Kunst, Natur und Erinnerung
09.10.26
Ștefan Câlția und Virgil Scripcariu im Gespräch in Kronstadt
Am 25. September kamen zahlreiche Besucher im Multikulturellen Zentrum der Transilvania-Universität auf der Postwiese zusammen, um den Maler Ștefan Câlția und den Bildhauer Virgil Scripcariu bei der Vernissage der Ausstellung „Flori și ierburi pe Via Transilvanica“ (Blumen und Kräuter auf der Via Transilvanica) zu erleben und den Kurzfilm „Șona, o poveste scrisă în piatră“ (Șona, eine in Stein gemeißelte Geschichte) von Mircea Gherase zu sehen. Im Anschluss hatten die Besucher Gelegenheit, die beiden Künstler in einem Gespräch näher kennenzulernen. Das Künstlergespräch moderierte Adrian Lăcătuș, Leiter des Multikulturellen Zentrums.
Längliche, schmale Arbeiten in Blau und Weiß, von der Natur geprägt und mit symbolischen Pflanzen- und zoomorphen Motiven versehen, schmückten die Wände des Ausstellungsraums. Die Werke basieren auf Zeichnungen von Ștefan Câlția, die aus seinen Kindheitserinnerungen in Schönen hervorgegangen sind. Scripcariu übertrug die Zeichnungen auf die steinernen Wegmarkierungen und fertigte davon anschließend Abzüge an.
Die acht Arbeiten entstanden eigens für die steinernen Andesit-Meilensteine der Via Transilvanica, die in Schönen und auf den umliegenden Hügeln und Wiesen stehen. Das Dorf bei Fogarasch liegt am Abschnitt „Terra Borza Teutonica“ der Via Transilvanica, der von Arkeden/Archita bis nach Kronstadt führt.
Einblicke in die Entstehung und Bedeutung der Arbeiten gab auch Mircea Gherases Dokumentation. Der Film erzählt von der künstlerischen Welt Ștefan Câlțias, von der Arbeit Virgil Scripcarius und von der Verbindung zwischen Kunst, Erinnerung und Kulturerbe.
Beim Alpin Film Festival, in dessen Rahmen die Veranstaltung organisiert wurde, erhielt der Kurzfilm die Auszeichnung als bester rumänischer Film. Das Festival ist der Bergkultur, Natur und Abenteuern gewidmet.
Câlțias Verbundenheit mit Schönen
Ștefan Câlția ist eng mit dem Dorf seiner Kindheit verbunden. Beim Gespräch in Kronstadt erzählte er von Erinnerungen aus jungen Jahren, etwa davon, wie er mit seinem Bruder im Wald übernachtete und sich aus Ästen und Blättern einen Unterschlupf baute. In seinen Erzählungen wurde immer wieder deutlich, welchen bedeutenden Stellenwert die Natur und die Gemeinschaft für ihn haben.
Auch die Dorfgemeinschaft liegt ihm am Herzen, daher engagiert er sich aktiv für deren Stärkung. Unter anderem gründete er den Dorfverein und gibt die jährliche Dorfzeitung „Șona Noastră“ heraus.
Darüber hinaus unterstützt seine Stiftung die Restaurierung und denkmalpflegerische Erhaltung mehrerer Gebäude im Dorf sowie architektonische Restaurierungs- und Erhaltungsprojekte des Vereins Monumentum.
Künstlerresidenzen
Seit 2024 ermöglicht seine Stiftung außerdem Künstlerresidenzen im Rahmen des Programms „Șona AIR“, das im Haus des Malers, dem sogenannten Blauen Haus, stattfinden.
Im April 2027 wird die Dramatikerin Elise Wilk dort eine Theaterresidenz absolvieren. Sie ist Teil des Projekts „Terra Memoriae“ von Via Transilvanica, das in Zusammenarbeit mit Radio România entsteht, bei dem neun Resident/innen – darunter Schriftsteller, Fotografen, Biologen, Historiker und Anthropologen – die lebendige Vielfalt, die Bräuche und die Menschen entlang der Strecke des Fernwanderwegs dokumentieren.
Die Verbindung zur Natur
Auch Virgil Scripcariu sprach über seine Verbundenheit mit der Natur und insbesondere mit dem Wasser. Die Arbeit an den Meilensteinen habe ihn dazu inspiriert, selbst eine Wegmarkierung zu gestalten, die am Ufer des Alt steht. Die Darstellung auf dem Andesit greift die Strömungen des Flusses auf und ist zugleich mit der Erinnerung an die rumänische Ruderlegende Ivan Patzaichin verbunden.
Die persönlichen Geschichten der beiden Künstler machten deutlich, dass die Verbindung von Mensch und Natur für sie nicht nur ein künstlerisches Motiv, sondern Teil ihrer eigenen Lebensgeschichte ist.
Laura Căpățână Juller
Die Kronstädter Wochenschrift "Karpatenrundschau" erscheint als Beilage in der "Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien".
Herausgeber: Demokratisches Forum der Deutschen im Kreis Kronstadt
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