Mit dem Fahrrad von Rumänien nach Italien
28.08.26
Interview mit Matias Mara
Der 28-jährige Feuerwehrmann Matias Mara aus Karlsburg/Alba Iulia sucht in seiner Freizeit immer wieder neue sportliche Herausforderungen. Besonders das Radfahren hat es ihm angetan: Im vergangenen Jahr fuhr er bereits über Kronstadt bis ans Schwarze Meer, zuletzt erfüllte er sich einen noch größeren Traum und radelte bis nach Italien. Im Interview mit KR-Redakteurin Bernice Krech-Lițoiu spricht er über die Entstehung dieser Idee, die körperlichen und mentalen Herausforderungen der Tour, bewegende Begegnungen unterwegs sowie darüber, was er auf der Reise über sich selbst gelernt hat.
Wie ist die Idee entstanden, mit dem Fahrrad von Rumänien bis nach Italien zu fahren?
Ich bin schon seit meiner Kindheit sportbegeistert. Fahrräder haben mir immer gefallen. In meiner Familie hatte ein Cousin ein Rennrad, später sind auch Freunde von mir Rennrad gefahren. Irgendwann habe ich mir dann selbst eines gekauft. Außerdem habe ich Abenteuer schon immer geliebt. Auf Instagram bin ich vielen Menschen gefolgt, die Bikepacking-Touren unternehmen. Sie haben mich dazu inspiriert, mich näher mit diesem Thema zu beschäftigen. In Italien war ich bis dahin noch nie, und die Vorstellung, dorthin zu fahren, hat mich gereizt. Ich mag außerdem Pizza sehr gern und wollte das Land endlich kennenlernen. Das ist letztlich meine Motivation gewesen.
Wie viele Kilometer hast du insgesamt zurückgelegt?
Ich bin insgesamt 19 Tage unterwegs gewesen, davon 15 Tage auf dem Fahrrad und vier Ruhetage. Insgesamt habe ich ungefähr 1.700 Kilometer zurückgelegt. Das entspricht einem Durchschnitt von rund 110 Kilometern pro Tag.
Wie viele Stunden warst du täglich unterwegs?
Das ist ganz unterschiedlich gewesen. An manchen Tagen bin ich zwölf Stunden gefahren, an anderen sechs oder acht. Das hat vom Streckenprofil, vom Gelände, vom Wind und natürlich auch davon abgehangen, wie viel Energie ich noch gehabt habe.
Wie hast du dich auf dieses Abenteuer vorbereitet – körperlich und organisatorisch?
Mit der organisatorischen Vorbereitung habe ich bereits im vergangenen Jahr begonnen. Ich habe mir das Fahrrad gekauft und außerdem ein neues Handy, damit ich unterwegs filmen konnte. Dazu habe ich mir spezielle Kleidung und Funktionsshirts besorgt, die schnell trocknen und für lange Touren geeignet sind.
Körperlich kann ich allerdings nicht behaupten, dass ich mich besonders vorbereitet habe. Von Januar bis zu meiner Abreise bin ich etwa 1.200 Kilometer gefahren. Während der Reise selbst habe ich dann innerhalb von drei Wochen rund 1.700 Kilometer zurückgelegt. In gewisser Weise bin ich also eher unvorbereitet gestartet. Auch mental habe ich keinen besonderen Vorbereitungsplan gehabt. Ehrlich gesagt ist mir gar nicht bewusst gewesen, was mich erwarten würde. Ich bin einfach losgefahren.
Was ist unterwegs die größte mentale Herausforderung gewesen?
Vor allem das Thema Ernährung – ich bin beim Essen ein bisschen wählerisch. Durch die große körperliche Belastung habe ich ständig Hunger gehabt, aber oft nicht genau gewusst, was ich essen soll. Im Internet habe ich viele Tipps von anderen Radfahrern bekommen, die meine Reise verfolgt haben. Das hat mir sehr geholfen.
Gab es einen Moment, in dem du aufgeben wolltest? Wenn ja, was hat dich motiviert weiterzumachen?
Ja, tatsächlich schon am ersten Tag. Es ist sehr heiß gewesen und ich habe plötzlich keine Energie mehr gehabt. Ich hatte zwar gegessen, aber das Essen hat noch nicht gewirkt. Also habe ich mich an den Straßenrand gesetzt, den Kopf ins Gras gelegt und dort etwa eine halbe Stunde gelegen. In diesem Moment habe ich mich ernsthaft gefragt: „Warum bin ich überhaupt von zu Hause losgefahren?“ Zuhause wäre es doch viel angenehmer gewesen – im Schatten und mit Essen jederzeit griffbereit. Dann habe ich mich daran erinnert, dass ich schon früher schwierige Situationen gemeistert habe. Mir ist klar gewesen, dass schwere Phasen immer auch zu den schönen Momenten dazugehören. Wenn man die schwierigen Abschnitte übersteht, wartet später etwas Gutes. Diese Schwierigkeiten sind nur vorübergehend.
Gab es unterwegs weitere Rückschläge?
Nach etwa 15 Kilometern habe ich plötzlich gemerkt, dass etwas nicht gestimmt hat. Meine Beine haben einfach nicht mehr in die Pedale treten wollen. Schließlich habe ich die Entscheidung treffen müssen, meinen Vater anzurufen. Er hat mein Zelt mit dem Auto abgeholt und nach Hause gebracht. Dadurch habe ich mir für jede Nacht eine Unterkunft suchen müssen. Das hat mich sehr enttäuscht. In diesem Moment habe ich kaum noch daran geglaubt, dass ich mein Ziel erreichen würde. Trotzdem bin ich weitergefahren.
Wie hast du dann unterwegs Unterkünfte gefunden?
Ich habe hauptsächlich Booking und Airbnb genutzt. Meistens habe ich die Unterkunft erst zwei oder drei Stunden vorher gebucht. So habe ich oft von günstigeren Angeboten profitieren können.
Hast du Menschen getroffen, die dich besonders beeindruckt oder dir geholfen haben?
Ja, sehr viele. Eigentlich habe ich niemanden getroffen, der mir nicht helfen wollte. Ich bin überall auf gastfreundliche Menschen gestoßen – in Serbien, Kroatien, Slowenien und Italien. Außerdem habe ich mehrere Feuerwachen besucht. Ich habe mich vorgestellt und erzählt, dass ich Feuerwehrmann in Rumänien bin. Dann habe ich gefragt, ob ich die Wache besichtigen darf. Überall hat man mich herzlich empfangen. Die Kollegen haben mir ihre Fahrzeuge, ihre Ausrüstung und ihre Arbeit gezeigt. In Zagreb habe ich sogar kleine Geschenke von der Feuerwehr bekommen – ein Abzeichen und einen Feuerwehr-Badge als Erinnerung. Wo immer ich nach dem Weg oder nach Hilfe gefragt habe, hat man mir freundlich weitergeholfen. Das hat mich sehr beeindruckt.
Wie hast du deine Etappen geplant? Hattest du einen festen Plan oder hast du spontan entschieden?
Einen genauen Plan habe ich nicht gehabt. Ich habe lediglich gewusst, durch welche Länder meine Route führen würde. Mein Ziel ist gewesen, im Durchschnitt etwa 100 Kilometer pro Tag zu fahren. Manchmal sind daraus aber auch 166 Kilometer an einem Tag geworden, an anderen Tagen nur 70 oder 90 Kilometer. Wenn ich abends in einer Stadt angekommen bin, habe ich nachgesehen, welcher Ort am nächsten Tag ungefähr 100 Kilometer entfernt liegt. Den Rest habe ich spontan entschieden und mich den jeweiligen Bedingungen angepasst.
Gab es unterwegs technische Probleme mit dem Fahrrad?
Überraschenderweise überhaupt nicht. Im vergangenen Jahr bin ich bereits mit dem Fahrrad bis ans Schwarze Meer gefahren und habe innerhalb von nur zwei Stunden gleich drei Reifenpannen gehabt. Deshalb habe ich mich diesmal besser vorbereitet. Ich habe besonders robuste Schläuche mit dickeren Wänden montiert und zusätzlich ein Dichtmittel gegen Reifenpannen eingefüllt. Natürlich habe ich auch Werkzeug dabeigehabt. Außer dem Aufpumpen der Reifen und einer kleinen Einstellung an der Gangschaltung habe ich unterwegs nichts reparieren müssen.
Was hast du durch diese Reise über dich selbst gelernt?
Ich habe gelernt, dass ich trotz meiner eher introvertierten Art durchaus offen auf Menschen zugehen kann. Normalerweise fällt es mir nicht leicht, mit fremden Menschen ins Gespräch zu kommen. Während dieser Reise habe ich aber gemerkt, dass ich durchaus kontaktfreudig sein kann. Es hat mir sogar richtig Freude gemacht, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Ob auf der Straße oder im Geschäft – ich habe einfach eine Frage gestellt, und oft hat sich daraus ein längeres Gespräch entwickelt. In einer Wäscherei in Ljubljana habe ich mich beispielsweise fast eine halbe Stunde mit einer Frau unterhalten. Ich habe den Eindruck gehabt, dass es überraschend leicht gewesen ist, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen – teilweise sogar leichter als zu Hause in Rumänien. Obwohl wir Englisch gesprochen haben und die Sprachbarriere vorhanden gewesen ist, hat die Kommunikation sehr gut funktioniert.
Außerdem habe ich gelernt, dass man zu Dingen fähig ist, die zunächst unmöglich erscheinen. Wenn man darüber nachdenkt, wirkt es unglaublich schwierig, so viele Tage allein unterwegs zu sein und sich all den Herausforderungen zu stellen. Aber Schritt für Schritt habe ich gemerkt, dass es möglich ist. Außerdem hat mein Glaube auf dieser Reise eine große Rolle gespielt. Ich bin überzeugt, dass Gott mir die richtigen Menschen zur Seite gestellt, mich an die richtigen Orte geführt und auf mich aufgepasst hat.
Gab es einen besonderen Moment, in dem dir bewusst geworden ist, dass sich die Reise gelohnt hat?
Inzwischen ist mehr als ein Monat vergangen, und trotzdem öffne ich manchmal noch Google Maps und schaue mir die Strecke an. Wenn ich herauszoome und sehe, wo Italien liegt, kann ich immer noch kaum glauben, dass ich tatsächlich mit dem Fahrrad dorthin gefahren bin. Am stärksten habe ich dieses Gefühl gespürt, nachdem ich die italienische Grenze überquert habe. Danach bin ich ans Meer gefahren, habe Venedig, den Gardasee, den Comer See und schließlich Mailand besucht. All diese Eindrücke haben sich nach und nach zu einem Gesamtbild zusammengefügt, bis sich schließlich ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit eingestellt hat. Da ist mir bewusst geworden, was ich erreicht habe.
Mit welchen drei Begriffen würdest du dein Abenteuer beschreiben?
Am Anfang ist es Agonie gewesen – ein ständiger Kampf. Danach sind Begeisterung und schließlich Ekstase gekommen.
Du hast deine Reise mit täglichen Vlogs auf Instagram (matiiasmara) begleitet. Wie ist es dazu gekommen und wie haben die Menschen darauf reagiert?
Ich selbst habe kaum glauben können, was passiert ist. Eigentlich habe ich die Videos nur für meine Freunde aufnehmen wollen, damit sie sehen können, wo ich gerade unterwegs bin. Doch die Vlogs sind plötzlich viel erfolgreicher geworden, als ich erwartet habe. Ich habe unglaublich viele positive Rückmeldungen bekommen. Viele Menschen, die ich gar nicht gekannt habe, haben mir Nachrichten geschrieben, mir gratuliert, mir Tipps gegeben oder mich motiviert weiterzumachen.
Besonders überrascht hat mich, dass sich sogar Menschen bei mir gemeldet haben, deren Videos ich vorher selbst verfolgt habe. Das ist für mich ein unglaubliches Gefühl gewesen. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig Gemeinschaft ist. Auf einer Reise wie dieser erlebt man unzählige Gedanken, Emotionen und Zweifel. Die Unterstützung anderer Menschen kann dabei unglaublich viel bewirken.
Selbst nach meiner Rückkehr haben mir einige geschrieben, dass sie nun ebenfalls eine ähnliche Tour planen und mich um Rat gebeten.
Welchen Rat würdest du Menschen geben, die selbst von einem großen Abenteuer träumen?
Wenn sie einen Traum haben, sollten sie einen konkreten Plan machen und ihn dann umsetzen. Genauso ist es auch bei mir gewesen. Ich habe mit dem Fahrrad eine große Reise unternehmen wollen. Also habe ich mir nach und nach die Ausrüstung besorgt, die Route geplant und bin schließlich einfach losgefahren.
Heute bedaure ich nur, dass ich mich nicht schon vor ein paar Jahren getraut habe.
Hast du bereits neue Pläne?
Ja. Im September möchte ich rund 800 Kilometer auf der Via Transilvanica fahren – von Putna bis nach Karlsburg. Dafür werde ich dasselbe Fahrrad benutzen. Es ist ein Gravelbike und damit robust genug für unterschiedliche Untergründe.
Für die Tour habe ich etwa zwölf freie Tage eingeplant. Ich hoffe, dass alles klappt. Diesmal werde ich nicht allein unterwegs sein, sondern gemeinsam mit einem Arbeitskollegen und guten Freund. Wir sind gespannt, was uns auf dieser Strecke erwartet.
Vielen Dank für das Interview und weiterhin gute Fahrt!
Angekommen in Mailand, nach mehr als 1.700 Kilometern. Foto: privat
Die Kronstädter Wochenschrift "Karpatenrundschau" erscheint als Beilage in der "Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien".
Herausgeber: Demokratisches Forum der Deutschen im Kreis Kronstadt
Redaktion: 500.030 Braşov, Str. GH. Baiulescu 2,
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Schriftleiter: Elise Wilk.
Redaktuere:Ralf Sudrigian, Hans Butmaloiu, Christine Chiriac (Redakteurin, 2009-2014), Dieter Drotleff (Redaktionsleiter 1989 - 2007)
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