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		<title>Karpatenrundschau</title>
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			<title>Karpatenrundschau</title>
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		<lastBuildDate>Fri, 02 Oct 2026 07:24:00 +0000</lastBuildDate>
		
		
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			<title>„Der höchste Schatz“</title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/der-hoechste-schatz/</link>
			<description>Mittelalterliche Abendmahlgefäße der Honterusgemeinde im Rahmen von  Kulturerbe hautnah vorgestellt</description>
			<content:encoded><![CDATA[<br />Mittelalterliche Abendmahlgefäße der Honterusgemeinde im Rahmen von&nbsp; Kulturerbe hautnah vorgestellt
Kann das Archivgut einer Kirche spannend sein? Ob es ein osmanischer Teppich, eine Schwarz-Weiß Fotografie, ein Portrait-Gemälde, ein Kirchturmknopf der Zeitkapseln birgt oder ein Kelch, der für das Abendmahl von Häftlingen verwendet wurde- jedes einzelne Kirchengut ist nicht nur Teil eines großen Schatzes einer Gemeinde, sondern es verbirgt auch manch interessante Geschichte. Und diese Geschichte wird dem Publikum in knapp einer Stunde so spannend erzählt, dass man immer wieder gebannt zuhört. Die Veranstaltungen der Vortragsreihe Kulturerbe hautnah, die 2024 von Dr. Ágnes Ziegler und Dr. Frank-Thomas Ziegler ins Leben gerufen wurden und seitdem periodisch im Kapitelzimmer der Honterusgemeinde stattfinden, sind längst kein Geheimnis mehr. Bei jedem Treffen kommt das Publikum mit originalen Kunstwerken und Archivgut in Berührung, die die ansonsten in den Depots der Gemeinde wohlbehütet ruhen und den Blicken deshalb zumeist entzogen sind. Dr. Ágnes Ziegler, Leiterin des Referats Kulturgüter an der Evangelischen Kirche A. B. Kronstadt, und Dr. Frank-Thomas Ziegler, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit derselben Gemeinde, erläutern im Austausch mit den Teilnehmern, wie sich in diesen einzigartigen Schöpfungen nicht nur die Überzeugungen und Werte dieser bemerkenswerten Glaubensgemeinschaft, sondern auch die Geschichte Kronstadts und Siebenbürgens spiegeln.&nbsp;<br /><br />Kunstwerke mit funktionellem Zweck&nbsp;<br /><br />Am Dienstag, dem 22. September, hatten die Teilnehmer wieder einmal die Gelegenheit, Kunstwerke zu entdecken, die üblicherweise nicht zugänglich sind. Dieses Mal waren es die die sechs mittelalterlichen Abendmahlgefäße der Honterusgemeinde. Nicht nur aufgrund der künstlerischen Meisterschaft, sondern auch aufgrund ihrer Benutzung im Rahmen des Abendmahls sieht die Gemeinde in den liturgischen Gefäßen ihren kostbarsten Besitz. Zwar stammen die Kelche aus römisch-katholischer Zeit, doch wurden sie nach der Reformation weiterverwendet. Warum aber geschah das, und wieso entfernte die Kirchengemeinde andere Objekte aus dem Kirchenschatz? Von wem und wie wurden die Kelche geschaffen, und wer stiftete sie in die Kirche? Was für Darstellungen lassen sich auf ihnen erkennen und was bedeuten sie? Worin besteht die künstlerische Meisterschaft? Diesen Fragen ging Dr. Ágnes Ziegler in ihrem Vortrag nach.&nbsp;<br /><br />Sie erklärte, man vorreformatorisch zwischen Vasa Sacra und Vasa Non Sacra unterschieden hat.&nbsp; Die Vasa-Sakra sind diejenigen, die unmittelbar mit dem Wein und dem Brot in Berührung kommen, wobei Vasa Non Sacra nicht-heilige liturgische Geräte und Utensilien sind, die im Gottesdienst oder in der Kirche verwendet werden, aber nicht direkt mit den geweihten Gaben in Berührung kommen. Die Kelche aus dem Besitz der Honterusgemeinde stammen aus der römisch-katholischen Epoche der Kirche.&nbsp;<br /><br />Unterschiede zwischen katholischem und protestantischem Abendmahl&nbsp;
Der Abendmahlkelch dient zur Aufnahme des Weins, der im christlichen Ritus (Abendmahl oder Eucharistie) als das Blut Christi gereicht wird. Er besteht aus der Kuppa, der eigentlichen Trinkschale, dem Nodus- der verdickte Griffabschnitt in der Mitte des Schafts, der dem Priester oder Liturgen Halt beim Anheben gibt- und dem Fuß, das oft reich verzierte Fundament, das für Standfestigkeit sorgt. Beim katholischen Abendmahl glaubt man die Transubstantiation. Das bedeutet, dass die Hostie und der Wein sich tatsächlich verwandeln und Christi Leib und Blut werden. Und das ist eine Wesensverwandlung. Sie erklären es so: es gibt das tiefste Wesen, die Substantia und die äußeren Merkmale. Und obwohl die äußeren Merkmale gleich bleiben- wir sehen vor unseren Augen Wein und Hostie- ist die Substanz verändert und das ist tatsächlich Christi, Blut und Leib, den man zu sich nimmt. Demgegenüber glaubt die evangelische Kirche aber an die Konsubstantiation. Das bedeutet, es verwandelt sich nicht ganz, aber Christus ist in, mit und unter dem Wein und der Hostie. Und das ist ein feiner Unterschied, die Gegenwart Christi ist irgendwie an die Feier des Abendmahls gebunden. Wenn die Hostie und der Wein in der katholischen Kirche immer Christus beinhalten werden, und man deshalb auch nicht die herabfallenden Krümel wegwerfen darf, sondern man geht damit wie mit einem heiligen Körper um, ist in der evangelischen Kirche Christus beim Abendmahl mit seiner realen Präsenz in den Elementen gegenwärtig, sodass die Empfänger gleichzeitig Brot/Wein und Leib/Blut Christi zu sich nehmen.&nbsp;<br /><br />Die wertvollen Kelche wurden nach der Reformation weiter verwendet&nbsp;
Die Reformation im 16. Jahrhundert veränderte nicht nur die Theologie, sondern hatte auch Auswirkungen auf die Gestaltung, Nutzung und Bedeutung des Kelches im Gottesdienst. Was die Nutzung des Kelches im Gottesdienst betraf, gab es eine wichtige Änderung. Im Spätmittelalter war es in der katholischen Kirche üblich geworden, dass nur der Priester den Wein trank (aus Angst vor dem Verschütten des „Blutes Christi“). Die Reformatoren forderten vehement das Abendmahl unter beiderlei Gestalt (Brot und Wein für alle Gläubigen). Während in vielen Teilen Europas im Zuge des protestantischen Bildersturms katholische Kultgegenstände zerstört oder eingeschmolzen wurden, vollzog sich die Reformation in Siebenbürgen unter Johannes Honterus sehr behutsam. Die wertvollen Kelche wurden bewusst behalten und nahtlos für den evangelischen Abendmahlritus weiterverwendet. Gleichzeitig sind Kelche wahre Kunstwerke. Ein Teil der Kelche wurde in der sogenannten Schnittetechnik gefertigt. Dabei wurden feine Silberfolien in schmale Streifen geschnitten, gebogen und zu komplexen pflanzlichen Motiven (wie geschmiedeten Ranken) verbunden, in die oft Halbedelsteine eingefasst sind. Sie gelten als Paradebeispiele der hochentwickelten Kronstädter und siebenbürgischen Goldschmiedekunst.&nbsp;<br />
Kelche sind heute, wie die Kirchenburgen auch, die Symbole unserer Gemeinschaften. So wie Ziegler in ihrem Vortrag unterstrich: „Bei den Kelchen handelt es sich nicht nur um Objekte, also um museale Stücke. Es sind auch keine vorreformatorische Objekte, die mit der Reformation aufgehört haben zu funktionieren und die man versteckt oder vergraben hat und Jahrhunderte später entdeckt und sich gefreut hat, was man für Schätze hat, sondern diese Objekte haben funktioniert, haben jahrhundertelang funktioniert und in ihnen ist das Wesen dieser Gemeinde sehr stark kodiert. Nicht nur durch die Veränderungen, die man gemacht hat, sondern weil sie diese ganze Haltung in sich tragen. Diese ganze Beziehung zur Kommunion, zur Eucharistie, zum Abendmahl, zur Gemeinschaft ist in diesen Objekten kodiert und das macht sie für uns hervorragend wertvoll“.&nbsp;<br /><br />Kulturerbe hautnah geht weiter mit einem besonders spannenden Thema: Tod in der Kirche. Dr. Ágnes Ziegler wird am 24. November interessante Fakten über Lebensende, Begräbnis und Erinnerung an der Schwarzen Kirche vorstellen.<br /><br />Elise Wilk<br /><br />
Dr Agnes Ziegler erklärte den Unterschied zwischen dem katholischen und dem evangelischen Abendmahl. Foto: die Verfasserin&nbsp;<br /><br />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 02 Oct 2026 07:24:00 +0000</pubDate>
			
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			<title>Ein Jahr in Kronstadt</title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/ein-jahr-in-kronstadt/</link>
			<description>Ein Rückblick auf mein Auslandsjahr an der Transilvania-Universität</description>
			<content:encoded><![CDATA[<br />Ein Rückblick auf mein Auslandsjahr an der Transilvania-Universität<br /><br />Im Oktober 2025 verschlug es mich für mein Erasmus-Auslandssemester von Oldenburg nach Kronstadt. Zehn Monate lang durfte ich in Rumänien studieren, leben und ein Land kennenlernen, das mir zuvor nicht wirklich bekannt war. Rückblickend waren diese zehn Monate nicht nur eine akademische, sondern vor allem auch eine persönliche Erfahrung, die meinen Blick auf Rumänien, die deutsche Sprache und die deutsch-rumänischen Beziehungen nachhaltig verändert hat.
Bereits an meinem ersten Tag in Kronstadt wurde ich herzlich von meiner Vermieterin empfangen. Diese Herzlichkeit sollte sich wie ein roter Faden durch meinen gesamten Aufenthalt ziehen. Während meiner Zeit in Rumänien habe ich die Menschen als ausgesprochen offen, freundlich und hilfsbereit erlebt. Gerade als Erasmus-Studentin, die zum ersten Mal für einen längeren Zeitraum in einem anderen Land lebte, machte mir diese Offenheit den Einstieg in das neue Leben besonders leicht.<br />
Schon kurz nach meiner Ankunft begann das Studium an der Transilvania-Universität. Ich nahm am Masterprogramm der Germanistik teil und besuchte Veranstaltungen, die sich mit unterschiedlichen Themen der deutschen Sprache und Literatur beschäftigten. Besonders spannend war für mich die Perspektive, aus der deutsche Literatur in Kronstadt betrachtet wird. Neben literaturwissenschaftlichen Themen spielten auch die Geschichte und Gegenwart der deutsch-rumänischen Beziehungen eine wichtige Rolle.<br />Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir die Beschäftigung mit der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller und ihrem Roman Atemschaukel. Aber auch die Frage nach der Rolle der deutschen Sprache und Kultur in Rumänien sowie der Austausch zwischen der deutschen und rumänischen Germanistik begleiteten mich während meines Studiums. Dadurch konnte ich viele Themen, die ich bereits aus meinem Studium in Deutschland kannte, aus einer völlig neuen Perspektive betrachten.<br />
Da der Germanistikstudiengang vergleichsweise klein ist, entstand schnell eine persönliche Atmosphäre. Studierende und Lehrende kannten sich untereinander, und insbesondere die Betreuung durch die Modulverantwortliche war für mich eine große Unterstützung. Ein besonderes Highlight meines Aufenthalts war außerdem die Möglichkeit, an einer offiziellen Germanistiktagung teilzunehmen. Im Anschluss ergab sich sogar die Gelegenheit, meinen Beitrag über die Universität zu veröffentlichen, eine Erfahrung, die ich wohl so schnell nicht vergessen werde.<br />Neben der Universität lernte ich auch viele Menschen kennen, die mir ihren Alltag und ihr Leben in Rumänien näherbrachten. Gleichzeitig bot das Erasmus-Netzwerk zahlreiche Veranstaltungen und Möglichkeiten, andere internationale Studierende kennenzulernen. So entstanden Freundschaften mit Menschen aus Rumänien, Deutschland und besonders Frankreich.<br />
Auch außerhalb der Universität hatte Kronstadt einiges zu bieten. Zu meinen persönlichen Highlights gehören der Frühlings- und Sommerfestumzug durch die Stadt, das rumänische Essen und ein Stickkurs, bei dem ich traditionelle rumänische Muster kennenlernen konnte. Solche Erfahrungen ermöglichten mir einen Einblick in die Kultur, den man als Tourist vermutlich nur schwer in derselben Form bekommen hätte.<br />
Besonders beeindruckt hat mich die Natur rund um Kronstadt. Durch die unmittelbare Nähe zu den Karpaten, bieten sich zahlreiche Möglichkeiten für Wanderungen und Ausflüge. Auf Wanderungen in der näheren Umgebung sowie im Bucegi-Nationalpark konnte ich diese Landschaft aus nächster Nähe kennenlernen. Auch den Wintersport habe ich während meines Aufenthalts für mich entdeckt: In der Schulerau stand ich zum ersten Mal in meinem Leben auf Skiern.<br />
Ein weiterer Ausflug, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, führte mich in das nahe gelegene Bärenschutzreservat. Solche Begegnungen machten mir immer wieder bewusst, wie vielfältig Rumänien ist und wie viele unterschiedliche Seiten des Landes es zu entdecken gibt.<br />
Gemeinsam mit Freunden reiste ich während meines Aufenthalts außerdem durch weite Teile Rumäniens. Ich besuchte unter anderem die Schwarzmeerküste bei Constanța, historische Städte wie Hermannstadt, Schäßburg und Klausenburg sowie Sehenswürdigkeiten wie Schloss Bran. So wurde fast jedes freie Wochenende zu einer Gelegenheit, einen neuen Ort kennenzulernen.<br />
Nach zehn Monaten fällt es mir schwer, eine einzelne Erfahrung als die beste meines Aufenthalts zu bezeichnen. Es waren vielmehr die vielen kleinen Momente, neue Freundschaften, spontane Reisen, Gespräche mit Menschen vor Ort und das Leben in einer Stadt wie Kronstadt, die mein Auslandsjahr besonders gemacht haben.<br />
Rumänien hat mich mit seinen unterschiedlichen Facetten überrascht und ist mir in diesen zehn Monaten sehr ans Herz gewachsen. Mein Auslandsaufenthalt hat meinen Horizont erweitert, mir eine neue Perspektive auf mein Studium eröffnet und mir gezeigt, wie viel man über ein Land lernen kann, wenn man nicht nur zu Besuch ist, sondern für eine gewisse Zeit Teil seines Alltags wird. Wenn ich heute auf mein Jahr in Kronstadt zurückblicke, bleibt vor allem eines, ich würde diese Erfahrung jederzeit wiederholen.<br /><br />Ronja Engel

Ronja Engel, Erasmus-Studentin aus Oldenburg, beim Weißen Turm in Kronstadt. Foto: privat]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 25 Sep 2026 07:15:00 +0000</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Interaktive Ausstellung über die Kronstädter Philharmonie</title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/interaktive-ausstellung-ueber-die-kronstaedter-philharmonie/</link>
			<description>Philharmonie feiert 148 Jahre Bestehen
</description>
			<content:encoded><![CDATA[<br />Philharmonie feiert 148 Jahre Bestehen<br /><br />Wer schon immer einmal ausprobieren wollte, wie es sich anfühlt, ein Orchester zu dirigieren, hat nun die Gelegenheit dazu – im Foyer der Kronstädter Philharmonie. Anlässlich ihres 148-jährigen Bestehens hat die Institution eine interaktive Ausstellung eröffnet, die die wichtigsten Stationen in der Geschichte der Philharmonie präsentiert. An Bildschirmen können Besucher selbst Musik gestalten und verschiedene Instrumente ausprobieren.<br />Interaktive Tafeln der Ausstellung „Die Symphonie der Zeit – die Geschichte der Kronstädter Philharmonie“ sollen das musikalische Erbe der Institution dem Publikum des 21. Jahrhunderts näherbringen und insbesondere auch junge Zuhörer ansprechen.<br />Steffen Schlandt, Kantor der Schwarzen Kirche, hat für die Ausstellung historische Dokumente zusammengetragen, die von der Musikgeschichte der Zinnenstadt in den vergangenen Jahrhunderten zeugen. Bei der Vernissage betonte er die besondere Bedeutung von Live-Konzerten, die seiner Ansicht nach mehr Emotionen wecken als virtuelle Konzerte. Gleichzeitig sieht er es als wichtige Aufgabe, gegenüber Behörden deutlich zu machen, wie wichtig die Unterstützung von Schulen, Fakultäten und Institutionen ist, die Live-Musik ermöglichen und fördern.<br />Die Ausstellung, die durch eine Finanzierung der Verwaltung des Nationalen Kulturfonds&nbsp; AFCN zustande kam, kann kostenfrei besichtigt werden.&nbsp;
Laura Căpățână Juller<br /><br />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 25 Sep 2026 07:14:00 +0000</pubDate>
			
		</item>
		
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			<title>Ein Kronstädter Künstler</title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/ein-kronstaedter-kuenstler/</link>
			<description>Über Hermann Morres</description>
			<content:encoded><![CDATA[Über&nbsp;Hermann Morres<br /><br />In der Burzenländer Kunstszene kommt der Name Morres gleich zweimal vor. Die Maler Eduard Morres und Hermann Morres waren Cousins.<br />Eduards Vater, führender Pädagoge des deutschen Volksschulwesens später Realschullehrer und Elementarschulleiter Dr. Eduard Morres (1851-1945) und Hermanns Vater, der Lehrer, Rektor und Bartholomäer Prediger Wilhelm Morres (1849-1936) waren Brüder.&nbsp;<br />Hermann Morres kommt am 22. Mai 1885 in Kronstadt, als erstes Kind und einziger Sohn des Lehrer-Predigers Wilhelm Morres und der Julie geb. Kertsch zur Welt. Den ersten Zeichenunterricht hat er an der Kgl. Ung. Staats-Oberrealschule von seinem Zeichenlehrer Alexander Raidl erhalten. Schon als Schüler genießt er eine gediegene musikalische Ausbildung bei Paul Richter und von 1904 bis 1908 studierte er in Budapest an der Ungarischen Akademie für Bildende Künste die Malerei auf Empfehlung seines Lehrers A. Raidl um Zeichenlehrer zu werden, aber sein Wunsch und Traum war es auch akademischer Maler zu sein.<br />Letztendlich war er 40 Jahre lang, bis zu seiner Pensionierung Zeichenlehrer an der Kronstädter Mädchenschule und auch an der Kindergärtnerinnen-Bildungsanstalt. Bei der ev. Mädchenschule lernte er auch seine Kollegin, die Mathe, Physik und Chemie-Lehrerin Alice Muray (1884-1972) kennen die er 1913 heiratet. Er hatte mit ihr zwei Kinder, die Tochter, Roswitha verh. Dr. Keul, ebenfalls Zeichenlehrerin für kurze Zeit am deutschen Lyzeum in Bukarest und den Sohn Ewald, der in München Architektur studiert hat. In den ersten Jahren wohnten sie, als Mieter der Honterusgemeinde, in der Waisenhausgasse Nr. 7.<br />1917 wird er zum Militär eingezogen, aber wegen einem Augenleiden musste er nicht an die Front und konnte nach kurzer Zeit wieder seinen Beruf als Zeichenlehrer ausüben.<br />Angeregt durch seinen guten Freund Hans Mattis-Teutsch (1884-1960) verbrachte er drei Sommer in den Jahren 1926 bis 1929 in der ungarischen Künstlerkolonie in Baia Mare um dort Aktstudien zu betreiben und später auch in Balcic. Der gleiche Freund gründete 1944 den Kronstädter Verband Bildender Künstler in dem natürlich auch sein Cousin Eduard Morres Mitglied war.<br />Laut dem letzten Adressenbuch von 1927 wohnten sie in diesem Jahr, vermutlich als Mieter, in der Purzengasse Nr. 5.<br />Seine Frau wollte 1944 ihre Kinder, die in Deutschland lebten besuchen und konnte anschließend Kriegsbedingt nicht heimkehren. Jahrelang war eine Familienzusammenführung nicht mehr möglich.&nbsp; &nbsp; &nbsp;Als überzeugter Heimatmaler wollte Hermann Morres seine Bilder und Kronstadt nicht verlassen. So kam es zur Trennung.<br />Die Scheidung von seiner ersten Frau Alice Muray wurde 1957 durchgeführt. Anschließend heiratete er noch einmal die Heldsdörferin Anna geb. Gross (1905-2002), genannt Punschi, “eine großartige Sängerin, welche in vielen Oratorien und öffentlichen Konzerten gesungen hat“. Anna Gross hatte aus einer ersten Ehe mit dem Hutmacher Bruno Walter Tischler zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Das Tischlerische Hutgeschäft war auf der Flachszeile Nr. 27.<br />Bis zu seinem Eintritt in die Rente, 1948 war er Zeichenlehrer an der Kronstädter Mädchenschule aber auch an anderen Schulen Kronstadts. Er wohnte bis zu seinem Lebensende mit seiner zweiten Frau im Schützenhausgässchen (heute Al. Petöfi) und hatte sein Atelier in der Michael Weiß-Gasse im Haus der ehemaligen Burzenländer Bank, heute Kultur-Bank Apollonia Hirscher. Die älteren Kronstädter erinnern sich bestimmt noch an das Schaufenster wo seine Bilder zum Verkauf geboten wurden. Gemalt hat er in den letzten Jahren nicht mehr viel, weil er anfing zu erblinden. Er nannte dieses Atelier, den Friedhof seiner Kunst.<br />Über sein Lebenswerk wäre natürlich viel zu schreiben. Etliches erfahren wir aus einem schönen Beitrag von Brigitte Nussbächer-Stephani in der Märzausgabe des Jahres 2003 der Neuen Kronstädter Zeitung über seine vier malerischen Schaffensperioden.<br />Von der gleichen Autorin gibt es ein Buch „Sie prägten unsere Kunst“ mit Studien und Aufsätzen, 1985. Hier gibt es den Aufsatz - “Zum 100. Geburtstag des Malers Hermann Morres“ von Horst Schuller in welchem er Hermann Morres zitiert “Mein Talent ist nicht groß, weil es sich nicht auf eine Kunst allein konzentriert”.&nbsp;<br />Eine gute Würdigung seiner pädagogischen Begabung finden wir in der Märzausgabe der NKZ von 2004 von Oswald Adler: „In seiner Unterrichts-Methode verband Professor Morres das Freihandzeichnen mit den Grundelementen der Gebrauchsgrafik, deren Bedeutung<br />in jenen Jahren im Aufstieg war. Er unterwies uns in der Konstruktion der Buchstaben und in Kalligrafie. Dank des Wissens, welches er uns<br />auf diesem Gebiet vermittelte, konnte ich, gleich nach Beendung der Schule meine Laufbahn als Grafiker beginnen. Zur Freien Kunst konnte ich erst viele Jahre später übergehen. Professor Morres verstand es so richtig, in seiner kraftvoll, dynamischen Art uns für das zu begeistern, was die Essenz seines Lebens ausmachte - die Liebe zur Bildenden Kunst“.&nbsp;<br />Was sein zweites Talent betrifft, nämlich die Musik erfahren wir im Beitrag “Eine Doppelbegabung“ von Kurt Philippi in der Märzausgabe der NKZ 2021.<br />Im Kunstmuseum von Kronstadt gibt es zurzeit eine Ausstellung mit dem Thema “Die Frau im kommunistischen Rumänien“. Sie enthält auch zwei schöne großformatige Bilder (ca. 120*180 cm) von Hermann Morres aus dem Bestand des Kunstmuseums. Die Bilder könnten zeitlos sein, denn Kartoffeln sammeln musste man zu allen Zeiten, wenn nicht auf dem Bild mit zwei Pferdewägen, welche die Ernte heimführen, jeweils eine Fahne dargestellt wäre, welche eindeutig auf den sozialistischen Realismus hinweisen.<br />Über diese Zeit schreibt Hermann Morres in seiner Autobiografie “Der geistige Arbeiter galt damals noch nicht als vollwertig, die Jury machte bei der Annahme erhebliche Schwierigkeiten. Dann verlegte ich mich mehr und mehr auf landwirtschaftliche Themen, ich malte aber nicht Szenen aus der Privatwirtschaft, wie in jungen Jahren, sondern Themen aus der Kollektivwirtschaft. Die Studien dazu machte ich in Heldsdorf, wozu ich von der Kronstädter Ortsgruppe des Fondul Plastic die Gelder erhielt. Aus diesen Studien im Kartoffelfeld im September 1957 entstanden dann im Atelier die Kompositionen „Mittagsrast des Kollektivs“. Das nächste große Bild war „Die Einbringung der Quote“. Es war nur zu natürlich, dass alle diese Bilder einen Rückfall in den Naturalismus bildeten, denn die Parole lautete eine Kunst zu schaffen, die auch den einfachen Menschen anspricht”<br />Hermann Morres schafft es, ein Jahr vor seinem Tod, ein große Retrospektive zu organisieren. Claus Werner schreibt gelegentlich dieser großen Ausstellung in Saal der Redoute zu seinem 85-sten Geburtstag folgendes: „Die große Kronstädter Retrospektiv-Ausstellung im Oktober dieses Jahres, die 112 Arbeiten (in Öl, Aquarell, Tempera, Pastell, außerdem eine Anzahl von Graphiken) umfasste, brachte in chronologischer Anordnung und nach Sujets gegliedert einen Eindruck in das reichhaltige Schaffen dieses siebenbürgischen Künstlers, dessen Werk in den letzten Jahren allzu oft übergangen oder ganz einfach als „Heimatmalerei“ abgetan wurde. … Hier wäre ein Ausgangspunkt für eine Neudeutung von Hermann Morres’ Kunst, wobei sich auch Tangenten zur Moderne ziehen ließen.”<br />Dies wäre auch der Moment gewesen zur Erstellung einer Monografie wie sie schon fast alle Kronstädter Künstler haben. Vielleicht regt dieser Beitrag einen Kunsthistoriker an, eine zu verfassen, denn er wäre mit Sicherheit einer würdig.<br />Hermann Morres stirbt am 1. April 1971 im 86-sten Lebensjahr und wird im Familiengrab Nummer 9 in der 8 Reihe links beerdigt, wo auch seine Eltern begraben wurden und auch sein älterer Halbbruder Wilhelm. Seine zweite Frau überlebt ihn um 31 Jahre und wohnte noch bis 1988 im Haus im Schützenhausgässchen. Im Herbst dieses Jahres kehrt sie von einer Besuchsreise zu ihren Kindern in Deutschland aus erster Ehe nicht mehr zurück. Sie stirbt 2002 in Marktoberdorf und wird in Offenburg beerdigt.
Peter Simon

Selbstbildnis als Komponist am Klavier, Öl auf Leinwand 100x80 cm, 1945]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 25 Sep 2026 07:13:00 +0000</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>„Wir müssen wieder selbstbewusster auftreten“</title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/wir-muessen-wieder-selbstbewusster-auftreten/</link>
			<description>Interview mit Uwe Leonhardt, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Kronstadt</description>
			<content:encoded><![CDATA[<br />Interview mit Uwe Leonhardt, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Kronstadt<br /><br /><b>Uwe Leonhardt&nbsp; wurde im Juni dieses Jahres zum Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Kronstadt gewählt. Der ehemalige Geschäftsführer des Kronstädter Ortsforums, der als Jugendlicher nach Deutschland auswanderte, lebt nun seit rund zehn Jahren wieder fest in Kronstadt, wo er sich für den&nbsp; Erhalt der deutschen Gemeinschaft einsetzt. Der Wirtschaftsinformatiker ist auch als Beisitzer im Vorstand der Heimatgemeinschaft der Kronstädter in Deutschland tätig.<br />Über seinen Einsatz im Forum, die Verbundenheit zu Siebenbürgen und seine Pläne sprach er mit KR-Redakteurin Laura Capatana Juller.&nbsp;&nbsp;</b>
<i>Herr Leonhardt, warum sind Sie nach Rumänien zurückgekehrt?<br /></i>
Der Wunsch danach war schon immer da, schon als ich als Jugendlicher mit meinen Eltern ausgewandert bin. Ich habe mich in Kronstadt und in Siebenbürgen immer zu Hause gefühlt, auch wenn es mir in München gut gefallen hat. 2012 habe ich bereits drei Jahre in Rumänien gearbeitet, da ich eine Stelle als Geschäftsführer bei einem deutsch-rumänischen Unternehmen angenommen hatte. Bin dann aber wieder nach München zurück. Doch seit 2017 bin ich jetzt fest in Kronstadt. Ich wollte, dass die deutsche Kultur hier wieder auflebt und von der Mehrheitsbevölkerung verstärkt wahrgenommen wird. Heute habe ich zwar noch meine Staatsbürgerschaft und eine Wohnung in Deutschland, aber mein echter Lebensmittelpunkt ist fest hier.<br />
<i>2021 wurden Sie in den Vorstand des Ortsforums, 2022 in jenen des Kreisforums gewählt. Wie haben Sie das Forum bei Ihrem Einstieg erlebt?<br /></i>
2021 gab es im Vorstand des Forum viele ältere Personen mit konservativen Sichtweisen und, wie ich finde, stand es vor einigen Herausforderungen. Da das Kreisforum bereits etabliert war und gut funktionierte, habe ich mich vor allem beim Ortsforum eingebracht, weil dort alles aufgebaut werden musste. Mit der Wahl eines neuen, verjüngten Vorstands und vielen jungen Leuten kam frischer Wind hinein, es wurde auch eine neue Webseite aufgebaut. Wir wollten schon damals, dass man verstärkt auch in der Öffentlichkeit gesehen und gehört wird. Ziel ist, dass das Ortsforum noch mehr Projekte umsetzt, ein breiteres Publikum erreicht und auch mehr Vertreter in den Stadtrat bringt.<br />
<i>Sie waren dreieinhalb Jahre lang Geschäftsführer des Ortsforums. Gab es da Herausforderungen?<br /></i>
Es gab Herausforderungen, vor allem weil mir die Vorerfahrung in der Kulturarbeit fehlte. Aber ich habe das alles gelernt: Abrechnungen, die Betreuung von Website, Newsletter und sozialen Medien, die Mitgliederkommunikation sowie auch die Suche nach Locations und Künstlern. Auch die Programmgestaltung und das Design von Plakaten, der Einkauf für Veranstaltungen und der Aufbau vor Ort mussten gestemmt werden. Dazu die ganze interne Organisation, die administrative Bürotätigkeiten.<br />
<i>Gab es keine Unterstützung seitens der Vorstandsmitglieder?<br /></i>
Ursprünglich sollte jedes Vorstandsmitglied feste Aufgaben übernehmen, doch das hat sich mangels Zeit, vielleicht auch Lust und Energie der Leute nicht durchgesetzt. Wirklichen Einsatz zeigen meistens nur dieselben wenigen Einzelpersonen. Da die Arbeit im Ehrenamt extrem viel Zeit und Geld kostet, finde ich das schade und nicht mehr zeitgemäß. Es bräuchte eine faire Entlohnung – ähnlich wie das Sitzungsgeld für Stadträte und Verwaltungsräte –, da man im 21. Jahrhundert umfangreiche Aufgaben wie Organisation oder Workshops nicht mehr komplett unentgeltlich stemmen kann.<br />
<i>Sie sind noch bis Monatsende als Geschäftsführer des Ortsforums tätig. Was werden Sie danach arbeiten?<br /></i><br />Ich habe einen online Teilzeitjob bei einer deutschen Firma und führe das Familienunternehmen meines Onkels weiter, das sich um die Instandhaltung von Skibahnen in Rumänien beschäftigt.&nbsp;<br />
<i>Auf welche Projekte blicken Sie besonders gerne zurück?<br /></i>
Eines der bedeutendsten Projekte war definitiv die Veranstaltungsreihe&nbsp; „NachBild – 80 Jahre seit der Deportation der Sachsen in die UdSSR“, ein tiefgründiges und umfangreiches Projekt.&nbsp; Auch das Forumsfest mit Musik und Tanz, ein Rundumprogramm sowie die Handarbeitsworkshops der Damen vom Handarbeitskreis, die Teilnehmer aus ganz Rumänien wie Bukarest angezogen haben, liegen mir am Herzen.&nbsp;<br />&nbsp;<br /><i>Bei der letzten Mitgliederversammlung des Ortsforums ging hervor, dass der Vorsitzende Paul Binder und die Vorstandsmitglieder getrennte Sichtweisen haben (die KR berichtete). Am 29. September finden nun Neuwahlen des gesamten Vorstands statt. Was wünschen Sie sich von der Zusammenarbeit mit dem Ortsforum?<br /></i>
Mein Wunsch wäre eine Bürogemeinschaft für Orts- und Kreisforum. Die Aufgaben sind bis auf die Immobilienverwaltung gleich. Mit einem Projektmanager, einem Geschäftsführer und einer Hilfskraft könnten beide Foren zentral und synergetisch bedient werden, während die Mitgliederlisten getrennt bleiben.<br />
<i>Macht es dann noch Sinn, zwei Foren zu haben?<br /></i>
Ja, allein schon wegen der getrennten Mitgliederlisten für die Stadt und den Kreis. Das Kreisforum verwaltet und koordiniert die Ortsforen in der Region. Außerdem ist die Trennung organisatorisch notwendig, weil Kandidatenlisten für den Stadtrat von der übergeordneten Kreisstelle abgesegnet werden müssen.<br />
<i>Wie ist die Lage im Kreis?<br /></i><br />Ich habe mir vorgenommen, demnächst in alle Ortsforen zu fahren, um zu sehen, was die Foren planen und was gebraucht wird und wie wir, vielleicht politisch aktiv werden, denn wir würden natürlich gerne auch in den Stadträten oder in den Gemeinderäten mitwirken. Ich war jetzt schon in Brenndorf und Heldsdorf bei Veranstaltungen. Es folgt ein Besuch in Fogarasch und Reps.<br />
<i>Welche Ziele verfolgen Sie als Vorsitzender des Kreisforums?<br /></i>
Unser Ziel ist es, wieder sichtbarer zu werden und als Ansprechpartner für kulturelle Veranstaltungen wahrgenommen zu werden. Wir wollen, dass das Kulturerbe weitergeführt wird und dass die breite Bevölkerung dessen bewusster wird. Wir müssen sichtbarer werden und selbstbewusster auftreten.&nbsp;<br />Zudem möchte ich einen monatlichen Stammtisch ins Leben rufen, der Rückkehrern und Leuten, die nach Siebenbürgen ziehen möchten, als Anlaufstelle dient – sei es für soziale Kontakte oder praktische Fragen zu Juristen oder Buchhaltern. Unser digitales Firmenverzeichnis, das auf der Internetseite des Ortsfroums zu finden ist, wollen wir ebenfalls weiter ausbauen, um das regionale Netzwerk weiter zu stärken.<br />
<i>Was tun Sie in Ihrer Freizeit gerne?<br /></i>
Ich bin ein offener, multikultureller Mensch und reise leidenschaftlich gern. Ich liebe den Gedanken eines geeinten Europas, in dem verschiedene Ethnien und Gemeinschaften zusammenkommen, Ideen austauschen und voneinander lernen, um gemeinsam etwas voranzubringen. Neben sächsischen Tänzen tanze ich zum Beispiel auch sehr gerne griechische Tänze und beschäftige mich mit Ahnenforschung.&nbsp;<br /><br /><i>Herzlichen Dank für das Gespräch!<br /></i><br /><br /><br /><br />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 06:15:00 +0000</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Lichtbringer mit Herz und Geschichte</title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/lichtbringer-mit-herz-und-geschichte/</link>
			<description>25 Jahre Fackelträgerzentrum „PdF“ in Rosenau </description>
			<content:encoded><![CDATA[<br />25 Jahre Fackelträgerzentrum „PdF“ in Rosenau <br /><br />„Der richtige Mann mit seiner richtigen Frau zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ – mit diesen Worten brachte Kurt Schneck, der ehemalige Leiter des österreichischen Fackelträgerzentrums Schloss Klaus das Wirken von Eberhard und Elke Beck sowie die Entstehung des Fackelträgerzentrums in Rosenau auf den Punkt. Vom Donnerstag, dem 10., bis Sonntag, dem 13. September, feierte das Zentrum sein 25-jähriges Bestehen mit einem viertägigen Festprogramm, das hunderte Gäste aus dem In- und Ausland zusammenbrachte.<br /><br />Was bedeutet „Fackelträger“ überhaupt?
Die 25 weltweit bestehenden Fackelträgerzentren sind christliche, überkonfessionelle Begegnungsstätten, die Menschen dazu einladen, ihren Glauben zu entdecken und zu vertiefen. Das ganzheitliche Programm soll dabei den ganzen Menschen ansprechen – in seinem Glauben, Denken, Fühlen, in seinen Beziehungen und in seinem praktischen Leben. Der Name „Fackelträger“ geht auf das biblische Bild des Lichts zurück, „Ihr seid das Licht der Welt“ (Matthäus 5,14). Die Fackel, deren Licht weitergetragen wird, symbolisiert den Gedanken, dass Christen das von Gott empfangene Licht, ihren Glauben und ihre Hoffnung an andere weitergeben. Weltweit sind die Zentren als „Torchbearers international“, also „Fackelträger“ bekannt; das rumänische Zentrum trägt den Namen auf Rumänisch, „Purtătorii de Făclie“, oder kurz „PdF”.<br />
Festlichkeiten zum Jubiläum in Rosenau<br />
Bereits am Donnerstag reisten rund 200 geladene Übernachtungsgäste an, die im Hauptgebäude und im großen Festzelt des Zentrums an der Glăjărie empfangen wurden. Dabei handelte es sich sowohl um ehemalige und aktuelle Mitarbeiter und Langzeitvolontäre als auch Partnerorganisationen und Freunde des Freizeitzentrums. Nach einem gemeinsamen Abendessen stimmte ein Begrüßungsgottesdienst mit Lobpreis und einer geistlichen Botschaft von Florin Șaitiș, der gemeinsam mit Eberhard des Zentrums leitet, auf die Jubiläumstage ein. Der Freitag stand ganz im Zeichen des Rückblicks und der Gemeinschaft: Auf das Frühstück folgte eine geistliche Ansprache von Kurt Schneck im Zelt, ehe die Teilnehmer bei einem Spaziergang („Remember“) persönlichen Zeugnissen lauschten. Von den bescheidenen Anfängen ohne jegliche Gebäude über entbehrungsreiche Bauzeiten bis hin zu humorvollen Anekdoten: Die Anwesenden erhielten einen lebendigen Einblick in die Geschichte des Zentrums. Beispielsweise gab es in den Anfangsjahren keine befahrbare Brücke über den Ghimbășel, einen Fluss, der das Gelände durchläuft – so gab es immer wieder abenteuerliche Fahrten mit Traktor, Bagger oder Geländewagen, um das Wasser zu durchqueren. Das heutige Gelände mit seiner modernen Infrastruktur ist das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit und des Durchhaltevermögens in schwierigen Zeiten. Nachmittags wurde symbolisch ein Baum gepflanzt – wie schon zu mehreren besonderen Zeitpunkten in der Geschichte von PdF. Es folgte eine offene Fragerunde und ein geselliger Grillabend, nach dem bei nostalgischen Fotos und Geschichten vor allem lustige Erinnerungen ausgetauscht wurden.<br /><br />Den Höhepunkt bildete der Tag der offenen Tür am Samstag, an dem rund 500 Tagesgäste das Gelände füllten. Neben Plenarversammlungen und einem bunten Kinderprogramm luden Ausstellungen zur Vereinsgeschichte, ein Gästebuch, eine Fotobox und ein gestalteter Erinnerungspfad zum Entdecken ein. Wie auch bei sonstigen Programmen des Zentrums überraschte das Küchenteam mit sämtlichen Köstlichkeiten: Es gab viele Essensstände, die von der selbstgemachten Pizza, die es bei jeder Freizeit am ersten Abend gibt, über das berühmte Chili con carne bis hin zu Burgern und traditionellen rumänischen Eintöpfen alles boten, was das Herz begehrt. Abends, nachdem ein Film über das Fackelträgerzentrum in Rosenau gezeigt und Torte gegessen wurde, gab es auch eine Aktivität mit Fackeln: draußen wurde mit 100 getragenen Fackeln sowohl der Umriss von Rumänien als auch eine 25 nachgestellt. Den feierlichen Ausklang des Abends bildete ein großes Lagerfeuer, bevor die Jubiläumsfeier am Sonntag mit einem gemeinsamen Brunch ihren entspannten Abschluss fand.<br /><br />Aller Anfang ist schwer<br />
In seiner Ansprache am Samstagvormittag blickte Kurt Schneck auf die abenteuerlichen Anfänge der Arbeit zurück. Die Geschichte der Fackelträger in Rumänien begann keineswegs mit einem fertigen Bauplan oder einer großen Vision. Schneck erinnerte schmunzelnd an die „Gnade der Naivität“ in den Nachwendejahren ab 1990: Man reiste völlig unbefangen an – in einer Zeit, in der es auf der Strecke von der ungarischen Grenze bis nach Kronstadt kaum funktionierende Tankstellen gab. Erste Bibelwochen, Kinder- und Studentenfreizeiten fanden damals in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche A.B. in Kronstadt und Wolkendorf statt, nachdem eine Konfirmandengruppe aus Kronstadt eine Freizeit bei Schloss Klaus, einem der beiden österreichischen Fackelträgerzentren, verbracht hatte.<br /><br />Nach einer Vorbereitungszeit auf Schloss Klaus wurden Eberhard und Elke Beck 1997 nach Rumänien ausgesandt. Über die erste Station in Tartlau bauten sie die Arbeit schrittweise auf. Von Anfang an lag den Becks am Herzen, nicht nur unter der deutschen Volksgruppe zu wirken, sondern die gesamte Gemeinschaft einzubinden – auch wenn das Predigen auf Rumänisch zu Beginn noch etwas holprig war. Die Sommerfreizeiten glichen in dieser Phase einem echten „Wanderzirkus“: Zelte wurden an wechselnden Orten auf- und abgebaut, und selbst die einfache Wasserversorgung mit 1000-Liter-Containern stellte die Verantwortlichen vor enorme logistische Herausforderungen. Schnell wurde klar, dass eine feste Basis nötig war.&nbsp;<br />
Im Jahr 2001 folgte die Vereinsgründung von PdF, und 2003 konnte schließlich das Grundstück in Rosenau erworben werden – damals für bescheidene zwei Euro pro Quadratmeter. Die Finanzierung gelang durch eine unerwartete Großspende aus Österreich, punktgenau zwei Tage vor dem Kaufabschluss. Die Ausgangslage vor Ort war jedoch extrem herausfordernd: Das Projekt in Rosenau war das einzige Zentrum unter allen weltweiten Fackelträger-Standorten, bei dem keinerlei Gebäude existierten. Es gab weder Strom- noch Wasseranschluss, keine Kanalisation und wie erwähnt nicht einmal eine Brücke über den Fluss. Schulden zu machen, kam für die Verantwortlichen nicht infrage; gebaut wurde nur mit den Mitteln, die im Vertrauen auf Gott Schritt für Schritt zur Verfügung standen. Parallel zu den baulichen Belastungen lief der Freizeitbetrieb unermüdlich weiter: Skifreizeiten im Winter, Vater-Kind-Wochenenden, Eheseminare, Kinderlager sowie soziale Einsätze in Zeiden gehörten rasch zum festen Programm. Heute ergänzt auch eine eigene Bibelschule die vielfältige Arbeit; es kommen immer mehr Gebäude dazu und auch das Mitarbeiterteam ist gewachsen.<br /><br />Was wirklich zählt<br />
Das im Laufe des Vierteljahrhunderts entstandene, „schmucke Dorf“ an der Glăjărie versteht Kurt Schneck jedoch nur als ein Werkzeug. Entscheidend sei das engagierte Team vor Ort und die eigentliche geistliche Aufgabe der Fackelträger: Menschen zum Glauben an Jesus Christus zu begleiten, sie zu stärken und sie als „Lichtbringer“ wieder in das Land hinauszusenden.<br />Die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum machten eines deutlich: Was vor einem Vierteljahrhundert auf freiem Feld begann, ist heute ein fester Ort der Gemeinschaft. Mit einem zusammengeschweißten Team, dankbarem Blick zurück und voller Hoffnung und Vertrauen auf Gott geht die Arbeit in Rosenau nun weiter – um Sein Licht weiterhin in die Welt zu tragen.<br />
Bernice Krech-Litoiu

Ein neuer Baum wurde gepflanzt. Foto: Vlad Agiu/AVA Media]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 06:14:00 +0000</pubDate>
			
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			<title>Medizin und Literatur</title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/medizin-und-literatur/</link>
			<description>Zweisprachige Veröffentlichung über die von Dr. Wilhelm Depner im Jahr 1912 begründete Privatklinik</description>
			<content:encoded><![CDATA[<br />Zweisprachige Veröffentlichung über die von Dr. Wilhelm Depner im Jahr 1912 begründete Privatklinik<br /><br />Kürzlich erschienen ist im Schiller Verlag Bonn – Hermannstadt die zweisprachige – deutsch-rumänische – Veröffentlichung „Ein Sanatorium in Kronstadt – Un sanatoriu în Braşov“. Es geht um die im Jahr 1912 vom Arzt Dr. Wilhelm Depner in der Hirschergasse eröffnete Privatklinik für Chirurgie, Orthopädie und Gynäkologie. Herausgegeben wurde die Broschüre vom Hermannstädter Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Joachim Wittstock, einem Stief-Enkelsohn von Dr. Wilhelm Depner. Für die Übersetzung ins Rumänische zeichnet die Hermannstädter Germanistin Maria Sass verantwortlich.<br />Die neue, 90 Seiten umfassende Veröffentlichung gliedert sich in drei Teile. Zunächst wiedergegeben ist der Aufsatz „Dr. Wilhelm Depner und sein Sanatorium“ von Dr. Thea Depner-Wittstock (1911-1985), einer Tochter des namhaften Kronstädter Arztes und selbst auch Ärztin von Beruf. Es ist die stark gekürzte Fassung der Studie „Ein Wegbereiter der Krebsbehandlung mit Radium in Rumänien. Der Chirurg Dr. Wilhelm Depner (1873-1950) und sein Sanatorium“, die bereits im Jahr 1979 in einem Sammelband über naturwissenschaftliche Forschungen über Siebenbürgen erschienen ist.<br />Der zweite Teil der Broschüre enthält Auszüge aus dem 2024 erschienenen Erzählwerk „Das erfuhr ich unter Menschen“ von Joachim Wittstock, dessen Untertitel „Romanhafte Chronik siebenbürgischer Schicksale“ lautet. Einer der Handlungsstränge der „romanhaften Chronik“ zeichnet das Wirken des Arztes Dr. Wilhelm Depner (im Roman: Dr. Samuel Tartler) und die segensreiche Existenz der von ihm begründeten Heilanstalt nach. Davon ist in den in der Broschüre nachgedruckten Passagen die Rede.<br />Der rund 40 Seiten umfassende dritte Teil der neuen Veröffentlichung trägt den Titel „Das Sanatorium in Bildern“. Die Texte zu dem aus dem Familienarchiv stammenden reichhaltigen Bildteil wurden von Joachim Wittstock verfasst. Durchsetzt ist dieser Abschnitt mit Zitaten aus der Feder bedeutender Schriftsteller (Gottfried Benn, Carl Zuckmayer, Peter Bamm, Ion Vianu – die meisten von ihnen Ärzte von Beruf), die die vielfältigen Beziehungen zwischen Medizin und Literatur reflektieren. Markiert werden diese Lesefrüchte mit der Reproduktion des Holzschnittes „Der Leser“ von Hans Eder.<br />Die Broschüre „Ein Sanatorium in Kronstadt – Un sanatoriu în Braşov“ liegt in den deutschen Buchhandlungen in Hermannstadt (Büchercafé Erasmus, Schiller-Buchhandlung) sowie bei „Aldus“ in Kronstadt auf. (ww)<br /><br /><i>Joachim Wittstock (Hg.): Ein Sanatorium in Kronstadt – Un sanatoriu în Braşov. Schiller Verlag, Bonn – Hermannstadt 2026, ISBN 978-3-949583-90-2, Lei 59,-</i><br /><br /><br />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 06:13:00 +0000</pubDate>
			
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			<title>  „Im Nachhinein glaube ich, dass wir es mit einer Eliteschule zu tun hatten“</title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/im-nachhinein-glaube-ich-dass-wir-es-mit-einer-eliteschule-zu-tun-hatten/</link>
			<description>Interview mit Honterus-Absolventin Brunhilde Böhls</description>
			<content:encoded><![CDATA[<br />Interview mit Honterus-Absolventin Brunhilde Böhls<br /><br /><b>Die Absolventen des Honterus-Lyzeums arbeiten heute, in der ganzen Welt verstreut, in allen denkbaren Bereichen- unter ihnen sind Star-Musiker, Informatiker, Top-Manager, Politiker, Schriftsteller, anerkannte Ärzte oder Architekten. Ob in London, Abu-Dhabi, Wien, Berlin, New York, Bukarest oder Kronstadt- die meisten von ihnen denken gerne an ihre gemeinsame Schulzeit zurück. In der Karpatenrundschau werden wir in den nächsten Monaten einige der ehemaligen Honterianer vorstellen, die heute eine erfolgreiche Karriere haben. Falls Sie auch jemanden kennen, der das Honterus-Lyzeum absolviert hat und sich in seinem Bereich bemerkbar gemacht hat, können Sie uns gerne ihre Vorschläge auf kronstadt@adz.ro zusenden. Wir freuen uns auf jede Idee!&nbsp;<br /><br />Brunhilde Böhls, geborene Müll, verließ Siebenbürgen als junge Frau und fand in Deutschland eine neue Heimat, blieb ihrer Herkunft und ihrer ehemaligen Schule jedoch stets verbunden. Ihre Beschäftigung mit der deutschen Sprache führte sie auch wissenschaftlich zum Rumäniendeutschen. Im Interview mit KR-Redakteurin Bernice Krech-Lițoiu spricht sie über ihre Kindheit, die Schulzeit am Honterus-Lyzeum, die Ausreise, ihre Rückkehr nach Hermannstadt und die Frage, was Heimat für sie heute bedeutet.<br /></b><br /><i>Frau Böhls, können Sie sich kurz vorstellen und etwas über Ihren persönlichen und beruflichen Werdegang erzählen?</i><br /><br />Mein Name ist Brunhilde Böhls, geborene Müll. Meine Mutter war Grundschullehrerin, mein Vater Meister in der Hidromecanica-Fabrik. Ich habe eine zwei Jahre jüngere Schwester. Wir lebten zunächst in Rosenau und zogen später in ein Neubauviertel in Kronstadt, wo wir eine Blockwohnung bekamen. Aus den Erzählungen meiner Eltern weiß ich, wie groß die Wohnungsnot in den 1950er- und 1960er-Jahren gerade für die deutsche Minderheit war.<br /><br />1977 erhielten wir die Genehmigung zur Ausreise. Zweieinhalb Jahre lebten wir ohne meinen Vater, der bereits ausgereist war. Für meine Mutter war diese Zeit sehr schwer. Sie wurde immer wieder zu Gesprächen mit der berühmt-berüchtigten Securitate bestellt und stand mit anderen Lehrern und Familien in Kontakt, die ebenfalls ausreisen wollten. Wenige Tage nach meinem 18. Geburtstag konnten wir dann von Bukarest nach Frankfurt fliegen. In Duisburg machte ich mein Abitur, das war ein Kulturschock. Hier war der Klassenverband sehr wichtig gewesen, während in Deutschland gerade das Kurssystem eingeführt worden war. Ich fühlte mich zunächst verloren und galt als Streberin, weil ich gerne lernte. Das hat mich sehr verunsichert.<br /><br />Danach studierte ich in Bonn Germanistik und Romanistik. Ein Jahr arbeitete ich als Lehrerin in Frankreich und sammelte Erfahrungen mit Deutsch als Fremdsprache. Das war interessant, zeigte mir aber auch, dass ich nicht unbedingt als Lehrerin arbeiten wollte. Schließlich bekam ich eine Stelle an der Universität Duisburg-Essen und arbeitete dort mein ganzes Berufsleben in verschiedenen Bereichen.<br /><br /><i>Was verbinden Sie heute besonders mit Ihrer Kindheit in Siebenbürgen?</i><br /><br />Vor allem die heißen Sommer. Wenn ich an Brenndorf und Zeiden denke, erinnere ich mich an das Waldbad, an Wanderungen über den Zeidner Berg, an Pilze sammeln und Grillen mit der Großfamilie. In Brenndorf sind mir besonders die Storchennester in Erinnerung geblieben. Wenn ich später wieder nach Rumänien kam und die Störche sah, war das wie ein Nachhausekommen.<br /><br />Wir waren sehr naturverbunden. Schon in der Grundschule lernten wir viel Heimatkunde und waren am Lempesch und am Kalten Brunnen. Die Jahreszeiten haben wir dadurch sehr bewusst erlebt.<br /><br /><i>Sie waren ab der fünften Klasse am Honterus-Lyzeum. Wie erinnern Sie sich an diese Zeit?</i><br /><br />Meine Mutter war meine Grundschullehrerin und sehr streng, aber ich habe von ihr viel gelernt. Ab der fünften Klasse kam ich ans Honterus-Lyzeum. Viele meiner Grundschulfreunde waren später ebenfalls in meiner Klasse. Wir hatten drei große Parallelklassen, überwiegend mit Muttersprachlern.<br /><br />Der Klassenverband war für mich sehr wichtig. Wir spielten in den Pausen Völkerball, hatten Leichtathletikwettkämpfe auf dem Sportplatz des Șaguna-Lyzeums und lernten Orientierungslauf unterm Königstein und in der Schulerau. Das Skilager in Mălăiești ohne Strom und fließendem Wasser schweißte die Gemeinschaft noch mehr zusammen. Wir machten uns &quot;Gletscherwonne&quot; aus Schnee und Zitrone oder Marmelade. Wir organisierten viele Partys, Chefs, und tanzten auf die neueste Rockmusik aus dem Westen oder auf Blasmusik von den Egerländern Hopserpolka.<br /><br /><i>Gibt es eine besonders lustige Erinnerung an Ihre Schulzeit?</i><br /><br />Wir haben die Lehrer am 1. April gerne gefoppt. Einmal baten wir eine Lehrerin, uns nach dem Klingeln sofort hinauszulassen, weil wir angeblich etwas Wichtiges zu tun hätten. Wir stellten einen Wecker, der zehn Minuten später geklingelt hat. Danach saß die Lehrerin allein in der Klasse.<br />An welche Lehrer erinnern Sie sich besonders?<br />An meine Deutschlehrerin Gudrun Schuster und an meine Klassenlehrerin bis zur 8. Klasse, die Geographielehrerin Christa Sudrigian. Auch später habe ich sie gerne besucht. An den Biologielehrer Günter Paalen erinnere ich mich ebenfalls besonders, weil er uns viel über Anatomie und Botanik vermittelt hat. Stefan Șindilariu war mein Lieblingssportlehrer, weil er uns für Sport und Ausflüge begeistern konnte. Herr Seidel war ein strenger, aber sehr geschätzter Mathematiklehrer. Ich kam oft zu spät. Einmal ließ er mich nicht mehr in die Klasse – ich musste draußen warten, bis die Stunde um war.<br /><i><br />Sie haben Germanistik studiert – woher kam Ihre Begeisterung für Sprachen?</i>
In unserer Familie gibt es eine gewisse Begabung für Sprachen. Meine Tante war Deutschlehrerin in Zeiden, meine Mutter wie gesagt eine sehr engagierte Grundschullehrerin. Ich bin mit Büchern aufgewachsen. Mich mit der Grammatik zu beschäftigen, gefiel mir in allen Sprachen, die ich gelernt habe – das sind insgesamt sieben, unter anderem Ungarisch, Türkisch und Spanisch. Besonders gut spreche ich Rumänisch, Französisch und Englisch.<br />Mich faszinieren die Logik und zugleich die Vielschichtigkeit der Sprache. Derselbe Sachverhalt lässt sich auf sehr unterschiedliche Weise ausdrücken.<br />
<i>Sie haben sich auch wissenschaftlich mit dem Rumäniendeutschen beschäftigt. Was hat Sie daran interessiert?<br /></i>
Seit der Ausreise beschäftigte mich, dass ich zwar gut Deutsch spreche, aber immer etwas anders als die Deutschen aus Duisburg. Ich wollte wissen, woran das liegt. Ralf Sudrigian stellte mir einen Jahrgang der „Karpatenrundschau“ zur Verfügung, den ich vor allem hinsichtlich der Wortwahl analysierte. Später lernte ich in Duisburg den Soziolinguisten Professor Ammon kennen. Er hat die Varietätenlinguistik in Deutschland wesentlich bekannt gemacht. Für uns war es selbstverständlich, dass wir eine eigene deutsche Sprachvarietät mit Transsilvanismen und Rumänismen haben. In Deutschland war das weniger bekannt. Tragisch ist, dass das Rumäniendeutsche erst stärker wissenschaftlich wahrgenommen wurde, als unsere Sprachgemeinschaft durch die Auswanderung bereits stark geschrumpft war. 2016 konnte ich mich mit über 50 Jahren noch einmal intensiv mit diesem Thema beschäftigen.<br />
<i>Wie verändert sich die Sprache, wenn zwei Sprachen nebeneinander gesprochen werden?<br /></i>
<i><br /></i>Man übersetzt automatisch. Solche Entwicklungen sind für die Varietätenlinguistik interessant. Gleichzeitig sollte man darauf achten, dass daraus nicht einfach falsches Deutsch wird, besonders bei Kindern, die hier Deutsch lernen und später in Deutschland studieren möchten.<br />Die deutschsprachigen Zeitungen und die muttersprachlichen Lehrer spielen in Ermangelung von Wörterbüchern und anderer Instanzen der Sprachpflege eine wichtige normative Rolle. Die ADZ, die Hermannstädter Zeitung und andere Zeitungen sind wichtige Beobachter dieser Entwicklung und zugleich eine Verbindung zu den Ausgewanderten.<br />
<i>Wie hat sich Ihr Verhältnis zur Heimat verändert?<br /></i>
<i><br /></i>Ich wurde zeitweise als Rückkehrerin bezeichnet. Meine Rückkehr war zunächst aus der Not geboren. In Deutschland hatte ich lange Probleme am Arbeitsplatz und gesundheitliche Beschwerden. Ich bekam die Möglichkeit, mich für längere Zeit freistellen zu lassen und in Rumänien zu leben.&nbsp;In Hermannstadt konnte ich eine Wohnung mieten, reisen, Freunde treffen und hatte die Möglichkeit, die Reste der verschiedenen Gartenformen in der Kirchenburgenlandschaft kennenzulernen und mich mit alten Obstsorten zu beschäftigen. Dadurch hatte ich einen großen Vorteil gegenüber Menschen, die ihre Heimat nur in Erinnerung haben. Ich habe rumänische Freunde gefunden und auch Sachsen kennengelernt, die nie ausgewandert waren. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich in Deutschland sozialisiert worden bin und dort vieles selbstverständlich ist. Wenn ich nach Rumänien komme, verstehe ich wiederum, warum viele Sachsen ausgewandert sind. Heute könnte ich nicht ausschließlich hier leben, Deutschland ist ebenfalls meine Heimat.<br />
<i>Was bedeutet Heimat für Sie heute?<br /></i>
<i><br /></i>Heimat bedeutet für mich, dass ich eine Heimat suche, dass die Seele ihre Flügel ausbreitet und die Heimat sucht. Dieses Nicht-Angekommen-Sein spüre ich noch, aber anders als früher. Ich bin in Deutschland zu Hause, wenn ich will, und ich bin hier zu Hause. Wenn Menschen um mich sind, die sich für mich interessieren, und wenn es mir gut geht, kann ich hier zu Hause sein, aber genauso in Deutschland.<br />Heimat hat für mich nicht mehr dieses Schwere. Das Gefühl „Ich habe die Heimat verloren“ habe ich nicht mehr. Deshalb kann ich jedem Ausgewanderten empfehlen, für längere Zeit nach Rumänien zu kommen.<br />
<i>Sie beschäftigen sich mit dem Batull-Apfel. Was bedeutet diese alte Sorte für Sie?<br /></i>
<i><br /></i>Der Batull ist eine Apfelsorte, die man Siebenbürgen zuschreibt. Tatsächlich gibt es eine schriftliche Bestätigung von einem Pomologen in Deutschland. Darin steht, dass der Batull die „siebenbürgische Nationalsorte“ sei. Er heißt auf Französisch auch „Pomme de Transylvanie“. Dieser Apfel wächst allerdings nicht nur in Siebenbürgen, sondern auch in ganz Rumänien und in anderen Teilen Europas.<br />Es ist interessant, sich mit seiner Herkunft zu beschäftigen, aber das ist nicht mein vordergründiger Ansatz. Man findet auch bei Schulerus, dem Pfarrer und Lehrer, Literatur dazu. Ich kann Studenten nur ermutigen, die sich für dieses Thema interessieren. Es gibt eine Menge Themen, über die man wissenschaftliche Arbeiten schreiben könnte. Der Batull hat bei den ausgewanderten Siebenbürger Sachsen immer etwas mit Heimat zu tun. Ich habe nach einem Artikel, der in der Siebenbürgischen Zeitung erschienen ist, viele Geschichten zugeschickt bekommen, die Leute wollten alle einen Batull haben.<br />Dann habe ich eine Baumschule in Deutschland gesucht und gefunden. Dort gab es einen Pomologen, der sich auskannte. Er hat sich darauf eingelassen und 200 Bäumchen gemacht. Es gibt dort bei Bremen immer noch welche. Inzwischen kosten sie 90 Euro, weil sie älter sind. So hat das angefangen.<br />Warum ich mich mit dem Batull beschäftigt habe, hat aber vor allem mit meiner Großmutter und ihrem Garten in Brenndorf zu tun. Es gab Sommeräpfel und Herbstäpfel und all diese verschiedenen Sorten. Und eben auch einen Batull. Der Name ist mir natürlich in Erinnerung geblieben. Was dann passiert ist: Meine Oma ist zehn Jahre nach uns ausgewandert, 1987. Wenn sie gewusst hätte, dass zwei Jahre später der Eiserne Vorhang fällt, hätte sie es vielleicht noch ausgehalten und wäre in ihrem Haus, in ihrem Garten und mit ihrem Hund geblieben. Meine Oma hat noch lange gelebt, ungefähr 20 Jahre. Sie hat nächtelang geweint. Sie hat diesen Garten vermisst. Dadurch, dass sie immer wieder richtig gejammert hat, ist mir das so in Fleisch und Blut übergegangen.<br />Oft habe ich gedacht: „Jetzt hör doch endlich mal auf. Man kann doch nichts dagegen machen.“ Tatsächlich wurden die Bäume nach der Auswanderung ihrer Besitzer gleich abgeholzt oder verarbeitet. Das Leiden meiner Oma hat mich aber sehr bewegt. So wurde aus einer persönlichen Erinnerung ein kleines Projekt.<br />
<i>Was hat Ihnen das Honterus-Lyzeum fürs Leben mitgegeben und was bedeutet es heute für Sie?<br /></i>
Vor allem ein breites Allgemeinwissen und eine sehr gute sprachliche Ausbildung. Wir lernten in zwei Sprachen und ab der siebten Klasse auch Latein. Wir haben viel gelernt und uns gegenseitig zum Lernen angespornt. Den Schwächeren wurde geholfen. Im Nachhinein glaube ich, dass wir es mit einer Eliteschule zu tun hatten. Nicht, weil sie so genannt wurde, sondern wegen des Niveaus und der zweisprachigen Ausbildung.<br />Wenn ich hier auf dem Kirchhof stehe und das altehrwürdige Gebäude, die rumänische und die europäische Fahne sehe, bedeutet mir das sehr viel. Auch Johannes Honterus ist für mich heute besonders wichtig. Durch mein späteres Theologiestudium in Hermannstadt ist mir seine Bedeutung noch bewusster geworden. Er hat die Reformation in Siebenbürgen entscheidend geprägt und damit auch die Geschichte der Siebenbürger Sachsen.<br />Ich glaube, die Schule wird weiterbestehen. Und ich hoffe, dass sie weiterhin so europäisch bleibt. Für die junge Generation wünsche ich mir, dass sie im Sinne der europäischen Werte die Zukunft Rumäniens mitgestalten kann. Darauf setze ich große Hoffnung.<br />
<i>Vielen Dank für das Gespräch!<br /></i><br />Brunhilde Böhls auf dem Honterushof, 2026. Foto: Bernice Krech-Lițoiu<b></b><br /><br /><br />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 11 Sep 2026 07:29:00 +0000</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Bartholomäusfest 2026</title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/bartholomaeusfest-2026/</link>
			<description>Vortrag der Kunsthistorikerin Corina Dovids</description>
			<content:encoded><![CDATA[Vortrag der Kunsthistorikerin Corina Dovids
Liebe Gemeinde,&nbsp;<br />heute richten wir unsere Blicke auf den Hochaltar unserer Kirche, in dem Versuch ein besseres Verständnis über die Aussage dieses auf uns gekommenen sakralen Vermächtnisses zu erlangen und über die Auswahl des zentralen Spruchs “Die Wahrheit wird euch frei machen” und der übermittelten Botschaft, zu erlangen. Wir versuchen die Absicht der Gemeinde als Auftraggeber zu verstehen, als sie 1791 Tischlermeister Biegler den Auftrag erteilte, einen neuen Altar für die Kirche zu errichten. Im Zuge der Umbaumaßnahmen im 18. Jahrhundert wurde die Orgel aus dem Altarraum entfernt und auf die neu errichtete Empore gebracht. Die Situation im Altarraum vor dem Umbau, können wir uns heute so ähnlich wie den Altarraum in Weisskirch vorstellen, wo die Orgel über dem Altar thront. In Bartholomae war es durch die Versetzung der Orgel auf die Empore möglich, mehr natürliches Licht im Altarbereich einströmen zu lassen. Es handelt sich um den Wandel von der seit dem Mittelalter bestehenden wichtigen Rolle der Musik in der Liturgie zum neu aufkommenden Illuminismus. Über der Altarmensa erhebt sich der Sockelbereich mit der Inschrift “Die Wahrheit wird euch frei machen&quot; aus dem Johannesevangelium. Dadurch ist dem tragenden Sockel die zentrale Rolle als stützende Kraft für die freistehenden Säulen und Nischen zugeschrieben. Die seitlichen Enden des Sockels sind unter dem äußeren Säulenpaar als eingerollte Voluten einer antiken Schriftrolle nachempfunden. Sie verbildlichen damit die stützende Kraft und wortwörtlich tragende Rolle der Schrift. Im Gegensatz dazu sind die Postamente der inneren Säulen unter dem Gewicht der mittleren Nische mit der Kreuzigung Christi deutlich gestaucht. Die tragende Kraft und das Gewicht heben sich gegenseitig auf und betonen den transzendentalen Charakter des gesamten Altars, der als Ebenbild einer spirituellen Ebene hier als Darstellung geboten wird. Die freistehenden Säulen um die gerahmten Nischen zeigen eine an antike Triumphbögen angelehnte Formensprache. Es ist die Zeit, aus der uns die Texte und Berichte über das Leben Christi und seiner Jünger überliefert sind. Die vier lebensgroßen Figuren der Evangelisten treten aus diesen Nischen hervor und lassen uns an einer heiligen Szenerie um den Gekreuzigten Christus teilhaben. Sie erscheinen in langen Gewändern mit reich vergoldeten Umhängen. In den seitlichen Nischen wirken Lukas und Matthäus über die aufgeschlagene Schrift nachsinnend, während Johannes und Markus in der mittleren Nische in einem Dialog begriffen zu sein scheinen. Die Evangelisten sind von ihrem jeweiligen Symboltier begleitet. Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler. Johannes, der gleichzeitig Jünger und Apostel Jesu war, hält den Abendmahlskelch und das Evangelium. Der Abendmahlskelch symbolisiert ebenso wie die Darstellung des Christus am Kreuz, das dargebrachte Opfer für die Menschheit.&nbsp;<br />Durch das Abendmahl und den Kelch wird auf die Verbindung zwischen dem Gekreuzigten Christus und der Gemeinde eingegangen. So richtet Johannes seinen Blick nach unten in den Kirchenraum, in dem gemeinsam das Abendmahl gefeiert wird. In der zentralen Nische über dem Gekreuzigten wiederholen eingerollte Ranken das Motiv der seitlich tragenden Voluten des Altars und sind durch vergoldete Festons zu einer festlichen Schleife verbunden. Es handelt sich um eine Anlehnung an das antike Motiv des Siegesknoten und steht für Kraft, Schutz und eine unlösbare Verbindung. Die Dornenkrone schmückt den Bereich am Übergang der Säulen in die nächste, lichtdurchflutete Ebene, in der das wachsame Auge Gottes im Dreieck der heiligen Dreifaltigkeit schwebend erscheint. Sie symbolisiert die Allgegenwart Gottes und die Einheit von Vater, Sohn und Heiliger Geist. Ein goldener Strahlenkranz umgibt das Auge Gottes und verkörpert das göttliche Licht, das durch die Lanzettfenster in den Chorraum einfällt und den Altar umhüllt. Die Goldfarbene Fassung der Säulenkapitelle, die vergoldeten Umhänge der Evangelisten das Lendentuchs Christi sowie die Vergoldung in der Girlanden und das Muschelwerk der Nischen setzen sich bis nach unten, im Bereich des tragenden Sockel fort, wo mit goldenen Buchstaben der Spruch “Die Wahrheit wird euch frei machen” erscheint. Diese Vergoldung veranschaulicht die Allgegenwart des göttlichen Lichts und ist nicht nur als reines Ornament zu verstehen. Sie ist eine Einladung dem Licht Gottes und somit der im Sockel zitierten Wahrheit zu folgen. Das Licht und die goldfarbene Fassung der Details können wir als Brücke zwischen Himmel und Erde verstehen. Die Farben der Gewänder der 4 Evangelisten strahlen wie ein Echo über und hinter dem Altar, wo sie die Säulen und Gewölbegrate des Chorraums einfärben. Diese Farben haben ebenfalls eine liturgische Bedeutung und werden vor uns durch das göttliche Licht sichtbar. Rot steht für das Blut, Grün für die Hoffnung, Violett für die Buße.<br />Ausgerichtet auf die Bedeutung des zentralen Spruchs “Die Wahrheit wird euch frei machen” wurde hier ein stimmiges Gesamtkonzept in Szene gesetzt. Das kostbare Wissen, das uns die Evangelien übermitteln, über ein gut geführtes Leben, frei von Schatten und Finsternis, wie durch Überwindung von Unwissen, Angst und Tod, der Bedeutungslosigkeit im Leben entkommen kann. Es ist eine Einladung zum vertrauensvollen Umgang miteinander, in Güte und Zuneigung einander zu begegnen und wahre Fülle gemeinsam zu kultivieren. Sich über den Reichtum der Gemeinde zu erfreuen, welches die Gemeindemitglieder selbst darstellen und durch Pflege und Sorge füreinander diesen Reichtum zu erhalten und über Generationen weiterzureichen. Dieser Gedanke wird in den reich mit Blumen geschmückten Vasen sichtbar, in denen der Altar gipfelt. Durch vergoldete Weinranken erinnert es erneut an das dargebrachte Opfer Christi und die Verbindung zur Gemeinde im heiligen Sakrament des Abendmahls, ein Zeichen von Gottes Liebe und Vergebung.<br />Auszug aus den Lübecker Christusklagen:&nbsp;<br />Ihr nennt mich Wahrheit und glaubt mir nicht<br />Ihr nennt mich Weg und geht mich nicht<br />Ihr nennt mich Meister, so fragt mich doch<br />Ihr nennt mich Licht so seht mich doch<br />Es muss erwähnt werden, dass die Bartholomäer Gemeinde erst 1862 die Abspaltung von der Schwarzen Kirche gelang, dadurch sind der Altar und das Bildprogramm vermutlich ein Ergebnis der Gemeinde um die Schwarze Kirche. Der leicht vorspringende Mittelteil und die dadurch geschwungene Linie im Grundriss sowie der Einsatz von Stuckmarmor und die Inszenierung der Figuren, die an ein Theatrum Sacrum erinnern, erlauben uns den Altar als ein spätbarockes Werk einzuordnen. Die Figuren der Evangelisten und des gekreuzigten<br />Christus zeigen eine grosse Nähe zu den Figuren in der Obervorstädter Kirche, die heute, laut Herrn Dr. Ziegler, die geschnitzten Figuren aus dem VorgängerAltar der Schwarzen Kirche beherbergen.<br /><br />

Foto: Der Hauptaltar der Bartholomäer Kirche in Kronstadt stammt aus dem Jahr 1791. Er wurde nach dem schweren Erdbeben von 1822 in seiner heutigen, klassizistischen Form umgestaltet.]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 11 Sep 2026 07:26:00 +0000</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Über die Herkunft eines wunderbaren Gebäcks</title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/ueber-die-herkunft-eines-wunderbaren-gebaecks-1/</link>
			<description>Das Burzenland als Wiege des Baumstriezels (II)
</description>
			<content:encoded><![CDATA[Das Burzenland als Wiege des Baumstriezels (II)<br /><br />In der ehemaligen DDR musste jeder größere Industriebetrieb auch ein Haushaltgerät herstellen. So gab es mindestens drei Betriebe die solche Broilergrills herstellten. Die müssen millionenfach hergestellt worden sein, denn es gab sie auch in Polen, Ungarn und Bulgarien und sogar im Westen wurden sie unter einem anderen Verkaufsnamen vertrieben. Hauptsächlich diese meist über 40jährigen Geräte werden heute im Internet angeboten.&nbsp;
Diese Geräte müssen aber technisch umgebaut werden. Einige der wichtigsten technischen Änderungen:&nbsp;<br />-Der Grill muss für die Aufnahme der Holzwalze, anstelle des Spießes auf dem die Hähnchen befestigt wurden, umgerüstet werden.<br />-Die Hähnchengrills haben alle eine Glastür, durch die das Braten der Hähnchen beobachtet werden konnte. Diese Glastüren einiger Hersteller haben oben einen freien Spalt. Dieser muss verschlossen werden, um das Entweichen der zum Backen benötigten Hitze zu unterbinden.&nbsp;&nbsp;<br />-Die Holzwalzen müssen an jedes Gerät genau angepasst werden.&nbsp;&nbsp;<br />Einige nützliche Hilfseinrichtungen, die das Backen erleichtern:&nbsp;&nbsp;<br />-Haltevorrichtung zum Abstellen und Drehen der Holzwalzen. Diese werden auch zum Bearbeiten und Schmieren des aufgetragenen Teiges genutzt.<br />-Schablone um den Teig auswalken, abgestimmt auf die Größe der Walze.&nbsp;
Mit dem Bau dieser Backgeräte hat Martin Götz-Lurtz dazu beigetragen, dass das Backen von Baumstriezel in kleinem Rahmen und in der häuslichen Küche möglich wurde. Diese von Martin Götz-Lurtz entwickelten Backvorrichtigen aus Hähnchengrills hat Karl-Heinz Brenndörfer weiter entwickelt. Nach über 30-jähriger Erprobung können die Holzwalzen bei Elektroheizung aus Nadelholz gefertigt werden. Die Aufnahme in die Drehvorrichtung jedoch wird aus Hartholz eingeklebt. Die Holzwalzen haben die Größe D=120 x 300 mm und werden aus Leimholz gefertigt, wodurch sie leicht und sehr handlich sind. Zusätzlich zum Elektroantrieb hat er noch eine Handebene eingebaut, mit Hilfe derer eine äußerst regelmäßige Karamellisierung erzielt oder auch nur von Hand gedreht gebacken werden kann.<br />Die von obigen Handwerkern entwickelten Geräte sind technisch ausgereift. Durch ihren Beitrag ist das Backen des Baumstriezels technisch gelöst, bleibt aber weiterhin ein arbeitsintensives Gebäck. Es ist auch nicht in Sicht, wie die vorbereitenden Arbeitsgänge (außer Kneten und Auswalken des Teiges) mechanisiert oder automatisiert werden können. Durch die Entwicklung obiger Geräte wird in Deutschland um ein Vielfaches mehr Baumstriezel gebacken als in unserer alten Heimat.&nbsp;<br />&nbsp; &nbsp;
Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Rumänien 1989 gab es die Zutaten wieder in ausreichender Menge und Qualität und so erlebte der Baumstriezel eine Renaissance. Nachdem aber die meisten Sachsen ausgewandert waren, wurde er von den Széklern propagiert und verbreitet. Über Ungarn, Tschechien (Trdelnik) wurde er bis England (chimney cake) verbreitet und wird leider als ungarisches Gebäck bezeichnet.
Der Baumstriezel ist somit zu einem kommerziellen Massenprodukt geworden. Der Trend geht zu kleinen und kleinsten Einheiten, die kaum noch Ähnlichkeit mit dem klassischen, mit der Schere aufgeschnittenen Baumstriezel haben. Auch die Backvorrichtungen sind diesem Trend angepasst. Es gibt inzwischen umgebaute Kebab-Öfen bis hin zu professionell oder fabrikmäßig hergestellte Backöfen, mit Gas oder mit Strom beheizt mit bis zu 12 simultan backende Einheiten. Die Walzen zur Teigaufnahme sind oft aus Metall und mit dem Dorn zur Aufnahme in den Antrieb. Folgerichtig werden sie als Spieße bezeichnet. Ein Abstampfen ist somit nicht möglich, ist aber auch bei der oft übertriebenen Konizität der Walzen nicht notwendig. Der ausgewalkte Teig wird in Streifen geschnitten und elikoidal aufgetragen. Dieses ist ein Relikt aus der kommunistischen Zeit, als auf diese Art das Abfallen des Teiges verhindert wurde. Dass der sowieso ausgewalkte Teig als Fläche aufgetragen und geklebt werden kann, ist anscheinend nicht bekannt. Um den ausgewalkten Teig in Streifen zu schneiden, gibt es Teigschneider mit bis zu fünf Schneidrollen. Es gibt aber auch Auswüchse wie das Bestreuen mit Zimt, Mandeln, Haselnüssen, Kokossplittern, Krokant, Mohn, Walnüssen, neulich sogar mit Schokolade, Käse und Schinken. Leider haben die Erfinder dieses Gebäcks vergessen ihm auch einen Namen zu geben und missbrauchen die Bezeichnung Baumstriezel dafür. Rezepte zur Teigherstellung werden meist geheim gehalten.&nbsp;<br />Etwa ab 2010 fand die weltweite Verbreitung statt. Heute ist der Baumstriezel in Singapur, Malaysia bis Neuseeland unter der Bezeichnung chimney cake und dank der in China gebauten Backgeräte, angekommen.&nbsp;&nbsp;<br /><br />Karl-Heinz Brenndörfer<br /><br /><br /><br /><br />Foto: Elektrisches Backgerät, mit dem in jeder Küche richtiger Baumstriezel&nbsp; &nbsp;gebacken werden kann.<br /><br /><br />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 11 Sep 2026 07:24:00 +0000</pubDate>
			
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