Ein Leben für das Handwerk und die Musik
16.10.26
Arnulf Einschenk mit dem Apollonia-Hirscher-Preis für sein Lebenswerk geehrt
Am Dienstag, dem 6. Oktober, wurde es den Anwesenden im Forumsfestsaal richtig warm ums Herz. Arnulf Einschenk, Holzinstrumentenreparateur und Klavierstimmer, wurde mit dem Apollonia-Hirscher-Preis 2025 für sein Lebenswerk gewürdigt. In einem Kreis von Menschen, die gekommen waren, diesen besonderen Moment mit dem Preisgekrönten zu teilen, wurden prägende Stationen seines Wirkens, sowie liebe Erinnerungen geteilt – gewürzt mit Wertschätzung, feinem Humor und Selbstironie, sehr zur Freude des Ausgezeichneten und des Publikums. Es war ein Abend, an dem nicht nur ein Handwerker gefeiert wurde, sondern auch eine Familientradition, ein Stück Kronstädter Musikgeschichte und eine Haltung, die über Generationen hinweg Bestand hat.
In seiner Laudatio würdigte Organist Eckart Schlandt seinen langjährigen Freund. Auch wenn man sich in diesem „kleinen Kreis“ kenne und es schwierig sei, „etwas Neues zu sagen, das vielleicht alle interessiert“, brachte der Laudator – unter anderen in Versen – Arnulf Einschenks Leben und Wirken auf den Punkt. An der Seite des Meisterhandwerkers saß, wie seit Jahrzehnten, seine Frau, Gundel Einschenk, selbst Trägerin des Apollonia-Hirscher-Preises für das Jahr 2011.
Eine Werkstatt, vier Generationen
Arnulf Einschenk führte das von seinem Großvater Karl Einschenk 1896 in der Schwarzgasse gegründete Familiengeschäft weiter. Die Orgelbaufirma baute 45 Orgeln und renovierte diese grundlegend, widmete sich danach um derer Instandhaltung. Schon als Jugendlicher, im Alter von 14 Jahren, kam Arnulf Einschenk in die Werkstatt und unterstützte anfangs seinen Onkel Otto – den großen Orgel-Fachmann – gemeinsam mit seinem Vetter Rolf Tellmann bei zahlreichen Überlandfahrten zu den Instrumenten. Später widmete er sich auch den Reparaturen und dem Stimmen von Klavieren sowie weiteren Instrumenten wie Akkordeons, Streichinstrumenten und Geigen.
Auch heute noch kommen die Kunden von weither, „sind respektvoll, auch weil sie ihn dringend brauchen… Er ist über alle hier wohnenden Nationen hinweg ein gefragter Mann, ein Exponent des früher so zahlreichen Handwerkerstandes”, heißt es in der Laudatio. Wohl jeder weiß, dass Arnulf Einschenk die Klaviere in der Philharmonie, der Redoute, an der Universität und in Privathäusern in der ganzen Stadt und darüber hinaus gestimmt hat und zum Teil bis heute dazu beiträgt, dass die Instrumente in vollem Glanz erklingen. Eckart Schlandt fasste dies kurz zusammen:
„Unterwegs zur Philharmonie, Pianinos an der UNI,
Roma brauchen Accordeoni, manchmal hängt ein Orgeltoni…“
Mehr als ein Lächeln brachten auch die nächsten Verse auf die Gesichter der Anwesenden, die davon erzählen, dass Arnulf Einschenk und Eckart Schlandt, beide mit der Musik Kronstadts tief verbunden, immer wieder miteinander verwechselt werden:
„Pe acrodeorul Schlandt (foarte căutat)
Și organistul Einschenk iar i-am confundat;
Și asta nu o dată, enervant!
Care e dl șlant?”
Es gibt Familien, die das Gesicht einer Gemeinschaft über Generationen hinweg mitprägen und durch ihr unermüdliches Wirken zu beständigen Institutionen werden. Die Familie Einschenk gehört zweifellos dazu. Seit der Gründung des Familienunternehmens wird hier handwerkliches Wissen weitergegeben und eine Tradition gepflegt, die weit über das eigene Geschäft hinausreicht: Instrumente werden erhalten, Musik wird ermöglicht und kulturelles Erbe bleibt lebendig.
Einsatz auch in der Kirche
Stadtpfarrer Christian Plajer meldete sich zu Wort und dankte dem Instrumentenreparateur öffentlich im Namen der Honterusgemeinde für die „ vielen ungezählten Stunden vor allem ehrenamtlichen Einsatzes für alle Instrumente der Gemeinde“, insbesondere aber für seinen Einsatz an der Buchholzorgel in der Schwarzen Kirche. Diese hatten Arnulf Einschenk und Rolf Tellmann 1984, nach Abschluss der Renovierungsarbeiten im Inneren der Kirche, „mit hohem Aufwand ehrenamtlich auf Vordermann gebracht“.
Plajer würdigte auch Arnulf Einschenks langjährige Treue zur Gemeinde: zunächst als Presbyter, später als Unterstützer seiner Frau, die über drei Mandate das Amt der Kuratorin der Schwarzen Kirche übernahm.
Besondere Wertschätzung galt dem Handwerker par excellence seitens Christian Plajer, für seine „beneidenswerten Standhaftigkeit, Bodenständigkeit und Beharrlichkeit“. Seit 72 Jahren geht Arnulf Einschenk durch wechselnde Zeiten hindurch unbeirrt in seine Werkstatt und meistert die Herausforderungen der Zeit. Dabei ist er konsequent bei dem geblieben, was als wesentlich für die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft hervorhob: handwerkliche Qualität auf hohem Niveau, Loyalität gegenüber der Gemeinschaft und Nähe zur Kirche.
Und noch etwas sprach der Stadtpfarrer an: Arnulf Einschenks Selbstironie und seinen humorvollen Umgang mit der Arbeit, „die einen vor der Überheblickeit des professionellen Selbstbewusstsein schütze“. In einem Spruch ist diese Haltung festgehalten, den Arnulf zusammen mit seinem Werkzeug geerbt hat und der zu Hause an seinem handwerklichen Arbeitstisch steht: „...und wenn mich dann die Arbeitswut packt, setze ich mich ganz still in eine Ecke und warte bis der Anfall vorbei ist“. Alle Erfahrung und alles Können, die sich in 72 Arbeitsjahren angesammelt haben, ermöglichen ihm eine heilsame Distanz zur eigenen Leistung, ohne deren Wert infrage zu stellen.
Seiner Linie treu geblieben
Seine Einstellung habe ihm auch geholfen, Grenzen selbstbewusst zu setzen - etwa in kommunistischen Zeiten einen herrischen Cooperativa-Chef, der ihn in seiner enteigneten, für ihn aber weiterhin eigenen Werkstatt herablassend behandelte, entschieden zurück. Erst wenn dieser freundlich und höflich um Hilfe bat, war der Handwerker bereit, die Geige zu reparieren. Nie wieder ist jemand „von oben“ mit solchen Allüren über die Schwelle der Werkstatt getreten. Auch diese Geschichte zeigt, dass Arnulf Einschenk sich selbst von Vorgesetzten nicht einschüchtern ließ und Respekt als Grundlage jeder Zusammenarbeit betrachtete.
Der Abend zu Ehren des Inhabers des Familienunternehmens „Instrumente Muzicale Einschenk“ wurde durch musikalische Beiträge seines Enkels Jonathan Arvay an der Trompete und von Nicușor Răducanu am Klavier bereichert, der Kollege Arnulf Einschenks im Familienunternehmen ist.
„Vielen Dank für alles. Es ist für mich eine besondere Ehre, dass ich da stehen darf, aber wenn das sein muss, bin ich dankbar“, erklärte der Preisträger in wenigen Worten und mit einem ansteckenden Schmunzeln im Gesicht.
„Es vergehen Jahrzehnte, kein gesunder Arnulf denkt an Rente“, heißt es in der Laudatio. Und tatsächlich: Auch heute noch, mit 86 Jahren, geht Arnulf Einschenk regelmäßig in seine Werkstatt in der Schwarzgasse, empfängt langjährige Kunden, repariert Instrumente am Arbeitstisch seines Vaters und berät Kunden. „Ich bin immer bereit, dort zu helfen, wo es nötig ist.“
Und für jene, die sich fragen, wie es mit dem Familienunternehmen weitergeht, hat Arnulf Einschenk eine Antwort: „Senta (seine jüngste Tochter) hat die Leitung der Firma schon seit Jahren übernommen.“ Sie könne verschiedene Reparaturen durchführen, werde sich aber sicherlich einen Handwerker zur Seite halten, etwa Kollegen Nicușor Răducanu. Die Hoffnung besteht aber auf eines der drei Enkelkinder, Sentas Kinder, von denen eines vielleicht später einsteigen könnte.
Der Apollonia-Hirscher-Preis wird seit 1998 jährlich vom Demokratischen Forum der Deutschen in Kronstadt (DFDK) und der Heimatgemeinschaft der Kronstädter in Deutschland an eine siebenbürgisch-sächsische Persönlichkeit für ihr gemeinnütziges Wirken verliehen.
Laura Căpățână Juller
Die Kronstädter Wochenschrift "Karpatenrundschau" erscheint als Beilage in der "Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien".
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