"Die Gegenwart im Spiegel der Vergangenheit zeigen"
20.02.26
Friedrich Philippi, Gymnasiallehrer für Geschichte 1834-1893
Friedrich Philippi war der einzige Sohn des Pfarrers aus Tartlau und Dechanten mit dem gleichen Namen. Er hatte noch zwei viel jüngere Schwestern, Johanna verheiratet mit dem Notar Franz Linz und Josefine verheiratet mit dem Spiritusfabrikant Paul Arzt.
In der Kronstädter Zeitung vom 22. Juni 1893 erschien ein Nachruf nach dem Tod von Friedrich Philippi, geschrieben im Geist der Zeit und leider ebenfalls ohne Angabe des Verfassers. Diesen Nachruf übernehmen wir gekürzt anstatt eines Lebenslaufes.
“Mehr als die Hälfte seiner nahezu 59 Lebensjahre – Philippi wurde am 4. Juli 1834 geboren – war er als Lehrer der Geschichte am ev. Obergymnasium bemüht, der heranwachsenden Jugend die Gegenwart im Spiegel der Vergangenheit zu zeigen, dabei einerseits musterhafte Pünktlichkeit, andererseits einer so freundlichen Behandlung seiner Schüler sich befleißigend, dass diese ihm auch in späteren Jahren nicht nur Liebe und Achtung entgegenbrachten, sondern gar mancher von ihnen später in ein herzliches Freundschaftsverhältnis zu ihm trat. Eine gleiche Ausdauer bewährte er als Bezirkskonsistorialaktuar und als Schriftführer des Sparkassavereines, indem er den ersteren Posten 24 und den letzteren 29 Jahre unverdrossen ausfüllte, obwohl er, besonders als Aktuar des Bezirkskonsistoriums und vornehmlich zur Zeit der Lostrennung der Siebendörfer evang. Gemeinden von der ev. Landeskirche A.B. in Siebenbürgen, mit Schreibereien überhäuft war.
…
Warm schlug sein Herz für sächsisches Volkswohl und schmerzlich empfand auch er, wie feindliche Kräfte die Wurzeln desselben bloßzulegen und zu schädigen strebten. Und umso tiefer war sein Empfinden, je hellere Bilder aus der Vergangenheit des sächsischen Volks ihm entgegenleuchteten, sei es in den Gestalten “der deutschen Ritter im Burzenland“, sei es im Kampfe desselben gegen Fürstentyrannei und für das gute Recht. Desto größere Freude erfasste ihn aber auch, wenn er unser sächsisches Volk im Schmucke berechtigten Nationalstolzes sehen konnte. Das erfuhr er in reichem Maße, als er in seiner Eigenschaft als Bezirkskonsistorialaktuar im Jahre 1879 den Bischof der evang. Landeskirche D. G. D. Teutsch auf seiner Kirchenvisitation im Burzenlande begleiten konnte.
War aber das Tages Last bewältigt, dann erholte er sich gern im Kreise seiner Familie, seiner Kollegen und Freunde. Die frohe Geselligkeit zeitigte dabei gar manchen Scherz, gar manches heitere, hie und da auch ernste Gedichte, hatte sich doch humoristische und poetische Beanlagung von seinem Vater, dem Tartlauer Pfarrer und Burzenländer Dechanten Fr. Philippi, auf ihn vererbt. Viele angenehme Stunden verdankte er außerdem seiner Liebe zur Musik und zum Gesang. Diese führte ihn in die Reihe der Gründer des “Kronstädter Männergesangvereins“, dessen Vorstand er später volle 27 Jahre gewesen ist. Die Arbeitsfreudigkeit und Unermüdlichkeit, die er als solcher bewies, die Herzlichkeit und Verträglichkeit, die von ihm aus, den ganzen Verein durchzog, sie fanden wiederholte Anerkennung in seiner Ernennung zum Ehrenmitglied des Ehrenvorstandes, sowie in manchen Widmungen von Sängerinnen und Sänger. Er hinwieder schenkte dem ihn verehrenden und liebenden Verein in seiner Geschichte (der 25 ersten Lebensjahre) des “Kronstädter Männergesangvereines“ ein sinniges Angebinde von bleibendem Wert. Wenn wir so auf jedem Blatte des Lebensbuches unseres Friedrich Philippi, das heute leider abgeschlossen vor uns liegt, immer und immer wieder die Zeugen für seine Arbeitsfreudigkeit und Gewissenhaftigkeit, wie nicht minder für sein Freundlichkeit und Gemütstiefe finden, dann können wir mit vollem Rechte unter des Buches letzte Seite die Worte des Dichters Prutz setzen:
„Die wir ins stille Grab versenkt,
Sie sind nicht tot, so lang ein Herz
In Liebe ihrer treu gedenkt!“
Er hat diese Worte wahrhaftig verdient!”
Soweit der Text aus dem Nachruf.
Friedrich Philippi heiratet 1861 Josefine Wächter (1843-1863), die Tochter des Finanzbezirksdirektors Josef Wächter und der Josephine geb. Plecker. Aus dieser kurzen Ehe stammt der Sohn Fritz Johann (1862-1926), später Landesadvokat.
10 Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau heiratet er noch einmal mit Maria Flechtenmacher (1852-1942), der Tochter des Pfarrers aus Rothbach, Karl Flechtenmacher. Aus dieser Ehe stammt eine Tochter Maria verheiratet mit dem Kaufmann Friedrich Binder und der Sohn Gustav Adolf, später Rechtsanwalt, dessen Biografie in einem weiteren Beitrag erscheinen wird.
Neben anderen geschrieben Werken wie z. B. „Die deutschen Ritter im Burzenlande” hat er auch das „Werkchen“, wie er es selber in seinem Vorwort nennt, „Aus Kronstadts Vergangenheit und Gegenwart“, Begleitwort zum Plan von Kronstadt, verfasst als Festgabe der Stadt Kronstadt für die in Kronstadt im Jahr 1874 tagenden Wandervereine, Verein für siebenbürgische Landeskunde, ev. Gustav-Adolf-Verein und andere Vereine.
Friedrich Philippi ist am 21. Juli 1893 im 59 Lebensjahr gestorben und wurde am 23. in die Familiengruft beigesetzt. “Prediger Nussbächer hielt ihm die Leichenrede und Stadtpfarrer Franz Obert und viele weitere Mitglieder des Gesangsvereins waren auch dabei und sangen ihm einige warmempfundene Lieder ins Grab hinab“. (Eduard Gusbeth, Tagebuch). Seine zweite Frau überlebte ihn um 49 Jahre und wurde dann 1942 auch in diese Familiengruft bestattet.
Peter Simon
Foto: Der Pfarrer und Dechant Friedrich Philippi 1807-1874, Ölgemälde in den Räumen des Kronstädter Bezirks.
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