„Wir leben länger in Rumänien, als wir jemals in Deutschland oder einem anderen Land gelebt haben“
24.07.26
Interview mit Eberhard und Elke Beck
Seit mehr als 25 Jahren prägen Eberhard und Elke Beck die Arbeit von „Purtătorii de Făclie“/„Fackelträger“, kurz PdF, in Rumänien. Was 1997 mit dem Ruf nach Osteuropa begann, entwickelte sich zu einem christlichen Freizeitzentrum, das heute jedes Jahr zahlreiche Kinder, Jugendliche und Erwachsene erreicht. Von der Suche nach einem geeigneten Grundstück bei Rosenau über den Bau der beiden Hauptgebäude, der Mitarbeiterhäuser und eines Hochseilgartens bis hin zur Durchführung von Freizeiten, Teambuilding-Angeboten und der Bibelschule – das Ehepaar Beck hat die Entwicklung des Zentrums von Anfang an mitgestaltet. Sie leiten das Freizeitzentrum auch heute noch, gemeinsam mit einem internationalen Team aus Mitarbeitern aus Rumänien, Deutschland und den USA. Ihre drei Kinder sind größtenteils in Rumänien aufgewachsen, leben inzwischen aber mit ihren Ehepartnern, teilweise bereits mit eigenen Kindern, in Deutschland und Österreich. Im Gespräch mit KR-Redakteurin Bernice Krech-Lițoiu sprechen Eberhard und Elke Beck über ihren Weg aus Süddeutschland nach Rumänien, die Entwicklung des Freizeitzentrums, die Besonderheiten ihrer Arbeit und darüber, warum ihnen bis heute vor allem eines am Herzen liegt: Menschen zu einer lebendigen Beziehung mit Jesus Christus zu führen.
Wenn ihr euch jemandem vorstellen müsstet, der euch überhaupt nicht kennt – wie würdet ihr euch in einem oder zwei Sätzen beschreiben?
Elke B.: Ich würde sagen, dass wir hier in Rumänien ein Freizeitzentrum leiten. Unser Herzensanliegen ist es, dass Kinder und Jugendliche Gott kennenlernen, auf unseren Freizeiten anfangen, die Bibel zu lesen, im Glauben wachsen und den Gott der Bibel persönlich entdecken.
Ihr lebt inzwischen schon sehr lange in Rumänien. Wie ist es überhaupt dazu gekommen?
Eberhard B.: Wir haben den Ruf Gottes gehört, nach Osteuropa zu gehen, um dort das Evangelium weiterzugeben. Gleichzeitig hat uns die Arbeit der Fackelträger begeistert, in der Art und Weise wie sie arbeiten. Deshalb haben wir dort nachgefragt, ob es eine Möglichkeit gäbe, in Osteuropa mitzuarbeiten. Schloss Klaus, eines der Fackelträger-Zentren in Österreich, hatte damals eine Partnerschaft mit der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, insbesondere in Kronstadt, aber auch mit der Jugendarbeit in anderen Teilen des Landes. In diese Arbeit sind wir schließlich 1997 eingestiegen.
Daraus ist also das Zentrum PdF entstanden, das auch jetzt zu den Fackelträgern gehört. Was verbindet die einzelnen Zentren und was ist die Grundidee der Organisation?
Eberhard B.: Die Fackelträger sind eine überkonfessionelle Organisation. Unser Ziel ist es, Menschen von Jesus zu erzählen und sie zu einer lebendigen Beziehung mit ihm zu führen. Das geschieht durch Freizeiten, Bibelschulen, missionarische Einsätze und Konferenzen. Weltweit gibt es 25 Zentren, die miteinander verbunden sind, aber jeweils eigenständig arbeiten. In Rumänien existieren wir seit 2001 als offiziell eingetragene Organisation.
In diesem Jahr feiert Purtatorii de Faclie das 25-jährige Bestehen. Wenn ihr auf diese Zeit zurückblickt – was geht euch dabei durch den Kopf?
Elke B.: Es hat sich unglaublich viel verändert. Es wurden Gebäude gebaut, das Mitarbeiterteam ist gewachsen und auch die Zahl der Teilnehmer hat stetig zugenommen. Rückblickend erfüllt uns vor allem große Dankbarkeit. Wir durften viel Segen erleben, viel Wachstum sehen und erleben, wie Gott diese Arbeit geführt hat. Ich hätte am Anfang nie gedacht, dass daraus einmal ein so großes Zentrum werden würde. Damals hoffte ich, dass wir vielleicht das Haupthaus bauen könnten – das wäre für mich schon ein großer Erfolg gewesen. Es war nie viel Geld vorhanden, wir waren immer auf Spenden angewiesen. Aber Gott hat uns Schritt für Schritt weitergeführt. Immer mehr Menschen kamen dazu, die mit angepackt und mitgebaut haben.
Eberhard B.: Die Welt und auch Rumänien haben sich in den vergangenen 25 Jahren stark verändert. Die Bedürfnisse der Menschen sind heute andere als damals. Das Evangelium ist jedoch dasselbe geblieben. Deshalb hat sich zwar die Art verändert, wie wir unsere Arbeit gestalten, aber nicht das, was uns antreibt. Unser Herz schlägt noch immer dafür, Menschen Jesus Christus nahezubringen. Ein großer Unterschied ist, dass wir damals allein angefangen haben. Heute besteht unser Team aus rund 20 Mitarbeitern und zehn Volontären. Außerdem gibt es inzwischen das ganze Jahr über Programme. Zu Beginn hatten wir nur einige Freizeiten im Sommer, dazu wenige Veranstaltungen im Herbst und Winter und einzelne Mitarbeiterschulungen. Heute ist die Arbeit viel umfangreicher geworden – aber eben auch das Team.
Was mich besonders bewegt, ist zu erleben, dass die Kinder von damals heute ihre eigenen Kinder zu unseren Freizeiten schicken. Immer wieder begegne ich Menschen, die vor 20 oder 25 Jahren an einer Freizeit oder Konferenz teilgenommen haben und mir erzählen, welche Bedeutung diese Zeit für sie und ihr geistliches Leben hatte. Das ist sehr ermutigend zu sehen.
Die Freizeiten von Purtatorii de Faclie sind oft innerhalb weniger Minuten ausgebucht. Trotz der vielen Teilnehmer gibt es noch einmal so lange Wartelisten. Was macht eure Freizeiten so besonders? Wieso möchten Leute wiederkommen?
Elke B.: Unser Ziel ist es, ein ganzheitliches Programm anzubieten, das Geist, Seele und Körper anspricht. Unsere Mitarbeiter investieren schon lange vor Beginn einer Freizeit viel Zeit in die Vorbereitung. Das Programm soll ansprechend, abwechslungsreich und interaktiv sein. Gleichzeitig legen wir großen Wert auf eine gute Organisation. Die Kinder und Jugendlichen sollen Freude an den gemeinsamen Tagen haben.
Eberhard B.: Dazu kommt, dass Gott uns einen wunderschönen Ort geschenkt hat. Natürlich spielt auch das Programm eine wichtige Rolle. Das Entscheidende ist für mich aber, dass unsere Arbeit geistlich lebendig bleibt. Dort, wo Menschen Gott suchen und ihm begegnen können, kommen sie gerne wieder. Genau das wünschen wir uns: Dass nicht das Rahmenprogramm im Mittelpunkt steht, sondern dass Menschen hier Gott begegnen.
Zu euren Freizeiten kommen Menschen aus ganz unterschiedlichen christlichen Gemeinschaften und Konfessionen. Wie gelingt dieses Miteinander?
Eberhard B.: Das funktioniert sehr gut, weil wir uns auf das konzentrieren, was uns verbindet. Im Mittelpunkt steht das, was Jesus Christus für uns am Kreuz getan hat, seine Auferstehung und dass er heute in den Menschen lebt, die an ihn glauben. Das verbindet Christen verschiedener Konfessionen.Wir beschäftigen uns nicht in erster Linie mit dem, was uns trennt, sondern mit dem Wesentlichen des christlichen Glaubens. Gerade deshalb empfinden wir es als Bereicherung, dass Menschen aus unterschiedlichen Konfessionen hier zusammenkommen und einander begegnen.
Ihr bringt euch sehr selbstverständlich in ganz praktischen Bereichen ein – oft auch in anderen Bereichen als den Berufen, die ihr ursprünglich gelernt habt. Welchen beruflichen Hintergrund habt ihr eigentlich, und wie seid ihr zu euren heutigen Aufgaben gekommen?
Eberhard B.: Ursprünglich bin ich Luft- und Raumfahrtingenieur. Anschließend habe ich Theologie studiert. Ich bin überzeugt, dass Gott mit jedem Menschen seine eigene Geschichte schreibt. Zwar baue ich heute keine Raketen mehr, aber vieles, was ich damals gelernt habe, hilft mir bis heute, auch in der Arbeit hier. Ob Finanzverwaltung, Bauplanung oder technische Fragen – das Ingenieurstudium war dafür eine gute Grundlage. Ich glaube, dass nichts, was wir in unserem Leben lernen oder erleben, umsonst ist. Gott kann all diese Erfahrungen später an anderer Stelle gebrauchen.
Elke B.: Ich habe eine Ausbildung als Augenoptikerin gemacht. Außerdem habe ich in Deutschland ein Haushaltsjahr absolviert und in Rumänien einen Kochkurs besucht. Schon als junge Frau habe ich bei Freizeiten gekocht und vieles einfach durch praktische Erfahrung gelernt. Meine Ausbildung als Optikerin hilft mir zwar nicht unmittelbar bei meiner heutigen Arbeit, aber sie hat mich gelehrt, organisiert zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Ich arbeite ohnehin sehr gerne praktisch und mit meinen Händen. Gemeinsam waren wir außerdem in Vancouver, wo Eberhard Theologie studiert hat. Ich selbst habe dort einzelne Kurse belegt, unter anderem in Missionswissenschaft und Seelsorge. Auch dieses Wissen kann ich heute in unserer Arbeit einsetzen.
Eberhard B.: Was uns an unserer Aufgabe besonders Freude macht, ist ihre Vielseitigkeit. Wir arbeiten mit Menschen, übernehmen organisatorische Aufgaben im Büro und sind gleichzeitig ganz praktisch tätig. Das liegt uns auch, nicht nur eine einseitige Arbeit zu haben, sondern eine vielfältige.
Was macht ihr, wenn ihr einmal nicht im Freizeitzentrum seid? Wie verbringt ihr eure Freizeit?
Elke B.: Wir gehen gerne Ski fahren, wandern oder sind mit dem Fahrrad unterwegs. Außerdem lesen wir beide gerne.
Eberhard B.: Sport und die Berge sind uns lieb. Wann immer wir Zeit haben, sind wir gerne draußen in der Natur – beim Wandern oder mit dem Fahrrad.
Eure Arbeit und euer Zuhause befinden sich am selben Ort. Gleichzeitig leben eure Kinder und Enkelkinder nicht in Rumänien. Wie gelingt euch der Spagat zwischen Beruf, Familie und Freizeit?
Elke B.: Das ist nicht immer einfach. Natürlich würde ich unsere Kinder und Enkelkinder gerne häufiger besuchen. Deshalb freue ich mich jedes Mal sehr auf diese Begegnungen und zähle oft schon die Tage bis zum nächsten Wiedersehen. Zum Glück gibt es heute Möglichkeiten wie FaceTime oder WhatsApp. Dadurch bleiben wir auch über die Entfernung hinweg miteinander in Kontakt. Außerdem kommen unsere Kinder jedes Jahr nach Rumänien. Grundsätzlich könnte man wahrscheinlich immer etwas mehr Freizeit gebrauchen. Manchmal verlangt die Arbeit einfach mehr Einsatz, als man ursprünglich geplant hatte. Gerade weil wir hier auf dem Gelände leben, verschwimmen Arbeit und Privatleben manchmal. Deshalb ist es wichtig, bewusst auf eine gute Balance zu achten und sich auch einmal ein paar freie Tage oder Urlaub zu nehmen.
Wie sehen eure Zukunftspläne aus? Möchtet ihr auch im Ruhestand hierbleiben?
Elke B.: Ja, wir möchten auch im Ruhestand in Rumänien bleiben und uns weiterhin dort einbringen, wo wir gebraucht werden.
Eberhard B.: Wir haben festgestellt, wir leben länger in Rumänien, als wir jemals in Deutschland oder einem anderen Land gelebt haben. Deshalb fühlt sich Rumänien heute mehr nach Heimat an als Deutschland. Ja, wir haben vor, hierzubleiben, aber nicht nur hier zu wirken. Wir können uns gut vorstellen, auch international mitzuarbeiten und unsere Erfahrungen dort einzusetzen, wo sie hilfreich sind.
Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Was bedeutet euch Siebenbürgen?
Elke B.: Erst vor einer Woche waren wir wieder mit einer Fahrradfreizeit in Siebenbürgen unterwegs. Jedes Mal begeistert es mich aufs Neue, durch die traditionellen siebenbürgischen Dörfer zu fahren. Mit dem Fahrrad erlebt man die Landschaft viel intensiver. Man hat Zeit, die Hügel, die Natur, die Dorfstrukturen und die Kirchenburgen bewusst wahrzunehmen und auf sich wirken zu lassen. Das genieße ich jedes Mal sehr.
Eberhard B.: Während meiner vier Jahre als Pfarrdiakon in Tartlau ist eine Verbindung zur siebenbürgisch-sächsischen Kultur entstanden. Diese Verbundenheit ist bis heute geblieben. Wir haben nach wie vor viele Freundschaften mit Siebenbürger Sachsen, die noch hier leben. Deshalb verbindet uns mit Siebenbürgen nicht nur die wunderschöne Landschaft, sondern vor allem auch die Menschen, ihre Kultur und das reiche kulturelle Erbe.
Vielen Dank für das Gespräch!
Das Ehepaar Beck lebt seit 1997 in Rumänien. Foto: privat
Die Kronstädter Wochenschrift "Karpatenrundschau" erscheint als Beilage in der "Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien".
Herausgeber: Demokratisches Forum der Deutschen im Kreis Kronstadt
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