Mittagsmusik und geistliche Einkehr
14.08.26
Ein Angebot der Bartholomäer Kirche
In der evangelischen St. Bartholomäus-Kirche wird jeden Freitag im Juli und August zu einer halben Stunde „Mittagsmusik“ eingeladen. Die Treffen um 12.00 Uhr sind aber weit mehr als ein kurzes Konzert zur Mittagszeit. Sie verbinden Musik, Besinnung und Gemeinschaft – und schenken den Besuchern einen Moment des Innehaltens im Alltag. Am Freitag, dem 7. August, erklangen Werke des französischen Barocks, vorgetragen von Pfarrer Maximilian Braisch und dem Musiker Matei Ciobanu. Paul Cristian, der Organist der Bartholomäer Kirche, war verhindert, sodass kurzfristig die beiden Fagottspieler einsprangen. Etwa 60 Zuhörer waren zusammengekommen, darunter auch viele Kinder.
Im Anschluss an die Musik stand Psalm 133 im Mittelpunkt: „Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen.“ Die Andacht wurde zweisprachig, auf Deutsch und Rumänisch, gehalten und stellte den Gedanken des friedlichen Miteinanders in den Mittelpunkt. Die Kernaussage lautete: „Lasst uns den Frieden wertschätzen.“ Gemeinsam beteten die Anwesenden abschließend das Vaterunser – jeder in seiner Herzenssprache.
Unter den Besuchern war auch Brunhilde Böhls, gebürtige Brenndorferin, die 1977 bereits nach Deutschland ausgewandert ist, allerdings oft nach Siebenbürgen reist und seit einem Jahr auch Mitglied der evangelischen Kirchengemeinde Bartholomae ist. Diesen Sommer ist sie gemeinsam mit Karl-Heinz Schmidt mit dem Wohnmobil in Siebenbürgen unterwegs und besucht dabei mehrere Veranstaltungen wie das Weinfest in Bogeschdorf, die Haferlandwoche sowie das Heimattreffen der Brenndörfer. Im Gespräch nach der Veranstaltung zeigte sie sich bewegt von der Verbindung aus Musik und Spiritualität.
„Ich kenne solche Mittagsgebete auch aus Hermannstadt“, erzählt sie. „Sie sind eine Einladung, im Laufe des Tages einmal innezuhalten, zu sich selbst zu kommen, Gott zu danken und gestärkt weiterzugehen.“ Gerade diese Form geistlicher Einkehr habe sie während vieler Jahre in Deutschland vermisst. Umso mehr freue sie sich darüber, wie selbstverständlich das kirchliche Leben in Siebenbürgen bis heute den Alltag vieler Menschen begleite. Dabei betont sie, dass sich auch ihre neue Heimat Mülheim an der Ruhr verändert habe. „Dort wird inzwischen ebenfalls viel gesungen und musiziert.“ Dennoch empfinde sie die Atmosphäre rund um die Bartholomäer Kirche mit ihrem alten Baumbestand, dem Friedhof und dem geschlossenen Kirchhof als einen besonderen Ort der Ruhe. „Hier ist ein Kirchgarten, hier ist ein Friedhof, hier ist eine Kirche und ich fühle mich hier in diesem kleinen Naturraum einfach wohl.“
Nach der Veranstaltung blieben viele Besucher noch zu einem entspannten Gespräch im Kirchgarten unter der Linde zusammen, bevor jeder wieder seinen Weg in den Alltag nahm. Die halbe Stunde der Mittagsmusik ist eine kleine Auszeit vom oft stressigen Alltag – mit Musik, Psalm und Gebet und einem Moment der Ruhe.
Bernice Krech-Lițoiu
Zur Mittagsmusik waren etwa 60 Personen in der Bartholomäer Kirche zusammengekommen. Foto: die Verfasserin.
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