienen von ihm im Jahrbuch des SKV und unzählige Fachartikel in verschiedenen Tageszeitungen. R. hat mehrere Pflanzenarten erstmals für Sb. festgestellt (z.B. Mehlprimel - Primula farinosa, Aremonie - Aremonia agrimonioides, Knotenfuß - Streptopus amplexifolius u.a.). Eine von ihm 1891 im Tulgheş-Pass entdeckte Pflanzenart (Römers Tragant - Astragulus roemeri Simk.) trägt heute auch seinen Namen und erinnert an seine Verdienste um die Erforschung der Flora der Burzenländer Berge. Für diese Leistungen erhielt er den Rum. Kronenorden; im Nov. 1924 verlieh ihm aus den gleichen Gründen die Philosophische Fakultät der Univ. Breslau die Ehrendoktorwürde. (LSS-HH)
Werke (Auswahl): Wesen und Begründung der Lehre Darwins, in: Krst. Gymn.-Progr. 1876; Die Lehre Darwins als Gegenstand wissensch. Forschung, in: Verhandl. u. Mitt., Hst., 30, 1880, 11; Die Lehre Darwins als Gegenstand wissensch. wie unwissensch. Streites, ebd., 32/1882; Beiträge zur Flora von Salzburg bei Hermannstadt, ebd., 35/1885; Der Csukás, in: Jahrbuch des SKV, Hst., 8/1888; Die Pflanzenwelt der Zinne und des Kleinen Hangesteins, in: Beiträge zu einer Monographie der Kgl. freien Stadt Kronstadt, 1892; Aus der Pflanzenwelt der Burzenländer Berge, Wien 1898; Botanische Pflanzenbilder, in: Periodische Blätter, 9/1904; Die Flora des Schulers, in: Jahrb. des SKV, Hst., 25/1905; Ein bemerkenswertes pflanzengeogr. Gebiet des Burzenlandes (Flora von Honigberg), in: Verhandl. u. Mitt., Hst., 61/1911; Beiträge zur Flora von Baassen, in: Magyar. bot. lapok, 12/1913; Der Pflanzenreichtum des Butschetsch, in: Jahrbuch des SKV, Hst., 34/1914; Versuch einer Geschichte der botanischen Erforschung Sb.s, in: Schule und Leben, Krst., 3/1921, H. 3 und 4.
Literatur. Trausch/Schuller SL, 360; K. Ungar: Gedenkrede auf J.R., in: Verhandl. und Mitt., Hst., 77, 1926/27, 1; A. Hermann: J. Römer, in: Klingsor, Krst., 4/1927, 2; H. Heltmann: Ein bedeutender Darwinist und Naturforscher – Dr. J.R., in: NW, 15.7.1965; ders.: Ein Großer der heimatlichen Berge – 125 Jahre seit der Geburt von J.R., in: KR, 5/1973, Nr. 16; F. Schneider: Ein Stück sb. Botanik, in: Die Woche, Hst., 20.4.1973; H. Heltmann: J. Römer, Kronstädter Professoren, IV, NKZ, 3. Jg., 1/87, 3.

Scherg, Georg

Georg Scherg (Foto: Konrad Klein, 2002)

 Schriftsteller, * Kronstadt 19.1.1917, † Bodelshausen bei Tübingen 20.12.2002. Besuch des Honterusgymn. in Kronstadt, Studium der Germanistik, Romanistik, Philosophie und Musik in Gießen, Berlin, Paris, Tübingen und Straßburg, Abschluss 1944, Rückkehr nach Rumänien 1947. Deutschlehrer in Krst., Zeiden und Heldsdorf, dann Universitätslehrer in Klausenburg, 1958 bis 1962 polit. Häftling. Von 1970 bis 1984 war Sch. Dozent und Leiter des Lehrstuhls für Philologie in Hermannstadt. 1990 Übersiedlung in die Bundesrep. Dtl. Seit 1954 war Sch. Mitglied des Rum. Schriftstellerverbandes, von dem er 1968, 1975 und 1981 ausgezeichnet wurde. 1997 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Hermannstädter Universität. Obwohl S. auch Dramen und Gedichte geschrieben hat, ist er ins Bewusstsein seiner Leserschaft hauptsächlich als Prosaschriftsteller eingegangen.
Sch.s früheste Romane (Da keiner Herr und keiner Knecht, 1957, 21966; Das Zünglein an der Waage, 1968), die, breit angelegt, panoramaartig bedeutsame Zeitabschnitte der sb. Geschichte zu ergründen versuchen, setzen die Tradition der heimischen deutschsprachigen Erzählkunst der Zwischenkriegszeit fort. Sie handeln hauptsächlich von den Erlebnissen und Erfahrungen seiner Kindheit und Jugend, aber auch von den Nöten und Sorgen der Eltern und Erzieher. Sch.s Freude am Fabulieren kommt vor allem in den Erzählungen des Peter Merthes (1957, 1969, 1984) zur Geltung. Beginnend mit dem Roman Der Mantel des Darius (1968, in rum. Übersetzung 1974) bediente sich Sch. zunehmend moderner epischer Gestaltungsweisen. Einzelne Episoden des nicht mehr linear erzählten Geschehens tendieren zur Selbständigkeit, Reflexionen machen sich breit, allg. menschliche Fragestellungen treten in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, ohne sich jedoch gänzlich von ihrem sb. Hintergrund zu lösen. Erfahrungen aus dem Gefängnis und aus der rum. Gegenwartsgeschichte arbeitet Sch. in seinen anderen Romanen (Spiegelkammer, 1974; Paraskiv Paraskiv, 1976) auf, die er dem Leser freilich nur vielfach gebrochen und oft ungemein stilisiert präsentieren konnte. (LSS-StS)
Werke (Auswahl): Ovid, Trauerspiel, Buk. 1953; Giordano Bruno, Trauerspiel, Buk. 1954; Die Silberdistel. Gedichte, Buk. 1968; Penelope ist andrer Meinung, Roman, Buk. 1971; Bass und Binsen, Roman, Klbg. 1973; Die Axt im Haus, Erzählungen, Klbg. 1979; Der Sandkasten, Roman, Buk. 1981; Die verhohlene Münze, Erzählungen, Klbg. 1987; Goa Mgoo oder die Erfindung der Unsterblichkeit, Roman, Münster/Westf. 1997.
Literatur (Auswahl). E. Reichrath (Hg.): Reflexe. Kritische Beiträge zur rumäniendt. Gegenwartsliteratur, Buk. 1977, S. 166 ff.; W. Wittstock: Von den Schwierigkeiten, Stücke zu schreiben. Ein Gespräch mit dem Schriftsteller G.Sch. (Interview), in: KR, 8.5.1981; E. Reichrath (Hg.): Reflexe II. Aufsätze, Rezensionen und Interviews zur dt. Lit. in Rum., Klbg. 1984, S. 143 ff; H. Bara: „Solang es Denkende gibt“. Gespräch mit G.Sch. (Interview), in: NL, Nr. 10/1987; K. Hammer: Der Schriftsteller G.Sch. 84-jährig gestorben, in: ADZ, 24.12.2002; St. Sienerth: Der unbedingte Glaube an die Literatur. Zum Tod von G.Sch., in: SbZ, 31.1.2003.

Scherg, Wilhelm

Fritz Kimm: Bildnis des Wilhelm Scherg (Gemälde, Brukenthalmuseum Hermannstadt)

 Fabrikant, * Kronstadt 17.1.1855, † gest. ebd. 8.11.1930. Er entwickelte den väterlichen Betrieb zu einem Industrieunternehmen. Sch. stellte die ersten sechs mechanischen Webstühle Sb.s und Ungarns auf. Nach acht erfolgreichen Jahren erwarb er 1883 ein Fabriksgebäude am Tömöschkanal mit 35.000 m2 Areal und nahm seinen Schwager, den gelernten Wollweber und Wollhändler Josef Schreiber (1842-1900), als Teilhaber in die neugegründete Firma Wilhelm Scherg & Cie. auf. Trotz des 1886 ausbrechenden Zollkrieges mit Rum. gelang es dank der Tätigkeit eines weiteren Schwagers, Georg Schmutzler (1856- 1930), der, vorher als Kaufmann und Spediteur tätig, 1887 als Teilhaber hinzukam, den Absatz durch Aufbau neuer Geschäftsbeziehungen zu Ungarn, Bulgarien und zur Türkei zu erhöhen. Gleichzeitig ging das Unternehmen von der Erzeugung einfarbiger Bauerntuche zunehmend auf Feintuche und Modestoffe über, die sogar in Österr. abgesetzt werden konnten. 1900 traten die Söhne Josef Schreibers, Josef (1878-1917) und Wilhelm (1880-1946), als Teilhaber ein. 1892 kam ein neuer Fabrikstrakt hinzu, und auch das Areal konnte durch Zukauf um 21.000 m2 erweitert werden. Der gesteigerte  Absatz in der Türkei und erhöhte Nachfrage nach feinen Kammgarnstoffen in Ungarn und Österr. machten schon 1907 den Bau eines zusätzlichen Traktes notwendig; das Werk gehörte nun zu den größten Tuchfabriken Ungarns. Der Erste Weltkrieg brachte zwar empfindliche Schäden durch Requisitionen, Plünderungen, uneinbringliche Forderungen aus Armeelieferungen und Kriegsanleihen, es entstanden aber auch günstige Absatzchancen im neuen Staatsverband. Schon 1922 konnte das Werk vergrößert werden, 1923, 100 Jahre nach der Gründung, wurde die maschinelle Ausstattung so umfangreich ergänzt und verbessert, dass dies in der Jubiläumsschrift “wohl als der größte Schritt in der Entwicklung des Unternehmens” bezeichnet wurde. Eine weitere Generation der Fam. war damals schon im Betrieb tätig (Söhne und Schwiegersöhne): Major d.R. Hugo Richter, Richard Schmutzler, Wilhelm Scherg d.J., Dipl.-Ing. Wilhelm Ganzert. Emil Schmutzler. Das Fabriksareal umfasste 96.000 m2, die Gebäudefläche 22.000 m2. Ein Jahrzehnt später (1934) beschäftigte das Unternehmen 1600 Arbeiter und 80 Angestellte, es besaß 320 Webstühle, 22 Selfaktoren 9000 Spindeln, Färberei, Bleicherei, Appretur und Wäscherei; das Produktionsprogramm umfasste Herren- und Damenkleiderstoffe, Offiziersuniformstoffe, Militärtuche, Bauerntuche und Wolldecken; besaß Beteiligungen an der Kammgarnspinnerei Corona in Weidenbach, an der Portlandzementfabrik Kugler & Co., an der Industrie-Kraftzentrale A.G. in Kronstadt und an der Cehoslovaca – Konfektionsindustrie in Bukarest. 1948 wurde das Unternehmen enteignet und erhielt den Namen Partizanul Roşu, später dann Carpatex. (LSS-FB)
Literatur: 1823-1923. Hundert Jahre im Dienste der Arbeit. Gedenkschrift aus Anlass des 100-jährigen Bestandes der Firma Wilhelm Scherg & Cie. in Kronstadt, Krst. 1923; Compass. Finanzielles Jahrbuch, Rum.-Bde, Wien, versch. Jahrgänge; 1823-1973. 150 de ani de industrie textilă la Brașov. Jubileul Întreprinderii de stofe „Carpatex“ - Brașov, Krst. 1973; H. Schuller: Waren mit Woolmark-Gütesiegel. Carpatex-Tuchfabrik steigert Exportlieferungen, in: NW, 27.1.1987; M. Philippi: 200 Jahre Familie Scherg in Krst. Vom Wollenzieher Michael Schürge zur Tuchfabrik Wilhelm Scherg, in: Sb. Archiv, 3. Folge, Bd. 27 (Sb. Familien im sozialen Wandel), Köln/Weimar/Wien 1993; Die Welt der Textilien. Ausstellungsführer. Volkskunde-Museum Kronstadt, Krst. o.J.; L. Baciu: Acțiuni premergătoare naționalizării la Fabrica Scherg - Brașov, in: Țara Bârsei, Nr. 2 (2003); ders.: Sistemul disciplinar la Fabrica Scherg – Brașov, in: Țara Bârsei, Nr. 3 (2004); W. Wittstock: Vom Handwerksbetrieb zur Familien-Aktiengesellschaft. Mit der Nationalisierung endete die 125-jährige Erfolgsgeschichte der Tuchfabrik Scherg in Kronstadt, in: Deutsches Jahrbuch für Rumänien 2008 (auch in: NKZ, 26.9.2008).

Schlandt, Hans Eckart

Sohn von Walter Erhard Sch., Organist, Chordirigent, Musikerzieher * Kronstadt 20.2.1940. Studium an der Staatlichen Hochschule für Musik in Bukarest bei Helmut Plattner (1957-1962). Nachfolger seines Vaters im Organisten- und Kantorenamt der Schwarzen Kirche in Kronstadt (1965), Dirigent des Kronstädter Bachchors (1965-2004), Begründer des Jugendbachchors (1993). Orgelkonzerte in Kronstadt und anderen Städten Rum.s, seit 1967 in verschiedenen europ. Ländern und in den USA. Während der Sommermonate Orgelabende in der Schwarzen Kirche (zunächst täglich, dann dreimal pro Woche) unter bes. Berücksichtigung des Gesamtorgelwerks von J.S. Bach. Aufführungen (Oratorien, Kantaten) mit dem Bachchor. Pflege des sb. Musikschaffens, Uraufführungen zeitgenössischer Orgelwerke. Ehrungen: Johann-Wenzel-Stamitz-Preis (2000), Apollonia-Hirscher-Preis (2002), Honterus-Medaille (2005).(LSS-KT, DFDKK)
Diskographie (Auswahl). P. Richter: Trauerkantate (Dirigent: A.H. Gärtner, an der Orgel: E.Sch., München 1979); H.E.Sch. la orga Bisericii Negre din Braşov. D. Buxtehude, J. Pachelbel, N. Bruhns, J.S. Bach (Seria „Orgi istorice din România“, STM-ECE 01042); H.E.Sch. la orga Bisericii Negre din Braşov. J.S. Bach (Seria „Orgi istorice din România“, ST-ECE 01271); W. Berger: Simfonia nr. 10 pentru orgă şi orchestră (Orchestra simfonică a Radioteleviziunii, Dirigent: I. Conta, ST-ECE 01599); R. Lassel: Fantasie für Orgel über „Ein feste Burg“ (Orgellandschaft Siebenbürgen, MDG 319 0414-2); J.L. Hedwig: Der Allmacht Wunder (Astra-Chor, Bachchor, Live-Mitschnitt, 2002); J.S. Bach: Clavierübung III (Orgelmesse) (2003, LB 011); J.S. Bach: Himmelfahrtsoratorium (Astra-Chor, Bachchor, Live-Mitschnitt, 2004).
Literatur. W. Wittstock: Erfolg in der Sowjetunion. Gespräch mit dem Orgelspieler E.Sch. (Interview), in: KR 44/1.11.1974; Ders.: Ein Sendbote siebenbürgischer Musik. Neue Orgelmusik-Schallplatte liegt in den Fachgeschäften auf/Gespräch mit dem Organisten H.E.Sch. (Interview), in: KR 31/5.8.1977; Ders.: „Gut registriert ist halb gespielt“. Der Orgelspieler H.E.Sch./In der Schwarzen Kirche finden im Sommer täglich Orgelkonzerte statt, in NW, 28.6.1979; Ders.: „Überzeugender Botschafter“. H.E.Sch.s erfolgreiche Konzert-Tournee durch Österreich und die Bundesrepublik Deutschland, in KR 10/7.3.1980; Ders.: Von Maastricht bis Odessa. Erfolgreiche Orgelspieler: E.Sch. absolvierte Vier-Länder-Tournee/U. Philippi gastierte in der Sowjetunion und in der BRD, in: KR 47/20.11.1981; Ders.: „…in wahrhaft großer Interpretation“. E.Sch. absolvierte eine zweimonatige Gastspielreise mit schönem Erfolg, in KR 48/3.12.1982; Ders.: Wieder Orgelspielzeit. 50 Jahre Kronstädter Bach-Chor. Gespräch mit dem Organisten und Chorleiter E.Sch. (Interview), in: NW, 21.7.1984; K. Kessler: Die Tradition als Auftrag/Gespräch mit dem Musiker E.Sch. aus Braşov (Interview), in NW, 11.4.1987; W. Wittstock: Dankbares Publikum. Ein Gespräch mit dem Orgelspieler und Chorleiter E.Sch. (Interview), in: KR 32/12.8.1988; Ders.: „…herrlich registrierte Klangbilder“. E.Sch. absolvierte Konzert- und Bildungsreise, in: KR 47/25.11.1988; R. Wittstock: Keine „grandiose Monotonie“. Ein Gespräch mit dem Organisten E.Sch. (Interview), in NW, 6.5.1989; W. Wittstock: Eine eindrucksvolle künstlerische Karriere. Der Chorleiter, Organist und Musikerzieher E.Sch. wird 65, in: ADZ, 18.2.2005; Ders.: Interessante Orgellandschaft. E.Sch. konzertierte in Ungarn/Vorhaben im siebenbürgischen Orgelsommer, in: ADZ, 6.7.2007; Th. Reich: Organist, Chorleiter und Musikpädagoge. H.E.Sch. zum 70. Geburtstag, in: SbZ, 15.2.2010; Dies.: Fast vier Jahrzehnte an der Orgel der Schwarzen Kirche. H.E.Sch. feiert 70. Geburtstag, in: ADZ, 19.2.2010; U. Philippi: Ein stiller Meister großer Töne. E.S. zum Siebzigsten, in: HZ, 19.2.2010.

Schlandt, Markus-Steffen

Sohn von Hans Eckart Sch., Organist, Dirigent, Musikpädagoge * Kronstadt 7.10.1975. Orgelstudium bei Ursula Philippi in Klausenburg, Kirchenmusikstudium in Trossingen (Prof. Christoph Bossert), Studium der Chorleitung in Würzburg. 2. Preis beim Eberhard-Friedrich-Walcker-Orgelwettbewerb in Schramberg (2001). Seit 2004 Organist an der Schwarzen Kirche und assoziierter Professor an der Kronstädter Musikfakultät (Partiturspiel, Kammermusik). Im gleichen Jahr übernahm er von seinem Vater die Leitung des Kronstädter Bachchors und des Jugendbachchors. Initiator und Organisator der Musikfestspiele „Diletto musicale“ in Tartlau (seit 1999) und „Musica Coronensis“ (seit 2003). Intensive Bemühungen um die Restaurierung siebenbürgischer Denkmalorgeln. (DFDKK)
Diskographie: Lobsinget Gott, dem Herrn (Jugendbachchor, Live-Mitschnitte 2005/2006); Jugendbachchor in concert (DVD, 2007, Madrigale); J. Haydn: Die Schöpfung (DVD, Bachchor Kronstadt, 2008); Mein Dorf. Wege zu einer neuen Gemeinschaft (DVD, Jugendbachchor Kronstadt, 2009).
Musikhistorische Arbeiten: Daniel Croner – preot și compozitor brașovean al secolului al XVII-lea, in: Țara Bârsei (Neue Serie), Nr. 6 (2007), S. 174-177; Muzica de orgă în Brașov și Țara Bârsei din secolul al XIV-lea până în secolul al XX-lea, in: Țara Bârsei (Neue Serie), Nr. 7 (2008), S. 262-268; Aportul familiei Schneider la dezvoltarea muzicală a Brașovului, in: Țara Bârsei (Neue Serie), Nr. 8 (2009), S. 241-245.
Literatur. R. Potoradi: Die Perspektive: Arbeit mit jungen Menschen. Organist St.Sch. erfolgreich beim Internationalen „Eberhard Friedrich Walcker“-Orgelwettbewerb 2001/Gespräch mit dem Musiker (Interview), in: SbZ, 31.7.2001; W. Wittstock: Mit „stehenden Ovationen“ gefeiert. Erfolgreich in Deutschland: Kronstädter Studentenorchester unter der Leitung von St.Sch., in: ADZ, 3.6.2005; W. Wittstock: Konzerte an berühmten Orgeln. Erfolgreiche Deutschland-Fahrt des Musikers St.Sch., in: ADZ, 4.8.2006; ww.: Aus der Not eine Tugend gemacht. Entschädigung fürs Publikum: Konzert und Orgelpräsentation mit St.Sch., in: ADZ, 27.4.2007.

Schlandt, Walter Erhard

Pianist, Organist, Chordirigent, Schulmusiker, * Kronstadt 23.4.1902, † ebd. 14.2.1979. Studium 1922 bis 1927 in Leipzig und Wien. Chormeister des Kronstädter Dt. Liederkranzes, daneben Dirigent beim Kronstädter Männergesangverein, Prof. am Konservatorium ASTRA, Konzertpianist und Kammermusiker. Setzte sich für moderne und zeitgenössische Kammermusik ein, zahlreiche Erstaufführungen. 1945 Deportation in die Sowjetunion, Rückkehr 1947. 1955-1962 Musiklehrer, dann Berufung als Nachfolger von V. Bickerich ins Organisten- und Kantorenamt der Schwarze Kirche, einschließlich als Leiter des Bachchors (bis 1965). (LSS-KT, DFDKK)
Schriftliches: Begabung und Verständnis. Aus der Erfahrung eines Schulmusikers, in: NW, 6.1.1973.
Literatur. W.J. Schlandt: Menschen durch seinen Optimismus und Begeisterungsfähigkeit motiviert. Zum 100. Geburtstag des ehemaligen Kronstädter Musikerziehers W.E.Sch., in KR 18/4.5.2002.

 

Schuller, Albert

Hans Eder: Albert Schuller (Öl/Lw.)

Architekt, * Kronstadt 25.12.1877, † gest. ebd. 27.10.1948, begann nach dem Studium in Budapest und München im gemäßigtem späten Jugendstil in Kronstadt zu bauen: 1908 Burzenländer Bank (Purzengasse 22), 1910 Hotel Krone (Hotel Postăvarul), das die Kronstädter Allgemeine Sparkasse finanzierte, 1911-1913 das neue Honterusgymnasium (heute Geburtenklinik) nach Plänen des Dresdners Paul Beck u.a. Die Bauten entstanden in Zusammenarbeit mit Oskar Fr. Goldschmidt. Sie zeichnen sich durch Körperhaftigkeit, bewegte Gliederung und sparsam-geschmackvolle Ornamentik aus. Zwischen den Weltkriegen schuf Sch. eine Reihe weiterer das Stadtbild bestimmender Bauten (z.B. Innerstädter ev. Kindergarten zw. Katharinentor und Waisenhausgässer Tor, Werkanlage der Firma „Nivea“) sowie das Höhenheim in der Schulerau (1923/24) und erwarb sich große Verdienste um die Restaurierung der Schwarzen Kirche. (LSS, ÖBL)
Literatur. L. Orendt: Großbauten unserer neueren Architektur: Hotel Krone, Kronstadt, in: Ostland, II. Jg, VII. Heft, April 1920; O. Richter: Ein Leben im Dienste der Gemeinschaft, in: KR, 30.12.1977.

Schuller, Bettina

Bettina Schuller (Foto: Bonnie Tillemann)

Schriftstellerin, * Kronstadt 24.1.1929, Tochter der Sängerin Medi und des Rechtsanwaltes Dr. Ernst Fabritius, Taufnamen: Dora Elisabeth. Studium der Psychologie und Pädagogik in Klausenburg (1949-1953); danach Lehrtätigkeit in Kronstadt (1953-1969) und am Pädagogischen Lyzeum in Hermannstadt (1971-1976), zwischendurch zwei Jahre (1969-1971) Dramaturgin an der deutschen Abteilung des Hermannstädter Staatstheaters, 1976 Übersiedlung in die Bunderep. Dtl. Sch. wurde in Sb. als feinfühlige Kinder- und Jugendbuchautorin (Eine Mäusegeschichte; Die tägliche Straße) sowie als Übersetzerin (T. Arghezi u.a.) bekannt. Von den in Dtl. verfassten Kurzerzählungen, Skizzen und Betrachtungen überzeugen vor allem jene, die mit beachtlichem psychologischen Einfühlungsvermögen die Befindlichkeit der sb.-s. Aussiedler in der neuen Heimat darzustellen versuchen (Es muss an der Freiheit liegen). (LSS-StS)
Werke (Auswahl): Eine Mäusegeschichte, Buk. 1966; Die tägliche Straße. Erzählungen und Skizzen, Buk. 1970; Es muss an der Freiheit liegen. Betrachtungen, Geschichten, Skizzen, München 1989; Transsylvanien - Spielplatz der Gedanken, Hst./Bonn 2010.
Literatur. H. Bergel: Literaturgeschichte der Dt. in Sb., Thaur b. Innsbruck 1987; ders.: „Es muss an der Freiheit liegen“. B.Sch. achtzig Jahre alt, in: NKZ, 18.12.2008; ders.: Sanfte Eleganz, spöttischer Esprit. Die Schriftstellerin B.Sch. begeht ihren 80. Geburtstag, in: SbZ, 20.1.2009.

Schuller, Günther Albert

Günther Schuller (Foto: Konrad Klein, 1991)

Architekt und Stadtplaner, * Kronstadt 10.10.1904, † ebd. 14.7.1995. Sohn des Architekten Albert Schuller. Besuch der Honterusschule, Studium an der TU München. Russlanddeportation 1945-1948, dort Verlust des rechten Arms als Folge eines Arbeitsunfalles. Wichtige Restaurierungen in Kronstadt: Generalsquartier (Seuler-Haus am Marktplatz) 1956 bis 1958, Kaufhaus (Hirscherhaus) 1961 bis 1962, Katharinentor (1971-1974), Weißer Turm (1974-1975), Graftbastei (1976) und weitere Abschnitte der Stadtmauern. Seit 1970 hauptsächlich mit Restaurierungsarbeiten an der Schwarzen Kirche beschäftigt. 1983 ausgezeichnet mit dem Herder-Preis, verliehen in „Hochachtung vor der menschlichen und fachlichen Leistung, die er in mannigfacher Weise als Architekt in Braşov (Kronstadt) erbrachte“. Nach der Wende (Dezember 1989) erfolgreicher Einsatz für die Benennung bzw. Wiederbenennung von Kronstädter Straßen nach sb.-s. Persönlichkeiten. 1990 erster Vorsitzender des Kronstädter Vereins der ehemaligen Russlanddeportierten. (LSS, DFDKK)
Veröffentlichungen: Das Marienbild in der Schwarzen Kirche in Kronstadt, in: Europ. Hefte, Hamburg Nr.3/1975; Kronstadt. Kaleidoskop einer Stadt im Südosten 1211-1988, Hst. 1998.
Literatur. D. Drotleff: Hochachtung vor der menschlichen und fachlichen Leistung. Der Kronstädter Herderpreisträger Dipl.-Ing. G.Sch. begeht seinen 90. Geburtstag, in: KR, 6.10.1994.

Schuller, Horst (Zuname: Anger)

Prof. Dr. Horst Schuller bei der Arbeit in der Siebenbürgischen Bibliothek auf Schloss Horneck, Gundelsheim am Neckar (Foto: Konrad Klein, 2009)

Literaturwissenschaftler und Publizist, * Meschen 13.8.1940. Studierte nach dem Besuch des Gymn. in Schäßburg Philologie (Deutsch und Rumänisch) an der Klausenburger Univ. (1957-1962). Danach Deutschlehrer in Marienburg (1962-1968) und verantwortlicher Kulturredakteur der „Karpatenrundschau“ (1968-1996). Promotion zum Dr. phil. 1984. Ab 1990 übernahm Sch. Vorlesungen an der Hermannstädter Universität, wo er 1994 zum ordentlichen Professor und 2000 zum Lehrstuhlleiter ernannt wurde. Nach seiner Emeritierung 2002 übersiedelte er nach Heidelberg.
Sch. schrieb kulturpolit., literaturkritische und literaturhist. Aufsätze, die er vorwiegend in der „Karpatenrundschau“, gelegentlich auch in der „Neuen Literatur“ und in anderen Publikationen veröffentlichte. Er ist Herausgeber der Schriften von M. Königes (1972), F.W. Schuster (1981), G. Maurer (1982), Frida Binder (1983), Otto Fritz Jickeli (1987), J.K. Schuller (1995), W.P. Plajer (1996), der Anthologie „Amsel komm nach vorn… Ein Gedichtbuch für kleine und große Kinder“ (Klausenburg 1974) und der Anthologie „ Vill Sprochen än der Wält. Dichtung im Dialekt“ (Klausenburg 1988). Seine Dissertation „Kontakt und Wirkung. Literarische Tendenzen in der siebenbürgischen Kulturzeitschrift ‚Klingsor‘“ wurde 1994 in Buk. veröffentlicht. (LSS-StS, DFDKK)
Literatur. J. Wittstock: Publizist von Rang, Erzieher mit Gespür. H.Sch.A. zum Sechzigsten, in: ADZ, 11.8.2000; D. Drotleff: Engagement kennt viele Formen. Gespräch mit Prof. Dr. H.Sch.A., Leiter des Germanistiklehrstuhls der Lucian-Blaga-Universität in Hst. (Interview), in: KR, 12.8.2000; M. Markel: Maß und Ziel. Dr. H.Sch. zum Siebzigsten, in: SbZ, 31.7.2010.

Schullerus, Eduard

Lyriker, * Kronstadt 2.8.1877, † ebd. 25.11.1914. Sohn eines Beamten, besuchte das Honterusgymn. und danach die Rechtsfakultät in Eperjes und Klausenburg. Zwischendurch hielt er sich ein Jahr lang in Berlin auf. 1900 kehrte er in seine Vaterstadt zurück, wo er als Praktikant am Kronstädter Gerichtshof, dann als Magistratsbeamter, Polizeikommissär und schließlich als Stadtarchivar tätig war. Seit 1907 war Sch. ständiger Mitarbeiter der Karpathen, wo seine besten Dichtungen abgedruckt wurden. Ein unheilbares Lungenleiden ließ ihn frühzeitig sterben. Außer einigen Prosaversuchen und Übersetzungen aus dem Ung. umfasst sein Werk ausschließlich Lyrik. In seiner stilistischen und zeitspezifischen Abrundung ist Sch.s Werk vielleicht die typischste Erscheinung der sächs. Lyrik um die Jahrhundertwende. Sch. ist der eigentliche Lyriker der Karpathen. Das Neuartige seiner Lyrik beruht in der bis dahin in Sb. ungewohnten Landschaftserfahrung und dem originellen Sprachgebrauch. (LSS-StS)
Werke (Auswahl): Astern. Gesammelte Dichtungen, hg. von A. Meschendörfer, Hst. 1926.
Literatur. H. Zillich: Über E.Sch., in: Klingsor, Heft 9/1926; St. Sienerth: E.Sch., in: C. Göllner/J. Wittstock (Hg.), Die Lit. d. Sb. Sachsen in den Jahren 1849 bis 1918, Buk. 1979, S. 194-204.

Stephani, Claus

Schriftsteller und Volkskundler, * Kronstadt 25.7.1938. Arbeitete als Elektriker, Maurer, Schriftsetzer und besuchte zugleich das Abendlyzeum, das er 1958 absolvierte. Von 1960 bis 1965 Studium der Germanistik in Bukarest, ab 1967 Redakteur der Neuen Literatur, seit 1984 stellvertretender Chefredakteur, 1978 bis 1983 Fernstudium der Journalistik. Seit 1970 Mitglied des rum. Schriftstellerverbandes, der ihm 1976 einen Preis zuerkannte.

Foto: Konrad Klein (2010)

1990 Übersiedlung in die Bundesrep. Dtl., Studium an der LMU München, 1995 Promotion mit einer Arbeit zur vergleichenden Erzählforschung. St. trat zunächst mit lyrischen Texten an die Öffentlichkeit (Frage der Concha), in denen er sich, wie die meisten seiner rumäniendt. Generationsgenossen, von der naiven Tendenzpoesie der vorhergehenden Jahrzehnte distanzierte und eine eigene Diktion anstrebte. Eine Erweiterung seiner lyrischen Ausdrucksmodalitäten erreichte er in den während der siebziger und achtziger Jahre verfassten Versen (Ruf ins offene Land, Draußen singt Dorkia). Auf dem Gebiet der Prosa, zu der auch ein Band Erzählungen (Das Saurierfest) und ein Kurzroman (Manchmal im Ostwind) gehören, hat St. mit seinen Berichten über den Alltag der Zipser Frauen (Wie das Wiesengras im Wind) seine bisher künstlerisch beste Leistung vollbracht. St. hat zahlreiche Sammlungen mit Märchen, Sagen, Ortsgeschichten und Lebensberichten der Dt. auf dem Gebiete Rum.s herausgegeben. (LSS-StS, DFDKK)
Werke (Auswahl): Frage der Concha, Buk. 1969; Das Saurierfest, Buk. 1970; Oben im Wassertal. Eine Zipser Chronik. Buk. 1970; Erfragte Wege. Zipser Texte aus der Südbukowina, Kreis Suceava. Buk. 1975; Ruf ins offene Land. Lyrische Texte. Buk. 1975; Die steinernen Blumen. Burzenländer sächsische Sagen und Ortsgeschichten. Buk. 1977; Manchmal im Ostwind. Prosa. Buk. 1977; Tal der stummen Geigen. Volkserzählungen aus dem Oascher und Sathmarer Land. Buk. 1979; Zipser Volkserzählungen aus der Maramuresch, der Südbukowina und dem Nösner Land. Buk. 1981; Das Goldene Horn. Sächsische Sagen und Ortsgeschichten aus dem Nösnerland. Buk. 1982; Eichen am Weg. Volkserzählungen der Deutschen aus Rumänien. Klbg. 1982; Die Sonnenpferde. Volkserzählungen aus dem Zekescher Land. Buk. 1983; Wie das Wiesengras im Wind. Frauenschicksale/Protokolle. Klbg. 1986; Niemandsmensch, München 1992; Frauen im Wassertal, München 1992; Aaron cel curajos/Vom mutigen Aaron. Jüdische Geschichten aus den Karpaten (zweispr. Ausgabe). Buk. 2008; Blumenkind. Roman. München 2009.
Literatur. E. Reichrath (Hg.): Reflexe. Kritische Beiträge zur rumäniendt. Gegenwartslit., Buk. 1977, S. 232 ff.; ders. (Hg.): Reflexe II. Aufsätze, Rezensionen und Interviews zur dt. Lit. in Rum., Klbg. 1984, S. 153 ff.; H. Fassel: Zum 70. Geburtstag von C.St. Rückschau auf ein vielseitig kreatives Schaffen, in: NKZ, 18.12.2008.

Teutsch, Julius

Vorgeschichtler, Likörfabrikant, * Kronstadt 1867, † ebd. 1936. Schloss die Kronstädter Sammler zu einer Vereinigung zusammen und schuf damit die Voraussetzung für die Gründung des Burzenländer sächsischen Museums. Er grub auf dem Priesterhügel bei Brenndorf und entdeckte die unter dem Namen Ariuşdkultur bekannt gewordene bemalte neolithische Keramik. Etwas jünger war eine kupferzeitliche Kultur, die von seinen Ausgrabungen auf dem Schneckenberg bei Kronstadt den Namen Schneckenbergkultur erhielt. Eine dritte bedeutende Entdeckung gelang T., als er am Bosauer Pass bei Cremenea (Sita Buzăului) einen der ersten jungpaläolithischen Rastplätze des Aurignicien-Menschen im Karpatenbecken feststellte. (LSS-KH)
Literatur. A. Eichhorn/A. Prox: J.T. †, in: Klingsor, Heft 6/1936; R. Ştefănescu: J.T. și Muzeul Săsesc al Țării Bârsei în contextul muzeisticii românești și străine de la sfârșitul secolului al XIX-lea și în prima jumătate a secolului al XX-lea [Dissertation], Brăila 2010.

Teutsch, Walther

Maler, Graphiker, Kunstlehrer, * Kronstadt 25.5.1883, † München 27.1.1964. 1903 Studienbeginn in München, hier, ab 1906, an der Akademie der Bildenden Künste Studium bei Habermann, Jank und Stuck. 1910 stellt T. in der „Münchner Sezession“, 1914 in der Gründungsausstellung der „Neuen Sezession“ aus. 1923 Lehrauftrag an der Kunstgewerbeschule, 1931 Ernennung zum o. Prof. 1939 wird T. zwangsweise in den Ruhestand versetzt, er erhält Ausstellungsverbot, ein Teil seiner Bilder in öffentlichen Sammlungen wird vernichtet. 1946 Rehabilitierung und Berufung an die Akademie der Bildenden Künste in München. Nach sieben Jahren zurückgezogenen Schaffens, in denen sich T. vor allem der Graphik zuwandte, tritt er 1947, in der ersten Ausstellung der „Neuen Gruppe“, mit seinen Arbeiten wieder vor die Öffentlichkeit. 1953 Ehrenmitglied der Akademie der Bildenden Künste, 1959 Verleihung des Bayerischen Verdienstordens. T.s Bilder betonen das Statuarische in der Natur und im Lebensbereich des Menschen , sie offenbaren eine „erhabene Einfachheit“, eine ersehnte Einheit von Natur und Geist. Rezensenten haben immer wieder auf ihren heroischen und idyllischen Charakter hingewiesen. Nicht der farbig-veränderliche Abglanz der Dinge ist T.s Hauptthema, sondern das Bleibend-Archetypische in sorgfältig ausgewogener und vielfältig aufeinander abgestimmter Farbigkeit. Wer den nächsten Vorläufern und Wahlverwandten T.s nachspürt, gelangt zu Hans von Marées (den T. von frühauf verehrte) und zu Cézanne. (LSS-WM)
Schriftliches. [o.T.], in: Aus Kronstädter Gärten. Kunstleben einer sächsischen Stadt im Jahre 1930, Festschrift für die Vereinstage in Kronstadt 1930, hg. von A. Meschendörfer, Krst. 1930, S. 201.
Literatur. H. Wühr: Der Maler W.T., zu seinem 80. Geburtstag, in: SbZ, 15.4.1963; R. Schuller: Heimatliches Erbe, in: KR, Nr. 26/26.6.1970, S. 8-9 (auch in: Sie prägten unsere Kunst, hg. von B. Stephani, Klbg. 1985); W.T. 1883-1964. Graphik und Illustrationen [Katalog zur Ausstellung im Haus des Dt. Ostens], München 1983; W. Myss: Kunst in Sb., Thaur bei Innsbruck 1991.

 

Weiß, Eugen Karl

Schulmann, Meteorologe, Botaniker, * Kronstadt 2.11.1881, † ebd. 2.2.1953. Nach Besuch des Honterusgymn. in Kronstadt studierte W. von 1902 bis 1906 Mathematik, Physik und Chemie in Breslau, Klausenburg, Berlin und Halle/S. Ab 1910 als Lehrer vor allem am Kronstädter Honterusgymn. tätig, wo er außer Mathematik, Physik und Chemie auch Astronomie und Biologie unterrichtete. Als besondere Leistung von W. gilt die 1912 erfolgte Gründung einer meteorologischen Station in seinem Garten, wo unter seiner Leitung über 40 Jahre lang Beobachtungen durchgeführt wurden. Die Ergebnisse hat W. alljährlich in der Kronstädter Zeitung, zeitweilig auch im Wanderer mitgeteilt. Zusätzlich veröffentlichte er auch phänologische Beobachtungen an wichtigen Tier- und Pflanzenarten. Von 1922 bis 1944 leitete W. auch eine Schüler-Wetterstation am Honterusgymn. 1934 stellte er aufgrund seiner Beobachtungen eine erste Synthese über den Wetterverlauf in Kronstadt zusammen. Als W. 1952, nach 40-jähriger Beobachtungszeit, seine Feststellungen über die Wetterveränderungen in Sb. als Folge der Klimaveränderungen in Europa niederschreiben wollte, wurde er irrtümlicherweise festgenommen und erlag den unmenschlichen Haftbedingungen. Seine Frau Margarete, schon vor 1952 aktive Mitbeobachterin, setzte die Wetterbeobachtungen bis April 1965 fort, sodass an dieser Wetterstation ununterbrochen 53 Jahre lang Beobachtungen durchgeführt wurden. - W. hat viele Pflanzenarten mit Farbstiften gezeichnet und ein Herbarium pictum von etwa 250 Blütenpflanzen hinterlassen. Es enthielt etwa 500 Pflanzenbelege. Für die Verbreitung astronomischer Kenntnisse sorgte W. durch die Veröffentlichung von Sternkarten für die einzelnen Monate in der Kronstädter Zeitung. (LSS-HH)
Werke (Auswahl): Das kleine Schulplanetarium, in: Schule und Leben, 13, 1932, 5, 128; Die Lichterscheinungen beim Erdbeben vom 10.11.1940, in: Krst. Ztg., 104. Jg., Nr. 271, 27.11.1940, 4; Buchbesprechungen, Handschrift: Das Klima Kronstadts, 1934.
Literatur. H. Heltmann: Zur Geschichte naturwiss. Forschungen in Krst. und im Burzenland, in: Naturwiss. Forschungen über Sb., II (Sb. Archiv, Bd. 18), Köln/Wien 1984 (bes. S. 42); M. Marcu: Wetterforschung über 75 Jahre. Kronstädter Meteorologen seit siebeneinhalb Jahrzehnten auf Draht, in: KR 6/6.2.1987; H. Schuller: 75 Jahre Wetterbeobachtung. E.W. machte die ersten Aufzeichnungen, in: NW, 8.3.1987, S. 3.

Weiß, Helfried

Foto: KR-Archiv

Graphiker und Zeichner, * Kronstadt 8.8.1911, † München 6.12.2007. Besuch des Honterusgymnasiums, hier Förderung durch den Maler und Kunsterzieher Heinrich Schunn. Stationen seiner Studienzeit, in der er vielschichtige künstlerische Anregungen empfing und sich gediegene kunsthandwerkliche Kenntnisse aneignete, waren Klausenburg, Paris, Bukarest und München, wo W. zwei Semester lang an der Akademie für angewandte Kunst inskribierte. 1937-1940 Lehrtätigkeit in Tarutino (Bessarabien), dann Kriegsdienst an der Ostfront, ab 1943, mit kriegsbedingter Unterbrechung, Kunsterzieher an verschiedenen Gymn. in Bukarest, Temeswar und Kronstadt. 1988 Übersiedlung in die Bundesrep. Dtl. - Unter den sb.-s. Künstlern ist W. der unbestrittene Meister materialgerechter Schwarz-weiß-Graphik. In seinen Arbeiten setzt er sich mit zahlreichen Techniken auseinander: Linolschnitt, Holzstich, Collagen, Siebdruck, Schablonendruck, Monotypie und Zeichnung. In Kompositionen, die, nicht an bestimmte Objekte gebunden, spontaner Eingebung folgen, erreicht seine Kunst ihren Höhepunkt. Kantige Formen von ausdrucksstarker Breite machen das Wesen seiner dem Expressionismus zugeneigten Kunst aus. Günther Ott hat W. den sb. Merian genannt. Der dokumentarische Wert seiner Arbeiten verdient bes. hervorgehoben zu werden: W. erfasste in seinen Holzstichen und Linolschnitten die sb. Kulturlandschaft mit vielen mittelalterlichen Bauwerken der Sb. S. (z.B. Kirchenburgen), der Ungarn und der Rumänen. (LSS-WM, DFDKK)
Literatur. R. Wittstock-Reich: Die Welt malerisch sehen. Ein Atelierbesuch bei dem Grafiker H.W., in: NW, 15.9.1979 (auch in: Sie prägten unsere Kunst, hg. von B. Stephani, Klbg. 1985); B. Stephani: Solange es Menschen gibt… Zu Besuch bei H.W., in: VK, Heft 10/1981 (auch in: Sie prägten unsere Kunst, hg. von B. Stephani, Klbg. 1985); C. Stephani: Anders als in Samarkand. H.W. über seine Studienjahre in Klausenburg, Paris, Bukarest und München (Interview), in: NL, Heft 10/1986; W. Myss: Kunst in Sb., Thaur bei Innsbruck 1991; H.W. Schlandt: H.W., München 1993; H. Bergel: Gespräch über Form und Freiheit. Bildbetrachtung mit H.W., in: Erkundungen und Erkennungen, München, 1995.

Weiß, Ortwin Gerald

Foto: KR-Archiv

Maler und Graphiker, * Kronstadt 25.10.1953, 1974 bis 1978 Akademie der Bildenden Künste in Klausenburg, Diplomabschluss; 1978/79 Stipendium an der Kunstakademie in Klausenburg, Fotoreporter und Graphiker bei der Wochenschrift Karpatenrundschau in Kronstadt, freischaffende Künstlertätigkeit; 1984/85 Herder-Stipendium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, Meisterklasse für Graphik; 1990 Übersiedlung in die Bundesrep. Dtl.
Als Wanderer zwischen zwei Welten (der gegenständlichen und der abstrakten) bedient sich W. häufig plakativer Mittel, um seinen Erfahrungen und Vorstellungen Signalcharakter zu verleihen. Seine Kunst ist weitgehend  Symbolsprache. „Farbgestaltung und graphische Strukturen bekommen erhöhten Symbolgehalt, werden als solche betont zu künstlerischen Botschaften, zu Aussagen über soziale Befindlichkeit“(Jürgen Busch). (LSS-WM, DFDKK)
Literatur. W. Myss: Kunst in Sb., Thaur bei Innsbruck 1991; H. Schuster: O.W.G., München 1993.

 

 

Wittstock, Erwin

Juliana Dancu-Fabritius: Erwin Wittstock (Kohlezeichnung, 1954)

Schriftsteller * Hermannstadt 25.2.1899, † Kronstadt 27.12.1962. Nachkomme eines sb.-dt. Lehrer- und Pfarrergeschlechts, das seit mehreren Generationen schriftstellerisch tätig war. W. besuchte das Gymn. in Schäßburg und Mediasch und nahm, nach dem Abitur, am Ersten Weltkrieg teil. Von 1919 bis 1922 studierte er die Rechte an der Klausenburger Univ. Danach Magistratsbeamter in Hermannstadt (mit Unterbrechungen bis 1936). Lebte als freischaffender Schriftsteller von 1936 bis 1944 in Hermannstadt, Berlin und Hammer a. See (Nordböhmen). Nach dem Krieg war W. Rechtsanwalt in Hermannstadt und ab 1947 in Kronstadt, Lehrer für Volkswirtschaft und Deutsch (1950-1955). In den letzten Jahren seines Lebens wirkte er wieder als freischaffender Schriftsteller. W. war Ehrendoktor der Univ. Heidelberg (1936) und seit 1954 Mitglied des rum. Schriftstellerverbandes.
Bereits mit seinen ersten Novellen, die er zunächst im Band Zineborn sammelte, erwies sich W. als ein urwüchsiges Erzähltalent, das es verstand, sb. Lebensverhältnisse in eigentümlicher künstlerischer Darstellungsweise festzuhalten. Ereignisse aus seiner Kindheit und Jugend sowie die Erlebnisse als Fähnrich der k. und k. Armee arbeitete er in seinen späteren Novellen auf, die den Grundstock der anderen Erzählbände ausmachen (Die Freundschaft von Kockelburg, … abends Gäste …). Dem Roman Bruder, nimm die Brüder mit waren eingehende juristische und hist. Studien vorausgegangen (Die Liquidierung des sächsischen Nationalvermögens und die Enteignung der Sieben-Richter-Waldungen, 1931). Vor dem Hintergrund dieser Problematik, die ein anschauliches Bild sb. Lebens in seiner multinationalen Vielfalt am Anfang des 20. Jh.s entstehen lässt, geht der Autor hauptsächlich der Frage nach, ob die Ideen der „Freiheit, Einigkeit und Gerechtigkeit“ unter den Bedingungen des nachkriegszeitlichen Sb.s sowohl im zwischenmenschlichen Bereich als auch im Zusammenleben der sb. Völker verwirklichbar sind. In den vierziger, vor allem aber in den fünfziger Jahren verfasste W. Erzählungen (Die Schiffbrüchigen, 1949; Der Sohn des Kutschers, 1954) und Dramen (Die Töpfer von Agnethendorf, 1954), in denen der sozialen Thematik erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt wird. Paradigmatische und parabelhafte Dimensionen erlangt das epische Geschehen im aus dem Nachlass veröffentlichten Roman Das Jüngste Gericht in Altbirk, der – wie auch die Novellen des Schriftstellers – zu den bedeutendsten erzählerischen Leistungen der Sb. S. gehört. (LSS-StS)
Werke: Jesus vor dem hohen Rat. Eine rechtsgeschichtliche Untersuchung, Hst. 1926; Zineborn. Geschichten aus Siebenbürgen, Hst. 1927; Die Liquidierung des sächsischen Nationalvermögens und die Enteignung der Sieben-Richter-Waldungen, Schäßburg o.J. [1931]; Bruder, nimm die Brüder mit. Roman, München 1933, Berlin 1936; Entwurf zu einem Organisationsstatut der sächsischen Volksgemeinschaft, Schäßburg o.J. [1933]; Die Freundschaft von Kockelburg, München 1935, Berlin 1940, 1965; Station Onefreit. Herz an der Grenze. Zwei Erzählungen, München 1936; Miesken und Riesken, München 1937; Das Begräbnis der Maio. Novelle, Leipzig 1937, 1942 (niederländ. 1943); … abends Gäste ... Gestalten und Geschichten, München 1938, Berlin 1939, Hamburg 1948; Königsboden. Erzählungen, München 1941, Graz/Wien 1952; Der Hochzeitsschmuck. Erzählung, München 1941, Hamburg 1948, Berlin 1962, 1969 (niederländ. 1944, rum. 1963); Die Schiffbrüchigen. Novelle, Hamburg 1949; Die Töpfer von Agnethendorf. Schauspiel in drei Aufzügen, Buk. 1954; Siebenbürgische Novellen und Erzählungen, Buk. 1955, 1956; Freunde. Erzählungen, Buk. 1956 (rum. 1958); Die Begegnung, Buk. 1957, Berlin 1958 (ung. 1973); Der verlorene Freund. Erzählungen, Berlin 1958; Der Viehmarkt von Wängertsthuel, Berlin 1958, Buk. 1967; Einkehr, Berlin 1958, München 1999; Der Sohn des Kutschers und andere Erzählungen, Buk. 1964 (rum. 1957); Der falsche Malvasier. Erzählungen, Buk. 1970 (rum. 1978); Das Jüngste Gericht in Altbirk. Roman, Buk. 1971, 1972, Berlin 1972 (ung. 1981, rum. 1987, franz. 1991); Ein Ausflug mit Onkel Flieha, Buk. 1971, 1972, Berlin 1971 (rum. 1971); Der Hund und der Fuchs und andere Geschichten, Buk. 1988; Januar '45 oder Die höhere Pflicht. Roman, Buk. 1998, 2002. - Werke in Einzelbänden. Auswahl, Nachwort und Anmerkungen von J. Wittstock (Zineborn. Erzählungen 1920-1929, Buk. 1979, Berlin 1982; Abends Gäste. Erzählungen 1930-1939, Buk. 1982; Die Schiffbrüchigen. Erzählungen 1940-1962, Buk. 1986; Das letzte Fest. Roman. Erzählungen, Buk. 1991).
Literatur. K. Ziegenbein: Besuch bei siebenbürgischen Dichtern. E.W., in: Krst. Ztg., 8.9.1937; G.E. Schleinitz: E.W.s Haus am Hammersee, in: die neue linie, März 1942; J. Wittstock: Der Nachlass, in: NW, 25.2.1967; ders.: Quellen zu einer Lebensbeschreibung, in: KR 8/21.2.1969; ders.: Lebensstätten des Dichters. Wege zwischen Hermannstadt und Kronstadt, in: NW, 22.2.1969; ders.: E.W. Das erzählerische Werk. Klbg. 1974; ders.: Siebenbürgen war ihm ein Gleichnis. E.W.s Bindungen an Kronstadt, in: KR 10/8.3.1974; W. Aichelburg: Siebenbürgen ein Gleichnis, in: KR 12/22.3.1974; W. Kuchar: Durch sein persönliches Beispiel, in: KR 15/12.4.1974; O. Wermescher: Erinnerung an E.W., in: KR 14/4.4.1975; C. Regman: E.W., in: Astra, 1.12.1978; H. Anger: E.W. - eine exemplarische Gestalt, in: VK 3/1979; J. Wittstock: Jahre in Birthälm, in: KR 8/23.2.1979; H. Liebhardt: Durch das Exempel lernen, in: KR 8/23.2.1979; G. Scherg: Seinem Wesen treu geblieben, in: KR 8/23.2.1979; H. Bergel: E.W., der siebenbürgische Erzähler, in: Gestalten und Gewalten, Innsbruck 1982; W. Klein: Zwei Seelen wohnten auch in seiner Brust. Gärender Geist: E.W., in: NW, 21.6.1991; G. Scherg: E.W., in: Die rumäniendt. Lit. in den Jahren 1918-1944, hg. von J. Wittstock u. St. Sienerth, Buk. 1992, S. 258-271; H. Bergel: Der nüchterne Blick für das Reale. E.W.s erzählerisches Verständnis, in: Zuwendung und Beunruhigung. Thaur b. Innsbruck 1994; P. Philippi: Im größeren deutschen Sprachraum anerkannt. Aus persönlichem Erleben über E.W., in: ADZ, 5.3.1999; W. Wittstock: Der Schriftsteller E.W. (1899-1962) (Biographische Skizze), in: Stephan-Ludwig-Roth-Gymnasium. Geschichtliche Fragmente II, Mediasch 2008 (auch rum.).

Zeidner, Heinrich d.Ä.

Buchhändler, Verleger, * Kronstadt 18.11.1841, † ebd. 1.10.1915. Erwarb 1867 die Buchhandlung Haberl in Kronstadt, baute sie „nach seinem eigenen wagemutigen, bildungsfreundlichen vorwärtstreibenden Wesen“ (Lassel) aus und erweiterte sie, schloss ihr bald schon einen Verlag an, in welchem vor allem dt., ung. und rum. Lehrbücher, aber auch eine große Zahl von populären Schriften erschienen. (LSS-HM)
Literatur. E. Lassel: H.Z. d.Ä. †, in: Schul- und Kirchenbote, 1.11.1915.

Zeidner, Heinrich d.J.

Buchhändler, Verleger, Sohn von H.Z. d.Ä., * Kronstadt 20.8.1874, † ebd. 1.12.1950. Erhielt wie auch sein Bruder Hermann (24.10.1880 bis 22.3.1947) die Ausbildung im väterlichen Unternehmen, das sie nach dessen Tod übernehmen. Während Heinrich Z. d.J. Verlag und Buchhandlung führte, war Hermann Z. im Papier- und Schreibwarenhandel tätig. Heinrich Z. d.J. verstand es lange Zeit hindurch, das Unternehmen auf der Höhe der bedeutendsten dt. Buchhandlungen Südosteuropa zu halten, zu dessen Kunden Dt., Rumänen und Ungarn im weiten Umkreis bis Bukarest zählten. Nach Kriegsende erlebten die beiden Brüder, nachdem ihnen ein kommunistischer Administrator vorgesetzt wurde, das Schicksal vieler Unternehmer: Sie wurden verhaftet und erfuhren nach der Entlassung aus dem Gefängnis, dass ihr Unternehmen inzwischen liquidiert worden war. (LSS-HM)
Literatur. H. Schlandt: Buchhändler H.Z. (d.J.) 70 Jahre alt, in: Krst. Ztg., 22.8.1944; H.B. (H. Bergel): Der Geist, der durch die Bücher fließt. Rückblick auf die Buchhandlung H.Z., Kronstadt, in: SbZ, 31.8.1974.

 

Zillich, Heinrich

Schriftsteller, Kulturpolitiker und Publizist, * Kronstadt 23.5.1898, † Starnberg 22.5.1988, verbrachte Kindheit und Jugend in der bei Brenndorf gelegenen Fabrikssiedlung und in Kronstadt, wo er das Gymn. besuchte. Nach Abitur (1916) Teilnahme am Krieg (ital. Front); danach Studium in Berlin (Handel und Politik); 1923 Promotion zum Dr. rer. pol. Nach seiner Heimkehr in die Vaterstadt zunächst journalistisch tätig (Kronstädter Zeitung). 1924 gründete er mit Gust Ongyerth den Klingsor (1924-1939), der zwischen den zwei Weltkriegen zur führenden Kulturzeitschrift der Sb.S. werden sollte. 1936 Übersiedlung nach Dtl. (seit 1938 wohnhaft in Starnberg), ohne die Verbindung zu Sb. abzubrechen. Während des Krieges war Z. Offizier im dt. Generalstab. Nach dem Krieg entfaltete er eine wirkungsvolle landsmannschaftliche (1952-1963 Bundesvorsitzender) und publizistische Tätigkeit (1959-1980 Mitherausgeber der Südostdeutschen Vierteljahresblätter). Für sein literarisches  und journalistisches Werk wurde er des Öfteren geehrt, u.a. Ehrendoktor der Univ. Göttingen (1937); Sb.-S. Kulturpreis (1968).
Z.s schriftstellerisches Werk umfasst außer zahlreichen meist polit. ausgerichteten journalistischen Beiträgen und Rezensionen lyrische, erzählende und essayistische Arbeiten, wobei das Schwergewicht auf die Epik zu liegen kommt. Seine frühen Gedichte (Die Strömung, 1924) behandeln in einer der Lyrik der Neuromantik und des Expressionismus nahestehenden Ausdrucksweise Großstadtmotive und Eindrücke der Kriegs- und Nachkriegszeit. Sb. Fragestellungen und die Situation der Dt. im SO Europas - gelegentlich im Sprachgebrauch der dreißiger und frühen vierziger Jahre artikuliert - traten später ins Blickfeld seiner lyrischen Aufmerksamkeit (Strömung und Erde, 1929; Komme, was will, 1935). Die Thematik seiner epischen Schriften ist weitgespannt. Humorvolle Geschichten, volkstümlich erzählt, vereinen die Bände Siebenbürgische Flausen (1925) und Der Toddergerch und andere Geschichten (1930). Die Erzählungen und Novellen, die zum Besten seines Werkes gehören und wohl am ehesten die Zeiten überdauern werden, arbeiten Jugenderlebnisse auf (Wälder und Laternenschein, 1923), versetzen den Leser in die Zeit der Völkerwanderung (Attilas Ende, 1923) oder der Revolution aus den Jahren 1848/49 (Der baltische Graf, 1937) und stimmen ein Loblied auf den wagemutigen Menschen an (Die Reinerbachmühle, 1935).
Z.s bedeutendster Roman Zwischen Grenzen und Zeiten (1936) nimmt die Geschehnisse, die sich in einer Fabrikssiedlung im Burzenland und in der großen Welt zutrugen, zum Anlass, um die Umbrüche darzustellen, die sich im Vor- und Umfeld des Ersten Weltkriegs in Sb. sowohl auf polit. Ebene als auch im Leben der Menschen vollzogen. Das hier erreichte erzählerische und gestalterische Niveau konnte Z. in seinen späteren Romanen (Der Weizenstrauß, 1938; Grünk oder Das große Lachen, 1949) nicht mehr erlangen. (LSS-StS)
Werke (Auswahl): Attilas Ende. Eine Novelle, Krst. 1923, München 1938, Gütersloh 1948, Stuttgart 1955 (ung. 1941); Wälder und Laternenschein. Eine Novelle, Hst. 1923, Leipzig 1944, München 1978; Die Strömung. [Gedichte], Mediasch 1924; Kronstadt, Krst. 1925, 1927, Innsbruck 1982; Siebenbürgische Flausen. Eine Sammlung lustiger siebenbürgischer Begebenheiten, Krst. o.J. [1925]; Strömung und Erde. Gedichte, Krst. 1929; Der Toddergerch und andere Geschichten, Schäßburg o.J. [1930]; Sturz aus der Kindheit. Novellen, Leipzig 1933; Der Zigeuner. Novelle, Schäßburg 1931, München [1939]; Der Urlaub [Novelle], München 1933; Die gefangene Eiche und andere siebenbürgische Erzählungen, Köln 1935; Die Reinerbachmühle. Eine Erzählung aus Siebenbürgen. Mit einem autobiographischen Nachwort, Leipzig 1935; Komme, was will. Gedichte, München 1935; Zwischen Grenzen und Zeiten. Roman, München 1936 (norwegisch 1942); Der baltische Graf. Erzählung, München 1937; Der Weizenstrauß.

Foto: Konrad Klein (1983)

Roman, München 1938, Hamburg [1940, 1944] (schwedisch 1941, 1942, niederländ. 1942); Krippe-Lore und der Feuerwehrmann. Eine Geschichte für Kinder, München 1940; Flausen und Flunkereien. Lustige Geschichten aus Siebenbürgen, Gütersloh 1949, Wien/Stuttgart 1955; Grünk oder Das große Lachen. Roman, Braunschweig/Berlin/Hamburg 1949; Der Sprung im Ring. Roman, München/Wien 1953; Die Schicksalsstunde [Erzählungen], Wien/Stuttgart 1956; Sturm des Lebens [Novellen], Wien/Stuttgart 1956.
Literatur. K. Klein: Ostlanddichter, Krst. 1926; W. Schneider: Die auslanddt. Dichtung unserer Zeit, Berlin 1936; H. Krasser: Die dt. Dichtung Sb.s in unserer Zeit, in: Klingsor, Heft 7/1935; E. Katschinski: Die Form in der Erzählkunst bei H.Z., Marburg 1951 (Diss.); U.M. Schuller: H.Z., Erzähler - Lyriker - Essayist, in: Südostdt. Semesterblätter, Heft 10-11/1963, W. Myss: Fazit nach achthundert Jahren, München 1968; H. Bergel: H.Z. und das südostdeutsche Panorama, in: Gestalten und Gewalten, Innsbruck 1982; J. Wittstock: H.Z., in: Die rumäniendt. Lit. in den Jahren 1918-1944, hg. von J. Wittstock u. St. Sienerth, Buk. 1992, S. 238-247; H. Bergel: Erzählung und Novelle der Deutschen Südosteuropas in der ersten Jahrhunderthälfte. Am Beispiel H.Z.s, in: Zuwendung und Beunruhigung. Thaur b. Innsbruck 1994; ders.: H.Z. Erinnerungen an Gespräche, in: Gesichter einer Landschaft. Südosteuropäische Porträts aus Literatur, Kunst, Politik und Sport, München 1999.

Editorische Notiz



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Quellen:

- Internet-Enzyklopädie Wikipedia - (IEW)
- Kulturreferat des Demokratischen Forums der Deutschen im Kreis Kronstadt – (DFDKK)
- Lexikon der Siebenbürger Sachsen. Herausgeber: Prof. Dr. Walter Myß. Wort und Welt Verlag, Thaur bei Innsbruck 1993 – (LSS)
- Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950 (ÖBL)

Abkürzungen (allgemein)

A.B. – Augsburgischen Bekenntnisses
Bd., Bde. – Band, Bände
b. - bei
bes. – besonders
Biogr. - Biographie
Buk. - Bukarest
Bundesrep. - Bundesrepublik
ders./dies. – derselbe/dieselbe
dt. - deutsch
Dtl. – Deutschland
ebd. - ebenda
evang. - evangelisch
franz. – französisch
gen. – genannt
hg. - herausgegeben
Hg. - Herausgeber
Hst. – Hermannstadt
insb. - insbesondere
Intav. - Intavolierung
ital. - italienisch
Jg. – Jahrgang
Jh. - Jahrhundert
Klbg. - Klausenburg
krit. - kritisch
Krst. – Kronstadt
Lw. - Leinwand
naturwiss. - naturwissenschaftlich
Okt. - Oktober
o.N. – ohne Namen
Österr. - Österreich
poln. - polnisch
Rum. – Rumänien
S. - Seite
Sb. – Siebenbürgen
sb. – siebenbürgisch
Sb.S. – Siebenbürger Sachsen
sb.-s. – siebenbürgisch-sächsisch
SKV – Siebenbürgischer Karpatenverein
sog. – sogenannt
SVN – Siebenbürgischer Verein für Naturwissenschaften
u. – und
ung. - ungarisch
wiss. - wissenschaftlich

Abkürzungen (Periodika-Titel)

ADZ – Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien
DOD - Deutscher Ostdienst
FzVL – Forschungen zur Volks- und Landeskunde
HZ – Hermannstädter Zeitung
KK – Kulturpolitische Korrespondenz
KR – Karpatenrundschau
Krst. Ztg. - Kronstädter Zeitung
KVfSL – Korrespondenzblatt des Vereins für siebenbürgische Landeskunde
NKZ – Neue Kronstädter Zeitung
NL – Neue Literatur
NW – Neuer Weg
SbZ – Siebenbürgische Zeitung
SVJB – Südostdeutsche Vierteljahresblätter
VK - Volk und Kultur
ZfSL – Zeitschrift für siebenbürgische Landeskunde