Gemeinsam die Zukunft gestalten
04.09.26
Langjährige Partnerschaft beim Bartholomäusfest gefeiert
Ganz voll war die mit Blumen geschmückte Bartholomäer Kirche am Sonntag, dem 23. August. Hunderte Menschen waren zusammengekommen, um das traditionsreiche Bartholomäusfest zu feiern. Das Leitwort der Veranstaltung, die von Freitag bis Sonntag dauerte, war: „Seht auf und erhebt eure Häupter“… „weil ihr selbst Gottes Tempel seid“.
Das diesjährige Fest brachte erneut nicht nur die Gemeindeglieder der ältesten Kirche Kronstadts zusammen, sondern auch Pfarrer, Kuratoren und Gemeindeglieder evangelischer Kirchengemeinden aus dem Burzenland sowie Siebenbürger-Sachsen, die in Deutschland leben, im Sommer aber zurückkehren.
Gerwald Maximilian Braisch, Pfarrer der Gemeinden Bartholomae und Honigberg, hieß sie und die hohen Gäste willkommen: Rainhard Guib, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, Bischofsvikar Dr. Daniel Zikeli sowie eine Delegation der Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), bestehend aus Dr. Ulrich Schöntube, Direktor des Berliner Missionswerks und Beauftragter der EKBO für Ökumene, Mission und Weltmission, Superintendent Uwe Simon und der Landessynodalen Isabel Pawletta. Auch der Bürgermeister von Kronstadt, George Scripcaru, würdigte die Veranstaltung.
Braisch betonte, das Bartholomäusfest sei fast wie Weihnachten, beinahe ein Hochfest, an dem so viele Menschen zusammenkämen.
Eine Partnerschaft mit langer Geschichte
Den Festgottesdienst mit Abendmahl gestalteten Bischof Reinhard Guib und Dr. Ulrich Schöntube. Ausgehend von der Mission des Apostels Bartholomäus, der nach christlicher Überlieferung das Evangelium über weite Grenzen verkündete und dafür jedoch persönlich viel riskierte, gingen sie auf die Kirchenpartnerschaften der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien mit der EKBO ein.
Der Partnerschaftsvertrag wurde zwar vor neun Jahren in der Bartholomaer Kirche unterzeichnet, die Kontakte reichen jedoch viel weiter zurück und haben auch schwierige Zeiten überdauert.
„Schon im 19. Jahrhundert und bis zum Ersten Weltkrieg trug der Berliner Oberkirchenrat Sorge um die Pfarrstellen im Altreich. In der kommunistischen Zeit gab es Kontakte zu Gläubigen und Gemeinden bei Besuchen von Ostdeutschland in Siebenbürgen. Beide riskierten viel unter den Augen der Diktatur und ihrer Geheimdienste“, sagte der Bischof.
Die Kontakte intensivierten sich nach der Wende, und es entstanden Bekanntschaften, Freundschaften, Partnerschaften. „Das wird man wahrscheinlich noch den Kindern und Enkelkindern erzählen – wie es war sich zu besuchen, erste Kontakte zu haben, Hilfsgüter auszuteilen, aber auch einen Austausch auf gleicher Augenhöhe zu haben. Und das über Jahrzehnte hinweg“.
In der Predigt wurde hervorgehoben, dass beide Kirchen neben ihrem gemeinsamen Glauben auch vor ähnlichen Herausforderungen stehen: einer schrumpfenden Mitgliederzahl, der Frage nach Angeboten für die junge Generation oder der Umgang mit dem Immobilienbesitz.
Reinhard Guib rief die Gottesdienstbesucher dazu auf, am Aufbau der Zukunft der Kirche und der Gemeinschaft mitzuwirken. Diese Zukunft beginne heute, mit jedem kleinen Schritt, den man mache.
Abschließend lud die deutsche Delegation die Partnergemeinden aus Rumänien im kommenden Jahr nach Berlin zum Festgottesdienst anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Partnerschaftsvertrags ein.
Für die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes sorgten der Chor der Bartholomaer Kirche, Paul Cristian an der Orgel und Pfarrer Peter Klein an der Trompete.
Gemütliches Beisammensein im Kirchhof
Nach dem Gottesdienst saßen die Anwesenden im Schatten der Zelte im Kirchhof. Dort hielten Altkirchenkurator Dr. Albrecht Klein, Paul Binder, Vorsitzender des Kronstädter Ortsforums und Uwe Leonhardt, Vorsitzender der Kronstädter Kreisforums, kurze Ansprachen, in denen sie über die Bedeutung von Tradition und Gemeinschaft sprachen.
Bürgermeister George Scripcaru sagte, er wolle die älteste Kirche Kronstadts in die touristische Strategie der Stadt einbinden und fördern.
Beim Mittagessen und anschließend bei Kaffee und Kuchen im Kirchhof kamen die Leute ins Gespräch. Sie sangen gemeinsam das Siebenbürgenlied und freuten sich über die Darbietung der sächsischen Volkstanzgruppe für Kinder und jene für Erwachsene aus Zeiden, über die Blasmusik des MusicLabs und über den Basar der Damen vom Handarbeitskreis. Die Organisatoren hatte auch ein Quiz zur Kirche und ihrer Geschichte vorbereitet, das neue Informationen brachte oder alte festigte. Neue Einblicke bot danach der Vortrag der Kunsthistorikerin Corina Dovids über den Altar von 1791.
Wünsche der Kinder und Jugendlichen ernst nehmen
Dass die Frage nach der Zukunft der Gemeinschaft nicht nur am Sonntag eine Rolle spielte, zeigte bereits das Programm des Vortages. Pfarrer Gerwald Maximilian Braisch organisierte gemeinsam mit Gemeindegliedern die dritte Auflage des Kinder- und Jugendbartholomäusfests.
Die 15 Minderjährigen der Bartholomaer Gemeinde, aber auch Freunde und Bekannte, wurden auch in diesem Jahr bei der Anfertigung der Dekorationen für die Kirche und das Gelände für den Sonntag eingebunden. Zudem gab es für sie ein breites Angebot an Spielstationen rund um die Kirche und einen Flohmarkt.
Bei dem besonderen Kindergottesdienst für Minderjährige am Samstag ermöglichte der junge Pfarrer, selbst Vater von fünf Kindern, den zahlreichen Anwesenden, sich im Chorraum auf den Boden zu legen und nach oben zu blicken. So konnten die Anwesenden Stabilität und Sicherheit erfahren, gleichzeitig aber auch ihre Träume und Wünsche im Blick behalten.
Als Symbol dafür schrieben sie ihre Wünsche auf Zettel und banden diese an Luftballons, die am Sonntag noch an der Kirchendecke zu sehen waren.
Braisch will die junge Generation aktiv in das Gemeindeleben einbinden, denn er sieht in ihr Multiplikatoren, die dazu beitragen, dass die Gemeinschaft lebendig und aktiv bleibt. Die Kinder und Jugendlichen seien damit nicht nur Teilnehmer des Festes, sondern auch ein Teil dessen, wie sich die Gemeinschaft in Zukunft weiterentwickeln könne.
„Die Wünsche der Kinder sollen uns nicht gleichgültig bleiben. Wir, Erwachsene, als Werkzeuge Gottes, sollen uns die Wünsche der Kinder zum Auftrag machen und in den Alltag integrieren.“
Laura Căpățână Juller
Teilnehmende tanzten mit der Zeidner Tanzgruppe sächsische Tänze. Foto: die Verfasserin.
Die Kronstädter Wochenschrift "Karpatenrundschau" erscheint als Beilage in der "Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien".
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