Das verzauberte Skizzenbuch
17.07.26
Selina Ariana Fanu vom Nikolaus-Lenau-Lyzeum, Temeswar, hat den 1. Platz bei der VIII. Klasse erhalten.
Die Schüler der VIII. Klasse sollten eine Geschichte mit folgendem Anfang schreiben und einen passenden Titel dazu finden:
„Mit zusammengebissenen Zähnen schob sie das alte Fahrrad den Hügel hinauf, wo…“
(Milena Moser)
Mit zusammengebissenen Zähnen schob sie das alte Fahrrad den Hügel hinauf, wo sie zögerte. Ihre Hände zitterten und ihr Atem stockte. Sie hielt das verzauberte Skizzenbuch fest.
Letzte Woche spazierte Otilia auf der Straße. Es regnete und sie hatte es eilig. Plötzlich sah sie ein verlassenes Skizzenbuch, das auf dem Boden lag. Da es niemandem zu gehören schien, hob sie es auf. Die Seiten waren leicht gewellt und hatten eine gelbliche Farbe. Otilia schmunzelte und nahm es mit nach Hause, ohne zu ahnen, welche Fähigkeiten dieses Buch besaß.
Als sie zu Hause ankam, setzte sie sich an ihren Tisch. Sie liebte das Zeichnen. Mit einem neuen Bleistift in der Hand überlegte sie, was sie zeichnen könnte. Auf einmal hörte sie eine schrille Stimme:
„Otilia, Schatz! Das Essen ist fertig!“, rief ihre Mutter.
Otilia würde gleich kommen. Zuerst wollte sie aber etwas Schönes zeichnen. Da sie wirklich hungrig war, skizzierte sie eine große und saftige Birne.
„Mhm, wie lecker!“, dachte Otilia.
Als sie fertig war, begutachtete sie die gezeichnete Birne. Sie war zufrieden mit ihrem Kunstwerk.
Dann stand sie auf und öffnete die Tür. An der Türschwelle blieb sie jedoch stehen. Das Blut gefror ihr in den Adern. Auf dem kalten Boden lag eine echte Birne.
Langsam hob Otilia die Birne auf. Wie konnte das nur wahr sein?
Marie hob eine Augenbraue. Dann fragte sie:
„Kann ich etwas auf der letzten Seite zeichnen? Ich wünsche mir unbedingt neue Kleider!“
Verlegen erklärte ihr Otilia, dass sie diese Seite für eine schlimme Situation aufheben wolle. Falls jemand krank würde, würde sie sie benutzen.
Marie fragte dann:
„Und auf der vorletzten? Darf ich dort etwas zeichnen?“
Otilia lehnte ab.
Da wurde ihre Freundin zornig. Sie schrie und wurde ganz rot. In diesem Moment konnte sie nicht mehr vernünftig denken. Wütend verließ sie das Haus ihrer Freundin. Die Traurigkeit legte sich wie ein Schleier über Otilias Herz.
Otilia sah sich das Skizzenbuch an und fragte sich, was sie tun könnte. Sie hatte nur noch zwei Seiten übrig. Plötzlich hatte sie eine Idee.
Das Skizzenbuch war zu mächtig! Es konnte ihr Leben komplett verändern. Otilia wollte das aber nicht! Sie liebte ihre Familie und ihre Freunde! Sie war dankbar dafür, dass es Menschen gab, die sie lieb hatten. Sie wünschte sich kein Geld, keine neuen Kleider und kein großes Haus! Sie wünschte sich ... Liebe! Und genau das hatte das Skizzenbuch zerstört: ihre Freundschaft mit Marie.
Auf der vorletzten Seite entschied sie sich dafür, was sie auf der letzten Seite zeichnen würde: Otilia und Marie, die Händchen halten und Freundinnen sind.
Als sie fertig war, nahm sie das Skizzenbuch mit und ging hinaus.
Sie nahm ihr Fahrrad und fuhr los. Sie würde das Buch verstecken.
Als sie angekommen war, schob sie das alte Fahrrad den Hügel hinauf. Dann grub sie ein tiefes Loch. Es dauerte eine Stunde, bis sie fertig war. Sie schwitzte und war erschöpft.
Otilia atmete tief die frische Luft ein und warf das Skizzenbuch in das tiefe Loch. Dann kniff sie die Augen zu und hoffte, dass sie niemals hierher zurückkehren würde, um die letzte Seite zu zeichnen ...
Im Bild sind alle Lehrkräfte zu sehen, die bei der Olympiade mitgewirkt haben. Foto: Laura Capatana Juller
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