Laudatio für Arnulf Einschenk
09.10.26
Zum Anlass des Apollonia Hirscher-Preises am 6. Oktober 2026 / Von Eckart Schlandt
In unserem kleinen Kreis, wo jeder jeden kennt, ist es schwierig, etwas Neues zu sagen, das vielleicht alle interessiert. Es gibt Überschneidungen oder gemeinsame Wege unserer Freunde, verschiedene Meinungen, darunter auch festgefahrene, zum Beispiel was die Erziehung der Jugend betraf oder betrifft. Viele der Erziehungsmethoden basierten auf althergebrachten Vorbildern, die fest verankerte Wurzeln in Siebenbürgen voraussetzen.
Von den Großeltern haben wir den Grundsatz übernommen, der lautet:
"Festhalten am Alten mit Fleiß und Treue, daraus gestalten tatkräftig das Neue!" – das passt auch für Karl Einschenk.
Der Großvater unseres Gefeierten gründete 1896 die Orgelbaufirma Karl Einschenk in der Schwarzgasse. Er war in evangelischen, katholischen, reformierten Gemeinden gleichermaßen geschätzt als zuverlässiger Fachmann. 45 Orgeln hat er gebaut oder grundlegend renoviert. Neben Erfolgen hat er auch immer wieder Kummer gehabt mit Kuratoren, manchmal sogar mit Pfarrern, die nicht auf seiner Seite standen, oder ihn auch ausnützten.
Mit erzieherischem Weitblick wünschte sich Karl Einschenk von seinen Söhnen, dass jeder ein anderes Gebiet der Musikinstrumente haben sollte; konkret: 1.Orgeln, 2.Klaviere, 3.Streichinstrumente, 4. Blasinstrumente. Leider kam es durch den Krieg und die Deportation anders. Zwei der Söhne kamen nicht nach Kronstadt zurück.
Etwa 50 Jahre wurden Orgeln gebaut, später nur instandgehalten. Inzwischen änderten sich auch die Klangvorstellungen der Organisten und manches wurde nach jahrzehntelangem Stillstand dem neuen Zeitgeist angepasst. Das hat Karl Einschenk nicht miterlebt. Nicht miterlebt hat er auch die Hausenteignung 1952, wo alles mit dem Namen Einschenk den Platz räumen musste. Die verheirateten Töchter blieben mit ihren Familien in der Schwarzgasse. Der Vater Arnulfs zog für einige Jahre mit der Familie nach Tartlau.
So gibt es in Honigberg eine gut laufende Orgelbauwerkstatt. Ein neuer Anfang wurde gemacht. Mit der Familie wurde ein neues Heim im Wald geschaffen. Der Vater Arnulfs hat zwölf Jahre seines Lebens durch Krieg und Deportation verloren und ist leider vorzeitig gestorben. Diese Ereignisse haben Arnulf geprägt und so kam er früh in die Werkstätte, wo er seit 72 Jahren wirkt.
Bevor er sich dem Klaviergebiet zuwandte, half er seinem Onkel Otto, (dem Fachmann für Orgeln), an der Seite seines Vetters Rolf Tellmann bei Überlandfahrten zu Orgeln aus.
Zu den Klavierreparaturen oder dem Stimmen kamen Akkordeonaufträge, Gitarren, Streicher usw. hinzu. Arnulf war an Sparsamkeit gewöhnt und ließ nichts verkommen.
Die Abendschule hat er nach den Werkstattstunden gerne besucht und Anschluss gefunden. Bei gemeinsamen Ausflügen und Unterhaltungen hat er mitgemacht; aber auch bei viel Heimarbeit und Gärtnerei.
Seine harmonische Ehe mit Gundel, gesegnet mit Kindern und Enkeln, hat Glück ins Haus gebracht. Die Kinder sind klug, sportlich, musikalisch und haben es durch Ehrgeiz weit gebracht, wenn auch nicht alle in Siebenbürgen.
Für seine Werbung hat er nur in den letzten Jahren gesorgt; jahrzehntelang stand nirgends der Name, obwohl die Firma seit 130 Jahren ein Begriff ist. Von weither kommen die Kunden, sind respektvoll, auch weil sie ihn dringend brauchen – sagt Arnulf.
Arnulf ist seit vielen Jahren in der Gemeindevertretung an der Seite von Ex-Kuratorin Gundel. Er unterstützt musikalische Projekte und opfert viel von seiner Freizeit.
Er ist über alle hier wohnenden Nationen hinweg ein gefragter Mann, ein Exponent des früher so zahlreichen Handwerkerstandes. Er ist hoffentlich nicht das letzte Glied der Familie Einschenk, das eingebunden ist in die Reparatur von Instrumenten.
Wir denken an die Tochter Senta (eventuell mit Gleichgesinnten?), die geschickt auch als Nebenerwerb einsteigen könnten, nach dem Motto "Handwerk hat goldenen Boden". Die so originelle Wohnung in der Schwarzgasse, die Mansarde, genannt "Klavierkiste", sind endlich nach langer Pause frei und gründlich renoviert. Der Klaviersalon mit mehreren Klavieren wird gelegentlich zu Konzerten benützt. Hof und Wohnung sind ein Stück Alt-Kronstadt.
In etwas aufgelockerter Form will ich mit kleinen Verschen das Leben Arnulfs vorbeiziehen lassen, vielleicht für ein Lächeln oder ein Hinhorchen bei Stellen, die sich nur ein Freund erlauben kann, oder das Kränzchen.
Den Namen Arnolf (ahd) Adler-Wolf gebt es auch in Italien z.B.:
im 14. Jahrhundert bekannt bis Rom
• Baumeister Arnolfo di Cambio schuf den Dom in Florenz, dessen Riesenkuppel weithin sichtbar glänzt.
• In der Schwarzen Kirche Turmhallen (zu sehen von allen), auf den Grabplatten steht der Name des Zunftmeisters Einschenk, des Vorfahren und Namensgeber eingedenk!
• 130 Jahre sind verraucht - Siebenbürgen Einschenk Instrumente braucht: (Orgelbaufirma (1896), op.45: 1939 Blumenau)
• In der Einschenk-Wohnung gibt es reichlich Kunst, u.a. an den Wänden, Bilder, Großbilder der E. Großeltern aus diversen Alt- und Neubeständen (z.B. von Fam. Morres)
Alltag
• Von dem Haus mit Waldesluft sieh, Arnulf höhere Gipfel sucht, sicher und beschwingt der Schritt, Gundel macht da gerne mit! Und die Kinder gar nicht minder!
• Ein Mal nur im Jahr, doch Fiedel streicht Arnulf seinen Cellobogen schnell: Fiedel oder Cello rufen: " Streich mich öfters, hello!"
• Gundel und Senta (hocherfahren) informieren die Kunden über ihre reichen Waren, während Arnulf sitzt und über seinem Handwerk schwitzt: Unterwegs zur Philharmonie, Pianinos an der UNI, Roma brauchen Accordeoni, manchmal hängt ein Orgeltoni....
• Als Azubi gibt's den Jungstudent, der sich fest ins schöne Handwerk stemmt
• "Pe acordorul Schlandt (foarte căutat) și organistul Einschenk iar i-am confundat; si asta nu o dată, enervant!" Care e dl Șlant?
• Es vergehen Jahrzehnte, kein gesunder Arnulf denkt an Rente: "Etwas leiser treten, sagt die Gundel Morres (geb.) – sonst lehrt dich die Krankheit Mores!"
• Alle Jahre in der Sandgass' unterm Nussbaum, gibt es Grill vom Selgros, oh, ein echter Traum! (fürs Kränzchen)
• Besser noch die Preisverleihung Leute mit der Apollonia Hirscher Zueignung, heute doch ganz plötzlich im Spitale, streikt und bäumt sich Arnulfs Galle -, eine böse, ernste Kralle!
Im Walde der Sandgasse z.B. Sonntag Nachmittag:
In unserem Alter ist's so dumm, warum, wieso?
Wir suchen Partner für Rummy und Domino.
Auch Partner einfach zum Spazieren,
zum Quatschen und "Analysieren".
Spielkarten im Garten warten,
Schwimmbassin, Massagen-Selbstbedienung,
Trockenwäsche gegen die Erkühlung usw.
Wunsch vom Kränzchen
• Ein Geländer auf dem Weg, der durch den Wald zu Einschenks geht, mit Beleuchtung LED!
• Sylvester mit dem "Kranz" wäre einfacher zu schaffen, wenn wir uns am ersten Januar zum Restessen aufraffen! Oho! Rosmarin und Myrthen, wir machen die Rechnung ohne den Wirten!
• Einsamkeit im Walde kehrt bei uns ein, Kinder, Freunde, verlassen uns (zum Schein), gern helfen wir der Kirchgemein, wir sind zu Zweit und nicht allein!
• Töne, die Euch hier vielleicht verstimmt, Arnulf gleich in Ordnung bringt:
Der saubere Ton, der "gute Ton" Pardon!
Bis alles stimmt!
Nun, Großschenken
Reich Einschenken und Austrinken: Er lebe hoch!
Arnulf und Gundel Einschenk, Senta Arvay, Nicușor Răducan (v.l. n. r.) Foto: Laura Căpățână-Juller
Die Kronstädter Wochenschrift "Karpatenrundschau" erscheint als Beilage in der "Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien".
Herausgeber: Demokratisches Forum der Deutschen im Kreis Kronstadt
Redaktion: 500.030 Braşov, Str. GH. Baiulescu 2,
Fernruf und Telefax: 0040 -(0)268/475 841,
E-Mail:kronstadt@adz.ro
Schriftleiter: Elise Wilk.
Redaktuere:Ralf Sudrigian, Hans Butmaloiu, Christine Chiriac (Redakteurin, 2009-2014), Dieter Drotleff (Redaktionsleiter 1989 - 2007)
Aktuell
Karpatenrundschau
09.10.26
Neuer Vorstand des Kronstädter Ortsforums gewählt
[mehr...]
09.10.26
Ștefan Câlția und Virgil Scripcariu im Gespräch in Kronstadt
[mehr...]
09.10.26
Zum Anlass des Apollonia Hirscher-Preises am 6. Oktober 2026 / Von Eckart Schlandt
[mehr...]



