Lichtbringer mit Herz und Geschichte
18.09.26
25 Jahre Fackelträgerzentrum „PdF“ in Rosenau
„Der richtige Mann mit seiner richtigen Frau zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ – mit diesen Worten brachte Kurt Schneck, der ehemalige Leiter des österreichischen Fackelträgerzentrums Schloss Klaus das Wirken von Eberhard und Elke Beck sowie die Entstehung des Fackelträgerzentrums in Rosenau auf den Punkt. Vom Donnerstag, dem 10., bis Sonntag, dem 13. September, feierte das Zentrum sein 25-jähriges Bestehen mit einem viertägigen Festprogramm, das hunderte Gäste aus dem In- und Ausland zusammenbrachte.
Was bedeutet „Fackelträger“ überhaupt?
Die 25 weltweit bestehenden Fackelträgerzentren sind christliche, überkonfessionelle Begegnungsstätten, die Menschen dazu einladen, ihren Glauben zu entdecken und zu vertiefen. Das ganzheitliche Programm soll dabei den ganzen Menschen ansprechen – in seinem Glauben, Denken, Fühlen, in seinen Beziehungen und in seinem praktischen Leben. Der Name „Fackelträger“ geht auf das biblische Bild des Lichts zurück, „Ihr seid das Licht der Welt“ (Matthäus 5,14). Die Fackel, deren Licht weitergetragen wird, symbolisiert den Gedanken, dass Christen das von Gott empfangene Licht, ihren Glauben und ihre Hoffnung an andere weitergeben. Weltweit sind die Zentren als „Torchbearers international“, also „Fackelträger“ bekannt; das rumänische Zentrum trägt den Namen auf Rumänisch, „Purtătorii de Făclie“, oder kurz „PdF”.
Festlichkeiten zum Jubiläum in Rosenau
Bereits am Donnerstag reisten rund 200 geladene Übernachtungsgäste an, die im Hauptgebäude und im großen Festzelt des Zentrums an der Glăjărie empfangen wurden. Dabei handelte es sich sowohl um ehemalige und aktuelle Mitarbeiter und Langzeitvolontäre als auch Partnerorganisationen und Freunde des Freizeitzentrums. Nach einem gemeinsamen Abendessen stimmte ein Begrüßungsgottesdienst mit Lobpreis und einer geistlichen Botschaft von Florin Șaitiș, der gemeinsam mit Eberhard des Zentrums leitet, auf die Jubiläumstage ein. Der Freitag stand ganz im Zeichen des Rückblicks und der Gemeinschaft: Auf das Frühstück folgte eine geistliche Ansprache von Kurt Schneck im Zelt, ehe die Teilnehmer bei einem Spaziergang („Remember“) persönlichen Zeugnissen lauschten. Von den bescheidenen Anfängen ohne jegliche Gebäude über entbehrungsreiche Bauzeiten bis hin zu humorvollen Anekdoten: Die Anwesenden erhielten einen lebendigen Einblick in die Geschichte des Zentrums. Beispielsweise gab es in den Anfangsjahren keine befahrbare Brücke über den Ghimbășel, einen Fluss, der das Gelände durchläuft – so gab es immer wieder abenteuerliche Fahrten mit Traktor, Bagger oder Geländewagen, um das Wasser zu durchqueren. Das heutige Gelände mit seiner modernen Infrastruktur ist das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit und des Durchhaltevermögens in schwierigen Zeiten. Nachmittags wurde symbolisch ein Baum gepflanzt – wie schon zu mehreren besonderen Zeitpunkten in der Geschichte von PdF. Es folgte eine offene Fragerunde und ein geselliger Grillabend, nach dem bei nostalgischen Fotos und Geschichten vor allem lustige Erinnerungen ausgetauscht wurden.
Den Höhepunkt bildete der Tag der offenen Tür am Samstag, an dem rund 500 Tagesgäste das Gelände füllten. Neben Plenarversammlungen und einem bunten Kinderprogramm luden Ausstellungen zur Vereinsgeschichte, ein Gästebuch, eine Fotobox und ein gestalteter Erinnerungspfad zum Entdecken ein. Wie auch bei sonstigen Programmen des Zentrums überraschte das Küchenteam mit sämtlichen Köstlichkeiten: Es gab viele Essensstände, die von der selbstgemachten Pizza, die es bei jeder Freizeit am ersten Abend gibt, über das berühmte Chili con carne bis hin zu Burgern und traditionellen rumänischen Eintöpfen alles boten, was das Herz begehrt. Abends, nachdem ein Film über das Fackelträgerzentrum in Rosenau gezeigt und Torte gegessen wurde, gab es auch eine Aktivität mit Fackeln: draußen wurde mit 100 getragenen Fackeln sowohl der Umriss von Rumänien als auch eine 25 nachgestellt. Den feierlichen Ausklang des Abends bildete ein großes Lagerfeuer, bevor die Jubiläumsfeier am Sonntag mit einem gemeinsamen Brunch ihren entspannten Abschluss fand.
Aller Anfang ist schwer
In seiner Ansprache am Samstagvormittag blickte Kurt Schneck auf die abenteuerlichen Anfänge der Arbeit zurück. Die Geschichte der Fackelträger in Rumänien begann keineswegs mit einem fertigen Bauplan oder einer großen Vision. Schneck erinnerte schmunzelnd an die „Gnade der Naivität“ in den Nachwendejahren ab 1990: Man reiste völlig unbefangen an – in einer Zeit, in der es auf der Strecke von der ungarischen Grenze bis nach Kronstadt kaum funktionierende Tankstellen gab. Erste Bibelwochen, Kinder- und Studentenfreizeiten fanden damals in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche A.B. in Kronstadt und Wolkendorf statt, nachdem eine Konfirmandengruppe aus Kronstadt eine Freizeit bei Schloss Klaus, einem der beiden österreichischen Fackelträgerzentren, verbracht hatte.
Nach einer Vorbereitungszeit auf Schloss Klaus wurden Eberhard und Elke Beck 1997 nach Rumänien ausgesandt. Über die erste Station in Tartlau bauten sie die Arbeit schrittweise auf. Von Anfang an lag den Becks am Herzen, nicht nur unter der deutschen Volksgruppe zu wirken, sondern die gesamte Gemeinschaft einzubinden – auch wenn das Predigen auf Rumänisch zu Beginn noch etwas holprig war. Die Sommerfreizeiten glichen in dieser Phase einem echten „Wanderzirkus“: Zelte wurden an wechselnden Orten auf- und abgebaut, und selbst die einfache Wasserversorgung mit 1000-Liter-Containern stellte die Verantwortlichen vor enorme logistische Herausforderungen. Schnell wurde klar, dass eine feste Basis nötig war.
Im Jahr 2001 folgte die Vereinsgründung von PdF, und 2003 konnte schließlich das Grundstück in Rosenau erworben werden – damals für bescheidene zwei Euro pro Quadratmeter. Die Finanzierung gelang durch eine unerwartete Großspende aus Österreich, punktgenau zwei Tage vor dem Kaufabschluss. Die Ausgangslage vor Ort war jedoch extrem herausfordernd: Das Projekt in Rosenau war das einzige Zentrum unter allen weltweiten Fackelträger-Standorten, bei dem keinerlei Gebäude existierten. Es gab weder Strom- noch Wasseranschluss, keine Kanalisation und wie erwähnt nicht einmal eine Brücke über den Fluss. Schulden zu machen, kam für die Verantwortlichen nicht infrage; gebaut wurde nur mit den Mitteln, die im Vertrauen auf Gott Schritt für Schritt zur Verfügung standen. Parallel zu den baulichen Belastungen lief der Freizeitbetrieb unermüdlich weiter: Skifreizeiten im Winter, Vater-Kind-Wochenenden, Eheseminare, Kinderlager sowie soziale Einsätze in Zeiden gehörten rasch zum festen Programm. Heute ergänzt auch eine eigene Bibelschule die vielfältige Arbeit; es kommen immer mehr Gebäude dazu und auch das Mitarbeiterteam ist gewachsen.
Was wirklich zählt
Das im Laufe des Vierteljahrhunderts entstandene, „schmucke Dorf“ an der Glăjărie versteht Kurt Schneck jedoch nur als ein Werkzeug. Entscheidend sei das engagierte Team vor Ort und die eigentliche geistliche Aufgabe der Fackelträger: Menschen zum Glauben an Jesus Christus zu begleiten, sie zu stärken und sie als „Lichtbringer“ wieder in das Land hinauszusenden.
Die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum machten eines deutlich: Was vor einem Vierteljahrhundert auf freiem Feld begann, ist heute ein fester Ort der Gemeinschaft. Mit einem zusammengeschweißten Team, dankbarem Blick zurück und voller Hoffnung und Vertrauen auf Gott geht die Arbeit in Rosenau nun weiter – um Sein Licht weiterhin in die Welt zu tragen.
Bernice Krech-Litoiu
Ein neuer Baum wurde gepflanzt. Foto: Vlad Agiu/AVA Media
Die Kronstädter Wochenschrift "Karpatenrundschau" erscheint als Beilage in der "Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien".
Herausgeber: Demokratisches Forum der Deutschen im Kreis Kronstadt
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