„Wir müssen wieder selbstbewusster auftreten“
18.09.26
Interview mit Uwe Leonhardt, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Kronstadt
Uwe Leonhardt wurde im Juni dieses Jahres zum Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Kronstadt gewählt. Der ehemalige Geschäftsführer des Kronstädter Ortsforums, der als Jugendlicher nach Deutschland auswanderte, lebt nun seit rund zehn Jahren wieder fest in Kronstadt, wo er sich für den Erhalt der deutschen Gemeinschaft einsetzt. Der Wirtschaftsinformatiker ist auch als Beisitzer im Vorstand der Heimatgemeinschaft der Kronstädter in Deutschland tätig.
Über seinen Einsatz im Forum, die Verbundenheit zu Siebenbürgen und seine Pläne sprach er mit KR-Redakteurin Laura Capatana Juller.
Herr Leonhardt, warum sind Sie nach Rumänien zurückgekehrt?
Der Wunsch danach war schon immer da, schon als ich als Jugendlicher mit meinen Eltern ausgewandert bin. Ich habe mich in Kronstadt und in Siebenbürgen immer zu Hause gefühlt, auch wenn es mir in München gut gefallen hat. 2012 habe ich bereits drei Jahre in Rumänien gearbeitet, da ich eine Stelle als Geschäftsführer bei einem deutsch-rumänischen Unternehmen angenommen hatte. Bin dann aber wieder nach München zurück. Doch seit 2017 bin ich jetzt fest in Kronstadt. Ich wollte, dass die deutsche Kultur hier wieder auflebt und von der Mehrheitsbevölkerung verstärkt wahrgenommen wird. Heute habe ich zwar noch meine Staatsbürgerschaft und eine Wohnung in Deutschland, aber mein echter Lebensmittelpunkt ist fest hier.
2021 wurden Sie in den Vorstand des Ortsforums, 2022 in jenen des Kreisforums gewählt. Wie haben Sie das Forum bei Ihrem Einstieg erlebt?
2021 gab es im Vorstand des Forum viele ältere Personen mit konservativen Sichtweisen und, wie ich finde, stand es vor einigen Herausforderungen. Da das Kreisforum bereits etabliert war und gut funktionierte, habe ich mich vor allem beim Ortsforum eingebracht, weil dort alles aufgebaut werden musste. Mit der Wahl eines neuen, verjüngten Vorstands und vielen jungen Leuten kam frischer Wind hinein, es wurde auch eine neue Webseite aufgebaut. Wir wollten schon damals, dass man verstärkt auch in der Öffentlichkeit gesehen und gehört wird. Ziel ist, dass das Ortsforum noch mehr Projekte umsetzt, ein breiteres Publikum erreicht und auch mehr Vertreter in den Stadtrat bringt.
Sie waren dreieinhalb Jahre lang Geschäftsführer des Ortsforums. Gab es da Herausforderungen?
Es gab Herausforderungen, vor allem weil mir die Vorerfahrung in der Kulturarbeit fehlte. Aber ich habe das alles gelernt: Abrechnungen, die Betreuung von Website, Newsletter und sozialen Medien, die Mitgliederkommunikation sowie auch die Suche nach Locations und Künstlern. Auch die Programmgestaltung und das Design von Plakaten, der Einkauf für Veranstaltungen und der Aufbau vor Ort mussten gestemmt werden. Dazu die ganze interne Organisation, die administrative Bürotätigkeiten.
Gab es keine Unterstützung seitens der Vorstandsmitglieder?
Ursprünglich sollte jedes Vorstandsmitglied feste Aufgaben übernehmen, doch das hat sich mangels Zeit, vielleicht auch Lust und Energie der Leute nicht durchgesetzt. Wirklichen Einsatz zeigen meistens nur dieselben wenigen Einzelpersonen. Da die Arbeit im Ehrenamt extrem viel Zeit und Geld kostet, finde ich das schade und nicht mehr zeitgemäß. Es bräuchte eine faire Entlohnung – ähnlich wie das Sitzungsgeld für Stadträte und Verwaltungsräte –, da man im 21. Jahrhundert umfangreiche Aufgaben wie Organisation oder Workshops nicht mehr komplett unentgeltlich stemmen kann.
Sie sind noch bis Monatsende als Geschäftsführer des Ortsforums tätig. Was werden Sie danach arbeiten?
Ich habe einen online Teilzeitjob bei einer deutschen Firma und führe das Familienunternehmen meines Onkels weiter, das sich um die Instandhaltung von Skibahnen in Rumänien beschäftigt.
Auf welche Projekte blicken Sie besonders gerne zurück?
Eines der bedeutendsten Projekte war definitiv die Veranstaltungsreihe „NachBild – 80 Jahre seit der Deportation der Sachsen in die UdSSR“, ein tiefgründiges und umfangreiches Projekt. Auch das Forumsfest mit Musik und Tanz, ein Rundumprogramm sowie die Handarbeitsworkshops der Damen vom Handarbeitskreis, die Teilnehmer aus ganz Rumänien wie Bukarest angezogen haben, liegen mir am Herzen.
Bei der letzten Mitgliederversammlung des Ortsforums ging hervor, dass der Vorsitzende Paul Binder und die Vorstandsmitglieder getrennte Sichtweisen haben (die KR berichtete). Am 29. September finden nun Neuwahlen des gesamten Vorstands statt. Was wünschen Sie sich von der Zusammenarbeit mit dem Ortsforum?
Mein Wunsch wäre eine Bürogemeinschaft für Orts- und Kreisforum. Die Aufgaben sind bis auf die Immobilienverwaltung gleich. Mit einem Projektmanager, einem Geschäftsführer und einer Hilfskraft könnten beide Foren zentral und synergetisch bedient werden, während die Mitgliederlisten getrennt bleiben.
Macht es dann noch Sinn, zwei Foren zu haben?
Ja, allein schon wegen der getrennten Mitgliederlisten für die Stadt und den Kreis. Das Kreisforum verwaltet und koordiniert die Ortsforen in der Region. Außerdem ist die Trennung organisatorisch notwendig, weil Kandidatenlisten für den Stadtrat von der übergeordneten Kreisstelle abgesegnet werden müssen.
Wie ist die Lage im Kreis?
Ich habe mir vorgenommen, demnächst in alle Ortsforen zu fahren, um zu sehen, was die Foren planen und was gebraucht wird und wie wir, vielleicht politisch aktiv werden, denn wir würden natürlich gerne auch in den Stadträten oder in den Gemeinderäten mitwirken. Ich war jetzt schon in Brenndorf und Heldsdorf bei Veranstaltungen. Es folgt ein Besuch in Fogarasch und Reps.
Welche Ziele verfolgen Sie als Vorsitzender des Kreisforums?
Unser Ziel ist es, wieder sichtbarer zu werden und als Ansprechpartner für kulturelle Veranstaltungen wahrgenommen zu werden. Wir wollen, dass das Kulturerbe weitergeführt wird und dass die breite Bevölkerung dessen bewusster wird. Wir müssen sichtbarer werden und selbstbewusster auftreten.
Zudem möchte ich einen monatlichen Stammtisch ins Leben rufen, der Rückkehrern und Leuten, die nach Siebenbürgen ziehen möchten, als Anlaufstelle dient – sei es für soziale Kontakte oder praktische Fragen zu Juristen oder Buchhaltern. Unser digitales Firmenverzeichnis, das auf der Internetseite des Ortsfroums zu finden ist, wollen wir ebenfalls weiter ausbauen, um das regionale Netzwerk weiter zu stärken.
Was tun Sie in Ihrer Freizeit gerne?
Ich bin ein offener, multikultureller Mensch und reise leidenschaftlich gern. Ich liebe den Gedanken eines geeinten Europas, in dem verschiedene Ethnien und Gemeinschaften zusammenkommen, Ideen austauschen und voneinander lernen, um gemeinsam etwas voranzubringen. Neben sächsischen Tänzen tanze ich zum Beispiel auch sehr gerne griechische Tänze und beschäftige mich mit Ahnenforschung.
Herzlichen Dank für das Gespräch!
Die Kronstädter Wochenschrift "Karpatenrundschau" erscheint als Beilage in der "Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien".
Herausgeber: Demokratisches Forum der Deutschen im Kreis Kronstadt
Redaktion: 500.030 Braşov, Str. GH. Baiulescu 2,
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Schriftleiter: Elise Wilk.
Redaktuere:Ralf Sudrigian, Hans Butmaloiu, Christine Chiriac (Redakteurin, 2009-2014), Dieter Drotleff (Redaktionsleiter 1989 - 2007)
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