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		<title>Karpatenrundschau</title>
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			<title>Karpatenrundschau</title>
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		<lastBuildDate>Fri, 29 May 2026 05:08:00 +0000</lastBuildDate>
		
		
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			<title>Krisenfestigkeit über Generationen hinweg</title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/krisenfestigkeit-ueber-generationen-hinweg/</link>
			<description>Dr. Stephan Werhahn stellt sein neues Buch im Kronstädter Forum vor</description>
			<content:encoded><![CDATA[Dr. Stephan Werhahn stellt sein neues Buch im Kronstädter Forum vor
Wie übersetzt man das politische Erbe eines der prägendsten Staatsmänner der europäischen Nachkriegsgeschichte in eine Gegenwart, die von Dauerkrisen geschüttelt wird? Diese Kernfrage brachte am Montagabend, dem 18. Mai, eine ganz besondere Dynamik in den Festsaal des Demokratischen Forums der Deutschen in Kronstadt (DFDK). Im Rahmen der „Deutschen Vortragsreihe“ und in enger Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung präsentierte Dr. Stephan Werhahn – Wirtschaftsexperte, Jurist, Philosoph und Enkel des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer – sein neues Buch „Europas Resilienz für Frieden, Freiheit und Wohlstand: Strategien und Lösungen über Generationen hinweg“.<br />
In seiner Begrüßungsrede rief Paul Binder, der Vorsitzende des Kronstädter Ortsforums,&nbsp; eine historische Perspektive in Erinnerung, die er vor rund 15 Jahren aus den Arbeiten des Historikers Thomas Nägler mitgenommen hatte: Siebenbürgen als ein „kleines Europa“, das in seiner jahrhundertealten Geschichte im Kleinen das vorweggenommen hat, was die Europäische Union heute im Großen darstellt – ein friedliches, produktives und multikulturelles Zusammenleben verschiedener Ethnien und Konfessionen.&nbsp;<br />
Dr. Ioana Andrea Diaconu, Leiterin des Deutschen Kulturzentrums Kronstadt und mitverantwortlich für das Zustandekommen der Veranstaltung, drückte ihren Dank an Stephan Werhahn und das gesamte Organisationsteam aus. Die Möglichkeit, im Rahmen dieser Vortragsreihe „neu einzusteigen“ und den Mitgliedern sowie Freunden des Forums frische Perspektiven und neue Themenkomplexe zu eröffnen, sei von unschätzbarem Wert für die zukünftige Ausrichtung der Institution.<br />
Die Veranstaltung, von Dr. Stefan Hofmann, Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bukarest, als „intellektuelles Geburtstagsfest“ anlässlich des 150. Geburtstags von Konrad Adenauer bezeichnet, bot den Gästen weit mehr als eine klassische Autorenlesung. Es wurde ein Abend der schonungslosen Analysen, gefolgt von einer Diskussion mit dem Publikum.<br />
Das Erbe des Großvaters: Flexibilität aus Prinzip<br />
Einführend spannte Stefan Hofmann den Bogen zur historischen Figur Adenauers, dessen politischer Kompass von unumstößlichen Werten, aber auch von genialem Pragmatismus geprägt war. In Zeiten extremen Mangels nach dem Zweiten Weltkrieg bewies der einstige Kölner Oberbürgermeister nicht nur erfinderischen Überlebenswillen – etwa mit der Entwicklung von Sojabrot oder einem beleuchteten Stopfei –, sondern vor allem strategischen Weitblick. Seine Meilensteine wie die unumkehrbare Westbindung, die europäische Integration und die Soziale&nbsp;Marktwirtschaft bilden bis heute das Fundament.<br />Dr. Stephan Werhahn knüpfte in seinem Vortrag direkt an diese Mentalität seines Großvaters an. Eines der wichtigsten Führungsprinzipien Adenauers sei es gewesen, stets eine unerschütterliche Vision zu verfolgen, sich bei Blockaden jedoch völlig flexibel anderer Wege zu bedienen. Als 1954 die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) im französischen Parlament scheiterte, steuerte Adenauer kurzerhand um und sicherte den NATO-Beitritt Deutschlands. Genau diese visionäre, aber anpassungsfähige Entschlossenheit forderte Werhahn auch für das heutige Europa, das sich innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte radikal krisenfest umgestalten müsse.<br />
Hebel für ein starkes Europa<br />
Werhahn erläuterte die aktuellen Schwachstellen der Europäischen Union und stellte ihnen einige der im Buch ausgearbeiteten Lösungsansätze gegenüber:<br />
Migration und die Partnerschaft mit Afrika<br />
Bis zum Jahr 2050 wird Afrikas Bevölkerung um eine weitere Milliarde Menschen anwachsen. Werhahn warnte vor den populistischen Scheinlösungen rechter Parteien in Europa, die Angst schüren. Stattdessen forderte er eine strategische Win-Win-Situation: Massives europäisches Investment in afrikanische Start-ups und Wertschöpfungsketten vor Ort. Als Beispiel nannte er ein Projekt aus seiner eigenen Praxis, bei dem junge Afrikaner digital im IT-Bereich ausgebildet werden. Sie bleiben in ihrer Heimat, arbeiten aber via Internet für den europäischen Markt und lindern dort den Fachkräftemangel. Gleichzeitig kritisierte er die deutsche Migrationspolitik, die falsche Anreize setze, Flüchtlinge zu schnell finanziere und qualifizierte Fachkräfte abschrecke.<br />
Sicherheit durch einen europäischen Verteidigungsbund<br />
Angesichts geopolitischer Verschiebungen plädiert Werhahn für einen eigenständigen Europäischen Verteidigungsbund, der im Gegensatz zur EU abseits des Einstimmigkeitsprinzips mit qualifizierten Mehrheiten entscheidet und auch Nicht-EU-Staaten wie Großbritannien einbezieht. Die Integration müsse vor allem über gemeinsame Rüstungstechnologie erzwungen werden – ähnlich wie es in den 1990er-Jahren beim Aufbau der Airbus-Gruppe oder im Schienenverkehr (ICE/TGV) gelang, den Werhahn bei Siemens selbst mitgestaltete.<br />
Konsequenter Föderalismus<br />
Werhahn fordert eine strikte Rückbesinnung auf das Subsidiaritätsprinzip. Entscheidungen müssen radikal auf der untersten Ebene, angefangen beim Bürger, dann über die Kommune, getroffen werden. Erst wenn eine Aufgabe dort nicht gelöst werden kann, wandert die Kompetenz eine Stufe höher. Das stärke die politische Verantwortung an der Basis.<br />
Demografie und Steuern<br />
Das umlagefinanzierte Rentensystem, das unter Adenauer auf fünf Beitragszahler pro Rentner ausgelegt war, steuert durch den demografischen Wandel auf ein unhaltbares 1:1-Verhältnis zu. Werhahn schlägt eine grundlegende Reform vor: Das veraltete Ehegattensplitting muss durch ein echtes „Familiensplitting“ ersetzt werden, bei dem Kinder steuermindernd wirken, um echte finanzielle Anreize für junge Familien zu schaffen.<br />
Wirtschaftskrise und europäische Öffentlichkeit<br />
Hohe Energiekosten, lähmende Bürokratie und eine oft ideologisch geprägte statt technologieoffen geführte Klimapolitik bremsen Europas Innovationskraft. Zudem bemängelte er das Fehlen einer echten „europäischen Öffentlichkeit“. Neben Englisch als klarer Arbeitssprache brauche es transnationale Medienformate nach dem Vorbild des Senders ARTE, um Missstände länderübergreifend aufzudecken.<br />
Europas Resilienz beginnt genau hier<br />
Dass Werhahns Thesen den Nerv der Kronstädter Zuhörer trafen, zeigte sich in der anschließenden Diskussion, die vom Publikum gut genutzt wurde. Nach der Diskussion bedankte sich Stefan Hofmann bei allen Beteiligten für die Vorbereitung. In einer humorvollen Metapher lobte er das Team und die Kooperationspartner vom Deutschen Kulturzentrum, die sich mit so viel Elan „in die Menschen geworfen“ hätten, „fast wie bei einem Metallica-Konzert“.<br />Dieses Schlusswort entließ die Gäste in einen weiteren, lockeren Austausch bei Getränken und kleinen Speisen. Die mitgebrachten Buchexemplare konnten gegen eine Spende erworben werden. Am Ende blieb die Gewissheit: Europas Resilienz ist kein abstraktes Konstrukt aus Brüssel oder Bukarest – sie beginnt genau hier, im lebendigen, generationenübergreifenden Dialog an der Basis unserer Gemeinschaft.<br />
Bernice Krech-Litoiu


Stephan Werhahn erwähnte bei seinem Vortrag europäische Probleme mit Lösungsvorschlägen. Foto: die Verfasserin]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 29 May 2026 05:08:00 +0000</pubDate>
			
		</item>
		
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			<title>Das Forum als Ort der Begegnung</title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/das-forum-als-ort-der-begegnung/</link>
			<description>Tag der offenen Tür empfing viele Gäste</description>
			<content:encoded><![CDATA[<br />Tag der offenen Tür empfing viele Gäste<br /><br />Im Festsaal des Demokratischen Forums der Deutschen in Kronstadt herrschte am Dienstag ein reges Kommen und Gehen. Zum ersten Tag der offenen Tür hatten die Damen vom Handarbeitskreis des Forums den ganzen Nachmittag über Gäste mit selbstgebackenem Kuchen empfangen. Kinder, Erwachsene und Senioren nutzten die Gelegenheit zum Austausch und zum Kennenlernen der deutschen Gemeinschaft in der Stadt.&nbsp;<br />Auf den Tischen standen selbstgebackene Kuchen, von Kremschnitten über Greta-Garbo-Gebäck und Gitterkuchen bis hin zu Hanklich und Rhabarberkuchen. Die dazugehörigen handgeschriebenen Rezepte konnten Besucher mitnehmen. Sogar rohen Rhabarber gab es zum Mitnehmen.&nbsp;<br />Man freute sich über den einen oder anderen vertrauten Geschmack, erfragte genaue Tipps zur Zubereitung der Kuchen, tauschte sich mit den Damen über Lieblingsrezepte und Backtraditionen aus. Dabei wurden auch Erinnerungen an frühere siebenbürgisch-sächsischen Festtage und deren typische Speisen wach.&nbsp;<br />Auch die Kinder hatten ihren Spaß, und zwar nicht nur am Kuchen. Während der Veranstaltung durften sie Musikinstrumente ausprobieren, die von Matthias Roos vom Music Lab zur Verfügung gestellt worden waren. Einige Kinder bliesen minutenlang in alle Blasinstrumente der Reihe nach, andere begeisterten sich für das Schlagzeug, und schon bald hatten die zahlreichen Kinder eine kleine Band gegründet.<br />„Der Tag der offenen Tür soll dazu beitragen, dass das Forum als offener Begegnungsraum für alle Altersgruppen wahrgenommen wird. Gleichzeitig wollen wir die Zielgruppe weiter ausbauen“, erklärte Annika Racher, Ifa-Kulturmanagerin in Kronstadt und Initiatorin der Veranstaltungsreihe „Tag der offenen Tür“. Die Treffen richten sich nicht nur an Forumsmitglieder und Sympathisanten, sondern an die breite Öffentlichkeit und sollen zunächst bis August einmal monatlich stattfinden. Sie Geplant sind wechselnde Themenschwerpunkte rund um die deutsche Gemeinschaft in Kronstadt.&nbsp;<br />Die nächste Veranstaltung am 9. Juni, zwischen 14 und 18 Uhr, soll der Stadtgeschichte und historischen Gebäuden gewidmet sein – es wird aber wieder Kaffee und Kuchen serviert und die Kinder dürfen wieder musizieren.&nbsp;
Laura Capatana Juller<br /><br /> 
Im Forumsfestsaal wurden Kuchenzrezepte ausgetauscht.&nbsp;Foto: die Verfasserin
]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 29 May 2026 05:07:00 +0000</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>„Qualität ist mir wichtiger als Quantität“ – als After-School-Leiterin, Ski-Lehrerin und Mama</title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/qualitaet-ist-mir-wichtiger-als-quantitaet-als-after-school-leiterin-ski-lehrerin-und-mam/</link>
			<description>Interview mit Honterus-Absolventin Tiffany Neama</description>
			<content:encoded><![CDATA[<br />Interview mit Honterus-Absolventin Tiffany Neama<br /><br /><b>Sämtliche ehemalige Schüler des Johannes-Honterus-Lyzeums sind heute in aller Welt verteilt und gehen den unterschiedlichsten beruflichen Wegen nach. Tiffany Neama, geborene Helm hingegen hat sich bewusst dafür entschieden, in Kronstadt zu bleiben. Hier engagiert sie sich für die Arbeit mit Kindern und trägt durch ihre Tätigkeit in einer kleinen, familiären After-School-Einrichtung zum Erhalt und zur Förderung der deutschen Sprache in Kronstadt bei. Im Interview mit KR-Redakteurin Bernice Krech-Lițoiu spricht sie über ihre Schulzeit, ihren beruflichen Werdegang, ihre Motivation sowie über Herausforderungen und Chancen der pädagogischen Arbeit vor Ort.<br /></b>
<i>Liebe Tiffany, möchtest du dich kurz vorstellen und ein wenig über deinen Werdegang erzählen?<br /></i>
Sehr gerne. Ich heiße Tiffany Neama und bin gerade 28 Jahre alt geworden. Ich wurde in Kronstadt geboren und bin in Neustadt aufgewachsen, wo meine Eltern ein familienähnliches Kinderheim gegründet und geleitet haben. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, eine ganz besondere Kindheit zu erleben, weil ich immer von vielen Kindern und Aktivitäten umgeben war. Ich war Schülerin am Johannes Honterus Lyzeum – von der ersten bis zur zwölften Klasse. Nach dem Abitur bin ich in Kronstadt geblieben und habe an der Transilvania-Universität Pädagogik für Vorschul- und Grundschulbildung studiert. Im Jahr 2020 habe ich meinen Ehemann Raul geheiratet, und zwei Jahre später wurde unser erster Sohn geboren. Heute habe ich zwei Söhne, bin Vollzeitmutter und leite zusätzlich ein kleines After-School-Programm, das ich ebenfalls 2020 gegründet habe.<br />
<i>Wie kam es dazu, dass du bereits als Kind Deutsch gelernt hast?&nbsp;<br /></i>
Meine Mutter ist ebenfalls ehemalige Honterus-Schülerin und hat mir schon als Kind Deutsch beigebracht. Außerdem war ich vier Jahre in einem deutschen Kindergarten.<br />
<i>Wie erinnerst du dich an deine Zeit am Johannes Honterus Lyzeum?<br /></i>
Die Erinnerungen an meine Zeit an der Honterusschule werden mich immer begleiten – angefangen vom Aufnahmetest im A-Gebäude am ersten Tag, über meine liebe Lehrerin Monica und meinen Klassenlehrer Herrn Fugaro bis hin zu all den schönen Traditionen wie Fasching oder das Honterusfest. Besonders die letzten vier Jahre haben mich stark fürs Leben geprägt. Ich erinnere mich sogar an den Geruch der Sporthalle oder der Chemie- und Informatiklabore. Es war eine wunderschöne Zeit, und ich hoffe, dass meine Kinder einmal ebenso schöne Erinnerungen sammeln werden.<br />
<i>Nach deinem Studium hast du die After-School gegründet. Wie kam es dazu?<br /></i>
Die Idee kam daher, dass meine Mutter ebenfalls eine After-School geleitet hat und ich ihr mehrere Jahre dabei geholfen habe. Ich liebe Kinder und den ganzen Lehr- und Lernprozess und so habe ich die After-School „Sterntaler“ gegründet. Zuerst habe ich einen Raum im Deutschen Kulturzentrum gemietet, später einen neben der Honterusschule, in der Synagoge. Als ich schwanger war, hat mein Mann dann bei uns im Garten ein kleines Haus dafür gebaut.<br />Mir war es immer wichtig, dass sich alles wie eine Familie anfühlt – mit einer gemütlichen und eben familiären Atmosphäre. Das ist bis heute so, denn aktuell sind nur zwölf Kinder eingeschrieben.<br />
<i>Was bietet deine After-School genau an?<br /></i>
<i><br /></i>Wir bieten die Abholung von der Schule, Mittagessen, Unterstützung bei den Hausaufgaben, ständige Betreuung sowie eine sichere und freundliche Umgebung. In der Freizeit und in den Sommerferien organisieren wir ein Sommerprogramm mit vielen Aktivitäten im Freien, Wanderungen, kreativen Workshops und Kochkursen – alles auf Deutsch.<br />Die Kinder werden um 12:45 Uhr abgeholt, spielen zunächst im Garten, essen gemeinsam zu Mittag und beginnen dann mit den Hausaufgaben. Wir ermutigen sie, möglichst selbstständig zu arbeiten und nur dann Hilfe zu holen, wenn sie etwas nicht verstehen. Danach haben sie Freizeit zum Spielen oder bereiten sich auf den nächsten Tag vor. Es gibt auch Zusatzblätter – aber sie sind dann schon oft müde und brauchen einfach Zeit zum Spielen. Um 17 Uhr werden sie abgeholt. Wir versuchen, so viel wie möglich Deutsch mit ihnen zu sprechen. Dabei unterstützt mich auch eine Mitarbeiterin.<br />
<i>Was macht dir besonders Freude an der Arbeit mit Kindern?<br /></i>
<i><br /></i>Die Arbeit mit Kindern hat mir schon immer Spaß gemacht. Kinder sind ehrlich und lustig, und wenn man ein Herz dafür hat, kann man eine enge Verbindung aufbauen und sie gut verstehen. Mit Kindern ist vieles einfacher – mit den Eltern kann es manchmal herausfordernder sein.<br />
<i>Du gibst auch Skikurse, richtig?<br /></i>
<i><br /></i>Ja, das läuft parallel, teilweise auch kombiniert. Einige Kinder aus der After-School kommen auch zum Skifahren. Ich habe mit zwei Jahren angefangen und bin seitdem jedes Jahr gefahren – es war für mich später selbstverständlich, auch selbst zu unterrichten. Mit 18 habe ich den Skilehrerkurs gemacht und unterrichte seitdem jeden Winter – allerdings nur Kinder, nicht Erwachsene. Ich organisiere auch Skilager und habe mehrere Jahre Kinder aus der Deutschen Schule Bukarest in Poiana Brașov betreut.<br />
<i>Wie schaffst du das alles neben dem Mama-Sein?<br /></i>
<i><br /></i>Meine Söhne sind zwei und fast vier Jahre alt. Mutter zu sein ist wunderschön, ich habe mir das immer gewünscht – gleichzeitig natürlich auch herausfordernd. Zum Glück habe ich Unterstützung, besonders durch meine Mitarbeiterin bei der Afterschool, sodass ich mich aktuell mehr auf meine Kinder konzentrieren kann. Jetzt, wo die Kinder etwas älter sind, möchte ich mich auch beruflich wieder stärker einbringen. Sie gehen schon in den deutschen Kindergarten der Schwarzen Kirche und wir bringen ihnen auch Deutsch bei.<br />
<i>Findest du es wichtig, dass Kinder in Kronstadt weiterhin Deutsch lernen?<br /></i>
<i><br /></i>Ja, ich finde es sehr wichtig, dass die deutsche Sprache in Kronstadt weiterhin gelehrt und gelernt wird. Es wird allerdings schwieriger, qualifizierte deutschsprachige Lehrkräfte zu finden, und viele Fächer werden inzwischen auf Rumänisch unterrichtet – auch zu meiner Schuzeit schon – wodurch das Sprachniveau leider sinkt. Trotzdem hoffe ich, dass das Interesse bestehen bleibt, denn Deutsch hilft auch, das kulturelle Erbe der Region zu bewahren.<br />
<i>Wie siehst du die Zukunft deiner After-School? Und hast du weitere Pläne?<br /></i>
<i><br /></i>Ich wünsche mir, dass sie sich weiterentwickelt, aber nicht unbedingt größer wird. Das wird sich noch zeigen. Qualität ist mir auf jeden Fall wichtiger als Quantität. Seit ich Mutter bin, habe ich viele neue Ideen, aber weniger Zeit. Ich möchte mich auch beruflich weiterentwickeln und eventuell Grundschullehrerin an einer deutschsprachigen Schule werden.<br />
<i>Gibt es eine lustige Situation aus der After-School?<br /></i>
<i><br /></i>Bei uns geht es immer lebendig und lustig zu. Die Kinder spielen oft im Garten Ball und werfen ihn ständig über den Zaun. Ich habe bestimmt schon mindestens hundertmal gesagt, dass es dann keinen Ball mehr gibt, wenn sie ihn weiterhin über den Zaun werfen – aber irgendwie taucht immer wieder einer auf (lacht).<br />Welchen Rat würdest du jemandem geben, der mit Kindern arbeiten möchte?<br />Man muss wirklich dafür gemacht sein. Es ist nicht immer einfach, es kommen ja auch die administrativen Aufgaben und die Kommunikation mit den Eltern dazu. Aber es ist sehr erfüllend.<br />
<i>Wie verbringst du deine Freizeit?<br /></i>
<i><br /></i>Freizeit als Mutter sieht anders aus – eine Stunde im Fitnessstudio oder ein Kaffee mit einer Freundin ist schon viel. Am liebsten verbringe ich aber meine Zeit mit meinen Kindern und beobachte, wie schön sie aufwachsen und sich täglich entwickeln.<br />
<i>Gibt es eine lustige Anekdote aus deiner Schulzeit?<br /></i>
<i><br /></i>Ich würde sagen, dass die letzten vier Jahre im Lyzeum besonders lustig waren. Wenn mein Mann und ich heute spazieren gehen und an den B- und C-Gebäuden vorbeikommen, sprechen wir oft darüber. Wir waren nämlich in der neunten Klasse ein Semester lang Banknachbarn – dort hat alles begonnen. Wir waren einige Jahre gute Freunde, haben uns dann verliebt und schließlich geheiratet. Es ist sehr schön, neben jemandem zu leben, der fast die gleiche Kindheit und dieselben Schulerfahrungen hatte.<br />
<i>Und zum Schluss: Was bedeutet Kronstadt für dich?<br /></i>
<i><br /></i>Kronstadt ist mein Zuhause – der Ort, an dem ich geboren wurde, aufgewachsen bin und meine eigene Familie gegründet habe. Und es ist der Ort, an dem ich bleiben möchte.<br />
<i>Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die Zukunft!</i>

In ihrer After-School „Sterntaler“ setzt sich Tiffany für den Erhalt der deutschen Sprache in Kronstadt ein. Foto: privat&nbsp;<i><br /><br /></i><br /><br /><br /><b>Die Absolventen des Honterus-Lyzeums arbeiten heute, in der ganzen Welt verstreut, in allen denkbaren Bereichen- unter ihnen sind Star-Musiker, Informatiker, Top-Manager, Politiker, Schriftsteller, anerkannte Ärzte oder Architekten. Ob in London, Abu-Dhabi, Wien, Berlin, York, Bukarest oder Kronstadt- die meisten von ihnen denken gerne an ihre gemeinsame Schulzeit zurück. In der Karpatenrundschau werden wir in den nächsten Monaten einige der&nbsp;ehemaligen Honterianer vorstellen, die heute eine erfolgreiche Karriere haben. Falls Sie auch jemanden kennen, der das Honterus-Lyzeum absolviert hat und sich in seinem Bereich bemerkbar gemacht hat, können Sie uns gerne ihre Vorschläge auf kronstadt@adz.news zusenden. Wir freuen uns auf jede Idee!<br /></b>]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 29 May 2026 05:03:00 +0000</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Unter den Wörtern/Schreiben gegen den Krieg </title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/unter-den-woerternschreiben-gegen-den-krieg/</link>
			<description>Doppelausstellung Bachmann-Celan im Multikulturellen Zentrum der Transilvania-Uni</description>
			<content:encoded><![CDATA[<br />Doppelausstellung Bachmann-Celan im Multikulturellen Zentrum der Transilvania-Uni&nbsp;<br /><br />“Ich habe meine Jugend in Kärnten verbracht, im Süden, an der Grenze, in einem Tal, das zwei Namen hat- einen deutschen und einen slowenischen. Und das Haus, in dem seit Generationen meine Vorfahren wohnten-Österreicher und Windische-, trägt noch heute einen fremdklingenden Namen. So ist nahe der Grenze noch einmal die Grenze: die Grenze der Sprache- und ich war hüben und drüben zu Hause“. So beginnt die Prosaskizze „Biografisches“ von Ingeborg Bachmann. Die österreichische Schriftstellerin wuchs im Kärntner Gailtal auf. Die Erfahrung der geographischen und sprachlichen Grenze in dieser Region prägte ihr gesamtes Werk nachhaltig.&nbsp;<br />Auch der Dichter Paul Celan wuchs in einem Grenzgebiet auf- seine Geburtsstadt Czernowitz (damals Teil des Königreichs Rumänien, heute Ukraine) war einst ein multikultureller Schmelztiegel. Mit der sowjetischen und deutschen Besatzung verlor Celan diesen Ort unwiederbringlich. Die Erinnerung an diese verlorene Welt prägt viele seiner hermetischen und melancholischen Gedichte.&nbsp;<br /><br />Zwei Leben, zwei Welten, zwei Ausstellungen&nbsp;
Die zwei zentralen&nbsp; Figuren des deutschsprachigen literarischen Schaffens, Ingeborg Bachmann und Paul Celan, werden symbolisch durch zwei dokumentarische Ausstellungen wieder vereint, die ihren literarischen Werdegang, ihren Lebensweg sowie ihre Liebesbeziehung zeigen, die den Ursprung einer bewegenden Korrespondenz bildete – literarische Seiten von unvergleichlicher Kraft und Sensibilität. Das Österreichische Kulturforum und das Nationale Museum für Rumänische Literatur in Bukarest präsentierten&nbsp; die Ausstellung „Schreiben gegen den Krieg. Ingeborg Bachmann 1926-1973“ zusammen mit der Ausstellung „Paul Celan- unter den Wörtern“, ein Projekt, das den Kontext der Werke der beiden Autoren und ihre seelische Verbundenheit beleuchtet. Die Doppelausstellung wurde am Dienstag, dem 12. Mai, im Multikulturellen Zentrum der Translivania-Universität eröffnet.&nbsp;<br /><br />Bei der Veranstaltung boten Andrei Popov, stellvertretender Direktor und Mediensprecher beim Österreichischen Kulturforum, Adrian Lacatus, Leiter des Mulikulturellen Zentrums und Dekan der Kronstädter Philologie-Fakultät Robert Elekes, Dozent an der Germanistik-Abteilung derselben Fakultät interessante Einblicke in das Leben und Schaffen der beiden Schriftsteller.&nbsp;<br />Die Liebesbeziehung zwischen Bachmann und Celan begann im Jahr 1948. Ihre Geschichte findet 1970 ein jähes Ende, als Celan in Paris Selbstmord begeht und sich in die Seine stürzt. Für Ingeborg ist Paul die Liebe ihres Lebens, auch wenn sie ihn immer als Fremden wahrnehmen wird, manchmal sogar Angst vor ihm hat.&nbsp; Celan&nbsp; stammte aus einer jüdischen Familie und hat&nbsp; während des Holocausts beide Eltern verloren. Alles schien ihn von Ingeborg Bachmann zu trennen, die in einer stark nationalsozialistisch geprägten Umgebung aufgewachsen war. Da sie ihre Kindheit in Kärnten im Süden Österreichs verbrachte, hatte Bachmann wenig Kontakt mit dem Krieg und wenig Kontakt mit der Verfolgung und den Schrecken, die er mit sich brachte. Die Beziehung zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan ist geprägt von Liebe und Freundschaft, aber auch von (zu) vielen Zweifeln und Ängsten. In einem Moment der Ungewissheit über ihre gemeinsame Zukunft fragt sich Bachmann: „Sind wir nur die Geträumten?”, nur eine Illusion?&nbsp;<br /><br />Kriegstagebuch erstmals veröffentlicht&nbsp;
Die österreichische Schriftstellerin und Dichterin Ingeborg Bachmann gilt als eine der bedeutendsten Autorinnen des 20. Jahrhunderts. In ihrem Werk beschäftigt sie sich mit der Rolle der Frau in einer patriarchalen Gesellschaft, den Folgen von Krieg und Frieden und dem individuellen menschlichen Leid. Sie ist 1926 in Klagenfurt (Österreich) in eine Lehrerfamilie geboren. Ihr erbitterter Widerstand gegen die rechtsextremen politischen Überzeugungen ihres Vaters ist eine Konstante in ihrem Werk. Nach dem Studium der Philosophie, Psychologie, Germanistik und Rechtswissenschaften in Innsbruck, Graz und Wien promoviert sie mit einer Arbeit über die kritische Rezeption Heideggers.&nbsp; Sie lebte zwischen Österreich, Deutschland und Italien und wechselte allmählich von der Lyrik zur Prosa. Ingeborg Bachmann erhielt den Bremer Literaturpreis (1957), den Georg-Büchner-Preis für Literatur (1964) und den Großen Österreichischen Staatspreis (1968). Sie starb 1973 bei einem tragischen Unfall, einem Brand in ihrem Haus in Rom.&nbsp;<br />Im Mittelpunkt der Ausstellung „Schreiben gegen den Krieg“ steht der Band mit demselben Namen, eine Sammlung wichtiger Texte von Ingeborg Bachmann, mit tiefen Bezügen und zeitgenössischen Bedeutungen. Die schriftstellerische Arbeit steht im Vordergrund, die ‚Politik’ der Texte genauso wie das direkte politische Engagement. Dahinter, mit Großaufnahmen visualisiert, liegt der geschichtliche Horizont der Kriegsschauplätze, gegen die sich das Werk behaupten muss. Erst im Kontext der Ausstellung publizierte Texte – wie das Kriegstagebuch aus dem Jahr 1945 -, und bisher unveröffentlichte Fotos sowie originale Tonaufnahmen von Ingeborg Bachmann aus dem Privatnachlass werden in dieser Ausstellung präsentiert.&nbsp;<br /><br />Wichtige Lebensstationen in historischen Kontext&nbsp;<br />
Paul Celan (Paul Antschel) wurde 1920 in Czernowitz in eine deutschsprachige jüdische Familie geboren. Er begann sein Universitätsstudium in Tours, das er 1938 abbrach; noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kehrte er nach Rumänien zurück. Nach dem 22. Juni 1941 wurde er in den Zwangsarbeiterkommandos für jüdische Männer in Radazani, Falticeni und Tabaresti eingesetzt; seine Eltern starben in Lagern in Transnistrien, wohin sie im Juni 1942 deportiert worden waren. Im April 1945 suchte Celan Zuflucht in Bukarest, wo er bis Dezember 1947 lebte, als er Rumänien für immer verließ. Nach sechs Monaten in Wien ließ er sich in Paris nieder. Er studierte an der Sorbonne und wurde 1959 Dozent für Deutsch an der École Normale Supérieure. Als deutschsprachiger Dichter veröffentlichte Celan eine Reihe von Gedichtbänden, die ihn zu einem der bedeutendsten Dichter des 20. Jahrhundert machten. Außerdem übersetzte er u.a. Paul Valéry, Henri Michaux, René Char, Osip Mandelstam sowie das erste französische Buch von Emil Cioran ins Deutsche. Paul Celan wurde 1958 mit dem Literaturpreis der Stadt Bremen und 1960 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Krank, beging er 1970 Selbstmord. Die in 10 Sprachen übersetzte Ausstellung „Paul Celan - unter den Wörtern“ ist eine der erfolgreichsten literarischen Wanderausstellungen in Europa. Die Ausstellung vereint Dokumente aus den Archiven des Nationalmuseums für rumänische Literatur (Sammlung Alfred Margul-Sperber) und aus dem persönlichen Archiv von Petre Solomon, das von dessen Sohn, dem Filmemacher Alexandru Solomon, zur Verfügung gestellt wurde, und versucht, das kurze Leben des Dichters, Übersetzers und Essayisten Paul Celan zu erfassen, indem sie die wichtigsten Momente seines Lebens in den historischen Kontext einbettet.<br />Anlässlich der&nbsp; Doppelausstellung wird am Montag, den 25. Mai um 18 Uhr im Multikulturellen Zentrum eine Sondervorführung des Films „Die Geträumten“ (2016) von Ruth Beckermann stattfinden. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung kann bis zum 31. Mai besucht werden.&nbsp;<br /><br />Elise Wilk<br /><br />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 22 May 2026 09:45:00 +0000</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Realität und Fiktion in Joachim Wittstocks romanhafter Chronik</title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/realitaet-und-fiktion-in-joachim-wittstocks-romanhafter-chronik/</link>
			<description>Delia Cotârlea zu „Das erfuhr ich unter Menschen”</description>
			<content:encoded><![CDATA[<br />Delia Cotârlea zu „Das erfuhr ich unter Menschen”<br /><br />Im Rahmen der „Deutschen Vortragsreihe“ des Demokratisches Forum der Deutschen in Kronstadt sprach Dr. Delia Cotârlea am 12. Mai im Forumsfestsaal über Faktualität, Fiktionalität und narratologische Gestaltung in Joachim Wittstocks neuestem Roman „Das erfuhr ich unter Menschen“. Die Dozentin für deutsche Literatur an der Transilvania-Universität Kronstadt widmete ihren ausführlichen Vortrag der romanhaften Chronik siebenbürgischer Schicksale.<br />Der 1939 in Hermannstadt geborene Schriftsteller, Dichter und Essayist Joachim Wittstock entfaltet auf über 600 Seiten ein vielschichtiges Panorama der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft des vergangenen Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht ein Sanatorium in der Inneren Stadt von Kronstadt, dessen wechselvolle Geschichte den Rahmen des Romans bildet. Das Gebäude wurde 1948 enteignet, nach der politischen Wende von 1989 rückerstattet, später verkauft und soll künftig in ein Hotel umgewandelt werden. Dieses lokale Geschehen verbindet Wittstock mit Familiengeschichten, historischen Umbrüchen und persönlichen Erinnerungen.<br />Der Roman behandelt nicht nur klinische Themen, sondern bietet auch ein dichtes Bild gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen des 20. Jahrhunderts. Wie Delia Cotârlea unterstrich, werden die Figuren von den historischen Ereignissen geprägt: Enteignung, Deportation, politische Verhaftungen und Ausreise – mitunter passen sich einige mit besonderer Leichtigkeit den wechselnden politischen Systemen an.
Wirklichkeit mit Fiktion verwoben<br />
Im Zentrum des Vortrags stand die Frage, wie der Autor Realität und Fiktion in seinem Roman miteinander verknüpft. Die Literaturwissenschaftlerin beschrieb den Roman als Verbindung zwischen Chronik und fiktionaler Erzählung. Das Geschehen wird so dargestellt, erklärte sie, als entstehe der Bericht in unmittelbarer Nähe zu den geschilderten Ereignissen. Zugleich tritt der Autor hinter einen fiktiven Herausgeber und / oder einen allwissenden Erzähler zurück und übernimmt die Rolle eines Chronisten, wodurch man den Eindruck historischer Authentizität bekommt, obwohl der Text literarisch gestaltet ist.<br />Die Dozentin verwies auf Wittstocks Aussage: „Wie man bemerken wird, bieten wir nämlich nicht einen Roman im klassischen Sinn, sondern eine Schilderung im Stil des chronikalischen Realismus.“ Dieses Spannungsverhältnis zwischen Realität und Fiktion macht aber nur zum Teil den besonderen Reiz des Romans aus, denn Spannung wird gekonnt aus der epischen Gestaltung geschaffen.&nbsp;<br />
Fünf Erzhählstränge, eine gemeinsame Geschichte<br />
Ausführlich ging die Referentin auch auf die narratologische Konstruktion des Werkes ein. Der Roman besteht aus fünf miteinander verflochtenen Erzählsträngen zu den folgenden Schwerpunkten: „Sanatorium Dr. Tartler“, „Doktor Bogner im Kreis seines Umgangs“, „Bogneriana“, „Erzählbericht über Volkmar Decani“ sowie „Rätselhaft wie Schnee“. Diese polyzentrische Struktur sei chronologisch nicht linear aufgebaut und verlange vom Leser, die unterschiedlichen Handlungsebenen selbst miteinander zu verbinden.<br />Besondere Aufmerksamkeit schenkte Delia Cotârlea den wechselnden Erzählperspektiven zwischen persönlichen Erinnerungen und historischen Ereignissen, die ineinander eingreifen und eine vielschichtige Erzählwelt schaffen. Vor allem die Geschichte des Sanatoriums wird nicht nur chronikalisch erzählt, sondern immer wieder mit der Gegenwart des erzählenden Ichs verknüpft.&nbsp;<br />Am Ende des Romans kehrt der Erzähler zum Sanatorium zurück und schließt damit den Kreis. Der Abschied von dem Gebäude erhält symbolische Bedeutung und macht das ehemalige Sanatorium zum Ort individueller und kollektiver Erinnerung.<br />Auch die philosophischen und ethischen Fragestellungen des Werkes wurden besprochen sowie dessen Anspruch, eine umfassende erzählerische Welt zu entwerfen.<br />
Maximalistischer Roman<br />
Im letzten Teil ihres Vortrags ordnete die Literaturwissenschaftlerin den Text dem „maximalistischen Roman“ nach Stefano Ercolino zu. Die unter Umständen dissonante Vielstimmigkeit, der enzyklopädische Modus, wie auch die erzählerische Allwissenheit und hybriden Realismusformen seien deutliche Merkmale des Werkes. „Das erfuhr ich unter Menschen“ erscheine damit als postmoderner Roman mit Totalitätsanspruch, der weit über traditionelle Erzählformen hinausreiche.<br />Dass Joachim Wittstocks Werk stark auf realen Recherchen beruht, unterstrich am Ende des Abends auch Wolfgang Wittstock, Bruder des Schriftstellers. Er erzählte, dass der Schriftsteller sich für den Roman intensiv in Kronstadt dokumentiert, fotografiert und Gespräche mit Zeitzeugen geführt hat. Es wurde betont, dass der Blick auf das Werk als literarisches Zeitbild der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft entscheidend sei.<br />Die ausgezeichnete Leistung Joachim Wittstocks in diesem Roman habe bislang leider unzureichend Anerkennung erhalten, so die Referentin und sollte etwa durch die Teilnahme des Buches an der Leipziger Buchmesse 2028 gewürdigt werden, bei der Rumänien als Gastland auftreten wird.<br />„Das erfuhr ich unter Menschen. Romanhafte Chronik siebenbürgischer Schicksale” (Schiller Verlag, Bonn-Hermannstadt 2024, 650 Seiten) kann im LeseGarten (Kronstadt) oder im Erasmus-Büchercafe (Hermannstadt) bestellt werden.<br /><br />Laura Capatana Juller<br /><br />Delia Cotârlea sprach mit Begeisterung über Joachim Wittstocks Buch. Ihre intensive Beschäftigung mit dem Roman war ihrem Exemplar anzuerkennen, der mit zahlreichen Notizen und bunten Markierungen versehen ist. Foto: die Verfasserin.]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 22 May 2026 09:40:00 +0000</pubDate>
			
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			<title>Meeburg, Dersch, Dálya, Draas</title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/meeburg-dersch-dalya-draas-1/</link>
			<description>Eine eintägige Kirchenburgen-Tour im sächsisch-szeklerischen Grenzgebiet Siebenbürgens (II)/ Von...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<br /><br />Eine eintägige Kirchenburgen-Tour im sächsisch-szeklerischen Grenzgebiet Siebenbürgens (II)/ Von Wolfgang Wittstock<br /><br />(Fortsetzung aus der KR Nr. 18/14.05.2026)<br /><br />Interessanterweise wird der Kirchenburg von Dersch im monumentalen „Atlas der siebenbürgisch-sächsischen Kirchenburgen und Dorfkirchen“ von Hermann Fabini (1. Band, 3. Auflage, Hermannstadt/Heidelberg 2002, S. 129 f.) ein eigener Artikel gewidmet, obwohl sie im szeklerischen Siedlungsgebiet liegt. Die Erklärung für diesen Umstand finden wir in der Einführung zu diesem Buch: In den Kirchenburgen-Atlas wurden u.a. auch Baudenkmäler aufgenommen, „in denen durch die Nachbarschaft zu sächsischen Orten bauliche Einflüsse festgestellt werden können“ (S. xiii). In dem Dersch gewidmeten Lexikonartikel steht auch: „Nach einer örtlichen Überlieferung wohnten in der Szekler Siedlung ehemals die Sachsen von Draas.“<br />Das nächste angepeilte Ziel unserer eintägigen Kirchenburgen-Tour war Daia/Székelydálya, ebenfalls im Kreis Harghita gelegen. Dass uns diese Ortschaft in besonderem Maße interessierte, hat mit der Geschichte des Kronstädter Ortswappens zu tun, das bekanntlich eine auf einem verwurzelten Baumstamm ruhende Krone darstellt. „Wohl die älteste Überlieferung [dieses Wappens] findet sich in den spätgotischen Fresken (…) der Kirche von Dálya im Szeklerlande“, urteilte der bedeutende siebenbürgisch-deutsche Heraldiker Albert Arz von Straussenburg (1892-1968). Zitiert wurde aus dem Standardwerk „Beiträge zur siebenbürgischen Wappenkunde“, Siebenbürgisches Archiv, Bd. 16, Köln/Wien 1981, S. 115, wo die Entstehung dieser Wandmalereien mit den Jahren 1493-1523, also der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert, datiert wird.<br />Wir fuhren folglich von Dersch zunächst auf Asphalt zurück nach Ulieş und dann von hier etwa 6 km weiter ostwärts, auf nicht asphaltierter, in einigermaßen erträglichem Zustand befindlicher Landstraße über die Dörfer Iaşu/Jásfalva und Ighiu/Ége bis Daia/Székelydálya. Die hier befindliche reformierte Kirche mit hohem, schlankem Kirchturm an der Westseite wird von einem nicht sehr hohen Mauerbering umgeben. Wir umrundeten zunächst die Anlage und entdeckten eine Tafel, die angab, dass diese reformierte Kirche zurzeit aus Mitteln des Nationalen Aufbau- und Resilienzplans mit einem Betrag von nahezu 5,5 Millionen Lei restauriert wird. Unser erster Eindruck war, dass auch hier, wie in Meeburg, alles abgesperrt ist. Dann stellten wir aber fest, dass sich eine über einen eingezäunten Vorhof erreichbare Tür in der Kirchenburgmauer öffnen ließ. Die Eingangstür an der Westseite der Kirche stand offen, und wir konnten die Kirche betreten, ohne einen ortsansässigen Menschen zu Gesicht zu bekommen. In der Kirche fielen uns Reste von Wandmalereien, die wohl im Zuge der Restaurierungsarbeiten zum Teil abmontierte Kassettendecke (datiert 1630) und vor allem die Malereien im Gewölbe des Kirchenchores auf. Zwischen den Gewölberippen sieht man mehrere Wappen, darunter auch das Wappen von Kronstadt, wegen dem wir hergekommen waren. Eine Erklärung für diese Wappen an diesem Ort finden wir im „Reiseführer Siebenbürgen“, herausgegeben von Heinz Heltmann und Gustav Servatius, Thaur bei Innsbruck 1993, beim Stichwort „Daia, Székelydálya“ auf S. 269: Das Gewölbe des Kirchenchores „ist mit got. Laubwerk geschmückt, unter dessen Ranken Wappen und figurale Dekorationen zu sehen sind. Neben (…) dem Wappen der Szekler sind es die Wappen von sächs. Städten: Schäßburg, Kronstadt, Hermannstadt (…) usw. Die Wappen und mehrere Steinmetzzeichen beweisen, dass hier von 1501 – 1525, dann um 1630 sächs. Meister gearbeitet haben.“<br />Nachdem wir in Daia/Székelydálya gefunden hatten, was wir sehen wollten, fuhren wir in südöstlicher Richtung auf der Kreisstraße 133 weiter bis zur Kreuzung mit der Kreisstraße 132 B. Auf diesen etwa 6 km nicht asphaltierten Wegs folgte ein Schlagloch aufs andere. Nach überstandener Tortur erreichten wir Orăşeni/Városfalva, noch im Kreis Harghita an der Kreisstraße 132 B gelegen, die asphaltiert ist und, ausgehend von Hamruden/Homorod im Kreis Kronstadt, über Katzendorf und Draas/Drăuşeni in den Nachbarkreis Harghita führt. Diese Kreisstraße erreichend, wandten wir uns nun südwärts, überquerten alsbald die Kreisgrenze und erreichten Draas, wo wir auf unserer Kirchenburgen-Rundfahrt zum letzten Mal anhielten.<br />Man kennt die Redewendung „von Broos bis Draas“, womit die west-östliche Ausdehnung des „Königsbodens“, des ehemaligen Selbstverwaltungsgebiets der Siebenbürger Sachsen, bezeichnet wurde und wird. In ihrer berühmten Kirchenburgen-Mappe bezeichnete Juliana Fabritius-Dancu die nach der Reformation evangelisch gewordene Draaser Kirche als „die schönste, am reichsten und sorgfältigsten ausgeschmückte spätromanische Basilika einer sächsischen Landgemeinde“ (Sächsische Kirchenburgen aus Siebenbürgen, Hermannstadt 1980). Im Zuge der Restaurierung durch die staatliche Denkmalpflege, die 1972 einsetzte, wurde allerdings die gesamte Innenausstattung (Altar, Emporenbrüstung, Wandverkleidung) aus der Kirche entfernt.<br />Die evangelische Kirche von Draas wird von einer etwa 8 m hohen Ringmauer von ungefähr ovaler Form umgeben, in die mehrere teils vier-, teils fünfeckige Türme eingebaut sind. Wir umrundeten die weitläufige Anlage und stellten fest, dass – wie in Meeburg – alle Tore und Türen versperrt waren, uns also der Zugang in den inneren Bereich der Kirchenburg verwehrt blieb. An einer Außenwand der Kirchenburg fiel uns ein verblasstes Bauschild auf, das die Konsolidierung und Restaurierung der Bauernburg Draas (Cetatea Țărănească Drăușeni) anzeigt. Die Baugenehmigung war vom Kreisrat Kronstadt im November 2008 für 24 Monate (Juli 2009 – Juli 2011) erteilt worden. Vor und danach sind an der Kirchenburg gelegentlich noch verschiedene Arbeiten durchgeführt worden. Der Kirchturm und ein Turm des Mauerrings haben ein relativ neues Ziegeldach. Andere Türme der Befestigungsanlage sehen eher traurig aus. Ein kleiner Trost war uns, dass wir durch einen Spalt in einer Seitentür der Burgmauer einen Blick nach innen und auf das sehr schöne Portal an der Westseite der Kirche werfen konnten. Laut Martin Rill (im Bildband „Das Repser und das Fogarascher Land“, Ulm 2014, S. 182) zählt es zu den bedeutendsten Steinmetzarbeiten Siebenbürgens, und Juliana Fabritius-Dancu urteilte in der bereits erwähnten Kirchenburgen-Mappe: „Es ist dies das am reichsten ausgestaltete romanische Westportal einer sächsischen Dorfkirche.“<br />Über Katzendorf und Hamruden, dann durch den Geisterwald erreichten wir noch bei Tageslicht das heimatliche Burzenland. Es war ein Tag, der unser Wissen über die Kirchenburgenlandschaft Siebenbürgens zweifellos bereichert hat. Bedenklich stimmte ein bisschen das Fazit: Die szeklerischen Kirchenburgen stehen Besuchern erfreulicherweise offen. Aber manche sehenswerte sächsische Kirchenburg – siehe die Beispiele Meeburg und Draas - ist zugesperrt und kann nur von draußen betrachtet werden. Warum das so ist, liegt auf der Hand.<br /><br /><br />Die Kirchenburg von Daia/Székelydálya. Foto: der Verfasser.<br /><br />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 22 May 2026 09:37:00 +0000</pubDate>
			
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			<title>Meeburg, Dersch, Dálya, Draas</title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/meeburg-dersch-dalya-draas/</link>
			<description>Eine eintägige Kirchenburgen-Tour im sächsisch-szeklerischen Grenzgebiet Siebenbürgens (I)/ Von...</description>
			<content:encoded><![CDATA[&nbsp;<br />Eine eintägige Kirchenburgen-Tour im sächsisch-szeklerischen Grenzgebiet Siebenbürgens (I)/ Von Wolfgang Wittstock<br /><br />Sieben Kirchenburgen in Siebenbürgen wurden in den 1990er Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. In alphabetischer Reihenfolge sind das Birthälm (Biertan), Dersch (Dârjiu, ung. Székelyderzs), Deutsch-Weißkirch (Viscri), Keisd (Saschiz), Kelling (Câlnic), Tartlau (Prejmer) und Wurmloch (Valea Viilor). Sechs dieser Kirchenburgen liegen im ehemals sächsischen Siedlungsgebiet Siebenbürgens, in den Landkreisen Alba (Kelling), Kronstadt/Braşov (Tartlau, Deutsch-Weißkirch), Mureş (Keisd) und Hermannstadt/Sibiu (Birthälm, Wurmloch). Nur die Kirchenburg von Dersch tanzt aus der Reihe. Sie befindet sich im Landkreis Harghita, im Siedlungsgebiet der ungarischsprachigen Szekler Siebenbürgens.<br />Dass das so ist, dürfte nicht überraschen: Spricht man von Wehrkirchen und Kirchenburgen in Siebenbürgen, so denkt man zwar in erster Linie an das beeindruckende Kulturerbe der Siebenbürger Sachsen. Dabei dürfte aber nicht übersehen werden, dass es auch im östlichen Siebenbürgen, im szeklerischen Siedlungsgebiet, Kirchenburgen gibt, die einen Vergleich mit so manchem sächsischen Baudenkmal dieser Kategorie nicht zu scheuen brauchen. Die Orgelreisen, die in den vergangenen Jahren im Rahmen des Festivals „Musica Barcensis“ mehrfach in szeklerische Kirchen führten, vermittelten davon aufschlussreiche Eindrücke. Kennenlernen konnten die Teilnehmer an diesen Events etwa im Kreis Covasna die mustergültig restaurierte unitarische Kirchenburg in Aita Mare/Nagyajta, die ebenfalls unitarische Kirchenburg in Arcuş/Árkos, unfern des Kreisvororts Sankt Georgen/Sfântu Gheorghe/Sepsiszentgyörgy, im Kreisvorort Sankt Georgen selbst, etwas abseits, nördlich vom historischen Stadtzentrum gelegen, die ebenfalls großzügig restaurierte Burganlage mit reformierter Kirche oder die kleine, aber feine römisch-katholische Kirchenburg in Ghelinţa/Gelence – ein wahres Schmuckstück -, die man entweder über Covasna/Kovászna oder von Târgu Secuiesc/Kézdivásárhely aus erreichen kann. Eine historische Befestigungsanlage, die eine reformierte Kirche umschließt, gibt es auch in Ilieni/Illyefalva, ebenfalls im Kreis Covasna.<br />Alle im ehemals sächsischen Siedlungsgebiet befindlichen Kirchenburgen, die zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurden, sind über asphaltierte Landstraßen relativ einfach zu erreichen Wie aber kommt man zur szeklerischen Kirchenburg in Dersch/Dârjiu/Székelyderzs, die im Landkreis Harghita liegt? Frägt man Google nach der Entfernung von Kronstadt nach Dersch, so erhält man die Auskunft: 94 km, Fahrtzeit 1 Stunde und 48 Minuten. Als wichtigere Zwischenpunkte werden u.a. im Kreis Kronstadt die Ortschaften Nußbach (Măieruş), Hamruden (Homorod), Katzendorf (Caţa), Paloş (dt. Königsdorf, ung. Pálos) und Meeburg (Beia) sowie im Kreis Harghita die Ortschaften Petecu (ung. Petek) und Ulieş (ung. Kányád) angezeigt.<br />An einem sonnigen Samstagmorgen im März fuhren wir los, mit der Absicht, die Kirchenburg in Dersch in Augenschein zu nehmen, aber auch anderen am Weg liegenden Sehenswürdigkeiten unsere Aufmerksamkeit zu schenken. An den uns bereits bekannten Kirchenburgen in Hamruden und Katzendorf fuhren wir vorbei, ohne anzuhalten. In Meeburg/Beia legten wir einen ersten Stopp ein. Hier gibt es eine Kirchenburg, über die vor etwa drei Jahren in der Zeitung zu lesen war, dass ein Teil der Kirchennordwand eingestürzt ist. Die ganze Befestigungsanlage ist versperrt und Besuchern nicht zugänglich. Wir konnten nur von draußen Blicke darauf werfen. Das große Loch in der Kirchenwand war gut zu erkennen, doch schwierig zu fotografieren, wegen einer davor stehenden Tanne oder Fichte und auch wegen des Gegenlichts.<br />Bekannt ist die Meeburger evangelische Kirche vor allem wegen ihres vorreformatorischen Flügelaltars aus der Werkstatt des Schäßburger Meisters Johannes Stoß, eines Sohnes des berühmten Nürnberger Bildhauers und Bildschnitzers Veit Stoß. Dieser Altar wurde im Jahr 2005 aus Sicherheitsgründen in die Bergkirche in Schäßburg transferiert. Sehenswert soll in der Meeburger Kirche auch die wertvolle Schreinermalerei sein, wie man ihr auch in anderen sächsischen Kirchenburgen im Repser Ländchen etwa an den Emporenbrüstungen begegnet.<br />Meeburg, das verwaltungsmäßig zur Gemeinde Katzendorf gehört, liegt im Norden des Landkreises Kronstadt, nahe der Grenze zum Landkreis Harghita. Die Straße, die von hier über die Kreisgrenze zunächst nach Petecu/Petek, dann nach Ulieş/Kányád und schließlich nach Dersch führt, ist zunächst unasphaltiert, aber in halbwegs akzeptablem Zustand (bis Ulieş, etwa 13 km). Die letzten 5 km von Ulieş bis Dersch haben einen Asphaltbelag.<br />Bei der Kirchenburg in Dersch angekommen, stehen wir zunächst vor einer verschlossenen Eingangstür, an der aber eine Telefonnummer angebracht ist. Wir rufen an, und binnen weniger Minuten fährt eine Frau vor, die uns hineinlässt. Die Eintrittskarte pro Person kostet 10 Lei (RON).<br />Bei der Derscher Kirchenburg haben wir es mit einer aus dem 14. Jahrhundert stammenden, Stilelemente der Gotik aufweisenden Wehrkirche zu tun, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts mit zwei Wehrgeschossen ausgestattet wurde und von einer rechteckigen Befestigungsanlage umgeben ist, die durch mehrere Türme verstärkt wurde. Südöstlich des Chores ist in den Mauerbering auch der ins 17. Jahrhundert datierte Torturm eingebaut worden.<br />Im Kircheninnern fallen vor allem die Wandmalereien an der Nordwand auf, die ins Jahr 1419 datiert werden und Szenen aus dem Leben des heiliggesprochenen ungarischen Árpádenkönigs Ladislaus (ca. 1048-1095) darstellen, der als Begründer der zentralstaatlichen Macht Ungarns verehrt wird. Da wir es mit einer unitarischen Kirche zu tun haben, gibt es hier keinen Altar. Im Chor befindet sich die Orgelempore mit Orgel, die nur von draußen, aus dem Burghof, zu erreichen ist.<br />Alles in dieser Kirche und Kirchenburg macht einen sauberen, geordneten, freundlichen Eindruck. Man erkennt, dass es hier eine aktive Kirchengemeinde gibt. Auf den Pulten der Bänke im Kirchenschiff liegen Gesangbücher, eingebunden in mit Kreuzstich verzierter Leinenstickerei. Die teils offenen, teils geschlossenen Räume unter dem Dach des Mauerberings bilden sozusagen ein ortsspezifisches ethnographisches Museum, in dem zahlreiche alte Haushaltsgegenstände sowie ausrangierte landwirtschaftliche und Handwerks-Geräte zu sehen sind.<br /><br />(Fortsetzung folgt in einer nächsten Ausgabe)<br /><br /><br /><br />Foto: Im Jahr 2002 brachte die Rumänische Post einen siebenteiligen Briefmarkensatz heraus, der den zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannten Kirchenburgen in Siebenbürgen gewidmet war. Im Bild: Briefmarke aus diesem Satz mit dem Motiv der Kirchenburg von Dersch.]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 15 May 2026 06:31:00 +0000</pubDate>
			
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			<title> „Wenn wir gemeinsam singen können, ist noch nicht alles verloren.“</title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/wenn-wir-gemeinsam-singen-koennen-ist-noch-nicht-alles-verloren/</link>
			<description>Maisingen beim Deutschen Forum </description>
			<content:encoded><![CDATA[<br />Maisingen beim Deutschen Forum&nbsp;<br /><br />Die Stadt unter der Zinne erblüht in frischem Grün, die Straßen füllen sich mit Leben, und bei über 20 Grad gönnen sich viele ihr lang ersehntes erstes Eis – der Mai ist endlich da. An so einem sonnigen Dienstag, dem 5. Mai, kamen im Kronstädter Deutschen Forum&nbsp; &nbsp;Jung und Alt zusammen, um gemeinsam zu singen – eine Tradition, die eine Brücke zwischen dem Gestern, dem Heute und der Frage nach dem, was bleibt, schlägt.
Der Abend begann mit der Moderation von Matei Lupescu vom Deutschen Jugendforum Kronstadt, der die Gäste in einem vollbesetzten Saal willkommen hieß. Paul Binder, der Vorsitzende des Ortsforums, setzte in seiner Begrüßungsrede den intellektuellen Rahmen des Abends. Er zitierte Mörikes „Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte“ – ein Gedicht, das trotz seiner Kürze zu den bekanntesten Werken der deutschen Lyrik zählt und in die Stimmung des Abends einleitete.<br />
Musikalische Zeitreise: Von Rudolf Lassel bis zur Moderne<br />
Das Programm war eine sorgfältig ausgewählte Mischung aus gemeinsamem Gesang und hochkarätigen musikalischen Einlagen. Unter der Leitung von Dr. Steffen Schlandt wurde die Musik zum Bindeglied der Generationen. Nach einem kleinen Melodiefehler beim Klassiker „Der Mai ist gekommen“ war auch das letzte Eis gebrochen und nach einem herzlichen Lacher allerseits ließ es sich direkt viel entspannter weitersingen.<br />Ein besonderer Höhepunkt war die Darbietung des „Mailiedes“ von Rudolf Lassel. Gabriela Schlandt (Sopran) und Orsolya Lövenberger (Alt), begleitet von Steffen Schlandt am Klavier, brachten ein Stück zum Klingen, das bis vor einigen Tagen noch in einem alten Koffer am Verstauben war – ein wahrer Archivfund, der dem Publikum ein Stück Kronstädter Musikgeschichte zurückgab.<br />Auch die Jugend setzte Akzente: Jonathan Arvay (Trompete) beeindruckte mit einem Satz aus dem Konzert von Zhaneta Metallidi. Dass sich ein Schüler der achten Klassen inmitten des Prüfungsstresses die Zeit nimmt, die Gemeinschaft musikalisch zu bereichern, wurde mit besonderem Applaus gewürdigt.<br />
Grußworte mit Weitblick<br />
Die Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste unterstrich die Bedeutung der Veranstaltung. Dr. Paul Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), beglückwünschte das Kronstädter Forum zu dieser Initiative. In einer Welt, die „aus den Fugen gerät“, seien solche „normalen Ereignisse“ von unschätzbarem Wert.<br />Sven Kunert, Vizekonsul der Bundesrepublik Deutschland in Hermannstadt, richtete einige humorvolle Worte an die Kronstädter und verabschiedete sich zudem persönlich, da ihn sein Weg ab Sommer nach Südindien führen wird.<br />Benjamin Józsa, Geschäftsführer des DFDR, erinnerte sich an seine eigene Zeit als junger Lehrer, als er dieselben Lieder unterrichtete. Sein Fazit war klar: „Wenn wir gemeinsam singen können, ist noch nicht alles verloren.“<br />Auch Anina Micleru-Soana, Schulinspektorin für die Deutsche Sprache im Kreis Kronstadt, richtete einige Worte an die Gemeinschaft. Dabei lobte sie insbesondere die Schülerinnen und Schüler, die bei den Olympiaden angetreten waren.<br />Gemeinsam mit dem Pastorenehepaar Theresa (Klarinette) und Maximilian (Fagott) Braisch spielte Steffen Schlandt im Anschluss darauf das fröhliche Stück „Die Gardinenpredigt – Burkeske“ von Julius Fucik vor.&nbsp;<br />
Die Kunst als Zeuge<br />
Kunsthistorikerin Dr. Andrea Pocol vom Kronstädter Kunstmuseum hielt einen Vortrag, in dem sie die „Deutsche Kunst in Kronstadt während der Zwischenkriegszeit“ beleuchtete. Pocol zeichnete das Bild einer dynamischen, wenn auch widersprüchlichen Epoche. Mehr als 40 Künstler waren damals in Kronstadt tätig, darunter Größen wie Hans Mattis-Teutsch, Hans Eder und Eduard Morres. Sie verdeutlichte, wie der Expressionismus und die „Neue Sachlichkeit“ die lokale Kunst prägten und wie Künstlervereinigungen wie „Das Ziel“ versuchten, die provinziellen Grenzen zu überwinden.<br />
Nun will der Lenz uns grüßen – und die Stimme der Jugend<br />
Mit dem Lenz ging es erneut über zum gemeinsamen Gesang, begleitet vom Trio Steffen Schlandt und Theresa und Maximilian Braisch.<br />Sophia Negu], die Vorsitzende des Jugendforums, sprach über den „Frühling als Zeit der Neuanfänge“. Sie beschrieb das Jugendforum als eine „neue Familie“, in der sie gelernt habe, Verantwortung zu tragen.<br />
Das Grande Finale: Kuckuck und Gemeinschaft<br />
Der Abend gipfelte in einem gemeinsamen Singen, das alle Anwesenden einbezog. Dr. Steffen Schlandt führte das Publikum mit Unterstützung von Theresa und Maximilian Braisch durch die „Echo-Funktion“ des italienischen Cuckoo-Liedes („L’inverno è passato“). Die Aufteilung des Saales in eine rechte und eine linke Kuckucks-Seite sorgte für viel Gelächter und ein spürbares Gemeinschaftsgefühl. Danach klang der Abend bei großem Buffet, Sekt und Gesprächen aus.<br />
Fazit: Was bleibt?<br />
Beim Zurückblicken auf das Maisingen 2026 stellt man fest, dass mehr als nur ein Nachhall oder gar Ohrwurm der Melodien bleibt. Denn es bleibt auch die Erkenntnis, dass die Pflege unserer Traditionen – das „Putzen des Grundsteins“, eine aktive Entscheidung ist. Kronstadt hat bewiesen, dass es alles hat, was es braucht, um diese Spuren zu hinterlassen. Der Staub des Winters ist abgewischt. Der Mai ist da. Und mit ihm die Gewissheit, dass wir, solange wir gemeinsam singen, nicht verloren und auch nicht alleine sind.&nbsp;<br /><br />Bernice Krech-Litoiu&nbsp;

 
<span style="font-family:&quot;Times New Roman&quot;,serif">Der volle Saal freute sich über das abwechslungsreiche Programm.Foto: Laura C</span><span style="font-family:&quot;Times New Roman&quot;,serif" lang="RO">ăpățână Juller</span>
]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 15 May 2026 06:26:00 +0000</pubDate>
			
		</item>
		
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			<title>Pikanterien, Musik und die erste Monografie der Schwarzen Kirche </title>
			<link>https://forumkronstadt.ro/karpatenrundschau-artikel/artikel/pikanterien-musik-und-die-erste-monografie-der-schwarzen-kirche/</link>
			<description>Nachlass von Ernst Kühlbrandt vorgestellt</description>
			<content:encoded><![CDATA[<br />Nachlass von Ernst Kühlbrandt vorgestellt<br /><br />Vier Kartonschachteln und eine Zeichenmappe. Das ist alles, was von Ernst Kühlbrandt im Honterusarhiv zu finden ist. Kein umfangreicher Nachlass, allerdings ausreichend, um die wichtigsten Wirkungsfelder Kühlbrands zu belegen: er war ein hervorragender Zeichenlerer und Zeichner, ein guter Schriftsteller und ein bedeutender Kunsthistoriker. Kühlbrandt hatte ein spannendes Leben, viele Interessen, war sehr aktiv und hatte viel Humor. Das und vieles mehr erfuhren am 28. April Dutzende im Kapitelzimmer der Honterusgemeinde von Dr. Frank-Thomas Ziegler, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Honterusgemeinde im Rahmen des Vortrags „Humor an der Schwarzen Kirche”. Es war eine Stunde in der viel gelacht und gesungen, aber auch sehr viel Spannendes erfahren wurde.&nbsp;<br />Der Vortrag wurde im Rahmen der beliebten Vortragsreihe „Kulturerbe hautnah“ organisiert, die vor zwei Jahren von Dr. Ágnes Ziegler, Leiterin des Referats Kulturgüter an der Evangelischen Kirche A.B. in Kronstadt und Frank Ziegler ins Leben gerufen wurde, um dem Publikum Zugang zu originalen Kunstwerken und Archivgut der Schwarzen Kirche zu ermöglichen, die ansonsten in den Depots der&nbsp;Gemeinde ruhen. Regelmäßig stellen sie den Nachlass der Schwarzen Kirche vor.&nbsp;<br />
Leidenschaftlicher Zeichner<br />
Ernst Kühlbrandt (1857 - 1933) war der Sohn von Theodor Kühlbrandt (1821–1868), dem Begründer des Schulsports in Kronstadt. Er hat seine Realschulbildung in Kronstadt und Hermannstadt gemacht und studierte nach seinem Militärdienst Polytechnik in Graz. Mit 19 Jahren orientierte er sich jedoch um und ließ sich in Stuttgart und Wien zum Zeichenlehrer ausbilden. Wieder in seiner Heimatstadt zurückgekehrt, wirkte er als Zeichenlehrer an der Honterusschule und weiteren Schulen.&nbsp;<br />Die Vorstellung Kühlbrands Nachlasses ausgerechnet im Kapitelzimmer am Honterushof, wo das alte Schulgebäude steht, ein Ort wo Kühlbrandt vor über 100 Jahren als Lehrer wirkte, sei eine Einladung, sich die Welt Anfang des 19. Jahrhunderts vorzustellen. „Wenn man die Augen weit genug aufmacht, kann man Ernst Kühlbrandt sehen, wie er mit seiner Zeichenmappe unter dem Arm durch den Hof spaziert und seine Schülerschaft zu Kreativität anspornt“. Ein originales Schwarz-Weiß Bild vom Honterushof, auf dem Damen in Kleidern und mit Hüten und Herren in schwarzen Gehröcken zu sehen sind, führte das Publikum in die Welt der Belle Epoque.<br />Frank Ziegler war sichtlich vom Thema angetan. Er zeigte mehrere Zeichnungen und -Skizzen Kühlbrandts, darunter ein Aquarell-Bild von einem Veilchen und einen Brief, den der junge Mann seiner Mutter aus Hermannstadt sendete. Er bebilderte den Brief mit einer detailreichen Bleistiftskizze eines Hauses vom Kleinen Ring.<br />Von seiner Leidenschaft für das Zeichnen, über die er intensiv Buchführung hielt, sind eine Reihe von Notizen im Honterusarchiv erhalten. Kühlbrandt unterschrieb auch Portraits und gab seine Leidenschaft an seinen Sohn, Ernst Kühlbrandt Junior weiter - dieser wurde Pferdemaler. Einige seiner Schüler sind namenhafte Künstler geworden, etwa Hans Eder oder Oskar Netoliczka Junior.<br />
Schwächen der Menschen als Thema<br />
Später in seinem Leben schlägt der Ton seiner Gemälde und Skizzen um und seine Werke enthalten allerhand Pikanterien – ein Reiter fällt um, Skifahrer, die sich nicht mehr gut auf den Skiern halten, eine grobe Nase- Es sind die kleinen Schwächen der Menschen, Pikanterien, die den erwachsenen Kühlbrand interessieren. Eine der Bleistifskizzen, die auch auf dem Plakat der Veranstaltung zu sehen ist, zeigt ein Paar auf einer Parkbank unter einem riesigen Schirm sitzen. Beim besseren Hinschauen bemerkt man, dass unterhalb des Sonnenschirms, der die Oberkörper des Mannes und der Frau verbirgt, die Hand des Mannes nicht etwa auf deren Rücken liegt, sondern tiefer gerutscht ist.&nbsp;<br />Auch in den Gedichten hielt Ernst Kühlbrandt das tragische Streben des unvollkommenen Menschen nach Vollkommenheit fest, er thematisierte mit Vorliebe den ewigen Widerspruch zwischen den gesellschaftlichen Normen und den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen. Einige seiner Gedichte wurden im Rahmen des Vortrags von Honterusschülern vorgelesen, wie dieses hier:<br /><br />Der Friedensstifter<br />
Harte Faust und scharfe Rede<br />Hatten lange sich gestritten,<br />Und man suchte einen dritten,<br />Stark genug, in dieser Fehde<br />Endlich Frieden doch zu machen.<br />Sieh! und endlich ward gefunden<br />Einer, der sie überwunden:<br />Dieser Starke war - das Lachen”<br /><br />Zu manchen Gedichten von Kühlbrandt schrieb sein Freund Rudolf Lassel Melodien. Einige davon wurden im Kapitelzimmer gemeinsam gesungen, unter der musikalischen Begleitung von Dr. Steffen Schlandt, Organist und Kantor der Schwarzen Kirche. Das Lied „Blau und rot” beispielsweise, das heute patriotisch wirken mag aber im Kontext der damaligen Zeiten zu verstehen ist, brachte ein Lächeln auf die Lippen der Anwesenden. Das Lied war seinerzeit, 1899 ein Hit beim Kronstädter Männergesangsverein und wurde damals vom Chor dreimal gesungen und schließlich auch von den Anwesenden mitgesungen. Der Refrain geht so: „Wenn ich diese Farben schau’, trag’ ich willig alle Not: Blau und rot bis in den Tod!”<br />Beim Lied „Ein Rudel Mädel”, zu dem ebenfalls Lassel die Musik schrieb, sang Gabriela Schlandt den Solopart und verteilte Blumen an Männer im Saal<br />
Auch Dramatiker und Schriftsteller<br />
Seine Dichtungen wurden in der Zeitschrift für Kultur und Leben „Karpaten” veröffentlicht, die von Adolf Meschendörfer herausgegeben wurde. Er verfasste allerdings auch Leitartikel, Gedichte und Feuilletons für das „Kronstädter Tageblatt“, veröffentlichte aber auch in anderen Publikationen seine Texte.&nbsp;<br />„Er beherrschte Formen des Spruches und Lehrgedichts. Seine Epigramme, Spiegel einer starken, Gott verehrenden und menschheitsgläubigen Persönlichkeit, wirkten in Form und Inhalt auch literararisch vorbildlich”, sagte Ziegler.&nbsp;<br />Aus einer der Kartonschachteln holte der Referent eine Mappe mit zwei Theaterstücken von Kühlbrandt heraus: „Der Naturapostel” und „Die Bärenbraut”. Nur das erste wurde jemals gespielt, allerdings ein einziges Mal - in Hermannstadt, im Jahr 1911. Es ist eine Anspielung auf Kronstädter Gusto Gräser, einem der ersten Hippies, der sich für ein naturnahes Leben entschieden hatte. Die Hauptfigur des Stücks, Hans Heimann, wird allerdings durch die Liebe verführt und gibt so seinen Glauben und sich selbst auf. Das Stück „ist eine schwer verdauliche Kost, weil es literarisch problematisch ist“, erklärte Ziegler, es sei jedoch historisch von Interesse.<br />
Erste Monografie über die Schwarze Kirche<br />
Einen besonders wertvollen Nachlass Ernst Kühlbrandts verdankt man seiner Forschung an der Schwarzen Kirche. Er hat akkurate Zeichnungen nach Kunstwerken aus der Schwarzen Kirche hinterlassen, wie etwas vom Taufbecken, der Kanzel oder wertvollen Kerzenleuchter. Sein intensives Interesse galt auch den osmanischen Teppichen, über die er ins Detail Inventar führte. So erfuhr er beispielsweise, dass diese von Orienthändler als Steuern bezahlt wurden und auf diese Weise in den Besitz der Schwarzen Kirche kamen.&nbsp;<br />Seine Forschungen an der Schwarze Kirche zu Beginn des Jahrhunderts fasste er in zwei Bänden zusammen, in der ersten Monografie über das Gotteshaus „Die Schwarze Kirche“. Es sei ein riesiges Verdienst, das heute in Vergessenheit geraten sei, so Ziegler. „Wir verdanken ihm sehr viele Kenntnisse“.<br />Über die faszinierende Persönlichkeit und Tätigkeit von Ernst Kühlbrandt kann man näheres im Honterusarchiv erfahren.<br />Der folgende Vortrag der Reihe „Kulturerbe hautnah” findet am 9. Juni, um 18 Uhr im Chorraum der Schwarzen Kirche statt. Der große Altar wird im Rampenlicht stehen.<br />
Laura Capatana&nbsp;Juller

Frank-Thomas Ziegler erklärt im Kapitelzimmer der Honterusgemeinde voller Begeisterung über den wertvollen Nachlass von Ernst Kühlbrandt an der Schwarzen Kirche. Foto: die Verfasserin.<br /><br />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 15 May 2026 06:24:00 +0000</pubDate>
			
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			<title>Künstlerisches Gepäck und siebenbürgische Heimat</title>
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			<description>Ein Abend über Identität und das Ankommen/ Vortrag von Dr. Heinke Fabritius über drei Generationen...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Ein Abend über Identität und das Ankommen/ Vortrag von Dr. Heinke Fabritius über drei Generationen Künstlerinnen der Familie Zipser<br /><br />Ein Koffer voller Ikonenmalerei aus Bukarest, eine Nixe als Grabstein im Donaudelta und die Suche nach einem neuen Leben in der Bundesrepublik. Was bedeutet es, Siebenbürgen nicht nur als geografische Herkunft, sondern als „künstlerisches Gepäck“ mit sich zu tragen? Dieser Frage ging die Kunsthistorikerin Dr. Heinke Fabritius am Donnerstag, dem 23. April, im Festsaal des Forums nach. Wo sonst in kürzester Vergangenheit über die schweren Akten der Zeit oder aber organisatorische Details der deutschen Minderheit in Kronstadt diskutiert wurde, öffnete sich diesmal ein Fenster zur künstlerischen Seele dreier Frauen: Katharina, Pomona und Elena Zipser – Großmutter, Mutter und Tochter.<br />
Zwischen Tradition und Neuanfang<br />
Dr. Heinke Fabritius, die seit 2017 als Kulturreferentin für Siebenbürgen, den Karpatenraum, Bessarabien und die Dobrudscha am Siebenbürgischen Museum auf Schloss Horneck wirkt, ist in Kronstadt keine Unbekannte. Seit sieben Jahren prägt sie die hiesige Jugendarbeit mit und versucht, jungen Menschen die Bedeutung von Gemeinschaft und Identität näherzubringen. An diesem Abend jedoch sprach sie in ihrer Rolle als Forscherin über ein Thema, das viele der Anwesenden im Kern berührte: das Schicksal der Aussiedler und ihrer „Ankommensgeschichten“ in der Bundesrepublik Deutschland. Nach einer kurzen Einführung zu ihrer Person und der Empfehlung einiger Bücher zu der Thematik der Aussiedler, ging es zum Hauptteil der Veranstaltung: den drei Zipser-Künstlerinnen. Obwohl sie seit Jahrzehnten in Deutschland leben oder dort geboren wurden, bewahren alle drei eine besondere Verwurzelung zu Rumänien und damit der familiären Vergangenheit in ihrem Werk. Besonders eindrücklich schilderte Fabritius den Weg von Katharina Zipser (geb. 1931 in Hermannstadt). Als evangelische Christin erwarb sie in Bukarest die offizielle Legitimation als Ikonenmalerin – ein geistiger Raum der Freiheit inmitten der strengen Ausbildung der 50er Jahre. Diese dem orthodoxen Glauben zugehörigen Ikonen waren für sie eine formale Schule der Struktur und kommen auch in ihren späteren Werken aus der Bundesrepublik zum Vorschein.<br />
Der Bruch von 1970<br />
Denn im Jahr 1970 erfolgt mit der Ausreise von Rumänien nach München der tiefe Einschnitt. Fabritius zeichnete ein ungeschöntes Bild dieser Zeit: Eine alleinerziehende Mutter – durch den Verlust ihres Mannes bei einem Unfall im Donaudelta – in ihren 40ern, konfrontiert mit einer westdeutschen Kunstwelt, die für die „osteuropäische Ikonenästhetik“ kaum Verständnis aufbrachte. Katharina Zipser verdiente sich ihren Unterhalt mühsam als Zeichenlehrerin an Volkshochschulen, während sie gleichzeitig versuchte, ihre künstlerische Sprache neu zu definieren. In ihren Werken mischen sich nun Leda und der Schwan mit den starren Kompositionsregeln der Heiligenmalerei. Es ist ein Ringen um Sichtbarkeit in einer neuen Umgebung, die Fabritius treffend beschreibt: „Was wollen die Bundesdeutschen mit Ikonen?“ Und doch gelang ihr genau das: sie selbst zu bleiben und damit die Ikonen auch nicht ganz wegzulassen, aber durchaus ihren Stil zu erweitern. Eines ihrer Werke mit dem Titel „Herabsteigender Christus“ ist übrigens in der Johanniskirche in Hermannstadt zu finden.<br />
Pomona Zipser: Die Befreiung in den Raum<br />
Während Katharina weiter mit Malerei ihren Weg beschritt, schlug ihre Tochter Pomona, die bei der Ausreise aus Rumänien zwölf Jahre alt gewesen war, eine andere Richtung ein. Fabritius erklärte, wie Pomona, die in den 80er Jahren bei Lothar Fischer Bildhauerei studierte, die Zweidimensionalität der mütterlichen Malerei verließ. Ihre Skulpturen aus Holz, oft kombiniert mit Fundstücken, Textilien oder Metall, wirken wie fragile Konstrukte, die dennoch eine deutliche Präsenz im Raum haben. Oft stehen sie nur auf einer Spitze, berühren nach oben hin noch leicht die Raumdecke und scheinen kaum Halt zu haben; trotzdem bleiben sie stehen – ein Sinnbild für das Dasein zwischen den Welten. In Pomonas Werk scheint das „Gepäck“ der Herkunft weniger in konkreten religiösen Motiven auf, sondern in einer elementaren Beschaffenheit und dem Spiel mit dem Provisorischen. Es ist ein Echo auf die Erfahrung des Umbruchs, des Abbruchs und des mühsamen Neu-Zusammensetzens einer Identität in der Fremde.&nbsp;
Elena Zipser: Die Enkelin und ihre Wasserzeichen<br />
Mit Elena Zipser, der Enkelin von Katharina und Tochter von Pomona, erreichte der Vortrag die dritte Generation. Hier stellt sich die zentrale Frage: Was bleibt von Siebenbürgen oder Rumänien in einer Generation, die das Land nur noch aus den Erzählungen der Mutter oder Großmutter kennt? Fabritius verdeutlichte, wie Elena die Verbindung zur rumänischen Landschaft nicht nostalgisch verklärt, sondern auf eine Art Spurensuche geht. Dadurch, dass sie erstmalig komplett alleine in Rumänien war, um ihre Großmutter bei einer Veranstaltung in Kronstadt zu vertreten, blieb ihr auch nichts anderes übrig, als die Heimat der Vorfahren aus eigener Perspektive kennenzulernen. Und sie zeichnete sie. Allerdings immer nur, nachdem es geregnet hatte, als ob der Staub, den der Regen davonwusch, sonst – durch die Vorbelastung der Vergangenheit – ihren Blick auf die siebenbürgischen Elemente gestört hätte. Ihre Werke und Performances unterscheiden sich von der Kunst ihrer Mutter und Großmutter – jede der Zipser-Damen hat ihren eigenen Bereich, auch wenn manche inneren Beweggründe die gleichen sein mögen.&nbsp;
Die Abschlussdiskussion: Neue Impulse
Fabritius nutzte die Diskussionsrunde im Anschluss an den Vortrag auch zu einem Appell an die nachfolgende Generation. Ihr Ziel sei es, diese Themen wieder so sichtbar zu machen, dass daraus Bachelorarbeiten oder Masterarbeiten generiert werden, es gäbe noch viele Lücken. Sie betonte: „Es gibt wirklich Material, das man nicht vergessen soll. Es zu erforschen ist nicht minder wichtig als die Arbeit in den ganzen staatlichen Akten, die wir kennen.“ Wenn niemand dazu weiterforschen würde, dann müsse sie das eines Tages selbst in ihrer Rente machen, fügte sie schmunzelnd hinzu.&nbsp;<br />Am Ende blieb im Festsaal die Erkenntnis, dass Integration kein bloßes „Funktionieren“ oder Vergessen ist, sondern eine generationsübergreifende, schmerzhafte und doch fruchtbare Auseinandersetzung mit dem, was man im Gepäck hat. Dr. Heinke Fabritius gelang es, diesen Prozess als eine Bereicherung darzustellen – der Abend machte Mut, die eigenen Wurzeln nicht als bleiernes Erbe, sondern als lebendigen, sich stetig wandelnden Anker zu begreifen.<br />Die Veranstaltung klang bei Gebäck und angeregten Gesprächen aus.<br /><br />Bernice Krech Lițoiu&nbsp;

Dr. Heinke Fabritius zu Ende des Vortrags – auf der Leinwand sind von links nach rechts Katharina, Pomona und Elena Zipser zu sehen. Foto: Bernice Krech-Lițoiu<br /><br /><br />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 08 May 2026 20:47:00 +0000</pubDate>
			
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