Friedrich Stenner, Archivar, Forscher, Sammler, Sänger
31.07.26
Ein Jahrhundert seit seinem Tod
Bekannt geworden ist er durch sein Hauptwerk „Die Beamten der Stadt Kronstadt, von Anfang der städtischen Verwaltung bis in die Gegenwart“. Verlegt wurde es 1916 und unterschrieben hat er sich als, Friedrich Stenner Magistratsrat in Rente. Er nennt es den VII. Band zu den „Quellen zur Geschichte der Stadt Kronstadt“. Auf der Seite 141 dieses wertvollen Werkes beschreibt er selber seinen Werdegang und nennt sich bescheiden „Mitarbeiter“ an diesem Buch.
Friedrich Wilhelm Stenner ist am 26. August 1851 in Kronstadt, im Haus Ciocrac (heute Const. Lacea) Nr. 1, als Sohn und erstes Kind des Professors und später Pfarrers von Nussbach Friedrich Martin Stenner und Friederike von Miller, geboren. Zehn Jahre später folgten noch zwei Schwestern, Friedrike und die Musiklehrerin Louise.
Über seine Kindheit erzählt er gerne in seiner Familienchronik von den Besuchen am Pfarrhof seines Vaters in Nussbach. Hier seine Worte: “Für mich den kleinen Knaben, ich zählte damals 6 Jahre, war der Große Pfarrhof, der weite Garten, Dorf und Feld, eine neue unbekannte Welt. Bald hatte ich auch muntere Spielkameraden. Die gleichaltrigen oder nur um wenige Jahre älteren Buben der Lehrer und des Notärs, Georg Galter (1813-1894) die Knaben Michael Pfaff, Martin Tartler, Josef Mieß und drei Brüder Josef, Adolf und Heinrich Galter, die mich bald ins ländliche Leben einführten und mit allen Herrlichkeiten für die ein Knabenherz am Lande schwärmt, vertraut und bekannt machten“.
Wenige Seiten später schreibt er: „Der Zufall wollte es, dass wir aus Nussbach 4 Schüler einer Klasse das ganze Obergymnasium durch beieinander waren, kameradschaftlich uns gut vertrugen und was die Hauptsache und eine Seltenheit war, gerade ein stimmlich gutes Quartett bildeten. Der alte Schulrektor von Nussbach Martin Tartler hatte uns als Quartett entdeckt und ließ es sich nicht nehmen, schon zu Ende unserer Untergymnasial-Zeit, als unsere Stimmen zu mutieren begannen, diesbezüglich auf uns zu sorgen und uns dann in ein Quartett einzuteilen, Adolf Galter I. Tenor, Michael Pfaff II. Tenor, ich Fritz Stenner I. Bass und Josef Thieß II. Bass. So sangen wir in den Ferien zu Hause in Nussbach und auch häufig während der Schulzeit in der Stadt”. Dieser Adolf Galter (1848-1930) ist der Ururgroßvater des Verfassers dieser Zeilen, wurde Lehrer und Prediger in Neustadt und Begründer der Galter-Großfamilie in Neustadt.
Im Jahre 1871 absolvierte Friedrich Stenner das Honterusgymnasium um anschließend in Graz und Budapest die Rechte zu studieren. Nach seiner Heimkehr wurde er beim Kronstädter Stadt- und Distriktsmagistrat zuerst als Sekretär angestellt, wurde dann zum Notären ernannt und rückte 1877 zum Leiter der Expeditskanzlei des Magistrats auf. Das nächste Vierteljahrhundert war er, beginnend mit dem 29. Juni 1878 Stadtarchivar. Kurz vorher hatte er Antonie Miess, die Tochter des Direktors der Pensionsanstalt Johann Miess und der Antonia Bundschuh, geheiratet. Nach vier Jahren Ehe stirbt seine Frau 26-jährig an Nierenversagen. Nachkommen hat es in dieser Ehe keine gegeben.
Nach fünf Jahren entschließt er sich zu einer zweiten Ehe. Am 17. August 1887 heiratet er Julia Scheeser, die Tochter des Fleischhauers Joseph Scheeser und der Juliana Hornung. Aus dieser Ehe entstammen die zwei Töchter Elfriede Stenner, Klavierlehrerin und Mutter des bekannten Musikers Adolf Gärtner (1916-2017) und Margaretha Stenner. Zwei Monate nach der Geburt des zweiten Mädchens stirbt auch seine zweite Frau an Typhus, im 22. Lebensjahr.
Im Jahre 1903 wurde Friedrich Stenner zum Magistratsrat gewählt und rückte 1910 zum ersten Magistratsrat oder Bürgermeister-Stellvertreter auf. In dieser Zeit war Franz Hiemesch Bürgermeister (Vgl. KR 31-03-2024). Eine ausführliche Beschreibung seiner vielen beruflichen Verdienste finden wir in der Würdigung unseres unermüdlichen Gernot Nussbächer in der Karpatenrundschau vom 13. März 2014. Hier beschreibt, mit viel Fachwissen, der Berufskollege was Friedrich Stenner in den vielen Jahren als Stadtarchivar alles geleistet hat.
Friedrich Stenner war auch ein begeisterter Sammler. Im Staatsarchiv gibt es eine große Sammlung von Fotografien mit Ansichten aus Kronstadt und Umgebung, aber auch von Porträts von Staatsbeamten deren Leben er in seinem bedeutenden Werk beschreibt. Die Sammlung von alten Ansichtskarten Kronstadts ist inzwischen leider verschollen.
Ebenso half er dem Stadtarzt Dr. Eduard Gusbeth (1839 - 1921) bei der Dokumentation seiner Arbeit „Zur Geschichte der Sanitätsverhältnisse von Kronstadt“ (1884) und bei den 13 Berichten zu dem Gesundheitswesen in Kronstadt für die Jahre von 1884 bis 1900 sowie dem Forstmeister Eduard Zaminer bei der Ausarbeitung seiner „Geschichte des Waldwesens der Stadt Kronstadt” (1891).
Im Jahre 1919 wurde Stenner auch Mitglied der „Vereinigung Kronstädter Sammler“, die das Burzenländer Sächsische Museum gegründet hatte und betrieb und wirkte bis zu seinem Tode als Sekretär dieser Vereinigung. Seit seiner Heimkehr nach Kronstadt im Jahre 1875 wirkte Friedrich Stenner auch im Kronstädter Männergesangverein. Er hatte eine schöne Baritonstimme und wirkte in zahlreichen Aufführungen mit. Von 1878 bis 1897 war er auch Archivar des Vereins und wurde von 1897 bis 1909 sein zweiter Vorstand.
Friedrich Stenner starb am 7. Februar 1924 im 73. Lebensjahr. In der Kronstädter Zeitung vom 9. Februar 1924 erschien ein schöner Nachruf, ohne Angabe des Autors: „Ein verdienstvoller Mitbürger, tüchtiger Volksgenosse und herzensguter, liebenswerter Mensch ist aus unserer Mitte gerissen worden, Gestern Donnerstag, abends ist der pensionierte Magistratsrat Friedrich Wilhelm Stenner im Alter von 72 Jahren gestorben und hat seine Familie und seine zahlreichen Freunde in tiefe Trauer versetzt…
Die stille Forscherarbeit und Beamtentätigkeit hätten Stenner weiteren Kreisen wohl nicht bekannt gemacht. Bei ihm aber trat eine Fähigkeit hervor, die ihn auch dem großen Publikum unserer Stadt lieb und wert machte. Er war im Besitze einer schönen wohlgeschulten Gesangsstimme. Jahrzehnte hindurch hat er als Solist des Männergesangsvereins, durch seinen weichen, warmen Bariton die Herzen gewonnen. Bis in die letzten Tage hat er dem Verein aktiv angehört, sein ältestes noch mitsingendes Mitglied, eine Stütze des Vereins, der ihm zum größten Dank verpflichtet ist…
Nun heißt es auch von ihm „Stumm schläft der Sänger”. Aber das Lied vom braven Mann, vom edlen Menschen, vom aufrichtigen Freund klingt fort in den Herzen aller, die den Lebenden in sich geschlossen hatten.“. Er wurde am 9. Februar 1924 in der Familiengruft in der Inneren Stadt C36 neben seiner Mutter bestattet. Der Vater liegt wohl in der Pfarrergruft aus Nussbach. In der gleichen Gruft wurden auch seine erste Frau Antonie geb. Miess sowie deren Vater bestattet. Später haben, auch in dieser Gruft, seine Schwestern Friedrike 1938 und Louise 1952 ihre ewige Ruhe gefunden.
Peter Simon
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